Bashing gegen Robert Lewandowski

Lewy_Torjubel

 

Scheinheilige Fußballwelt: „Fußball-Deutschland“ – Fans und Medien – beklagt den Niveau-Verlust der eigenen Liga und das Abwandern der Stars nach England und Spanien. Wenn man sich jedoch den Umgang mit den wenigen in der Bundesliga verbliebenen Weltklassespielern betrachtet, hat man eher das Gefühl, dass diese sämtlichst außer Landes getrieben werden sollen. Arjen Robben erging dies lange Zeit so, vor allem im Frühjahr 2012. Mario Götze, dessen Karriere mittlerweile aus verschiedenen Gründen leider arg ins Trudeln gekommen ist, war vor allem während seiner Zeit beim FC Bayern ein permanentes Mobbing-Opfer der Medien, aber auch der „Fans“, die sich durch die permanenten Fehlinformationen des Boulevards beeinflussen ließen. Und seit ca. einem Jahr ist Robert Lewandowski der Hauptleidtragende von perfiden medialen Schmutz- und Diffamierungskampagnen.

Obwohl Robert Lewandowski im Dezember 2016 seinen Vertrag beim FC Bayern bis zum 30. Juni 2021 verlängert hat, berichten die Boulevardmedien seit Sommer 2017 permanent davon, dass er unter allen Umständen zu seinem „Lieblingsclub Real Madrid“ wechseln möchte. Meist wird der Vorstandsvorsitzende Kalle Rummenigge dabei mit einer gewissen Süffisanz zitiert, wenn das Wort „Lieblingsclub“ erwähnt wird. Jener Rummenigge, der vor Kurzem darauf gewettet hat, dass Lewandowski auch in der kommenden Saison beim FCB spielen wird. Nachdem die Boulevardmedien von ihrer Version jedoch nicht abweichen und eine Vielzahl an „Fans“ diesen offensichtlich mehr Glauben schenken als dem Vereinsboss, ist Lewandowski mittlerweile bei nicht wenigen Bayernfans als „Söldner“ verschrien. Als Beweis, dass dies der Realität entspricht, wird sein angeblich „erzwungener Abschied“ in Dortmund herangezogen.

Dazu sei erwähnt, dass Lewandowski 2013 tatsächlich ein Jahr vor seinem Vertragsende in Dortmund zum FC Bayern wechseln wollte. Wer sich mit Profifußball und seinen „Regeln“ befasst, weiß aber auch, dass die meisten Vereinswechsel ein Jahr vor Vertragsende passieren, weil dies der letzte Zeitpunkt ist, zu dem der abgebende Verein eine Ablöse erzielen kann. Lewy hatte damals offensichtlich auch vom BVB-Boss Watzke die Zusage, im Sommer 2013 nach München wechseln zu dürfen. Nachdem aber der FCB im April 2013 bei Mario Götze dessen Ausstiegsklausel genutzt hatte, konnte sich Herr Watzke offenbar nicht mehr an das an Lewandowski gegebene Versprechen erinnern: Lewandowski blieb bis zum Vertragsende 2014 in Dortmund, wurde dort Bundesligatorschützenkönig und wechselte nach der Saison ablösefrei nach München. Übrigens ein Szenario, welches dem FC Bayern nach dem Wechseltheater um Michael Ballack (2005 bis 2006) nie mehr passiert ist. Söldnertum sieht etwas anders aus.

Eine nette Randnotiz: In einem Forum forderte ein „Bayernfan“ seinen Verein auf, sich schnellstmöglich vom „Söldner Lewandowski“ zu trennen und wieder Mario Mandzukic zurückzuholen, weil sich dieser viel mehr mit dem FCB identifizieren würde. Zum Vergleich: Lewy spielte seit 2010 nur bei zwei Vereinen. Im selben Zeitraum spielte dagegen die „Identifikationsfigur“Mandzukic in vier Vereinen: Wolfsburg, Bayern, Atlético und Juve. Angeblich steht der fast 32-jährige Kroate nun vor einem Wechsel zu Milan. Logik ist nicht unbedingt das Ding vieler Fußballfans.

