1932 – die Meister-Bayern feiern

1932

Heute – nach 28 Deutschen Meisterschaften – gelten die Meisterfeiern der Bayern fast schon als „Routineangelegenheit“. 1932, nach dem Gewinn der ersten Meisterschaft, war das noch ganz anders.

Nachdem die Spieler, Funktionäre und Fans schon unmittelbar nach dem siegreichen Finale in Nürnberg „die Sau rausgelassen hatten“ – unter anderem wurde der Viktoria, der damaligen Trophäe für die Deutsche Meisterschaft, das Nachthemd des FCB-Präsidenten Kurt Landauer angezogen und derart verhüllt landete sie in seinem Bett  😉  – gab es am darauffolgenden Tag, genau heute vor 86 Jahren, einen triumphalen Meisterempfang in München.

Dazu ist in der 50-Jahres-Chronik des FC Bayern zu lesen:

„Der Einzug in München war ein triumphaler: Die Herren Sorg und Klippstein hatten in der zur Verfügung stehenden knappen Zeit von 24 Stunden alles meisterlich aufgezogen. In einer Kette mit Schimmeln bespannten Landauern (wie passend, dass selbst der Kutschentyp den Namen des Bayern-Präsidenten trug 😉 ) zogen wir vom Südbau des Hauptbahnhofes über den Stachus durch die Neuhauser- und Kaufingerstraße über den Marienplatz in die Münchner Stadt ein. Große Gruppen unserer Aktiven und Jugendlichen, alle in der schmucken rot-weißen Bayerndreß, eröffneten und schlossen den Zug. Tausende von rot-weißen Fähnchen waren unter den spalierstehenden Münchnern verteilt worden, die den ganzen Zugsweg in dichten Mauern umsäumten. Die Heil- und Hochrufe und das Fähnchenschwenken wollten kein Ende nehmen. München begrüßte seinen ersten und bisher einzigen Deutschen Fußballmeister, seine „Bayern“, in stürmischer Sportbegeisterung. (Heutzutage stolpert man wohl ziemlich schnell über die „Heilrufe“ – 1932 sollten diese aber noch ziemlich unbelastet und ausschließlich ein Ausdruck eines puren Jubels gewesen sein).

1932_Siegesfeier in München 2

Bild: Start des „Meisterkorsos“ am Südbau des Hauptbahnhofes

1932_Siegesfeier in München

Bild: Der Triumphzug zwischen Stachus und Marienplatz

Die Lokalpresse schrieb über diesen Empfang: „München, jenes gemütliche München, dem man in aller Welt die ruhige, fast einer Großstadt fremde Lebensweise nachrühmt, das – konservativ in seiner Art – eigentlich lange braucht, bis es sich für etwas begeistern kann, dieses München verschwand gestern im Freudentaumel und in Siegesfreude.“

Und Sigmund „Sigi“ Haringer, einer der Meisterspieler, gibt später zu Protokoll, dass die Festivitäten „in allen möglichen und unmöglichen Restaurants und Bars und Nachtlokalen der Stadt“ 14 Tage angedauert haben!

Eine wahrlich meisterliche Feier!  😉

 

Titelbild: Torschütze Oskar „Ossi“ Rohr und Ludwig „Lutte“ Goldbrunner auf ihrem „Landauer“. Der „Lutte“ war übrigens mit 39 Länderspielern der Rekordnationalspieler des FCB, bis ihn ein gewisser Franz Beckenbauer überholt hat (7. Juni 1970 bei 5:2 gegen Bulgarien im Vorrundenspiel der WM 1970 in Mexico).

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6 Kommentare zu „1932 – die Meister-Bayern feiern“

  1. Geile Fotos. Auch das mit den Landauern gefällt mir. Und überhaupt: Hätte Hitler „Kräuter“ gehießen, hätte sich das „Heil“ verdünnisiert 😉

    1. Ja, klasse Zeitreise in die Vergangenheit des FC Bayern und von München.

      Wie eine 12-jährige „totale Verirrung“ eine Sprache auf Dauer (Ewigkeit ?) prägen und verändern kann … Das ist nicht lustig )-:

    2. Hast du damit eigentlich bewusst den Karl Valentin zitiert?

      Dieser ist übrigens in Planegg beerdigt, in dem Münchner Vorort, wo Kurt Landauer geboren wurde. Beide Zeitgenossen: Valentin Jahrgang 1882, Landauer Jahrgang 1884.

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