„Wir holen den DFB-Pokal und sind schon Deutscher Meister!“

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Sicherlich wird dieser Evergreen morgen Abend im Berliner Olympiastadion wieder zehntausendfach aus den Kehlen der Bayernfans erklingen und nach dem Spiel gegen RB Leipzig wird hoffentlich das Dutzend bei den FCB-Double-Gewinnen voll sein.

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Der Weg des FC Bayern ins Finale

Der 18-fache Rekordpokalsieger aus München ist bei seinen bisherigen 22 DFB-Pokal-Final-Teilnahmen noch nie wie in dieser Saison als „absoluter Minimalist“ ins Endspiel gekommen: In den fünf Pokal-Runden wurde jeder Gegner – ob Viertligist oder Bundesligist – gerade einmal mit einem Tor Unterschied eliminiert:

Erste Runde: Nachdem die Bayern eine Woche zuvor im Supercup-Finale in Frankfurt mit 5:0 eindrucksvoll an der Eintracht für die DFB-Pokalniederlage Revanche genommen hatten, langte es beim Viertligisten SV Drochtersen/Assel gerade einmal zu einem 1:0-Sieg, den Robert Lewandowski mit seinem Treffer in der 81. Minute sicherte.

Zweite Runde: Auch beim SV Rödinghausen, ebenfalls ein Viertligist, gewann der Rekordmeister lediglich mit 2:1. Zwei sehr frühe Tore von Sandro Wagner (spielte für Lewandowski) und Thomas Müller ließen Vorfreude auf ein Schützenfest aufkommen. Aber nachdem Renato Sanches Mitte der ersten Halbzeit einen Elfmeter an die Latte geknallt hatte, kam es immer mehr zum Bruch im Bayernspiel. Nicht dass das 1:2 der Rödinghausener kurz nach der Pause das Spiel wirklich spannend gemacht hätte, war das Endresultat dann dennoch ernüchternd. Aber letztendlich zählt im Pokal nur eines: Das Weiterkommen.

Achtelfinale: 3:2 n.V. bei Hertha BSC Berlin. Wieder machten es sich die Bayern selbst unnötig schwer, wobei einmal mehr in dieser Saison auch der Schiedsrichter dazu beitrug. Anstelle eines fälligen Elfmeters für die Bayern gab es in der direkt anschließenden Szene das frühe 1:0 für die „Alte Dame“ aus Berlin (3. Minute). Serge Gnabry glich in der 7. Minute für die Bayern aus und der Sturmlauf der Münchner wurde mit seinem zweiten Treffer zum 2:1 kurz nach der Halbzeitpause endlich belohnt. Bayern hatte (eigentlich) alles im Griff, aber ein individueller Fehler in der FCB-Defensive ermöglichte es der Hertha, sich in die Verlängerung zu retten. Dort erzielte Kingsley Coman das entscheidende 3:2 (98. Minute), zahlreiche weitere Chancen für den FCB blieben ungenützt.

Viertelfinale: Das einzige Heimspiel auf dem Weg nach Berlin gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim 1846. Wer dachte, dass dies lediglich eine lästige Pflichtaufgabe sein würde, den belehrte der Münchner Schlendrian eines besseren. 5:4 stand es nach 90 (+) aufregenden Minuten!

Nach Leon Goretzkas 1:0 in der 11. Minute schien die Partie frühzeitig in die aus Münchner Sicht richtige Richtung zu laufen. Niki Süles Notbremse nach einer Viertelstunde beendete diese Komfortzone. Mindestens 75 Minuten in Unterzahl ist auch gegen ein Zweitliga-Team kein Zuckerschlecken, zumal eigentlich auch für das drei Tage später stattfindende vorentscheidende Meisterschaftsspiel gegen den BVB Körner hätten gespart werden sollen. So kam es, wie es in dieser Pokalsaison hat kommen müssen: Heidenheim ging noch vor der Halbzeit mit 2:1 in Führung. Niko Kovac sah sich gezwungen, die eigentlich für das Dortmund zu schonenden Lewandowski und Coman zu Beginn der 2. Halbzeit einzuwechseln. Diese Maßnahme machte sich unmittelbar positiv bemerkbar: Thomas Müller, Lewandowski und Gnabry drehten das Spiel innerhalb von 12 Minuten: 4:2.

Die Entscheidung? Mitnichten! Heidenheim kam noch einmal zurück und glich aus, erst ein später Lewandowski-Handelfmeter ließ die Bayern endgültig durchatmen. Zahlreiche weitere Chancen blieben wieder ungenützt. Endresultat 5:4 – eine „eindrucksvolle“ Bestätigung von „Im Pokal zählt nur das Weiterkommen.“

Drei Tage später machten es die konzentrierten und hochmotivierten Bayern gegen den BVB in der Bundesliga glücklicherweise wesentlich besser: Das 5:0 war wohl die beste Saisonleistung.

Halbfinale in Bremen: Werder hatte eine Runde zuvor die Borussen im Signal Iduna Park nach Elfmeterschießen raus gekegelt und war im Fußballjahr 2019 bis zum Wochenende zuvor, als man in der Allianz Arena im Bundesliga-Duell mit 0:1 unterlegen ist, unbesiegt gewesen.

