Bayern bei Bayer – legendäre Historie

Lothar_Tor des Jahres_Leverkusen

 

Am morgigen Freitag treten die Bayern – ohne Neuer, Lewandowski, Hummels und Thiago – zum Rückrundenstart beim Tabellenvierten Bayer Leverkusen an. Alles andere als eine einfache Aufgabe, auch wenn das „Vizekusen“ der früheren Jahre diesen Titel längst an andere Bundesligisten abgetreten hat. Die jüngere Bundesliga-Geschichte wies bei diesem Aufeinandertreffen meist wenig spektakuläre Partien, zuletzt sogar zwei Nullnummern in Folge, auf, dennoch gab es in den nun 39 gemeinsamen Bundesligajahren ein paar „Kracher“ in Leverkusen.

Während die Gesamtbilanz zwischen diesen Vereinen, obwohl jahrelang direkte Titelkonkurrenten, mit 45 Bayern-Siegen – 16 Unentschieden – 16 Bayer-Siegen eine sehr einseitige ist (144:89 Tore), ist die Heimbilanz von Leverkusen in diesen Duellen eine ziemlich ausgeglichene: 15 Bayernsiege – 10 Unentschieden – 13 Bayer-Siege. Das Torverhältnis lautet sogar 56:54 pro Leverkusen. Hauptverantwortlich hierfür waren einige wirklich empfindliche Niederlagen der Bayern bei der „Werkself“.

Das allererste Bundesliga-Spiel von Leverkusen war gegen Bayern – und zwar am 11. August 1979 im Münchner Olympiastadion und wurde mit 1:3 (0:2) verloren. Aber schon das Rückspiel zum Rückrunden-Auftakt am 19. Januar 1980 zeigte damals, dass sich die Aufsteiger aus Leverkusen keineswegs als Bundesliga-Fahrstuhl-Mannschaft präsentieren würden: Gegen den späteren Meister aus München wurde mit 1:0 gewonnen. – Hoffentlich kein Muster oder böses Omen für das morgige Spiel, weil die bisherigen Saison-„Rahmendaten“ zwischen beiden Teams identisch zu jenen aus der Saison 1979/80 sind.

Drei wirklich „legendäre“ Duelle fallen mir zu den bayerischen Gastspielen in Leverkusen ein, natürlich alle mit positivem Ausgang für Bayern:

Letzter Spieltag der Saison 1987/88, 21. Mai 1988:

Ein eigentlich bedeutungsloses Spiel: Die Bayern konnten den frisch gebackenen Meister Werder Bremen nicht mehr von der Spitze verdrängen und würden die Saison als Vize-Meister beenden, Leverkusen dagegen spielte eine mittelmäßige Bundesligasaison und landete als Achter auch im Mittelfeld.

Leverkusen legte damals los wie die Feuerwehr und führte nach 18 Minuten mit 3:0 – den Bayern drohte ein Debakel. Lothar Matthäus in seinem vermeintlich letzten Bundesligaspiel für Bayern, bevor er im Sommer 1988 zu Inter nach Mailand ging, verkürzte in der 20. Minute zum 1:3. Das war auch der Halbzeitstand. In der 2. Halbzeit drehten ein gewisser Ulli Bayerschmidt und zweimal Jürgen – die „Kobra“ – Wegmann mit ihren Toren das Spiel komplett und Bayern verabschiedete sich erhobenen Hauptes aus einer insgesamt eher mäßig verlaufenen Saison, der ersten mit Jupp Heynckes auf der FCB-Trainerbank.

Zwei erwähnenswerte Randnotizen zu diesem Spiel:

Bayer spielte zwar keine gute Bundesligasaison, aber international war man 1987/88 erfolgreich wie nie wieder in der Vereinsgeschichte (wenn man davon absieht, dass man 2002 das Champions League Finale nur sehr unglücklich gegen Madrid verlor). Drei Tage vor dem Bayernspiel gewann man zu Hause im Ulrich-Haberland-Stadion den UEFA-Pokal. Dieser war damals – im Gegensatz zur heutigen Europa League – ein hochklassiger Wettbewerb und auch das Finale wurde in Hin- und Rückspiel ausgetragen: Nach einer 0:3-Auswärtsschlappe bei Espanyol Barcelona drehte Bayer im Rückspiel das Ergebnis nach einer fulminanten Aufholjagd in der 2. Halbzeit. Auch nach 120 Minuten stand es noch 3:0 – das nötig gewordene Elfmeterschießen gewann Leverkusen mit 3:2.

