Die Perspektiven des FC Bayern für 2019

Frohe Weihnachten

 

Obwohl der FC Bayern zum 11. Mal in Folge in allen drei Wettbewerben – Meisterschaft, Champions League und Pokal – überwintert, gehen die Prognosen über den weiteren Saisonverlauf weit auseinander. Für die Optimisten sind theoretisch – wie seit der Saison 2011/12 jedes Jahr – alle drei Titel möglich, die letzten positiven Spielergebnisse nähren diese Hoffnung zusätzlich. Für die Pessimisten wurde dagegen schon vor der Saison der Umbruch verpasst, Niko Kovac ist nicht der richtige Trainer und so hat man in deren Augen wohl lediglich Chancen auf einen Pokalsieg, welcher in dieser Saison einem „Trostpreis“ entsprechen würde.

Status Quo

Der FC Bayern überwintert nach zuletzt fünf Bundesliga-Siegen in Folge (die letzten vier ohne Gegentor) als Tabellen-Zweiter mit 36 Punkten und damit sechs Punkten Rückstand auf den Tabellenführer Borussia Dortmund. Eine schlechtere Ausgangssituation hatte man zuletzt in der Saison 2010/11, als ebenfalls der BVB nach der Hinrunde von oben grüßte, allerdings damals mit 14(!) Punkten Vorsprung auf die Bayern, die nach 17 Spieltagen lediglich auf Platz 5 und damit sogar hinter Mainz 05 lagen.

In der Champions League verpassten die Bayern nur aufgrund des Eigentors von Niklas Süle in der letzten Spielminute beim Spiel in Amsterdam einen neuen Punkterekord für Bundesligisten (16 Punkte). Trotzdem qualifizierten sich die Münchner als Tabellenführer für das Achtelfinale, obwohl der Hauptkonkurrent Ajax in beiden Spielen (1:1 in München; 3:3 in Amsterdam) zumindest gleichwertig erschien.

Im DFB-Pokal steht der FCB nach zwei Siegen bei Amateurmannschaften standesgemäß im Achtelfinale und trifft Anfang Februar in Berlin auf die Hertha. Obwohl der Deutsche Pokal aufgrund seines Modus (nur ein Spiel) spannender und unberechenbarer als die vergleichbaren Wettbewerbe in anderen Topligen (z.B. Spanien und Italien) ist, haben sich die Bayern in den letzten sieben Jahren immer für das Halbfinale qualifiziert, fünfmal das Finale erreicht und dieses dreimal gewonnen (2013; 2014; 2016). Außer den Gladbacher Borussen sind in dieser Saison noch alle Spitzenvereine der Bundesliga im Rennen. Es sollte also auch 2019 ein spannender Wettbewerb bleiben, indem die Bayern den Nimbus der „Unbesiegbarkeit bei Auswärtspokalspielen“ seit nunmehr fast 10 Jahren (Viertelfinal-Niederlage im März 2009 beim 2:4 gegen Leverkusen in Düsseldorf) bewahren wollen.

 

Perspektiven in den Wettbewerben

In der Bundesliga läuft es auf einen Zweikampf der „alten Rivalen“ (seit Mitte der 1990er Jahre) Bayern und Dortmund hinaus. Aufgrund seines 6-Punkte-Vorsprungs scheint der BVB klar im Vorteil zu sein, allerdings müssen die Borussen auswärts noch bei allen Spitzenteams antreten: in München, Mönchengladbach, Leipzig.

Wenn die Bayern ihre Heimschwäche aus der Hinrunde ablegen können (nur vier Siege in acht BL-Heimspielen!), dann könnte ein Heimsieg gegen den BVB am 28. BL-Spieltag den Weg zur siebten Deutschen Meisterschaft in Serie ebnen. Die letzten Heimsiege (5:1 gegen Benfica, 3:0 gegen den Club; 1:0 im Spitzenspiel gegen Leipzig) machen auch diesbezüglich Hoffnung.

Im Gegensatz zu den arg verletzungsgeplagten Bayern hatte der BVB in der Hinrunde noch keine Krise zu meistern. Sollte Dortmund, möglicherweise auch aufgrund der Mehrfachbelastung, ins Wanken geraten, wovon zumindest der Verfasser dieses Beitrags fest ausgeht, dann müssen die Bayern bereit sein, wie es der BVB im Herbst war, als die Bayern nach einem starken Saisonstart plötzlich in eine (Ergebnis-)Krise taumelten.

