Der FC Bayern in der heutigen Medienwahrnehmung

Tabelle CL 3. Spieltag 2019

… in welcher die Kommentare der „Fans“ in den Social Media natürlich eine entscheidende Rolle spielen.

Auch wenn der gestrige Champions League Auswärtssieg der Bayern alles andere als begeisternd und berauschend war, liegen sie in der „fiktiven Vorrunden-Gruppen-Tabelle“ aller 32 Teilnehmer an der Tabellenspitze: 3 Siege – 9 Punkte – 13:4 Tore. Wenn man jedoch die zum Teil maßlosen Kritiken aus der Medienlandschaft und von Fanseiten zum Maßstab nimmt, dann ist die Situation der Münchner noch schlechter als in der Vorrunde 2002, als man am Ende ohne einen einzigen Sieg hinter dem RC Lens Tabellenletzter wurde.

Kritikpunkte von Medien und Fans am FC Bayern

„Fehlende Dominanz“

Offensichtlich von der allgemeinen Hysterie um ihn herum angesteckt merkte selbst der Sportdirektor des FCB, Hasan Salihamidzic, gestern nach dem 3:2 bei Olympiakos Piräus an, dass die „Dominanz gefehlt“ hätte.

Die Statistiken dagegen weisen – bei einem CL-Auswärtsspiel – 60% Ballbesitz, 17:10 Schüsse, davon 6:3 aufs Tor und 12:5 im Strafraum, also der „gefährlichen Zone“, aus.

OK, unter Pep Guardiola hatte es auch CL-Auswärtsspiele mit 70%, 75% und mehr Ballbesitz gegeben. War da aber nicht auch das vorentscheidende 0:1 im Bernabeu im Halbfinale 2014 dabei? Grundtenor nicht nur nach diesem Spiel: Mit Ballbesitz gewinnt man keine Spiele!

Die älteren Bayernfans werden sich an europäische „Auswärtsschlachten“ der Bayern mit Beckenbauer, Maier & Co erinnern, in welchem man 90 Minuten lang fast ausschließlich „hinten drin stand“. Sprang dann ein 0:0, wie z.B. 1971 (und auch 1981 mit „Breitnigge“) in Liverpool, heraus, wurde diese „herausragende Abwehrleistung“ von allen Medien und Fans gewürdigt und gefeiert. Heute würde man für so eine taktische Ausrichtung von allen Seiten in alle Bestandteile zerlegt werden.

Kann sich noch jemand daran erinnern, auf welche Weise die Bayern vor ihrem Champions League Sieg 2001 jeweils mit 1:0 in Manchester (Viertelfinale) und Madrid (Halbfinale) gewonnen haben?

Sicherlich werden sich nun schon einige gedacht haben: Was hat denn bitte die Klasse von Piräus mit den genannten Fußballgiganten zu tun? Denen möchte ich nur gerne kundtun, dass ein derartiges Defensivverhalten auch u.a. in Atvidaberg (wer?), Sofia, Malmö, Erewan (ohne Witz! 😉 ), St. Etienne etc. etc. an den Tag gelegt wurde …

Ergebnis dieses „unansehnlichen“ Fußballs übrigens: Drei Europapokalsiege in Serie (1974-76), europäisch nicht mehr erreicht bis 2016-2018 (Real Madrid).

 

„Fehlpassfestival“

OK, häufig sind zu viele Pässe an die falsche Adresse auch ein Grund dafür, dass man keine Dominanz im Spiel ausüben kann. Genauso wie die oben ausgewiesenen 60% Ballbesitz ist aber auch eine Passquote von 88%, welche die Bayern gestern hatten, zwar alles andere als exzellent, aber auch keineswegs besorgniserregend. Dennoch konnte man fast überall von einem „Fehlpassfestival“ lesen. (Zur Info: Die Heimmannschaft Piräus hatte eine Quote von 79%.)

Übrigens: nach dem gestrigen 1:0-Heim-Sieg von Atlético Madrid gegen Leverkusen stellte Onefootball durchaus bewundernd fest: „Atlético abgezockt wie eh und je…“.

