Der Fußballgott ist ein Vollpfosten – Teil 2

Super Bayern_Madrid 2018

 

Der sog. „Fußballgott“ entpuppt zum wiederholten Male als „Totalversager“. Im Champions League Halbfinal-Duell zwischen Real Madrid und dem FC Bayern ist leider einmal mehr die über 180 Minuten klar bessere Mannschaft unverdient und unglücklich ausgeschieden.

Gerade das gestrige 2:2 in Madrid dient nahezu als Lehrfilm, warum das Märchen von den Dusel-Bayern und vom Bayern-Bonus der größte Schwachsinn ist, seit Fußball gespielt wird.

Als „leidenschaftlich leidender“ Fan des deutschen Rekordmeisters stellt man mittlerweile mit Erschrecken fest, wie man im Ein- bis Zwei-Jahres-Rhythmus ziemlich fassungslos das internationale Ausscheiden der eigenen Mannschaft erklären und in Folge verdauen soll. Meist handelt es sich bei den Erklärungsversuchen um einen Mix aus einer unerklärlichen Ineffektivität des Teams vor dem Tor trotz höchster Überlegenheit, einer unglücklichen Spielentwicklung, nicht selten in Folge von unerklärlichen Schiedsrichterentscheidungen. In den letzten Jahren kamen zusätzlich noch ein fast schon unheimliches Verletzungspech bei wichtigsten Leistungsträgern, aber auch totale Blackouts von Spielern in entscheidenden Situationen dazu.

Seit der FC Bayern in der Phase von 1974 bis 1976 dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister geholt hat, stand er insgesamt 21 Mal in einem europäischen Halbfinale – nur dreimal (1996, 2001, 2013) holte man sich anschließend den Cup. Mindestens vier von fünf Champions League- bzw. Landesmeister-Cup-Endspiele wurden auf nahezu traumatische Weise verloren (1982; 1987; 1999; 2012). Beim 2010 in Madrid(!) verlorenen Finale gegen Inter fehlte zudem der damals überragende Franck Ribéry aufgrund einer höchst umstrittenen Sperre. Und auch bei mehr als der Hälfte der Halbfinals schied man unglücklich oder unverdient aus.

Ich möchte nur an das Ausscheiden vor fast genau zwei Jahren gegen Atlético Madrid erinnern. Eine im Rückspiel turmhoch überlegene Bayern-Mannschaft scheiterte aufgrund der Auswärtstorregel im Europapokal. Nicht zum ersten Mal konnte man als FCB-Fan damals mit dem „Fußballgott“ hadern, was in diesem Blog schriftlich auch erfolgte:

https://petersgradmesser.wordpress.com/2016/05/04/der-fussballgott-ist-ein-vollpfosten/

Die „11 Freunde“ haben heute einen durchaus lesenswerten Artikel über den Lerneffekt der Bayern beim diesjährigen Ausscheiden gegen Madrid geschrieben: Im Gegensatz zu irgendwelchen Taktikfreaks haben sie es ebenso banal wie passend einfach getan: „That´s football.“ Unberechenbar, wild, sehr häufig nicht gerecht. Nun gut, die 11 Freunde meinten, dass wir gerade deswegen den Fußball so lieben würden. Zumindest die Bayernfans würden dies in den nächsten Wochen und Monaten eher nicht unterschreiben.

Wenn man derart unglücklich und unverdient wie Bayern gestern im Bernabeú ausscheidet, dann kann man daraus wirklich kaum Lehren ziehen. Wie sollte das auch gehen? Welcher Fußballspieler kann sich „mehr Effektivität vor dem Tor“ vornehmen und dies dann auch tatsächlich umsetzen? Es sei denn, dass diese Ineffektivität ein Ergebnis einer totalen Unkonzentriertheit wäre. Diese kann man den gestern extrem fokussierten Bayern wohl kaum vorwerfen. Sind Schiedsrichterleistungen, aber auch Verletzungen kontrollierbar? Wohl auch nicht.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass in der nächsten Saison das Glück, der „Bayern-Dusel“ zurück- bzw. eher endlich in München ankommen soll. Auf der Leistung von gestern, aber auch der der gesamten Saison kann man auf alle Fälle aufbauen. Junge Spieler drängen sich als absolute Leistungsträger immer mehr in den Vordergrund. Der FC Bayern ist für die Zukunft gerüstet, auch für die internationale.