PGM Prognose: Sollten die Bayern ihre Leistungen aus den letzten Spielen in der Rückrunde bestätigen, wenn nicht sogar steigern können, dann wird es der BVB im Laufe der Rückrunde zunehmend schwerer haben, den Platz an der Sonne zu verteidigen und am Schluss, wenn auch wesentlich knapper als man es in den letzten Jahren gewöhnt war, den Bayern den Vortritt auf dem Weg zur siebten Meisterschaft in Folge überlassen müssen.

 

In der Champions League wird es in dieser Saison schwieriger denn je sein, den Titel zu holen. Dies gilt aber nicht nur für den FC Bayern mit dem „Knallerlos“ FC Liverpool für das Achtelfinale, sondern für alle sog. Favoriten.

Keineswegs bin ich der Meinung vieler, dass der LFC, der derzeit souveräne und ungeschlagene Tabellenführer der englischen Premier League, die Endstation für die Münchner sein muss. Würde man in der aktuellen Verfassung aufeinander treffen, wären die Engländer – trotz der letzten Siegesserie der Bayern – sicherlich klarer Favorit. Bis zu den Spielen am 19. Februar in Liverpool und 13. März in München kann und wird aber noch viel passieren. Gerade in der Guardiola-Ära waren die Bayern drei Jahre in Folge fast die gesamte Saison lang Top-Favorit auf den CL-Titel, um dann in der entscheidenden Saisonphase – häufig aufgrund von zahlreichen Ausfällen – zu schwächeln. Wenn es die „Dusel-Bayern“ tatsächlich nur im Ansatz geben sollte, dann könnte sich dies in der laufenden Saison wieder einmal ändern 😉

PGM Prognose: In der Champions League vor den Achtelfinal-Spielen einen Tipp abzugeben ist wie Kaffeesatz lesen. PGM sagt allerdings, dass sich nach dem CL-Achtelfinale Klopp & Co auf den Gewinn der ersten englischen Meisterschaft nach fast 30 Jahren konzentrieren können 😉

 

DFB-Pokal: s.o.

 

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rückrunde

Als die Bayern am vergangenen Samstag zum Hinrunden-Ausklang mit dem 3:0 beim Pokalsieger Eintracht Frankfurt noch ein letztes Ausrufezeichen in 2018 setzten, taten sie dies mit dem buchstäblich allerletzten Aufgebot. Auf der Ersatzbank saßen neben einigen Nachwuchsspielern tatsächlich nur zwei gestandene Profikicker: Sandro Wagner und der angeschlagene(!) Kingsley Coman. Nicht nur Petersgradmesser hat in den letzten Jahren zahlreiche Male auf den Umstand hingewiesen, dass der Kader des FCB Jahr für Jahr für „das ganz große Ziel“ (viel) zu klein ist. Stellvertretend hierfür diese beiden Beiträge aus den letzten Monaten: https://petersgradmesser.wordpress.com/2018/08/14/der-fc-bayern-vor-der-saison-2018-19/  und  https://petersgradmesser.wordpress.com/2018/11/15/die-krise-des-fc-bayern-im-herbst-2018/ . In zahlreichen „Stammtisch-Diskussionen“ mit Bayernfans hat sich zuletzt die Meinung verfestigt, dass die Planung mit einem (zu) kleinen Spielerkader den FC Bayern seit 2013 ein oder zwei Champions League Titel gekostet hat. Die Besetzung der Ersatzbank in Frankfurt war für einen Weltklasseverein wie den FC Bayern eine Blamage. Aber reagieren die Vereinsverantwortlichen endlich auf diesen dauerhaften Missstand?

Der 18-jährige Kanadier Alphonso Davies, der den Kader ab Januar verstärkt, ist eine große (Zukunfts-)Hoffnung. Kann er jedoch schon in der laufenden Saison eine Verstärkung sein? Zuletzt wurden einige absolute Stars (u.a. Lucas Hernandez von Atletico Madrid) als Verstärkungen in der Wintertransferperiode mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Wird der FCB wirklich noch im Januar tätig? Es wäre wünschenswert, wenn man noch in der laufenden Saison die ganz großen Ziele im Visier hat. Erleichternd kommt übrigens die ab dieser Saison gültige UEFA-Transferregelung zum Tragen, dass auch von CL-Konkurrenten aus der Gruppenphase verpflichtete Spieler in den KO-Spielen spielberechtigt wären…

 

