Das Desaster der Bundesliga in Europa ist perfekt

UEFA-5J 08.12.17

Nach dem Ausscheiden vom 1. FC Köln gestern in Belgrad – 0:1 bei Roter Stern – überwintern lediglich drei von sieben gestarteten Bundesligisten international.

In der sog. UEFA-5-Jahres-Wertung ist die BL als Zweiter, hinter Spanien, aber noch vor England und Italien in die Saison gestartet. Bereits nach den ersten Spielen überholten aber die Premier League und die Serie A die Bundesliga und haben sie mittlerweile in nur einer Halbserie weit hinter sich gelassen.

Während die Engländer bislang rekordverdächtige 15,785 Punkte holten, ist der aktuelle Saison-Punktestand der BL bei lausigen 6,714 Punkten – wahrscheinlich ein Allzeit-Tiefstwert. In der bisherigen Jahreswertung liegt die BL auf einem unfassbar schlechten 11. Platz – hinter der Ukraine, Zypern, der Türkei und Österreich(!!).

Man könnte nun die Qualität der BL in Grund und Boden schreiben, ich versuche es aber lieber mit ein paar Erklärungen:

* Die deutschen Europapokal-Teilnehmer 2017/18: Schon ein Blick auf die Abschlusstabelle der BL-Saison 2016/17 ließ den deutschen Fußballfan wenig Gutes für die kommende Europapokalsaison erahnen:

Mit Köln, Freiburg und Hertha haben sich drei Vereine für den internationalen Wettkampf qualifiziert, die dort – sorry, aber das muss gesagt werden – einfach gar nichts zu suchen haben. Dass Köln nach 14 BL-Spieltagen mit drei Punkten die schlechteste Bilanz der BL-Geschichte aufweist und Freiburg als Tabellen-Sechzehnter auch mitten im Abstiegskampf steckt, unterstreicht meine Meinung sehr deutlich.

Mit RB Leipzig und der TSG Hoffenheim sind bzw. waren zudem zwei Europapokalneulinge dabei.

Lediglich der FC Bayern und Borussia Dortmund sind arrivierte internationale „Hausnummern“ – die einen mehr, die anderen weniger.

Mit Schalke 04, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und dem VFL Wolfsburg fehlen außerdem in dieser Saison die Europapokalteams 3-6 der BL der vergangenen Jahre. Das wäre vergleichsweise so, als würde die Premier League in dieser Saison ohne Manchester United, Tottenham, Liverpool und Arsenal antreten!

Klingt paradox, ist aber so: Die Ausgeglichenheit der BL hat einen großen Betrag dazu geleistet, dass diese Saison international wohl völlig in die Binsen geht. Die arrivierten deutschen Europapokalvertreter haben eine schlechte BL-Saison gespielt und schon sind die Teams aus der 2. Reihe eingesprungen. Interessant und positiv für die Liga, international eine Katastrophe.

* Schwache Leistungen der Bundesligisten im Europapokal:

Freiburg hat sich bereits in der Qualifikation zur EL sang- und klanglos gegen NK Domzale aus Slowenien verabschiedet. Diese sind aktuell abgeschlagener Dritter in ihrer drittklassigen heimischen Liga

Europapokalnote für Freiburg: eine glatte 6

Hertha: Der aktuelle Tabellen-12. der BL ist als Tabellenletzter in einer Gruppe gescheitert, in welcher sich u.a. Östersund, der Tabellen-5. der schwedischen Liga, für das Sechzehntelfinale qualifiziert hat.

Note: 5-6

1.FC Köln: Das einzige deutsche EL-Team, welches zumindest am 6. Gruppenspieltag noch die Chance auf das internationale Überwintern hatte. Der Tabellenletzte der BL hat derzeit zudem andere Sorgen und konnte sogar 2x begeistern: beim 5:2 gegen den weißrussischen Serienmeister Bate Borissow und beim hat erkämpften (ermauerten 😉 ) 1:0 gegen Arsenal. Die drei erlittenen 0:1-Niederlagen waren allesamt unnötig und unglücklich. Dass Roter Stern Belgrad sich in dieser Gruppe zum ersten Mal nach 25(!) Jahren wieder für die internationalen KO-Spiele qualifiziert hat, spricht allerdings auch eine deutliche Sprache.