Im August 2017 gab Robert Lewandowski ein viel zitiertes Interview im Spiegel. Dafür bekam er – von den eigenen Fans – eine Unmenge an Kritik verabreicht. Grund: Wahrscheinlich hat nicht einmal ein Prozent der Kritiker aus den „eigenen Reihen“ das sehr seriöse Originalinterview gelesen. Stattdessen schenkte man einmal mehr den verfälschenden Kurzversionen des Boulevards Glauben. Spätestens damals hatte die „Hexenjagd“ gegen den polnischen Weltklassestürmer im Diensten des FC Bayern begonnen.

Und weil ein „Söldner“ sowieso nicht besonders sympathisch ist, begann man in den Medien im Laufe der Saison systematisch damit, ihn zum einen von der Mannschaft zu isolieren, zum anderen seine Leistungen zu kritisieren. Hierzu die Kicker-Notentabelle nach dem 33. Bundesliga-Spieltag:

Topspieler BL

„Erstaunlicherweise“ weist diese Rangliste Robert Lewandowski als konstant besten Spieler der gesamten Bundesliga-Saison aus.

Nun werden einige sagen: Die Hauptkritik richtet sich auch weniger gegen seine Leistungen im nationalen Fußballgeschäft, sondern viel mehr gegen seine Leistungen in der Champions League, in welcher er in 12 Spielen „nur“ fünfmal traf.

In der WM-Qualifikation erzielte er übrigens 16 von 28 Toren Polens und damit eines mehr als Cristiano Ronaldo. Diese 16 Treffer bedeuten einen neuen Allzeit-Rekord in Europa. Zum Vergleich: Deutschland erzielte in der WM-Quali satte 43 Tore. Die erfolgreichsten deutschen Schützen waren dabei Thomas Müller und Sandro Wagner mit jeweils fünf Treffern.

Apropos Cristiano Ronaldo: Dieser wird ihm von Medien und „Fans“ immer wieder wie ein Spiegel vorgehalten: Schau her, Robert, wie viele Tore die „Marke CR7“ in der Champions League macht. Das ist Klasse – dazu fehlt dir noch einiges! Dass auch ein Ronaldo bei einer wirklich beeindruckenden Quote von 15 Toren in 12 CL-Spielen vier Elfmeter benötigt und dabei vier Treffer gegen Nikosia beinhaltet sind (u.a. das 5:0 und 6:0 im Rückspiel) interessiert dabei niemanden. Apropos Elfmeter: Hätte der FC Bayern in den beiden Halbfinalspielen gegen Madrid nur die beiden glasklaren (jeweils einer pro Partie) von vielen möglichen erhalten und Lewy hätte diese bei seiner extrem hohen Elfmeterquote verwandelt, wäre er aktuell „Europas Fußballheld“ und der in beiden Spielen gegen Bayern grottenschlechte CR7 der „Depp“.

Leider ist es nicht so gekommen und nicht der in beiden Spielen extrem enttäuschende CR7 hat von fast allen Seiten Kritik bekommen, nein, es war Robert Lewandowski. Für mich persönlich unfassbar warfen ihm einige sogar mangelhaften Einsatz und eine nicht adäquate Einstellung zum Spiel vor. Diese habe ich als Jahreskartenbesitzer noch nie bei dem Polen feststellen müssen.

„Fußball-Experten“ und „Dauer-Besserwisser“ wie Marcel Reif, Didi Hamann und nun sogar Paul Breitner sehen nun in ihm sogar eine Art „Problembären“ für den FC Bayern, welcher sogar in der Mannschaft wenig beliebt und isoliert ist. Das habe ich auch noch nie bei einem Spiel im Stadion feststellen können. Dazu bitte auch die Jubelszene mit James und Müller nach seinem 2:1-Führungstreffer in Köln beachten (Titelbild des Beitrags). Isolation sieht wahrlich anders aus.

