Der FC Bayern im Breisgau – Fußball-Historie

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Morgen Abend tritt der FC Bayern am 16. Bundesligaspieltag im Schwarzwald-Stadion beim SC Freiburg an. Hierzu ein Rückblick auf ein gutes Vierteljahrhundert Fußballgeschichte zwischen dem Sportclub aus Freiburg und dem FC Bayern. Obwohl das Freiburger Publikum in der Bundesliga eigentlich als vorbildlich fair gilt, kam es trotzdem einmal fast zum Eklat bzw. Spielabbruch.

Wenn man sich die Bilanz der gesamten Spiele zwischen den beiden Vereinen seit dem ersten Bundesligaaufstieg der Freiburger im Jahr 1993 anschaut, dann kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, dass der SC Freiburg anfangs so etwas wie ein „Angstgegner“ für den FC Bayern war: Von 39 Pflichtspielen (38 BL, 1 Pokal) seit August 1993 gewann der FCB 27, achtmal spielte man unentschieden und nur viermal siegte der SCF. Gesamt-Torverhältnis: 91:30 für Bayern. Von 20 Auswärtsspielen in Freiburg gewannen die Bayern 11, spielten fünfmal unentschieden und viermal gewann Freiburg. Torverhältnis: 39:20 für Bayern. Ihren höchsten Auswärtssieg im Breisgau erzielten die Bayern beim einzigen Pokalaufeinandertreffen der beiden Vereine: Am 2. März 2005 siegten die Münchner im Viertelfinale des DFB-Pokals mit 7:0, Claudio Pizarro traf dabei satte viermal.

Gehen wir aber chronologisch vor. Beim allerersten Bundesligaspiel seiner Historie musste der SC Freiburg am 7. August 1993 im Olympiastadion beim FC Bayern antreten. 58.000 Zuschauer erlebten einen 3:1-Sieg des FCB, bei dem Adolfo „El Tren“ Valencia mit zwei Toren einen glänzenden Einstand gab. Dagegen verloren die Bayern, die am Saisonende zum 13. Mal als Meister feststanden, zum Rückrundenauftakt am 27. November 1993(!) ebenfalls mit 1:3 beim Aufsteiger. Ein gewisser Uwe Wassmer gilt seitdem in Freiburg als „Fußballheld“: Mit seinen drei Toren „erschoss“ er die Bayern damals im Alleingang.

Noch schlimmer erging es den Bayern am 2. Spieltag der Saison 1994/95: Der amtierende Deutsche Meister ging im damaligen Dreisamstadion mit 1:5 unter. Oliver Kahn hatte sich sein erstes Bundesliga-Auswärtsspiel mit dem FCB sicher anders vorgestellt und kurz vor Spielende wurde der ebenfalls im Sommer 1994 verpflichtete ehemalige Weltklassestürmer Jean-Pierre Papin zu allem Überfluss auch noch mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Der SC Freiburg beendete damals die beste Saison seiner Vereinsgeschichte als sensationeller Tabellendritter – mit 46:22 Punkten lag man in der Abschlusstabelle lediglich drei Punkte hinter dem Meister Borussia Dortmund. Wiederum drei Punkte in der Tabelle hinter Freiburg fand sich der FCB zum Saisonfinale als Tabellen-Sechster wieder. Damit qualifizierten sich die Bayern nur knapp für die internationalen Plätze – aber wer ahnte am Ende der Saison 1994/95, dass dieser sechste Platz die Voraussetzung für einen grandiosen UEFA-Pokalsieg in der Folgesaison bedeuten würde?