Die Daten des Lokalrivalen von Real Madrid: 40% Ballbesitz; 43% gewonnene Ballduelle, 2:7 Ecken, 6:12 Schüsse und eine Passquote von gerade einmal 75%!

Es ist eben alles eine Sache der Sichtweise …

 

„Lewandowski – die Lebensversicherung von Kovac“

Natürlich bezeichnen auch einige den polnischen Torjäger als die „Lebensversicherung von Bayern“. Nachdem aber Kovac (mit Brazzo) der Hauptadressat aller Kritik ist, greifen sehr viele damit lieber den FCB-Coach an.

Komischerweise wird in diesem Kontext aber weniger die Bewunderung für den Weltklassestürmer zum Ausdruck gebracht, als dass man damit die Abhängigkeit des Trainers, des Teams, des Vereins von ihm dokumentieren möchte.

Nach dem sensationellen 7:2 in London bei Tottenham gab es übrigens ähnliche Kommentare zur starken Leistung von Manuel Neuer in Halbzeit 1: „Ohne Neuer wäre man schon zur Halbzeit aussichtslos zurückgelegen“!

Früher war man stolz auf die Torquoten von Gerd Müller, dem „Bomber der Nation“ (darf man heute eigentlich in diesem Zusammenhang noch „Bomber“ sagen?), aber auch wenn ein Sepp Maier, ein Jean-Marie Pfaff oder ein Oliver Kahn der Mannschaft mit Weltklasseparaden den „A**** gerettet“ haben.

Und heute werden herausragende Einzelleistungen als Kaschieren der Defizite von Trainer und Mannschaft gesehen?

Wie oft habe ich in der Vergangenheit die Bewunderung von FCB-Fans für die Leistungen und Torquoten von Messi und CR7 vernommen – und nun ist es ein eigener Spieler und man will damit hauptsächlich Kritik an anderen Personen ausdrücken?

Naja, wenn man „Lewy“ nun derart bewundern würde, würde es auch nicht damit zusammen passen, dass ihn vor nicht allzu langer Zeit eine Vielzahl an FCB-„Fans“ am liebsten aus München gejagt hätten …  (Ist das jetzt noch Ironie – oder doch schon Sarkasmus?)

„Alles Fakten – Ausreden zählen nicht!“

Zu Recht wird von vielen Seiten, auch von den Spielern selbst und den Vereinsverantwortlichen, kritisiert, dass man aktuell viel zu viele Gegentore erhalten würde. Stimmt – jeweils zwei Gegentreffer in den letzten fünf Spielen (3 BL; 2 CL) erscheinen definitiv für FCB-Ansprüche viel zu viele, selbst wenn dabei drei Siege herausgesprungen sind.

Trotzdem, man möge mich widerlegen, ist nicht jedes Gegentor gleich zu bewerten. In meinem letzten Beitrag habe ich dazu gemeint, dass viele Gegentore durch Unaufmerksamkeiten, aber auch unglücklich zustande gekommen wären. Letzteres wurde mir von einigen Lesern in ihren Kommentaren als „Kovac-Weichspülerei“ ausgelegt … (ich verdrehe gerade die Augen).

Gestern war wieder diese 2. Kategorie an der Reihe: Klar gab es vor dem 1:0 für Piräus einige Unachtsamkeiten in der Bayern-Defensive, diese führen aber nicht immer zwangsläufig zu Gegentoren. So reagierte Manuel Neuer beim Kopfball des griechischen Angreifers zwar großartig, aber die Torlinientechnik bewies, dass der Ball um Millimeter(!!) hinter der Torlinie war. Wie hieß der deutsche Fußball- Weltmeister, der als Weisheit zum Besten gab: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß…“ ?  😉

Und der eigentlich ungefährliche Verzweiflungsschuss beim 2:3-Anschlusstreffer für Olympiakos aus gut 25 Metern, den Thiago so unglücklich und unhaltbar für den FCB-Keeper abgefälscht hat, war mindestens so bitter wie das Tor zum 1:2 von Hertha in der Bundesliga-Eröffnungspartie. Keine Torchance für den Gegner, trotzdem Gegentor – ärgerlich, aber was will man daran großartig kritisieren?