Vielleicht ist mit diesem Triumpf auch das spektakuläre Spiel gegen Bayern zu erklären: Noch in der Euphorie des internationalen Pokalgewinns spielte man zu Beginn groß auf – als der bayerische Widerstand jedoch aufkeimte, machten sich die „Feier-Strapazen“ bemerkbar   😉

Der zweifache Bayern-Torschütze Wegmann schoss ein halbes Jahr später mit einem sensationellen Fallrückzieher beim 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg das Tor des Jahres. Bei seiner herausragenden akrobatischen Nummer dachte er aber ausschließlich an den Torerfolg, weniger an seine eigene Gesundheit – Folge: Bei der Landung zog er sich eine schmerzhafte Rippenprellung zu.

 

Saison 1992/93; 21. November 1992:

Lothar Matthäus musste nach vier durchaus erfolgreichen Jahren in Mailand – auch als amtierender Weltmeisterkapitän – die Erfahrung machen, dass die Italiener mit verdienten verletzten Spielern nicht sehr zimperlich umgehen. Nach einer langwierigen Pause in Folge eines Kreuzbandrisses kehrte er deshalb kurz vor Transferschluss im August 1992 zurück nach München zu den Bayern.

An jenem Novembernachmittag 1992 erzielte der Rückkehrer nach über 4 ½ Jahren sein erstes Tor für Bayern: Und was für eines! Wenn viele jüngere Bayernfans von Arjen Robbens 2:3 im Champions League Viertelfinale 2010 in Manchester schwärmen, sollten sie sich einmal Lothars Hammer zum 2:1-Führungstreffer in diesem Spiel anschauen. Die Bayern drehten nach einem 0:1-Halbzeitrückstand das Spiel und gewannen 4:2 und Lothars Treffer wurde zum Tor des Jahres gekürt. (siehe Titelbild und auch hier http://www.sportschau.de/sendung/tdm/archiv/chronik90er/november1992tdm100.html  ).

 

Saison 2000/01; 32. Spieltag, 5. Mai 2001:

In einem eigentlich müden Kick zwischen Bayer und Bayern ermöglichte es ein Kopfballtreffer von Roque Santa Cruz zum 1:0 kurz vor Spielende, dass die Bayern jenen „Wahnsinns-Mai 2001“ letztendlich so erfolgreich beenden konnten. Ohne dieses Tor wäre die Meisterschaft mit dem „Vier-Minuten-Meister-Drama auf Schalke“ wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Es würde keine Legende vom „Meister der Herzen S04“ geben und die mittlerweile 60-jährige Schalker Sehnsucht nach der Schale wäre längst beendet 😉  Das damalige Spiel in Leverkusen war übrigens in die beiden „legendären“ Champions League Halbfinalspiele gegen Real Madrid (1:0; 2:1) eingebettet.

OK – hätten die Bayern am letzten Spieltag in Hamburg von Anfang an auf Sieg gespielt, dann ….

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6 Kommentare zu „Bayern bei Bayer – legendäre Historie“

  1. Ja, das Tor vom Lothar, was für ein Hammer! Der Kommentator damals meinte sinngemäß, dass sich die Herren von Inter Mailand nun gehörig ärgern würden, Matthäus nicht gehalten zu haben.

    1. Wenn man bedenkt, dass er dann noch 7 2/3 Jahre auf allerhöchstem Niveau (abzüglich Verletzungsausfälle wie Achillessehnenriss) bei Bayern gekickt hat, dann haben das die Interisti ganz sicher auch getan.

      Und zurückblickend dürfte sich auch der Loddar ärgern, dass er gut 2 Monate zu früh in die USA gegangen ist. Mit ihm hätten die Bayern 2000 die CL gewonnen, da bin ich mir sicher. Der einzige wirklich wichtige Titel, den er nie gewonnen hat (1987; 1999 ))))-: )

  2. Von dir kann man sehr viel über den FC Bayern lernen 👍🏻 Sehr interessante Zusammenstellung!
    Dass Tor von Loddar war Weltklasse, hab ich bis jetzt nicht gekannt.
    Danke dir Peter! 🔴⚪️⚽️

  3. Sehr sehr originelle Zusammenstellung.

    Das mit „Ich Roque“ hatte ich noch auf dem Schirm, das Loddar-Tor auch, aber 1988!!!??

    Einmal mehr sehr gut! Höchstpunktzahl 🙂

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