Der FC Bayern in Düsseldorf – ein Überblick

1957_DFB Pokal

 

Der bislang ergebnistechnisch erfolgreiche Trainerwechsel von Niko Kovac auf seinen Assistenztrainer Hansi Flick hat die Bayern vor knapp zwei Wochen einigermaßen beruhigt in die Länderspielpause gehen lassen. Vor allem der in allen Teilbereichen überzeugende 4:0-Sieg gegen den Dauerrivalen Dortmund hat auch die Hoffnung genährt, dass der 4-Punkte-Rückstand auf den aktuellen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach schon zur Winterpause getilgt sein könnte. Als Hauptrivalen auf den Titel sieht man in München wohl sowieso weiterhin den besiegten BVB (aktueller Tabellen-Sechster) und den punktgleichen Tabellenzweiten aus Leipzig an.

Nach einer für all seine Nationalspieler erfolgreichen Länderspielpause gehen die Bayern zusätzlich gestärkt in die morgige Partie des 12. Bundesliga-Spieltags bei Fortuna Düsseldorf. Ebenfalls sehr erfreulich: Gegen den bisherigen Länderspiel-Trend ist bis auf eine kleine Blessur von Kingsley Coman kein Spieler verletzt an die Säbenerstraße zurück gekehrt.

Interessante Parallele zur letzten Saison: Auch damals ging die erste Reise nach dem grandiosen 5:0-Heimsieg gegen Borussia Dortmund nach Düsseldorf. Zwar erst am 29. Spieltag, trotzdem war man damals wie heute gespannt, wie die Bayern die Energieleistung gegen Dortmund in Spiele gegen „kleinere Gegner“ transportieren können würden.

Wird den Bayern am 12. Spieltag der Bundesligasaison 2019/20 ein ähnlich souveräner Auswärtssieg wie am 14. April diesen Jahres in Düsseldorf gelingen? Die aktuell positive Tendenz lässt dies erhoffen. Fokussiert wie zuletzt gegen den BVB, aber auch schon vorher – zumindest in der Defensive – beim Champions League Spiel gegen Piräus (2:0) sollten die Bayern den ersten Auswärtssieg unter ihrem neuen Chefcoach Hansi Flick in Düsseldorf einfahren können.

Welche Erfahrungen haben die Münchner mit den Düsseldorfern in der Vergangenheit gemacht?

Die Bundesliga-Gesamtbilanz aus 24 gemeinsamen Jahren in der Erstklassigkeit weist 28 Bayernsiege / 10 Unentschieden / 10 Bayernniederlagen bei einem Torverhältnis von 113:63 aus. Auch die Auswärtsbilanz der Bayern ist mit 13S / 4U / 7N bei 46:40 Toren durchaus positiv. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass sich diese Bilanzen hauptsächlich auf die Jahre 1971-1987 beziehen. Damals war die Fortuna 16 Jahre in Folge erstklassig, seitdem kann man sie im deutschen Fußballoberhaus eher als „sporadischen Gast“ bezeichnen.

Folglich ist es auch nicht so sehr verwunderlich, dass die letzten Erfolge der Fortuna gegen die Bayern schon ziemlich lange her sind:

Der letzte Pflichtspielsieg überhaupt wurde am 18. September 1995 mit einem 3:1-Heimspielsieg in der 2. Runde des DFB-Pokals erzielt. Der letzte Bundesligasieg stammt vom 2. April 1991: Ein 1:0-Auswärtssieg im Olympiastadion. Und seit dem letzten Bundesliga-Heimsieg der Fortuna gegen die Bayern sind mehr als 34 Jahre vergangen: Allerdings erlitt am 28. September 1985 der spätere Doublesieger von der Isar eine saftige 0:4-Klatsche im Düsseldorfer Rheinstadion.