Ich weiß, dass ich bei den meisten „Chef-Kritikern“ mit solchen Erklärungen keine Chance habe, denn „zwei Gegentore pro Spiel sprechen eine eindeutige Sprache, da muss man nicht viel darüber diskutieren.“ OK, gut. Aber genau diese Kritiker negieren dann auch Fakten, wie dass man mit 60% Ballbesitz eben durchaus dominant – vor allem für ein Auswärtsspiel – aufgetreten ist.

Die legendären Europapokalsieger von 1974 haben übrigens in den sechs Spielen bis zum Halbfinale satte 13 Gegentore kassiert – die Gegner hießen Atvidaberg FF, Dynamo Dresden und ZSKA Sofia.

 

Und weil ich schon einmal bei den „guten alten Fußballzeiten“ bin: Früher hatte man vor Auswärtsspielen vor besonders heißblütigen Fans einen gehörigen Respekt. Dass eine derartige Atmosphäre für die Heimmannschaft tatsächlich wie ein zusätzlicher 12. Spieler wirken könnte und dass die Auswärtsmannschaft dadurch im Nachteil sein könnte, war damals (noch) anerkennt. Der alte Fußballbegriff des „Hexenkessels“ wurde von den Fans der Auswärtsmannschaft mit Ehrfurcht benutzt.

Heutzutage spielt es offensichtlich für große Teile der Medien und der Fans keine Rolle mehr, ob man auswärts vor einer einschüchternden Kulisse und ohrenbetäubenden Lärm spielt. Denn die Spieler verdienen derart viel, da darf so etwas keinen Einfluss haben…

Und ja – ganz gewiss: An der Säbener Straße werden neuerdings die Spieler zu Fußball-Robotern ausgebildet. Betreten sie den Platz, läuft das Programm „Ballbesitz & Gegner dominieren“. Der Gegner, der wiederum nur aus „einfachen menschlichen Kickern“ besteht, kann selbstverständlich nichts dagegen halten …  😉

 

Eine einfache Frage zum Schluss

Wann hat der Anspruch, diese an Größenwahnsinn grenzende Arroganz bei einem Großteil der FCB-Fans begonnen, dass man jeden Gegner, egal ob Landesmeister in der Champions League oder Bundesligaspitzenteam, als FC Bayern dominieren muss?

Und ist dies nicht zum einen höchst respektlos gegenüber fast allen anderen Gegnern, wie es auch unfair gegenüber der eigenen Mannschaft ist, die seit Jahren von Titel zu Titel eilt … was zum einen weder für die Ansprüche von Medien und Fans ausreicht, zum anderen aber auch häufig kritikwürdig langweilig erscheint …

 

20 Kommentare zu „Der FC Bayern in der heutigen Medienwahrnehmung“

  1. Komme grad aus einem dreitägigen Kurzurlaub zurück – was ist denn bitte mit unserem Verein los?

    Die Basketballer verlieren in Spanien, nein, sie verlieren nicht, sie gehen unter. Und das nach einem grandiosen Sieg gegen Real am Mittwoch (den ich im Dome miterleben durfte).

    Eine 1:5-Klatsche in Frankfurt, von der man lesen darf – gesehen habe ich sie nicht – dass sie nur dank Neuer nicht noch höher ausgefallen ist.

    Und dann lässt sích Bayern II vorführen – etwa so war es 1973 gegen Kaiserslautern auch (4:7 nach 4:1 ..)

    Und jetzt ist angeblich Kovac beurlaubt –

    Ich hätte dem Niko Erfolg gewünscht. Nicht, weil ich von seiner Spielidee so überzeugt gewesen wäre, aber schon auch deshalb, weil ich das reine Ballbesitzspiel nicht für der Weisheit letzten Schluss gehalten haben.

    Was tut der Bayernfan jetzt? Abwarten und sich Piräus antun? Es könnten uns unangenehme Tage bevorstehen ..