Note: (in Anbetracht der besonderen Umstände) 3-4

Hoffenheim: Die deutsche (EL-) Mannschaft mit dem meisten Lospech. Schon das Los Liverpool in der CL-Quali war unglücklich, aber auch eine Gruppe mit dem aktuellen bulgarischen Tabellenführer Rasgard, dem Tabellen-4. Portugals Braga und dem türkischen Tabellenführer Basaksehir (vor Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas!) ist nicht ohne.

Note: 3-4

Bitter: Für alle 3 deutschen Mannschaften wäre ein Weiterkommen in ihrer Gruppe möglich gewesen. Eigenes Unvermögen, Pech, aber auch unglückliche Schiedsrichterentscheidungen verhinderten dies.

Ärgerlich: Hertha und Hoffenheim traten gestern bei ihren Heimspielen mit B-Mannschaften an, um sich für die anstehenden BL-Aufgaben zu schonen. Durch die beiden Unentschieden wurden weitere Punkte für die BL verschenkt.

RB Leipzig: erste internationale Teilnahme und dann gleich in der CL in einer ausgeglichenen Gruppe, in welcher sich überraschenderweise der Gruppenaußenseiter (Besiktas) souverän durchgesetzt hat. RB hat Lehrgeld gezahlt, aber nicht enttäuscht – ein Überwintern in der CL wäre jedoch absolut möglich gewesen.

Vielleicht können die Bullen noch einige Punkte in der EL mitnehmen.

Note: 3

BVB: DIE deutsche Enttäuschung. Natürlich ist eine CL-Gruppe mit Madrid und Tottenham extrem schwer. Aber kein Sieg gegen Nikosia! Trotzdem glücklich: Der Punkt- und Torverhältnis-schwächste CL-Vorrundengruppen-Dritte, welcher jemals in die EL eingezogen ist.

Note: 6 minus!

FC Bayern: Mit 15 Punkten punktgleicher Zweiter hinter PSG – das 0:3 aus dem Hinspiel wurde ergebnismäßig mit dem 3:1 in der AA am Dienstagabend nicht ganz wett gemacht. Trotzdem hat man aktuell das Gefühl, als wäre der FCB der „moralische Gruppensieger“.

Note: 2

Ausblick: Über Szenarien eines weiteren kompletten Einbruchs der BL (schwerste Auslosungen; weitere Fehlleistungen) möchte ich lieber nicht weiter nachdenken. Aber ich denke, dass in dieser Konstellation alles möglich ist. Nämlich, dass Mitte März keine deutsche Mannschaft mehr im Europapokal vertreten ist – es können aber auch zwei oder drei Halbfinalisten herausspringen — vielleicht ist sogar wider Erwarten noch mehr drin! 😜

Die Hoffnung stirbt zuletzt und mitten in der Nacht beginnt ein neuer Tag 😏😃😎

 

17 Kommentare zu „Das Desaster der Bundesliga in Europa ist perfekt“

  1. Du sprichst mir aus der Seele, Peter! Bestens erläutert und auf den Punkt gebracht.

    Die Ausgeglichenheit der Liga fällt dem deutschen Vereinsfußball in den europäischen Wettbewerben auf die Füße. Während sich etwa in England Vereine wie Reading oder Wigan eher in Ausnahmefällen für Europa qualifizieren, ist dies in der Bundesliga prinzipiell für fast jeden Verein möglich, der eine halbwegs konstante Saison in Ziel bringt.

    Vereine wie Freiburg oder Mainz haben in der Tat im Europapokal nichts verloren. Meist überstehen sie nicht einmal die Qualifikations-runde und das gegen europäische Leichtgewichte.
    Mich stört in erster Linie die Prioritätensetzung. Gelingt eine gute Saison, es sei jedem Club von Herzen gegönnt, so sprießen die Träume von Euro- und/oder Championsleague. Mitunter scheint die Aussicht darauf sogar zusätzlich zu beflügeln. Völlig unverständlich ist mir aber, warum teilweise gerade in der Euro League B-Mannschaften an den Start gehen, weil das Tagesgeschäft Bundesliga Vorrang genießt. Abschenken muss dann auch nicht sein. So werden jedenfalls keine Mehreinnahmen generiert, die einigen Funktionären des nächtens im Traum erscheinen.

