Deutscher Fußballmeister 2018/19 – FC Bayern München

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… und das hochverdient!

Seit vielen Jahren hat sich Fußball-Deutschland, und darunter nicht wenige Anhänger des FC Bayern, endlich wieder eine spannende Bundesliga-Saison und eine Meisterschaftsentscheidung, die nicht wie in den letzten Jahren sehr früh in der Saison fallen soll, gewünscht. Diese Wünsche wurden in der Saison 2018/19 mehr als erfüllt, aber die Begleitumstände waren selten adäquat: Während „Rest-Fußball-Deutschland“ die Bayern teilweise mit Häme überschüttete, konnten viele „Bayernfans“ häufig ihre Enttäuschung nicht unterdrücken. Zu recht? Petersgradmesser antwortet mit einem klaren „NEIN“.

Voraussetzungen vor der Saison

Der neue Coach Niko Kovac konnte aufgrund der Fußball-WM in Russland erst sehr spät mit seinem kompletten Kader trainieren. Dabei sollte man auch noch einmal daran erinnern, dass viele Spieler die Vorsaison und auch die WM mit frustrierenden Ergebnissen noch nicht verdaut hatten. Einzig der französische Weltmeister Corentin Tolisso startete zwar verspätet, dafür mit umso breiterer Brust in die Saison(vorbereitung) – und bezeichnend für den lange unglücklich verlaufenden Saisonverlauf der Bayern war, dass sich ausgerechnet ihr einziger Weltmeister bereits am 3. Spieltag mit einem Kreuzbandriss quasi für den Rest der Saison verabschiedete.

Im Sommer 2018 verzichtete der FC Bayern darauf, den Kader mit teuren Neuzugängen aufzupeppen. Einzig Leon Goretzka kam – ablösefrei – von Schalke 04 und die 2017/18 verliehenen Kicker Serge Gnabry und Renato Sanches kamen zurück an die Säbener Straße. Laut den Aussagen von Uli Hoeneß während der Saison entschloss sich der Verein vor dem Spieljahr außerdem dazu, den Legenden Franck Ribéry und Arjen Robben einen würdigen Abschied aus dem Verein zu ermöglichen, auch wenn man damit in Gefahr laufen könnte, eine „Meisterschaftspause“ einzulegen …

Wie seit Pep Guardiola Zeiten üblich entschied sich der Verein zusätzlich – trotz Vielfach-Belastung – erneut für einen sehr schlanken Spielerkader. Viele Bayernfans bezeichnen diesen als definitiv zu klein, dieser Meinung schließe ich mich auch jedes Jahr wieder an.

Optimale Voraussetzungen für eine Saison schauen definitiv anders aus, wenn man z.B. vergleichsweise auf die Insel zum Champions League Finalisten FC Liverpool schaut. Dessen aktuell bei erstaunlich vielen Bayernfans gehypter Trainer Jürgen Klopp durfte sich im Jahr 2018 mit einem hohen dreistelligen Millionenbetrag auf dem Transfermarkt bedienen. Sein „Underdog-Image“ sollte damit längst Makulatur sein. Dagegen sind z.B. die Herren Magath (2006/07), Klinsmann (2008/09) und van Gaal (2010/11) an ähnlichen Konstellationen, wie sie Niko Kovac beim FC Bayern zum Saisonbeginn vorfand, krachend gescheitert und wurden jeweils noch während der laufenden Saison entlassen.

Zehntbeste Saison der Fußball-Bundesliga-Geschichte

Nach einem aufgrund der Umstände erstaunlich starken Saisonstart stotterte der FCB-Motor vom 5. bis 12. Spieltag erheblich, wozu nicht zuletzt auch in erheblichem Maße Verletzungsprobleme beim – wie erwähnt – kleinen Kader wie auch unglückliche Spielverläufe führten. In jener Phase konnte kein einziges Bundesliga-Heimspiel gewonnen werden. Gegen die „Underdogs“ aus Augsburg, Freiburg und Düsseldorf kassierte man jeweils in der letzten Spielminute bzw. Nachspielzeit den Ausgleich, gegen Gladbach ging man nach gutem Spielbeginn mit 0:3 unter, nachdem die Borussen ihre ersten beiden Torchancen begünstigt durch individuelle Fehler der Bayern genutzt hatten.

Begleitet wurde diese Krisenphase durch die „berühmt-berüchtigte“ PK der Bosse Rummenigge, Hoeneß und Salihamidzic, die sich gegen die mittlerweile wenig faire aber übliche Art und Weise der Berichterstattung (nicht nur) der (Boulevard-)Medien richtete. Leider ist dabei der durchaus nachzuvollziehende Anlass aufgrund von unglücklichen Äußerungen und Formulierungen absolut in den Hintergrund getreten. Dass der Ansatz der FCB-Bosse bei dieser PK absolut der richtige war, zeigte zuletzt auch wieder vermehrt die unseriöse und vor allem scheinheilige Medienhetze und –kampagne, bei der es um die Zukunft des jetzigen Meistercoaches Niko Kovac ging.

Wenn man all diese ungünstigen Begleitumstände betrachtet, ist es mehr als bewunderswert, wenn man nach einem zwischenzeitlichen 9-Punkte-Rückstand mit einem wesentlich schlechteren Torverhältnis gegenüber Borussia Dortmund mit einem Zwei-Punkte und 19 Tore Vorsprung als Deutscher Meister ins Ziel einläuft.