Es war ein herausragendes Fußballspiel beider Mannschaft, bei dem der FCB nach gut einer Stunde durch Treffer von Lewandowski und Müller mit 2:0 auf der Siegerstraße schien. Aber es hätte nicht zu dieser Pokalsaison der Bayern gepasst, wenn man „so einfach“ ins Finale nach Berlin eingezogen wäre. Ein Werder-Doppelschlag eine Viertelstunde vor dem Ende der regulären Spielzeit stellte die Uhr in diesem Pokal-Fight wieder auf Null. Dann zupfte und schob Herr Gebre Selassie gegen den Bayern-King, Schiedsrichter Siebert gab Elfmeter, Robert Lewandowski verwandelte zum Endstand von 3:2 und Fußball-Deutschland jammerte tagelang. Zum Nachlesen hier https://petersgradmesser.wordpress.com/2019/04/26/die-elfmeterdiskussion-nach-dem-pokal-halbfinale/.

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DFB-Pokal Statistik FCB 2018/19

Tatsächlich ist der FC Bayern bei seinen fünf Pokalspielen der Saison 2018/19 mit einem Torverhältnis von 14:9 ins Finale eingezogen. Dies entspricht im Schnitt einem 3:2-Sieg. Außergewöhnlich für den Rekordmeister und –pokalsieger, der in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten selbst bei Pokalauswärtsspielen den ein oder anderen Kantersieg eingefahren hatte. Beispielsweise im letztjährigen Halbfinale bei den sicherlich nicht schwachen Leverkusenern mit 6:2!

Zum Vergleich: Der Endspielgegner RB Leipzig qualifizierte sich über Viktoria Köln, Hoffenheim, Wolfsburg, Augsburg und Hamburg – ebenfalls ein Mix aus Erst-, Zweit- und Viertligisten – das Torverhältnis dabei lautet 11:3.

Bayerntorschützen auf dem Weg ins Finale: Lewandowski (5); Gnabry, Müller (je 3); Wagner, Coman, Goretzka (je 1).

 

Statistik FCB – RB Leipzig

Im morgigen Finale trifft der deutsche Rekordpokalsieger (18 Siege bei 22 Finalteilnahmen) auf den Pokal-Endspiel-Neuling.

Sehr viel gibt es auch nicht zur (Spiel-)Historie der beiden Vereine zu berichten. Ist auch schwer möglich, denn RB wurde erst am 19. Mai 2009 gegründet und ist seit der Saison 2016/17 erstklassig.

Fast schon aberwitzig der Vergleich der Mitgliederzahlen beider Vereine: Der FC Bayern ist mit seinen knapp 300.000 Mitgliedern der größte Sportverein der Welt, RB Leipzig hat aus „speziellen Gründen“ (der Erklärung hierfür wäre ein eigener Beitrag) aktuell ganze 17(!) Mitglieder.

Bislang gab es insgesamt sieben Spiele zwischen den Profi-Teams von FCB und RB. Das erste war das Bundesligaheimspiel des FC Bayern im Dezember 2016, welches die Bayern gegen dem damaligen Neuling und Tabellenführer(!) mit 3:0 gewannen.

Bundesliga-Bilanz aus Bayern-Perspektive: 4 Siege – 1 Unentschieden – 1 Niederlage – 12:6 Tore.

Vor zwei Wochen ging die Bundesliga-Partie des 33. Spieltags in Leipzig mit 0:0 zu Ende – mit Vorteilen für leicht überlegene Münchner.

Das einzige Pokalspiel zwischen den beiden morgigen Endspielkontrahenten gewannen die Bayern am 25.10.2017 mit 5:4 n.E. in Leipzig – eine ganz enge Kiste.

Die am vergangenen Wochenende zu Ende gegangene Bundesliga-Saison schloss der FCB als Meister mit 78 Punkten und 88:32 Toren ab. Leipzig wurde Dritter mit 66 Punkten und 63:29 Toren. Damit trifft im Endspiel auch der beste Angriff der Bundesliga auf die beste Defensive (die lediglich drei Gegentreffer im Pokal bestätigen dies).

Die Bundesligaergebnisse der Saison 2018/19: 1:0 und 0:0.

Obwohl die Wettbüros im Durchschnitt eine Quote von 1,33 auf einen Bayernsieg und 3,20 auf einen RB-Sieg anbieten und die Münchner damit als eindeutigen Favoriten ausweisen, muss man mit einem ganz engen Spiel rechnen.

Petersgradmessers Tipp: Die Bayern gewinnen mit 2:1: Schütze des entscheidenden Tores ist Arjen Robben auf (Hakentrick-) Vorlage von Franck Ribéry. In der 93. Minute wird noch Rafinha zur Absicherung des Ergebnisses eingewechselt …  😉

 

Fotos von den Endspielen 2014 und 2016 gegen Borussia Dortmund.

5 Kommentare zu „„Wir holen den DFB-Pokal und sind schon Deutscher Meister!““

  1. Und dann ritten die drei mit dem Pokal in den Händen dem (verspäteten 😉) Sonnenuntergang entgegen… 😊

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