FC Bayern – Historie  — der „Bayerndusel“

1975_Europapokalsieg

 

Der sog. „Bayerndusel“ – ein ebenso ärgerliches wie ausgelutschtes Thema, welches aber zum Ärgernis aller Bayern(fans) immer wieder auftauchen wird. Und wenn man der Süddeutschen Zeitung glauben will, hat dieses „unverschämte Glück“ der Bayern sogar eine Geburtsstunde: Heute vor 43 Jahren besiegte der FC Bayern in seinem zweiten Endspiel um den Europapokal der Landesmeister im Pariser Prinzenpark den englischen Meister Leeds United, wenn man die Spielanteile betrachtet, sicher „glücklich“ mit 2:0.

Eigentlich gäbe es zu „Bayerndusel“ und „Bayernbonus“ wirklich nichts mehr Neues zu schreiben. Ich möchte nur noch einmal an die vielen Male erinnern, in welchen die Münchner (äußerst) unglücklich im Europapokal gescheitert sind, wie zur Bestätigung auch in der abgelaufenen Saison 2017/18 gegen Real Madrid, und an einen älteren Blogbeitrag erinnern https://petersgradmesser.wordpress.com/2015/09/14/bayern-bonus-und-dusel/

Nachdem sich aber der zweite Landesmeistercupsieg heute zum 43. Mal jährt, bin ich etwas zufällig über einen SZ-Artikel aus dem Jahr 2012 gestoßen, in welchem vor dem „Finale dahoam“ alle Europapokalendspiele der Bayern kurz zusammengefasst wurden.

http://www.sueddeutsche.de/sport/alle-cl-endspiele-des-fc-bayern-dusel-holzpfosten-und-nachspielzeit-alptraeume-1.1359300-3

Über das Endspiel vom 28. Mai 1975 steht folgendes geschrieben:

„Für manche ist das Finale gegen Leeds United im Prinzenpark von Paris die Geburtsstunde des Bayern-Dusels. Die Münchner sind nach den Ausfällen von Björn Andersson und Uli Hoeneß während der Partie geschwächt, haben viel Glück bei zwei Schiedsrichterentscheidungen (Elfmeter und Abseits) und treffen wie aus dem Nichts zweimal: Roth und Müller – 2:0.“

Ja, ich habe als kleiner Junge das Endspiel im TV gesehen und Leeds United ist auch in meiner Erinnerung 70 Minuten – mehr oder weniger ungestüm und brachial – angelaufen. Ich kann mich sogar noch an die beiden beschrieben Szenen – Elfmeter und Abseits – erinnern: Ein „Kann-Elfmeter“ für den englischen Meister – nachdem das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt aber noch nicht solange her ist, möchte ich einen kleinen Vergleich ziehen und Herrn Zwayers Bewertungsschema als Maßstab gelten lassen: Da war gar nichts!! 😉

Die Abseitsbewertung war nach damaliger Auslegung absolut regelkonform und eigentlich unstrittig. Trotzdem auch Zustimmung zum geschilderten Spielverlauf: Die Bayerntore wurden tatsächlich aus dem Nichts erzielt und haben den Spielverlauf auf den Kopf gestellt.

Jetzt möchte ich aber gerne auch auf die fast schon als „Nebensatz“ einzuordnende SZ-Info „Die Münchner sind nach den Ausfällen von Björn Andersson und Uli Hoeneß während der Partie geschwächt…“ eingehen. Natürlich waren die Bayern dadurch geschwächt, die Ausfälle passierten früh in der Partie. Sepp Weiß kam bereits in der 4. Spielminute für Björn Andersson ins Spiel, Klaus Wunder in der 42. für Uli Hoeneß und damals waren nur zwei Auswechslungen pro Spiel erlaubt. Gerade die enorme Geschwindigkeit und Konterstärke von Uli Hoeneß wären bei der Spielverlagerung extrem wichtig gewesen. Der spätere Bayernpräsident kam aber nie ins Spiel, weil er schon sehr früh im Spiel angeschlagen war.

Zurück zur Behauptung, dieses Endspiel wäre so etwas wie die Geburt des „Bayern-Dusels“ gewesen: Die frühen Verletzungen der beiden Bayernspieler waren nämlich Resultate von wirklich brutalen Fouls der Engländer. Ein gewisser Terry Yorath spielt dabei in meinen Erinnerungen keine unwichtige Rolle. Nach heutigen Maßstäben hätte es bereits in der Anfangsphase des 1975er Finals ein oder sogar zwei Platzverweise für Leeds United geben können, wenn nicht müssen. Und wie wäre das Spiel dann verlaufen? Einen „Schiedsrichter-Bonus“ hatten die Bayern damals ganz gewiss nicht.

Irgendwie beruhigend, dass bereits die „Geburtsstunde des Bayerndusels“ einem „Geburtsfehler“ entsprungen ist! 😉

Und viele Mythen um diese „geballten Bayernvorteile“ beruhen ebenfalls auf Wahrnehmungsfehlern und Gedächtnislücken: Das viel diskutierte Hummels-Endspieltor im BVB-Trikot im Jahr 2014: Der Mats hatte dieses vermeintliche Tor nach einer falschen Freistoßentscheidung aus Abseitsposition erzielt. Aber wer weiß das schon noch? Lediglich die Rettungsaktion von Dante hinter der Torlinie ist in den meisten Gedächtnissen erhalten geblieben.

Saisonfinale 2001 in Hamburg: Patrick Anderssons 1:1 in der Nachspielzeit – dieser unverschämte Bayerndusel und –bonus macht Schalke zum „4-Minuten-Meister“ bzw. „Meister der Herzen“, während die „Dusel-Bayern“ tatsächlich die Meisterschale stemmen dürfen. Dass Carsten Jancker eine Viertelstunde vor Spielende ein absolut reguläres Tor erzielt hat, welches zu Unrecht keine Anerkennung gefunden hat – geschenkt, unwichtig, denn der Mythos muss leben.

Sollte man sich aktuell einen Verein suchen müssen, welcher wirklich ein schon mehr als unverschämtes Glück hat – und auch den entsprechenden Schiedsrichter-Bonus, denn möge man nach Madrid schauen. Einen derartigen Dusel wie der aktuelle Champions League Sieger hatte der FC Bayern in seiner gesamten Vereinsgeschichte nie, vom angeblichen Bonus durch die „Unparteiischen“ ganz zu schweigen.

 

Bild: Münchner AZ vom Mai 1975, eigene Sammlung

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3 Kommentare zu „FC Bayern – Historie  — der „Bayerndusel““

  1. Wer sich wirklich für den FC Bayern und vor allem seine beeindruckende Geschichte interessiert, dem lege ich Petersgradmesser wärmstens ans Herz! Mein allerhöchster Respekt!👍⚽️

    1. @ Christoph und Derbysieger: danke Euch beiden.

      Leider ist dieser Beitrag (selbst auf FB) nahezu in der Ramos-Debatte untergegangen.

      Und so wird es auch weiterhin massenhaft Bayernfans geben (v.a. die selbst selten bis nie im Stadion sind), die sich vom Boulevard mit dem Thema „Bayerndusel“ einlullen lassen 😟😞😖

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