Ach ja, was war in Köln geschehen? Lewandowski zeigte sich gegenüber seinem Trainer Heynckes beleidigt, als ihn dieser bereits in der 77. Minute gegen Sandro Wagner ausgewechselt hat. Der Jupp hat dabei natürlich zurecht den Einsatzwillen und die Leistungen von Wagner honoriert. Aber jetzt lassen wir einmal ganz sachlich nüchtern das Dauer-„Jupp Jupp Jupp“ außen vor: Die Auswechslung war in der aktuellen Konstellation durchaus auch ein Affront gegen den polnischen Weltklassestürmer.

Warum ein Affront? Lewy liegt im Rennen um den sog. Golden Schuh, den erfolgreichsten Torjäger aller Europäischen Fußball-Erstligen auf dem dritten Platz gut im Rennen. Mit aktuell 29 Toren liegen nur Messi (33) und Mo Salah (31) vor ihm. Und dass, obwohl in der Bundesliga insgesamt vier Spiele weniger als in England, Spanien, Italien und Frankreich ausgetragen werden. Zusätzlich erschwerend kam für Lewy zuletzt hinzu, dass ihn Jupp Heynckes, um ihn für die Champions League zu schonen, fast gar nicht mehr in der Bundesliga eingesetzt hat. So kommt der Pole in dieser Saison auf lediglich 2079 Bundesliga-Spielminuten, das sind durchschnittlich ganze 63 Minuten pro Spieltag. Was allerdings auch bedeutet, dass er durchschnittlich nur sensationelle 72 Minuten pro Spiel benötigt, um ein Tor zu erzielen. Wäre er vielleicht ein bisschen weniger geschont worden, würde er nach dieser Saison als Europäischer Toptorjäger mit dem Goldenen Schuh geehrt werden. Wer für diesen Ehrgeiz von Lewy kein Verständnis hat (und eventuell noch ein Bewunderer von CR7 ist), den kann ich nicht verstehen….

Man stelle sich vor, Gerd Müller, Ronaldo oder Messi wären von ihren jeweiligen Trainern auf dem Weg zum erfolgreichsten europäischen Torschützen frühzeitig ausgewechselt worden – in diesen Fällen hätte die Öffentlichkeit immer den Trainer in der Luft zerrissen …

Apropos „für die Champions League schonen“: Jupp Heynckes hat dies zwar ganz sicher nur gut gemeint, aber vielleicht haben genau diese Spielpausen Lewandowski etwas aus dem Rhythmus gebracht? Vielleicht sind selbst die Ideen einer (Trainer-)Legende nicht immer die allerbesten? Lewandowski hatte eventuell genau dieses Gefühl in sich, hat sich darüber in der Öffentlichkeit aber nie beschwert, weil er wusste, dass sein Stand damit noch schwerer werden würde. Das frustriert, dann verweigert man schon einmal aus Verärgerung einen Handschlag – und wird daraufhin von „Ritter Paul“ medienwirksam abgewatscht. „Respektlos“ sei dies gewesen – naja, Herr Breitner, wer selbst so oft im Glashaus gesessen ist….

Ich persönlich hoffe, dass Robert Lewandowski als Charakter aus demselben Holz geschnitzt ist wie Arjen Robben anno 2012, sich von Mobbing und Bashing nicht verunsichern lässt. Auch vom FC Bayern wünsche ich mir einmal mehr, sich hinter bzw. vor seinen Weltklassestürmer zu stellen, alle Kritik, alles Unsachliche abprallen zu lassen. Denn ich bin mir absolut sicher, dass Robert Lewandowski in der kommenden Saison definitiv mit dem FC Bayern eine bessere Chance hat, seinen großen Traum, den Gewinn der Champions League, zu erfüllen, als mit den Königlichen aus Madrid. Denn ich glaube, dass die Bayern bereits auf dem allerbesten Weg sind, den viel zitierten Umbruch zu schaffen, der den Madrilenen noch bevorsteht.