  2. na ja, liebe leute, vielleicht relativieren sich die manchmal allzu bräsigen kommentare von hier über die zugegebenermaßen manchmal hyperkritischen beiträge auf miasanrot nach dem gestrigen spiel nun etwas? ich lese gern auf beiden seiten mit und mache mir meine gedanken. aber wer nun a la uli hoeneß immer noch glaubt, es läge prinzipiell nichts im argen bei unserm verein, der hat wohl den schuss nicht gehört…

    1. „bräsig“ …. wieder so a Preiß getarnt als Bayernfan 🙂

      Erstkommentar?
      Nachdem du hier zumindest unter diesem Nick noch nie aufgetaucht bist (zumindest solange ich dabei bin) ist das jetzt doch etwas billig. Auf die beste Gelegenheit gewartet, oder? Es liegt die Vermutung nahe, dass du sogar einer der Schreiberlinge von miasanrot bist. Gib´s zu! 😉

      Keine Ahnung, wie du darauf kommst, dass die hier Schreibenden und Kommentierenden glauben, „es läge prinzipiell nichts im argen bei unserm verein…“ Nur der Ansatz ist hier ein anderer: Ich sag mal (ehemalige) Kicker vs. Fußball-Schachbrett-Neurotiker. Da hat man zwangsläufig einen anderen Blick auf die Sache.

    2. Ja, der Ausdruck „bräsig“ war mir selbst bislang auch nicht bekannt. Ich weiß auch nicht, ob er sich auf meine Beiträge bezieht. Ich selbst schreibe eigentlich gar nichts zu und über Miasanrot. Diese sind mir natürlich bekannt, aber bekanntermaßen habe ich einen völlig anderen Ansatz.

      Ich drücke es ein bisschen anderes aus als der Derbysieger: Für mich sind für den Erfolg auf dem Platz zu mind. 70% individuelle Klasse und Einstellung (Stichwort „Mentalität“) entscheidend, vlt. sind es 20% Taktik, eher weniger und dann kommen noch Glück, Pech & Co. (eher sogar mehr) dazu.

      Zudem empfehle ich die Lektüre meiner letzten Beiträge (wo ich z.B. immer wieder auf den viel zu kleinen Kader hinweise) … Ich halte definitiv nichts von Hysterie, Dass mir aber die aktuellen Probleme entgangen sind, lasse ich mir auch nicht vorwerfen. Trotzdem weise ich dann (gerne) immer auf noch viel schlechtere Zeiten hin …

      1. Preiß? Echt ned, ich komme aus der Gegend, wo der eben noch aktive Fußballgott schon früh das Skifahren gelernt hat. Kann aber auch Hochdeutsch 😉 Und kann mich aufgrund meines Lebensalters sehr, sehr gut an das Gerumpel der Siebziger (teilweise) und vor allem der Achtziger und Neunziger erinnern. Aus Block M im alten Oly…

        Wir haben nur zwischendurch viel schöneren Fußball gespielt. Dass das in der FCB-Historie nicht der Normalfall war, gebe ich gern zu. Wenn es mehr davon zu sehen gäbe, fände ich das aber erstrebenswert. Wollte niemand an den Karren fahren – aber mich als meist stiller Mitleser hier und auf MSR mal kurz melden. Ob es zu 70% individuelle Klasse und Einstellung sind, die Spiele entscheiden – das ist letztlich natürlich Glaubensfrage. Imho hat sich Kovac zu sehr auf diesen Faktor verlassen. Es wird halt doch nicht der sprichwörtliche Busfahrer mit den Händen in den Hosentaschen automatisch deutscher Meister – auch nicht mit diesem Kader…nun lasst uns hoffen für Samstag. Am liebsten ein Duselsieg nach aufopferungsvollem Kampf, damit sich alle Bayernhasser wieder sonstwohin beißen!

        1. Petersgradmesser heute auf Facebook:

          Champions League Achtelfinale gebucht!

          2:0 gegen den griechischen Rekordmeister Olympiakos Piräus – endlich wieder ein „zu Null Spiel“.