Noch schlimmer geriet der deutsche Rekordmeister am 9. Dezember 1978 u.a. mit den Herren Maier, Augenthaler, Schwarzenbeck, Breitner, Dürnberger, Oblak und Rummenigge in Düsseldorf unter die Räder: Jene 1:7-Blamage ist bis heute zusammen mit den beiden 0:6-Niederlagen 1974 bei den Kickers aus Offenbach und 1975 bei der Frankfurter Eintracht die höchste Auswärtsniederlage der FCB-Bundesligageschichte. Zumindest an Fortuna Düsseldorf rächten sich die Bayern aber in den Folgejahren mit Kantersiegen in Heimspielen im Olympiastadion: 1980 6:0; 1982 7:0 und 1985 wieder 6:0.

Legendär auch der 33. Spieltag der Saison 1974/75: Der frisch gebackene zweimalige Landesmeistercup-Sieger FC Bayern unterlag am 7. Juni 1975 trotz drei Toren von Gerd Müller und einer 3:1 und 4:2-Führung mit 5:6 in Düsseldorf. Das Spiel war allerdings damals für die Bayern völlig bedeutungslos.

Noch ein Bundesliga-Spieltag wird den älteren Bayernfans (mit einem guten Erinnerungsvermögen 😉 ) im Zusammenhang mit der Düsseldorfer Fortuna in sehr positiver Erinnerung bleiben: Am 11. Mai 1974 machte die Fortuna mit einem 1:0-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach am 33. Spieltag den FC Bayern zum Deutschen Meister. Die Münchner gewannen damals zeitgleich zuhause gegen die Offenbacher Kickers ebenfalls mit 1:0.

Noch länger muss man zurückblicken, wenn man das wichtigste Spiel, das beide Mannschaften jemals gegeneinander gespielt haben, betrachten möchte: Das Pokalfinale 1957, welches die Bayern mit 1:0 gewonnen haben. Siehe dazu https://petersgradmesser.wordpress.com/2017/12/29/vor-60-jahren-erster-dfb-pokalsieg-des-fc-bayern/

Pokalsiege gegen die Düsseldorfer endeten „immer“ (ok insgesamt ganze zweimal 😉 ) mit einem Pokaltriumph der Bayern: So auch nach dem Halbfinal-Sieg in Düsseldorf im Jahr 1971.

Die Fortuna galt lange Zeit als eine Art „tragischer Pokalspezialist“: Die ersten fünf Endspiele im DFB-Pokal (in den Anfangsjahren „Tschammerpokal“) wurden verloren (1937; 1957; 1958; 1962; 1978), bis man 1979 und 1980 zweimal hintereinander erfolgreich war. Aus jener Zeit stammt auch ein Rekord im deutschen Fußball, den ausnahmsweise nicht der FC Bayern hält: von August 1978 bis Februar 1981 erzielte Düsseldorf mit 18 Siegen in Folge die längste Siegesserie in der DFB-Pokal-Historie.  Aus dieser Zeit stammt auch der größte internationale Erfolg der Fortuna: 1979 unterlag man im Endspiel um den Europapokal der Pokalsieger dem FC Barcelona – mit Johann Neeskens und Hans Krankl – in Basel nur denkbar knapp mit 3:4 n.V.  Die Helden auf Düsseldorfer Seite hießen damals Klaus und Thomas Allofs, Gerd Zewe und Wolfgang Seel.

Noch eine interessante Sache mit Blick auf die Fußballgeschichte: Fortuna Düsseldorf wurde ein einziges Mal Deutscher Meister – 1933 als Nachfolger der Kurt-Landauer-Meister-Bayern…

Blicken wir noch einmal auf das Samstagsspiel des 12. Bundesliga-Spieltags: Der FC Bayern reist nicht nur aufgrund einer hervorragenden Bilanz aus der gemeinsamen Fußballgeschichte als hoher Favorit an. Sollte nichts Unvorhergesehenes passieren und die Bayern hochkonzentriert an das Spiel gegen den Tabellendreizehnten herangehen, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass die 34-jährige Bundesliga-Heimspiel-Erfolgslosigkeit der Fortuna ein Ende nehmen wird.

Tipp Petersgradmesser: 3:0 für Bayern. Die letzten „Zu-Null-Spiele“ der Bayern, aber auch von Manuel Neuer in der Nationalmannschaft lassen mich sogar auf ein solches hoffen 😉 .