Und an die nationale deutsche Konkurrenz: Bitte endlich hinsichtlich einer spannenderen Bundesliga die eigenen Hausaufgaben machen. Wenn man gerade wieder hört, dass Verantwortliche der soeben in die Bundesliga aufgestiegenen Fortuna aus Düsseldorf eine „gerechtere Umverteilung der Fernsehgelder“ fordern, dann möchte ich diese nur darauf aufmerksam machen, dass eben gerade diese Umverteilung in der Bundesliga solidarischer als in fast allen anderen Ligen ist. Die englische Premier League sollte da die absolute Ausnahme bilden. Dort bekommt aber der Tabellenletzte schon mehr TV-Gelder als der deutsche Krösus FC Bayern. Und die Fortuna ist doch auch nicht mit dem Ziel in die Bundesliga aufgestiegen, dass man die Bayern auf das bescheidene Niveau der Ligakonkurrenz herunter bringt.

An die Fans der deutschen Konkurrenz: Auch in der Bundesliga gibt es keinen Bayernbonus oder Bayerndusel. Und ganz ehrlich: Selbst wenn dieser vorhanden wäre, was hier ausdrücklich bestritten wird, dann spielt er aktuell bei dieser gnadenlosen Überlegenheit und Dominanz keine Rolle. Ob es am Schluss zehn, 15, 20 oder 25 Punkte Vorsprung in der Tabelle sind, ist zum einen unwichtig und zum anderen am wenigsten die Schuld der Bayern!

 

6 Kommentare zu „Der Fußballgott ist ein Vollpfosten – Teil 2“

  1. Die Barca-Fans auf Seiten der Bayern?! 🤔😝

    Klar, wenn es um Duelle gegen Real Madrid geht. 😜

    Hier zeigt eine Barca-Fanseite SECHS(!) mögliche nicht für Bayern gegebene Elfmeter aus den beiden Halbfinalduellen.
    Übrigens sind darunter vier Fouls an Robert Lewandowski, den die Bayern-Legenden Sepp Maier und Paul Breitner, ebenso wie viele andere „Bayernfans“, in beiden Spielen nicht gesehen haben möchten. 🤨🤔🤔

  2. Ich mag diese emotionalen Petersgradmesser Beiträge. Hat nichts mit dem reißerischen Boulevard-Sch*** zu tun, aber auch nicht mit dem nüchtern-sachlichen Gequake von anderen (sogar in der TZ – bezeichnenderweise!) gehypten Seiten.

    Das hier ist „Fußball pur“ – gepaart mit nahezu einmaligen Hintergrundinfos und Kontexten, mit denen alle anderen nicht ansatzweise mithalten können.

    Weiter so – meine absolute Lieblingsseite!

    1. Herzlichen Dank, Erich.

      Genau darauf kommt es mir auch an. Fußball ist auf alle Fälle Emotion pur — und wenn diese (bei den Fans) wieder etwas abebbt, dann sollte auch die Sachlichkeit wieder mehr Einzug halten … und zwar in dem Maße, in dem es die sog. Vereinsbrille zulässt 😉 Zumindest bei den Fans. Bei den Medien sollte es etwas anders sein – und die Blogger sind in etwa dazwischen. 😉

  3. Ich gebe dem Schreiber vollkommen Recht. Wäre nur ein klein wenig Dusel im Spiele gewesen, hätte man gestern das Spiel gewonnen. Diejenigen die immer nur vom Bayern-Dusel Reden sind die Neider. Ich war schon ziemlich traurig, aber so ist nun mal Fussball. Ullreich hat schon so viele Spiele mit entschieden, man muss auch ihm zugestehen, nur ein Mensch zu sein.

    1. International ist der sog. „Bayerndusel“ spätestens 1976 irgendwo im Nirwana verschwunden … leider…

      Ulreich hat sich für seinen Blackout leider das denkbar ungünstigste Spiel ausgewählt – ganz bitter, vor allem auch für ihn.

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