Und wer von der großen Klasse der Tormaschine Lewandowski immer noch nicht überzeugt ist, der werfe bitte auch noch einen Blick auf die „ewige Torschützenliste der Bundesliga“. Einzig Gerd Müller hatte eine bessere Quote.

Ewige Torschützenliste BL_07.05.18

 

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8 Kommentare zu „Bashing gegen Robert Lewandowski“

  1. Karl-Heinz Rummenigge will von einem vorzeitigen Abgang Robert Lewandowskis nichts wissen. 👍👍👍

    „Wir wissen, was wir an Robert haben. Ich bin sehr glücklich, dass wir noch so einen langfristigen Vertrag haben, worüber sich keiner Gedanken machen muss. Er wird auch im nächsten Jahr hier in München Fußball spielen“.

    „Es muss sich keiner Sorgen um Robert Lewandowski und das Verhältnis zum FC Bayern machen. Er ist einer der besten Mittelstürmer der Welt und die Quote beweist das jedes Jahr. Und wenn er jetzt mal ein paar Spiele kein Tor erzielt hat, dann ist das auch kein Problem.“

    https://www.sport1.de/fussball/bundesliga/2018/05/karl-heinz-rummenigge-fc-bayern-plant-mit-lewandowski-neuzugaenge-moeglich

  2. Schön dass Du Dich nicht von all den Wichtigtuern beeinflussen lässt und den Mut aufbringst Dich hier gegen den Mainstream zu stellen. Freue mich schon auf Deinen nächsten Artikel.

  3. Danke für den Artikel! Ich wäre beinahe selbst auf die Medienhatz reingefallen. Hier ist ein Beispiel wie sie geht.

    In einem SPORT1 Interview kritisiert Sepp Maier auf seine grantige Art eine schlechte Leistung von Lewy gegen Madrid. Gut. Große Bashing-Schlagzeile und entsprechender Artikel: „Maier schießt gegen Lewandowski“.

    Der zweite Teil des Interviews wird einfach unterschlagen. Dabei wäre es nicht minder schlagzeilenträchtig: „Fria hods des gar ned gem, des Scheiss Abklatschn“, so die Katze aus Anzing. Sepp Maier kritisiert hier – unbedingt anschauen – den künstlichen Medienhype um das Thema.

    Liebe Redakteure Stefan Kumberger, Jahrgang 1986, der Du fandst nach Zeitungs-Volontariat und Studium 2011 den Weg zu SPORT1. Und lieber Markus Bosch, geboren 1991 am Fuße der Schwäbischen Alb, der Du studiertest in München Medien- und Kommunikationsmanagement:

    WARUM ZITIERT IHR EURE EIGENE QUELLE NICHT VOLLSTÄNDIG? Was wäre das? Ach ja. Journalismus.

    Quelle
    https://www.sport1.de/fussball/bundesliga/2018/05/fc-bayern-wirbel-um-robert-lewandowski-sepp-maier-uebt-kritik

  4. Petersgradmesser spricht mir einmal mehr aus dem Herzen!

    Dass sich der Boulevard an solchen Geschichten aufgeilt und Quoten macht, ist leider eine traurige Erscheinung unserer Zeit.
    Dass sich die „Fans“ – sehr schön, dass du diese immer in Anführungszeichen bringst – aber am Mobbing an Spielern des eigenen Vereins beteiligen, ist unterirdisch – und noch schlimmer: Die kennen nur noch Boulevard und lesen nur noch Überschriften.

    Und dann kommen zu den bekannten „Gschaftlhubern“ noch die Paul Breitners. Seit seinem Rücktritt vom Fußball (1983!!) hat er dort gar nichts mehr gerissen. Nicht Trainer, nicht Funktionär, obwohl er sich eigentlich selbst als Bundestrainer (1998) und als Real Madrid Präsident (1983 bis heute? 😉 ) gesehen hat bzw sieht … nur noch peinlich!

    1. Super-Artikel!

      Der einzige (kann eigentlich gar nicht wahr sein!), der dieses leidige Thema in dieser Form aufbereitet.

      Petersgradmesser for FCB Mediendirektor 😉 😉

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