Auch sein drittes Auswärtsspiel in Freiburg verlor der FC Bayern – dieses Mal wieder mit 1:3 (9. März 1996). Selbst als der FC Bayern in der Saison 1996/97 nach zweijähriger Abstinenz wieder Deutscher Meister wurde und Freiburg am Ende der Saison als Tabellen-Vorletzter zum ersten Mal in seiner Historie aus der Bundesliga abstieg, konnten die Münchner nicht in Freiburg gewinnen: 0:0 hieß es in der Hinrunde in Freiburg und überraschenderweise gelang dem späteren Meister FC Bayern auch im Rückspiel kein Sieg gegen die Breisgauer. Diese Partie des 31. Spieltags, dem 10. Mai 1997, ist vielen aber aus einem anderen Grund in Erinnerung geblieben. Als Bayern-Coach Giovanni Trapattoni in der 80. Minute seinen Starstürmer Jürgen Klinsmann gegen einen gewissen Carsten Lakies auswechselte, kam es zum berühmten Tritt in die Werbetonne des Sponsorenpartners Sanyo. https://www.welt.de/sport/fussball/article112428299/Der-beruehmteste-Tritt-von-Juergen-Klinsmann.html

Nach vier Jahren Bundesliga stieg der SC Freiburg im Frühjahr 1997 also zum ersten Mal aus dem Fußballoberhaus ab, schaffte aber etwas Erstaunliches: Er tut dies mit einer positiven Bilanz gegen den FCB, welcher in diesem Zeitraum zwar keine seiner Glanzzeiten erlebte, aber immerhin zweimal Deutscher Meister und einmal UEFA-Pokalsieger wurde: 3 Siege / 3 Unentschieden / 2 Niederlagen bei 14:10 Toren lautete die damalige Bilanz aus Freiburger Sicht.

Nach einem Jahr Bundesliga-Abwesenheit stiegen die Freiburger sofort wieder auf und erleiden am 12. September 1998 etwas, was in den Folgejahren „Normalität“ sein wird: Sie verlieren zum ersten Mal zu Hause gegen die Bayern, damals mit 0:2 durch Tore von Giovane Elber und Thomas Strunz.

Anderthalb Jahre später, am 12. April 2000, passierte etwas im Dreisamstadion, was man bis dahin den Freiburger Fans nicht ansatzweise zugetraut hätte: Aus Wut über den späten Siegtreffer der Bayern – Mehmet Scholl per Foulelfmeter in der 87. Minute – drehte ein damals 16-jähriger Schüler in der Fankurve durch und warf einen Golfball auf das Spielfeld, welcher Oliver Kahn an der Schläfe traf. Der Titan lag am Boden, tobte kurze Zeit später, holte – blutüberströmt aber geistesgegenwärtig – noch den von einem Freiburger Ordner schnell versteckten Golfball als „Beweisstück“, ließ sich behandeln. Kurze Zeit spät haben die Bayern das Spiel mit 2:1 gewonnen, obwohl sie über 75 Minuten in Unterzahl spielen mussten (Rot gegen Sammy Kuffour).

Hier genauer nachzulesen:

http://www.spiegel.de/sport/fussball/golfball-attentat-schueler-war-der-taeter-a-72946.html

http://www.spiegel.de/sport/fussball/kahn-attacke-golfballwerfer-muss-30-stunden-gutes-tun-a-87366.html

Über 19 Jahre nach dem dritten Heimsieg in Serie (am 9. März 1996) erzielen die Freiburger ihren insgesamt vierten Pflichtspielsieg gegen Bayern: Am 16. Mai 2015 erzielte dabei der ehemalige Bayernspieler Nils Petersen in der 89. Minute das 2:1 gegen die nach dem Champions League Halbfinal-Aus gegen Barcelona indisponierten Bayern von Pep Guardiola. Dies schien am 33. Spieltag die Rettung für den SC Freiburg – ein Trugschluss. Aufgrund einer Vielzahl an „unglücklichen Ergebnissen“ am letzten Spieltag der Saison 2014/15 musste der SC Freiburg doch noch in die 2. Liga absteigen.

In der vergangenen Saison spielten die Bayern zu ihrem eigenen Ärgernis zweimal 1:1 gegen Freiburg – im Hinspiel zu Hause „im dunklen FCB-Herbst 2018“ erhielt man den Freiburger Ausgleich in letzter Spielminute, im Rückspiel in Freiburg verlor man dadurch wieder die gerade erst gewonnene Tabellenführung an den BVB.