Selten konnte man als Bayernfan in den letzten Jahren so gespannt auf die Rückrunde blicken. Selbst die in den letzten sechs Jahren „selbstverständliche Meisterschaft“ ist 2019 eine große Herausforderung. Die Mannschaft selbst war in der Hinrunde eine „Wundertüte“. Können Niko Kovac und sein Team endgültig den Hebel auf „Erfolgsspur“ umlegen? Schaffen dafür auch die Vereinsverantwortlichen noch in der Winterpause die notwendigen Grundvoraussetzungen? Und lässt der „Fußball-Gott“ es in der Rückrunde zu, dass die Gegner des Vereins endlich wieder einmal zu Recht über die „Dusel-Bayern“ schimpfen? Dann könnten die Bayern am Saisonende vielleicht auch wieder so ausgelassen jubeln wie auf dem Titelbild nach Rafinhas 3:0 in Frankfurt 😉

 

5 Kommentare zu „Die Perspektiven des FC Bayern für 2019“

  1. Danke für den sachlichen wie mutmachenden Artikel. Auch ich gehöre eher zu den Zuversichtlichen. Die war allerdings in den Schlußminuten der Verlängerung gegen Düsseldorf arg, arg strapaziert. In dreissig Jahren habe ich keine FCB-Mannschaft derart konfus gegen einen spielerisch reichlich limitierten Gegner gesehen. Ich dachte damals, ok, sie spielen gegen den Trainer. Doch in den Spielen danach zeigten sie eine Reaktion. Und darauf basiert meine Zuversicht für die Rückrunde.
    Das Argument, der BvB müssen noch bei allen Spitzenteams antreten, kann ich nicht nachvollziehen, Bayern muss schließlich auch noch nach Gladbach und Leipzig, und so schlecht ist die Auswärtsbilanz de Schwarzgelben nun auch wieder nicht.
    Unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Rückrunde simd bor allem: es darf sich keiner mehr verletzen (der Kader ist unverantwortlich klein), und zweitens: James muss wieder in die Mannschaft finden.
    An eine wirkungsvolle Kaderverstärkung bereits zur Winterpause glaube ich nicht. Bei Hernández spielt Atlético nicht mit, was an sich bei existierender Ausstiegsklausel nicht die geringste Rolle spielen sollte, aber mir scheint auch der Spieler nicht unbedingt zu Bayern zu wollen. In einem Interview mit dem „Figaro“ noch vor ein, zwei Tagen, deutete er klar an, dass ihn die Bundesliga eigentlich weniger interessiere. Ihn fasziniere die spanische oder die englische Liga. So sehr ich seine Verpflichtung begrüßen würde, auch zu dem festgelegten Preis, so sehr frage ich mich, ob er mit dieser Einstellung, so sie denn stimmt, zu Bayern passt.
    Freue mich auf den nächsten Artikel bei petersgradmesser.

    1. Danke für deinen sehr ausführlichen sachlichen Kommentar.

      „In dreissig Jahren habe ich keine FCB-Mannschaft derart konfus gegen einen spielerisch reichlich limitierten Gegner gesehen.“
      => Dann hast du aber die Saison 1991/92 aus deinem Gedächtnis gestrichen 😉 !!

      „Das Argument, der BvB müssen noch bei allen Spitzenteams antreten, kann ich nicht nachvollziehen, Bayern muss schließlich auch noch nach Gladbach und Leipzig, und so schlecht ist die Auswärtsbilanz de Schwarzgelben nun auch wieder nicht.“
      => Eigentlich sollte es heißen, dass der BVB noch bei seinen vier Verfolgern antreten muss … dann hat sich am 17. Spieltag noch Wolfsburg vor Frankfurt geschoben.
      Ich bleibe allerdings dabei, dass das Rückrunden-Programm der Borussen schwerer als das der Bayern ist (u.a. 9 vs. 8 Auswärtsspiele).

      Causa Lucas Hernandez: Wir sollten alle weniger glauben, was uns der Boulevard vorgibt. Ich denke, dass Hernandez im Sommer in München aufschlagen wird.

      Wünsche dir und deiner Familie einen guten Rutsch – und dann diskutieren wir in 2019 weiter! 🙂

  2. Endlich!
    Nach langer Zeit mal wieder ein Petersgradmesser Beitrag!
    Und jetzt weiß ich auch wieder, was ich so lange vermisst habe… jenseits von Boulevard und Taktik-Freak-Miesmacherei 😉

    Vielen herzlichen Dank für die vielen ausgezeichneten Beiträge über die Jahre, einen guten Rutsch und auf wieder mehr Beiträge ab 2019!!!

    1. Hallo Derbysieger,
      zunächst einmal vielen Dank für das Lob — und ich gelobe Besserung, was die Häufigkeit der Beiträge in nächster Zukunft betrifft … versprochen!!
      Auch dir und deiner Familie einen guten Rutsch in ein tolles Jahr 2019 (nicht nur für uns Bayernfans) 🙂

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