          Lewy (wer sonst?) zum 1:0 und Ivan Perisic kurz vor Schluss, eine Minute nach seiner Einwechslung, machen die Bayerntore.

          Dominanz total: 27:3 Schüsse (11:0 aufs Tor); 70% Ballbesitz; 14:1 Ecken.

          Aktuell „beste CL-Vorrunden-Mannschaft“ mit 12 Punkten und 15:4 Toren (nur PSG weist ebenfalls 12 Punkte auf).

          Kommen wir zum Negativen des Abends:

          Piräus war ein allenfalls zweitklassiger Gegner. Solche Teams hat man in den vergangenen Jahren durchaus mit 4-5 Toren aus der Arena geschossen.

          Im unbedingten Willen, endlich wieder einmal zu Null zu spielen, wählte Hansi Flick eine doch sehr „hemdsärmlige Variante“ im Mittelfeld. Auch wenn Thiago und Coutinho zuletzt nicht geglänzt haben, fehlte der Esprit zumindest eines der beiden Edeltechniker.

          Viele Spieler wirken gehemmt und sind nach wie vor meilenweit von ihrer Bestform entfernt. Spielerisch sicherlich keine Verbesserung oder gar „Befreiung“ nach dem Kovac-Abgang!

          „Tradition der späten Einwechslung“: Wie Niko Kovac wechselte auch Flick erst sehr (zu) spät in der absoluten Schlussphase des Spiels, obwohl dem Spiel größtenteils die zündenden Ideen fehlten. Coutinho kam tatsächlich erst in der Nachspielzeit und zeigte sofort, wie stark er technisch ist und dass er „absolut Bock“ hat … zu dem Zeitpunkt waren alle anderen schon im Verwaltungsmodus.

          PS: Am Samstag gegen den BVB ist eine 100%ige Steigerung nötig, damit die drei Punkte in München bleiben.

  3. Obwohl ich Niko Kovac als Typen sehr schätze, als Trainer sehe ich ihn kritisch (insbesondere Stichwort Spielermoderation). Aber das ist eine andere Geschichte. Nur was soll er denn bitte aktuell machen? Selbst auf dem Platz verteidigen, wie zu seinen besten BL-Zeiten? Und vielleicht gleichzeitig auch noch die Tore vorne selbst schießen? Was wir derzeit hinten an unglücklichen Gegentoren kassieren und vorne an hochkarätigen Chancen vergeben ist schon bemerkenswert. Dennoch stehen wir prima da, in der CL sogar verlustpunktfrei. Wenn das eine Krise sein soll, was wird dann erst wenn diese sogenannte Krise vorbei ist? Dann jammern wieder alle, in erster Linie die Medien, wie langweilig doch die BL sei. Daher locker bleiben und sich auf das Geheule der Medien freuen, wenn es wieder gar so „langweilig“ zugeht…

  4. ein wohltuend unhysterischer Artikel, fällt (mal wieder) positiv aus dem Rahmen des Panik-Medien-Einerleis. Sehr gut geschrieben, Peda!

  5. An der (richtigen!) Entscheidung, den extremen Ballbesitzfußball aufzugeben, werden die Medien und die – von den Medien getriebene – Mehrheit der Bayernfans nichts ändern können. Ich persönlich finde es sogar spannend, dass Spiele auch bei einer 2:0-Führung noch nicht final entschieden sind, weil Bayern nun eben nicht mehr die verbleibende Spielzeit mit Hin- und Hergepasse totspielen kann (was für mich nur Catenaccio 2.0 und genau so unattraktiv wie der Catenaccio 1.0 ist). Ich will einen FC Bayern sehen, der Mannschaften, die wir an sich nicht schlagen können (Real, Barca, PSG und die Clubs aus der PL), trotzdem besiegt, weil mit Zähnen und Klauen verteidigt und irgendwann der entscheidende Konter gesetzt wird.

      1. Na ja .. 2012 bis 2016 waren wir selbst fast so eine Art „Übermannschaft“ .. und es gab einige, die uns damals besiegt haben .. so ist Fußball nun mal, das kann man nicht ändern, daraus kann man nur seine Lehren ziehen (wozu Medien und Fanmehrheit leider nicht in der Lage sind).