Angesichts der für den FCB nicht gerade komfortablen Tabellensituation – Tabellenfünfter mit sechs Punkten Rückstand auf den aktuellen Primus RB Leipzig – und der großen Verletzungssorgen wird das morgen ganz sicher kein einfaches Spiel in Freiburg. Will man jedoch nicht wieder – wie 2018 – mit einem „Monsterpunkterückstand“ in die Winterpause gehen, sind morgen und am Samstag im Heimspiel jeweils drei Punkte Pflicht.

PGM-Tipp: 2:1 für Bayern.

8 Kommentare zu „Der FC Bayern im Breisgau – Fußball-Historie“

  1. Wie immer ein sehr ausführlicher und sachlich einwandfreier Beitrag von dir! Vielen Dank dafür!

    Ich fand es durchaus interessant zu lesen, dass Freiburg mal so etwas wie ein Sparringspartner war.
    In meiner Erinnerung hatte es Bayern eigentlich gegen Freiburg immer recht schwer (vor Allem in Freiburg), egal unter welchem Trainer.

    Ich finde heute ist wieder so ein (Spiel-)tag, an dem man sehr gut die Berichterstattungskultur dem FC Bayern gegenüber ablesen kann. Gegen Leverkusen und Gladbach wurde den Bayern jeweils eine absolute verdiente Niederlage attestiert, schließlich ist man selber schuld wenn man seine Chancen nicht macht (obwohl in beiden Spielen der Gegner selbst nicht weiß wie er das Spiel überhaupt gewinnen konnte). Aber wenn man in (!) Freiburg durchaus verdient gewinnt (insgesamt 22:15 Schüsse, 10:5 Schüsse aufs Tor, 65:35% Ballbesitz, 84:69% Passgenauigkeit, 80:59% gewonnene tackles) wird von einem glücklichen Bayernsieg und mindestens (!) einem verschenkten Punkt von Freiburg geschrieben.
    Naja gut, als langjähriger Fan ist man so was ja gewöhnt.

    Ich persönlich finde, dass man an der aktuellen Lage gut ablesen kann was für eine unglaubliche Phase der Verein seit 2012 erlebt. Es wird, vor Allem öffentlich, völlig unterschätzt was Spieler wie Schweinsteiger, Lahm, Robben, Ribery für eine Qualität hatten (in dem Sinne dass von jedem neuen Spieler erwartet wird er würde mindestens das gleiche Niveau erreichen). Ja Kimmich ist ein guter Spieler, aber er kann eben nicht ansatzweise so problemlos die Position wechseln wie ein Philipp Lahm (ob das überhaupt ein anderer Spieler in der Geschichte könnte ist durchaus fraglich), hat nicht die Präsenz oder Ruhe eines Schweinsteigers. Thiago ist ein Weltklassespieler, aber auch er kriegt die Tempowechsel und Kontrolle eines Schweinsteigers nicht so auf den Rasen. Coman und Gnabry sind sehr gute Spieler, aber an den Witz eines Ribery oder die absolute Weltklasse und Willen eines Robben kommen sie (noch) nicht heran. Und das ist auch nicht schlimm. Ausnahmespieler werden so genannt weil sie eben die Ausnahme sind. Und daran sollten sich viele Menschen, auch sehr viele Bayernfans, in der jetzigen Lage mal erinnern und sich eher über die letzten Jahre freuen als das jetzige Situation völlig in Grund und Boden zu reden. Das heißt nicht, dass es keine berechtigte Kritik geben sollte, im Gegenteil! Aber der Bezug zur jetzigen Leistung sollte in der Realität stattfinden und nicht in ausgedachten Wolkenschlössern.
    Deswegen sollte man sich als Bayernfan über den heutigen Abend einfach nur freuen, und nicht dem Medienecho eines Duselsiegs folgen.

