Dezember 2017 – Jupp´s Bayern auf Kurs

Jupps Bayern_Dez 2017

 

Nach dem 3:1-Sieg im letzten Champions League Gruppenspiel gegen PSG und mit dem schon wieder beachtlichen Vorsprung von acht Punkten in der Bundesliga-Tabelle nach 15 Spieltagen kann der FC Bayern, obwohl selbst physisch nicht in Topverfassung, gelassen und mit dem nötigen Selbstbewusstsein in die letzten drei Spiele des Kalenderjahres 2017 gehen.

Eigentlich hätte man mit einem (Zwischen-)Fazit bis zum Jahresausklang am 20.12. im Pokal-Heimspiel gegen den BVB warten können, um dann – hoffentlich – zufrieden über ein letztendlich souveränes Überwintern in allen drei Wettbewerben resümieren zu können. Aber die Ereignisse der letzten Tage ließen mich umdenken und animierten mich zu diesem Beitrag.

Fußball-Deutschland hätte Ende letzter Woche dem deutschen Rekordmeister geschlossen applaudieren müssen und dieser Beifall sollte bis in diese Woche andauern. Im Gegensatz zu den anderen sechs deutschen Vereinen, welche sich für die Europapokal-Wettbewerbe in dieser Saison qualifiziert hatten, qualifizierte sich der FC Bayern souverän für die nächste Runde. Nach einem ernüchternden 0:3 Ende September in Paris hatte der Verein die Reißleine gezogen und mit Jupp Heynckes den für die Situation wohl besten Trainer aus der Rente zurückgeholt. Durch die beeindruckende 3:1-Revanche gegen PSG qualifizierten sich die Bayern als punktbester Zweiter der CL-Vorrunden-Historie für das Achtelfinale. Dass durch zahlreiche Fehlleistungen der anderen deutschen Europapokalteilnehmer extrem ramponierte Renommee der BL wurde wenigstens durch den FC Bayern ein wenig aufpoliert.

Der deutsche Fußball und seine Fans sind dieses Dauerszenario schon viel zu sehr gewöhnt, als dass dies eine positive Erwähnung oder gar ein Danke wert wäre. Ganz im Gegenteil: Am Samstag kam es zur X-ten Wiederholung des sog, „Bayern-Bonus“. In Fußballzeiten, in welchen Schiedsrichter(fehl)leistungen und Videobeweis medial mittlerweile mehr Beachtung als die Leistungen der Kicker finden, erdreistet sich der Sportdirektor von Eintracht Frankfurt, Fredi Bobic, zu behaupten, dass nur der FC Bayern gewisse Bevorteilungen durch die Referees in der BL erfahren würde. Beim 1:0-Sieg der Bayern in Frankfurt gab es in der Tat ein paar diskussionswürdige Schiedsrichterentscheidungen, welche aber eben als „diskussionswürdig“ und nicht als eindeutig zu sehen waren. Vergessen wird dabei, dass derartige Entscheidungen auf beiden Seiten getroffen wurden. Das „Pech“ der Bayern war es wohl auch, dass davon hauptsächlich der in Fußball-Deutschland stark polarisierende Arturo Vidal betroffen war.

Und weil der „Bayern-Bonus“ traditionell immer im Duett mit dem „Bayern-Dusel“ auftritt, wurde dies natürlich nach dem Spiel ebenso thematisiert. Hatten es die „Dominanz-Bayern“ doch tatsächlich gewagt, in Frankfurt nur 48% Ballbesitz aufzuweisen und die Frankfurter schossen häufiger auf das von Tom Starke gehütete Gehäuse als umgekehrt die Bayern.

Natürlich war die Leistung der Bayern spielerisch und vor allem offensiv alles andere als eine Offenbarung, aber wer hat eigentlich zur Gesetzmäßigkeit erklärt, dass die Bayern auswärts und in Führung liegend weiter zum Angriff blasen müssen?! OK, Guardiolas Bayern von 2013 bis 2016 hatten diesen Eindruck erweckt – aber ein Eindruck ist eben kein(e) Gesetz(mäßigkeit)! 😉  Kann sich eigentlich noch irgendjemand daran erinnern, mit wie wenig Ballbesitz Jupps umjubelte Triple-Bayern Barcelona mit einem Gesamtscore von 7:0 pulverisierten?

Wäre das Spiel in Frankfurt genauso aber eben andersherum verlaufen, hätte man von einem „verdienten Sieg von cleveren Frankfurtern“ gesprochen, gegen welche uninspirierte Bayern kein Mittel gefunden haben. Nicht nur Frankfurts Coach Niko Kovac hat bei seinem Fazit, dass sein Team eigentlich den Sieg verdient gehabt hätte, vergessen, dass die Eintracht über die gesamten 90 Minuten keine einzige richtige Torchance hatte – neudeutsch spricht man wohl heutzutage in diesem Fall von zwei bis drei „Halbchancen“.

Sogar zahlreiche Bayernfans, größtenteils wohl die „Guardiola-Fans“, waren vom Bayernspiel in Frankfurt maßlos enttäuscht. Ich dagegen habe zufrieden festgestellt, dass „Jupps Bayern“ 2017 wieder „dreckig“ siegen können. Auch diesbezüglich möchte ich gerne die Erinnerungen wachrütteln: Mit welcher Spielweise haben Carlos Madrilenen im Halbfinal-Hinspiel 2014 gegen Peps „Dominanz-Bayern“ die Voraussetzungen für das Weiterkommen im Rückspiel geschaffen? Real Madrid wurde damals im Anschluss Champions League Sieger – nicht die elf Monate im Jahr überragend spielenden Bayern!