    Das Wehklagen gegenüber den ach so übermächtigen Bayern, mit deren Finanzmacht man nicht mithalten könne, darf man sich dann getrost schenken. Außerdem verfügen Clubs aus Slowenien, Rumänien oder Schweden definitiv nicht über höhere Etats als Bundesligisten. Entweder nehme ich die Herausforderung Europapokal an und setze das dann auch konsequent um oder man kann es direkt sein lassen. Das herumdilettieren bringt jedenfalls niemanden etwas. Warum verpflichtet etwa Köln für die Modeste-Millionen einen Jhon Cordoba für 16 Millionen Euro, der in den vorangegangenen Spielzeiten nun wahrlich nicht als Torjäger aufgefallen ist? Solche handwerklichen Fehler werden eben bestraft.

    Bleiben also wieder einmal nur die Bayern. Was wäre die Bundesliga nur ohne sie?

  2. „Die Ausgeglichenheit der BL hat einen großen Betrag dazu geleistet, dass diese Saison international wohl völlig in die Binsen geht. Die arrivierten deutschen Europapokalvertreter haben eine schlechte BL-Saison gespielt und schon sind die Teams aus der 2. Reihe eingesprungen.“

    Zum „Player-Drain“ Richtung Rinderwahninsel und zu den taktischen Langzeitregressionen der „Kloppschen Umschaltrevolution“ (so wie das BL „Spitzenteam“ Gladbach gegen uns), lieferst Du hier noch eine wohltuend andere Sicht. Danke.

    Leipzig braucht wie Nagelsmann noch ein Jahr um zu reifen. Dortmund aber, finde ich, benotest Du noch viel zu gut.

      1. Auch für „Aki-Watzke-Akne“ könnte es aussagekräftige Hauttests zur Diagnostik allergischer Soforttypreaktionen geben. Man könnte hier auch mal Mislintat oder Tuchel fragen ….;-)

  3. Dann retten wir halt die Ehre der Bundesliga! 😉
    Was bringts der Premier League, wenn sie die meisten Achtelfinalisten stellen, die aber doch nicht nach Kiew fahren?🤔 Alle der englischen Mannschaften sind für unseren FC Bayern absolut machbar – auch zusammengekaufte Millionentruppen à la PSG!
    Mia San Mia und fahrn nach Kiew, wo der Pokal dann hoffentlich wieder in die bayerische Landeshauptstadt mitgenommen wird! 😎🔴⚪️⚽️

  4. Sehr gut zusammengefasst!

    Kleiner Hinweis:

    „Nämlich, dass Mitte März keine deutsche Mannschaft mehr im Europapokal vertreten ist – es können aber auch zwei oder drei Halbfinalisten herausspringen — vielleicht sogar mehr! 😜“

    Der Teil ist etwas widersprüchlich. Ich hab eine Minute lang gegrübelt, welcher vierte Verein denn doch noch dabei sein könnte, bis ich kapiert habe, was Du eigentlich meinst 😀
    Vielleicht hab ich aber heute auch einfach nur eine besonders lange Leitung 😀

    1. Stimmt – ist vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt.

      Gemeint ist natürlich: Mehr als Halbfinale, sprich Finale oder sogar Cupsieg(e) 😉

      PS: Ich habe den Text jetzt in der Form abgeändert bzw. erweitert, dass künftig keiner mehr darüber stolpern kann 😉

  5. Einmal mehr eine hervorragende Analyse von Petersgradmesser – herzlichen Dank hierfür!

    Kicker, Sport1 & Co. hinken hier doch ziemlich hinterher … 😉

    1. Zum erwähnten Kicker http://www.kicker.de/news/fussball/chleague/startseite/712576/artikel_nur-bayern-geruestet_momentaufnahme-oder-negativtrend.html

      Ich finde den Beitrag von Karlheinz Wild eigentlich ganz gut, aber es fehlt ihm der explizite Blick auf die ganz besondere Situation dieser Saison.

      Ganz im ernst: Als die BL im Mai ihren 34. Spieltag gespielt hatte, machte ich mir schon Sorgen um die BL im internationalen Vergleich 2017/18. Aber dass es so desaströs werden würde, hätte ich nicht gedacht.

      Interessant: Wild hofft in seinem Beitrag ebenfalls wie PGM auf so etwas wie ein „Bundesliga-Happy-End“ im Mai 2018 ….

      Yupp Yupp Yupp???!!! 😉 😉

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