        1. Die letzten „Übermannschaften“? Hmm …. Milan 1988/89 und 1989/90 (und trotzdem wären sie im HF 1990 beinahe an Bayern gescheitert); Barca 2008/09 (und haben im HF Schiri-Unterstützung gegen Chelsea benötigt); Bayern 2012/13 🙂 (trotzdem wäre im AF beinahe Schluss gegen Arsenal gewesen, was allerdings ein schlechter Witz gewesen wäre). Real Madrid hatte dagegen seit den 1950 er Jahren keine „Übermannschaft“ mehr….

          Die Champions League ist auch in dieser Saison komplett offen. Was die Bayern betrifft: bei einem ungünstigen Los kann im AF wieder Schluss sein. Wenn die Mannschaft ihr Leistungsvermögen auf dem Platz umsetzen kann, ist dagegen „alles“ möglich … Wer hat z.B. nach der Hinrunde 2009 unter LvG eine derart grandiose Rückrunde (Double, CL-Finale) für möglich gehalten. 2009 war der FCB nach 4 CL-Vorrundenspielen und 2 Niederlagen gegen Girondins quasi ausgeschieden …

        2. Das müsste man jetzt fast mal genauer analysieren, wann Mannschaften zu „Übermannschaften“ werden (CSKA Moskau war mal eine, im Eishockey). Im Fußball wird diese „Qualifikation“ wohl nur verliehen, wenn auch ein Trainer vorhanden ist, der spektakulär neues spielen lässt (darum gelten den Überbayern von 2013 vielleicht gar nicht als Übermannschaft, weil Heynckes viel zu bescheiden war).

          Bayern gewinnt die CL IMHO immer nur dann, wenn ein absolut geschlossenes Team auf dem Platz steht. Dieses Jahr sehe ich das leider noch nicht, aber die Grundlagen wären an sich schon da.

  6. „Robin Hood der FCB-Fans“! 😉

    Noch besser als der letzte Beitrag – den „richtigen Fans“ aus der Seele sprechend.

    Und du wirst auch einiges an Gegenwind in den Social Media bekommen. Dort haben nicht die Intelligentesten, die Besten, die Informiertesten das Sagen, sondern leider die Lautesten …

  7. Wie immer ein ausgewogener und zutreffender Text! Nur eine kleine „Korinthen-Kackerei“ am Rande: drei Meistercup-Titel hintereinander von 74-76 ( nicht 74-74….) – und Beckenbauer, Müller etc waren 81 in Liverpool nicht mehr dabei…. Aber das hast Du auch nicht direkt behauptet – man könnte es im textlichen Zusammenhang nur so verstehen.
    Habe die Ehre und weiter so – Dein El Tren

    1. Ja … und ja … natürlich … und korrigiert!

      Ursprünglich habe ich nur 1971 erwähnen wollen, dann ist mir aber die Abwehrschlacht von 1981 noch eingefallen — mit dem großartigen Bild von Walter Junghans vor „The Kop“.

      1. Ja, da hast Du recht, das war beeindruckend. Das Foto ist ein fester Teil der Bayern-Historie! Und es wäre schade gewesen, wenn das Match an dieser Stelle keine Erwähnung gefunden hätte.
        Ich wollte im Grunde auch gar nichts kritisieren – denn bei der Qualität Deiner Texte gibt es eigentlich nie wirklich etwas zu verbessern. Ich lese sie immer mit großem Vergnügen! Mach weiter so!
        Beste Grüße von El Tren

        1. Alles bestens, ich bin ja dankbar, wenn ich auf (Leichtsinns-)Fehler hingewiesen werde 🙂

          Habe es auch nicht als Kritik aufgefasst, keine Angst.

  8. Völlig richtig, Peter!
    Diese „Analytiker“ (Medien und sogenannte Fan) sollten vielleicht besser mal Schachspiele analysieren.
    Jedoch, für viele von denen sind die Spielregeln davon auch noch zu kompliziert.

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