Apropos „Bayern-Dusel“ bzw. „Dusel-Bayern“: Bei der Auslosung zum Champions League Achtelfinale zogen die Bayern gestern das vermeintliche „Glückslos“ Besiktas Istanbul. Wäre man Gruppensieger geworden, wäre man wohl – wie nun PSG – auf den Cupverteidiger Real Madrid getroffen. Medial wurde die Auslosung wenig überraschend und nahezu inflationär als „Bayern-Dusel“ gekennzeichnet. Warum hat eigentlich niemand von „übergeordneter Gerechtigkeit“ gesprochen? Wenn die UEFA das mit dem Financial Fairplay nicht hinbekommt, dann vielleicht die „Losfee“ Xabi Alonso mit von „Fußballgott“ geführter Hand… 😉

Besiktas ist sportlich gesehen sicherlich nicht das „Hammerlos“, wie es Barcelona oder ManCity gewesen wäre, aber dass es auch kein Freilos ist, davon können wohl die Leipziger Bullen nach zwei Vorrundenniederlagen berichten. Und wer sich ein seriöses Bild über den „Bayern-Dusel“ bei Europapokal-Auslosungen der letzten Jahrzehnte machen möchte, wird bei einer genaueren Recherche eher zum Ergebnis kommen, dass die Bayern Jahr für Jahr Pech i.S.v. „Hammerlosen“ hatten. Dagegen ist eine DFB-Pokal-Auslosung bei Leipzig und gegen den BVB in frühen Runden fast schon ein Kinderspiel 😉

Zwischenfazit: Der Jupp-FCB-Sympathie-Bonus gehört in Fußball-Deutschland schon lange wieder der Vergangenheit an, sollte es ihn jemals gegeben haben. Dass die in die Erfolgsspur zurückgekehrten Bayern dies – für manche wahrscheinlich seit der Vereinsgründung im Jahr 1900 – ausschließlich per Bonus und Dusel schaffen können, sollte den Bayernfans seit ebenso langer Zeit maximal noch ein Kopfschütteln entlocken.

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7 Kommentare zu „Dezember 2017 – Jupp´s Bayern auf Kurs“

  1. Der Vorwurf „Bayern Dusel“ war schon immer versteckter Neid.
    Aber unsere Jungs sind (trotz mangelndem Training !) nicht nur auf „Erfolgsspur“ 🙂
    Jupp legt Potenziale frei. Wer von denen wurden nicht in Fanforen kritisiert:

    Coman: „Mr. Uneffektiv“ nun aus dem Carlobann wachgeküsst.
    Kimmich: nun ein Flankengott.
    Süle: ein Hammertransfer.
    Tolisso: Vielleicht auch.
    Rudy: Mal abwarten, aber für 0 Euro kann man das getrost auch.
    James: Ein absoluter Weltklassespieler zum absoluten Schnäppchenpreis.

    1. Ja, absolut korrekt.

      Wobei mich persönlich der stets zu Unrecht behauptete „Bayern-Dusel“ sogar weniger (bis gar nicht mehr) ärgert als der bösartig kolportierte „Bayern-Bonus“.

      Ich persönlich blicke – Stand 12.12.17 – jedenfalls mit Vorfreude gen Rückrunde. 🙂

      1. @ James und Deiner Vorfreude:
        Jupp: „Die Spieler brauchen eine gewisse Zeit zur Integration. Wenn man Südamerikaner ist, dann dauert es eben.“

        Es sei denn:

        „Hopferbach – Ein Bairisch-Kurs in knapp zwei Stunden? Geht. Frag nach bei James Rodríguez! Im Rahmen der Fanclubbesuche verschlug es den Kolumbianer Sonntag nach Hopferbach, einem 700-Seelen-Örtchen (entspricht in etwa 0,02 Prozent seiner Instagram-Follower) im Allgäu, wo der FCB-Latino einem Crashkurs in Sachen Brauchtum unterzogen wurde. Blaskapelle, Böllerschützen, Nageln und Anzapfen – die Red Rockets Hopferbach zogen alle Register.“ aus TZ

  2. Die Diskussion zu diesem Beitrag läuft parallel auf Petersgradmesser FB. Mein absoluter Lieblingskommentar dort von einem H.M. (benütze hier bewusst nur seine Initialien):
    „Eigentlich schon traurig was du da beschreibst. Mittlerweile haben sie es ja schon geschaftft den BVB-Beweis, äh natürlich Videobeweis in ein Instrument umzufunktionieren, das ausdrücklich nur gegen Bayern eingesetzt werden darf. Ist in irgendeiner Zusammenfassung des Spiels, oder Kommentierung erwähnt worden dass Fernandes sich Doppelrot redlich verdient hatte? Nein? Sicher wieder einer dieser Zufälle. Im übrigen habe ich das Spiel in Frankfurt richtiggehend genossen. Ich fand es geradezu herzerfrischend so einem Team mal die eigene Medizin zu verabreichen. Muss ich nicht immer haben, aber die Abwechslung machts.“

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