78 Punkte und ein Torverhältnis von 88:32 bedeuten übrigens das zehnbeste Ergebnisse aller Deutschen Meister in 56 Jahren Bundesligageschichte. Lediglich die Punktzahlen der Spielzeiten 2012/13 (91), 2013/14 (90) und 2015/16 (88) waren signifikant besser. Die viert- bis neuntbesten Punktzahlen (79-84) eher unwesentlich. Nicht überraschend, dass neun dieser zehn besten Punktzahlen auf das Konto der Bayern gingen (Ausnahme: BVB 2011/12; Rang 6 mit 81 Punkten). Warum dieses Ergebnis unter Kovac wohl auch als so mäßig wahrgenommen wird: Sieben der neun Top-Punktzahlen stammen aus den direkten Vorjahren. Davor erreichte nur der FCB in den Spielzeiten 1971/72 und 1972/73 ähnlich starke Werte (jeweils 79 Punkte).

Das Märchen von Bayern-Bonus und Bayern-Dusel

BVB Bonus

Wenn die unsinnigen immer wieder auftretende Behauptungen hinsichtlich Schiedsrichter-Bevorzugungen und eines über die Maßen großen Glücks des FCB ad absurdum geführt werden sollten, dann war dies – vor allem in den letzten Wochen – in der abgelaufenen Saison der Fall. Während gefühlt jede strittige (manchmal sogar eindeutige) Schiedsrichter- und vor allem VAR-Entscheidung zuungunsten des FC Bayern gefällt wurde, war dies beim großen Titelrivalen aus Dortmund gefühlt genau andersherum. Während z.B. ein Mario Götze im eigenen Strafraum ohne Schiedsrichter-Sanktionen ein Bewerbungsschreiben für den deutschen Handballmeister aus Flensburg abgeben durfte, wurden dem FC Bayern Tore aberkannt, bei welchen (gefühlt) die geahndeten Millimeter-Abseits-Entscheidungen schon in der vorherigen Halbzeit stattgefunden hatten … 😉

Überragend dabei das Verhalten vom Stadionsprecher Stefan Lehmann und den Bayernfans beim 2:1 und 3:1 gegen Eintracht Frankfurt: Nachdem das vermeintliche 2:0 von Gnabry in der 1. Halbzeit zwei Minuten nach dem Torjubel aberkannt worden war, als bereits alle Spieler am Anstoßkreis gestanden waren, wurde bei diesen beiden Treffern solange mit der Ansage gewartet, bis der Anstoß durch die Frankfurter auch wirklich ausgeführt worden ist. Im Stadion brach jeweils noch einmal ein frenetischer Jubel aus – teils aus Erleichterung, teils aus Häme und Spott gegenüber der mittlerweile abenteuerlichen Handhabung des VAR.

Scheinheilige Medien

Den Medien schien dieses Szenario jedoch entgangen zu sein, oder haben Sport1, KICKER & Co. jemals das Thema „BVB-Bonus“ oder „Dusel-Dortmund“ thematisiert? Mir nicht bekannt. Stattdessen schien es dem Boulevard den größten Spaß gemacht zu haben, das Thema „Zukunft von Kovac beim FCB“ auszuschlachten. Ob sich beim Verein jemand dazu geäußert hat, äußern wollte oder nicht, war längst egal. Offensichtlich sollte vor dem Saisonfinale medial noch einmal so richtig Unruhe beim FC Bayern geschürt werden. Das „Bauernopfer“ (hier kein bewusster Verschreiber) war dabei der von den Medien scheinheiligerweise so sehr bedauerte Niko Kovac. Schlimmer geht es nicht mehr — leider ist dies aber DIE Erfolgsmasche des Boulevards.

Fazit

Selten war eine Deutsche Fußball-Meisterschaft, die derart knapp und erst am letzten Spieltag errungen wurde, so verdient wie die des FC Bayern in der Saison 2018/19. Und wer das immer noch nicht so sieht, soll sich an den direkten Vergleich am 6. April in der Allianz Arena erinnern: Dass der BVB mit einem 0:5 noch sehr glimpflich davon gekommen ist, dokumentierte eindrucksvoll den Leistungsunterschied der beiden Mannschaften an jenem Abend.

Bilder vom letzten Spieltag

Nach diesen durchaus auch kritischen Worten zur 29. Deutschen Meisterschaft des FCB sollen die folgenden Bilder zeigen, dass am Samstag aber auch gebührend gefeiert und geehrt wurde…

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5 Kommentare zu „Deutscher Fußballmeister 2018/19 – FC Bayern München“

  1. Auch von mir ein großes Lob für diesen Beitrag und den ganzen Blog.

    Und ja, hätte der FCB so viel Dusel und Bonus wie der BVB genossen, dann wäre dies abermals eine ganz klare Angelegenheit gewesen.

    Und der Boulevard will das wirklich nicht bemerkt haben ….

  2. Wie immer ein sehr schöner Beitrag zum FC Bayern, den ich in seiner Gänze unterschreiben würde.

    Leider nicht so bekannt wie andere (die sich z.T. fürchterlich wichtig nehmen), ist dies mit Abstand der beste FCB-Blog im Netz.

    Ich wünsche dir in Zukunft hier auf dem Blog noch mehr Traffic – wie dies auf Facebook bereits der Fall ist.

    Mach weiter so!

    1. Schließe mich der Meinung von Derbysieger an. Ein toller unaufgeregter Beitrag über unseren FC Bayern !
      Teile auch die Auffassung, dass sich vor allem ein Blog viel zu wichtig nimmt , mit teilweise völlig überzogener Kritik am FCB!
      Hoffe, wir bekommen noch viele Beiträge von Dir. Danke für Deine Arbeit!
      Grüße aus dem Westen

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