    Dass du dich mit deiner Seite weiterentwickelst freut mich wirklich von tiefstem Herzen! Denn deine Beitragen haben ein wesentlich größeres Echo verdient als du hier bekommst. Man merkt einfach, dass du hier den FC Bayern in Kopf und Herzen trägst und nicht deine eigene Person!
    Auch wenn ich an deiner Entscheidung eine neue Seite zu erstellen nicht nur Gutes lassen kann, schließlich kam ich bisher mit zwei Anschlägen auf die P- und Enter-taste sofort auf deinen Blog. Bei „FCB-“ kommen erst mal viele andere Vorschläge in der Suchleiste, von denen ich einige sicher nicht sehen möchte. Dieser Stress !!! 😉

    Ich hoffe du überzeugst in Zukunft sehr viel mehr Bayernfans von der Pro-seite anstatt von der dunklen Seite der (Massenmedien-)Macht!

    1. Wow, was für ein hervorragender Kommentar, eigentlich schon eines eigenen Beitrags würdig!

      Vielleicht hast du für die neue Seite ein paar Informationen für mich über dich, denn dort soll künftig auch „der Fan der Woche“ gewürdigt werden. Würde mich freuen.

      FC Bayern Total ist gerade am sich entwickeln, da müsst ihr noch Geduld mit mir haben. Es ist aber etwas wirklich Großes geplant

  2. Ganz ehrlich, damals, 1994/1995, hat der Fußball mehr Spaß gemacht. Ereignisse wie eine 1:5 Niederlage und einen „Über-Nacht-Held“ wie Uwe Wassmer haben einen als Bayernfan so richtig mitgenommen. Wenn ich mir heute (was immer weniger geschieht) die Diskussionen zu Gemüte führe, was Bayern und vor allem Bayerntrainer bitte alles machen müssen, damit ein überlegenes Positionsspiel aufgezogen werden kann – ich denke mir da immer, so wenig, wie ich die Fußballspiele von vor 1974 kenne, so wenig kennen diese Diskutanten den Fußball vor Dezember 2009 (als im vanGaal System endlich der Knoten platzte). Und leider fehlt diesen Diskutanten heute der Respekt vor dem Gegner, was ja im Sport tatsächlich das Wichtigste ist.

    Interessantes Detail: Bei 3:1 1993 war ich – wie du wahrscheinlich auch – einer der 58.000 zahlenden Zuschauer. Dass damals „el Tren“ zweimal getroffen hatte, habe ich inzwischen aber vergessen.

    1. Hmm, kann ich nicht wirklich bestätigen, dass mir damals (94/95) der Fußball mehr Spaß gemacht hat. Aus Bayernsicht war es eine maßlos enttäuschende Saison: Neuzugänge Kahn, Papin, Sutter und auf dem Trainerposten der „Mister“ …. und dann ging in jener Saison größtenteils gar nichts. Kurios sein Fehler mit den zuviel eingesetzten Amateuren in Frankfurt, somit wurde ein 5:2-Auswärtssieg verschenkt. Sportliche Höhepunkte: Das Erreichen des CL HF (dann allerdings chancenlos gegen ein grandioses Ajax: 0:0, 2:5) und der letzte Spieltag, als man mit einem bockstarken 3:1 gegen Werder den BVB zum Meister gemacht hat …

      Wo ich dir absolut recht geben muss: nie waren die Diskussionen (in den Social Media) schlimmer als heute, nicht nur im Fußball und was Respekt (vor dem Gegner) bedeutet, wissen wohl nur noch die Allerwenigsten.

      Ich war damals tatsächlich sehr regelmäßig im Stadion (SK und noch ohne Jahreskarte), aber ausgerechnet beim 3:1 gegen Freiburg (leider) nicht. Ich hatte zuvor selbst ein Spiel und habe dann die 2. Halbzeit vom Olympiaberg aus verfolgt … Tatsache 😉

      PS: Der Gradmesser bleibt weiter bestehen, aber meine volle Konzentration gehört zukünftig meiner neuen (noch nicht ganz fertigen, aber trotzdem gestern ins Netz gegangenen) Seite => https://fcbayerntotal.com/

      1. Schöner Beitrag (wie immer!)

        Also mir gefällt der Fußball heutzutage wesentlich besser, um ein bisschen auf eure obige Diskussion einzugehen.

        Neue Seite?
        Wow, schau ich mir an?
        Wo soll ich denn dann anschließend meine Kommentare hinterlassen?

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