 

Foto: Die Pokalsieger vom 29.12.1957 – 1:0 gegen Düsseldorf im Augsburger Rosenaustadion

 

14 Kommentare zu „Der FC Bayern in Düsseldorf – ein Überblick“

  1. Hansi Flick, überragend!!! 👍👍👍👍

    Gerade einen Oliver Batista Meier hätte ich schon im Sommer 2018 als 17-Jährigen zu den Profis hochgezogen. Körperlich zwar noch unterlegen kann er aber technisch absolut mit den technisch versiertesten Profis mithalten.

    https://fcbayern.com/de/news/2019/11/nachwuchsquartett-trainiert-mit-dem-profikader

    Vielleicht ist der Hansi selbst DER FCB-Trainer der nächsten Jahre … er gefällt mir immer besser!!!

  2. Ich habe den Text wie gewohnt mit großem Vergnügen gelesen (inkl. der Kommentare…)
    Beste Grüße von El Tren

  3. Das 7:1 aus der Saison 1978/79 hat sich bei mir regelrecht eingebrannt. Der von einigen Spielern – insb. Paul Breitner – gemobbte Trainer Gyula Lorant hatte Raumdeckung verordnet, die Bayerns „Edeltechniker“ aber entweder nicht kapieren konnten oder nicht kapieren wollten (man kann das immer noch auf youtube anschauen, unvorstellbar, wie damals verteidigt wurde). Ein paar Wochen später wurde Lorant dann durch den bei den Spielern hoch angesehenen Co-Trainer Pal Csernai ersetzt .. und nach einem weiteren 7:1 auswärts, dieses Mal aber einem Auswärtssiegs in M’gladbach, brachen bessere Zeiten an. …

    41 Jahre ist das jetzt her. Heute heißen die Trainer heute Kovac und Flick. Und die Parallelen zu 1978/19 sind offensichtlich ..

  4. Danke Peter.
    Nicht zu vergessen allerdings die Saison 95/96:
    Mit den beiden einzigen Bundesliga-Einsätzen von Mike Probst beim 2-0 auswärts und am letzten Spieltag daheim (nach dem UEFA-Pokal Sieg in Bordeaux) in der ebenfalls gegentorlosen zweiten Halbzeit.
    Und außerdem bleiben noch die vier Auswechslungen von „Ausfhilfstrainer“ Augenthaler ebenfalls in dem Spiel in Erinnerung….. Aufgrund der nicht vorhandenen Bedeutung des Ergebnisses für beide Teams legte die Fortuna nach dem 2-2 aber trotzdem keinen Protest ein.

    1. Gerne.

      Und herzlichen Dank für deine Ergänzungen. 👍

      Das mit Auge ist mir mittlerweile wieder (dank eines hervorragenden Pubquizes 😉 ) in Erinnerung. Der Name Mike Probst ist mir durchaus auch noch im Gedächtnis geblieben, sogar als Torwart. Aber dass er seine einzigen beiden BL-Spiele ausgerechnet gegen D´dorf bestritten hat … unglaublich. War damals Kahn jeweils am 17. und 34. Spieltag verletzt?

      1. In der Hinrunde müsste Kahn tatsächlich verletzt gewesen sein (ET war in Düsseldorf T.Tomic!!!), am letzten Spieltag stand er die erste Halbzeit ja noch im Tor und ließ sich dann (Bordeaux Nachwehen?) in der Pause auswechseln. Das verursachte dann ja das „Missverständnis“ weil Auge anscheinend dachte, trotzdem noch drei Feldspieler auswechseln zu dürfen.

        1. @ Martin: Schon unglaublich, dass kein Verantwortlicher (Trainer, Manager, Spieler) die Regularien kannte … Noch unglaublicher als der „Trapattoni-Lapsus“ mit den 4 Amateuren (diese Regelung war sowieso der größte Witz) und das Stuttgarter Malheur in der CL mit den zu viel eingesetzten Ausländern …

Schreibe eine Antwort zu petersgradmesser Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s