3:1-Auftakt-Sieg gegen Leverkusen – ein gutes Omen!

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Die Zuschauer in der Allianz Arena erlebten gestern Abend ein aufregendes und „wildes“ Spiel. Diese Aussage bezieht sich sowohl auf das Geschehen auf dem Rasen als auch auf die äußerst widrigen Wetterbedingungen, welche das Spiel ab Mitte der ersten Halbzeit durchaus beeinflussten.

Nachdem viele Münchner gestern untertags durchaus unter dem schwül-heißen Wetter gelitten hatten, kündigte sich schon ca. eine Stunde vor Spielbeginn ein gewaltiges Unwetter an. Der Himmel über der Arena verfinsterte sich immer mehr und ein orkanartiger Sturm verursachte eine fast schon bedrohliche Geräuschkulisse im Stadion – höchstwahrscheinlich ausgelöst durch die spezielle Folienhülle der Arena. Mitte der ersten Halbzeit setzte dann ein sintflutartiger Regenfall ein – größere Teile der Zuschauer, als allererste aus dem Unterrang der Gegentribüne, flüchteten in die Innenräume der Arena.

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Zu diesem Zeitpunkt führten die Bayern nach Toren der Neuzugänge Niklas Süle (9. Minute per Kopf nach Flanke Sebastian Rudy) und Corentin Tolisso (19. Minute, ebenfalls per Kopf) mit 2:0. Diese sehr frühe klare Führung könnte einen zu dem Schluss verleiten, dass die Bayern das Spiel von Anfang an dominierten – Tatsache ist jedoch, dass sie die Bayer-Elf nie vollständig unter Kontrolle hatten. Hinzu kam eine eher bescheidene Schiedsrichterleistung von Tobias Stieler, welche die fast über die gesamte Spielzeit andauernde teilweise sehr harte Spielweise der Leverkusener großzügig bewertete und lediglich zwei gelbe Karten an die Rheinländer verteilte (und eine an Arturo Vidal).

Das Unwetter wurde bis zum Halbzeitpfiff immer wilder, ebenso wie die Situation auf den Zuschauerrängen und auf dem Rasen chaotischer wurde. Die Bayern gingen mit einer 2:0-Halbzeit-Führung in die Kabinen. Die meisten Fans flüchteten in die Arena-Innenräume – oder waren schon geflüchtet. Begünstigt durch die Windrichtung blieb eigentlich nur die Nordkurve trocken. Allen anderen wurde eine längere Halbzeitpause in den Innenräumen oder in der Kabine gewährt – zum starken Regenfall und den Sturmböen gesellten sich auch vereinzelte Blitze. Diese Pause wurde von größeren Teilen  des Südkurven-Unterrangs zu einer stimmungsfrohen – meist Oberkörper-freien – Halbzeit-Party genutzt 😉 .

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Diese ungewöhnlich lange Halbzeitpause schien eher den Leverkusenern genützt zu haben, die Bayern kamen doch einigermaßen verschlafen aus der Kabine. So fiel das 3:0 in der 53. Minute doch etwas überraschend. Und es war ein Novum in der Bundesliga-Geschichte – per Videobeweis wurde zu Recht auf Foulelfmeter für die Bayern entschieden. Robert Lewandowski ließ sich diese Chance nicht entgehen. Das Spiel schien endgültig entschieden, obwohl sich die Leverkusener erstaunlich einfach in den gefährlichen Bereich vor und in den Bayernstrafraum kombinierten. Und kurz nachdem die Bayern eine große Kopfballchance durch Mats Hummels zum 4:0 haben liegen lassen, klingelte es doch und nicht überraschend im eigenen Tor:  Admir Mehmedi verkürzte in der 65. Minute mit einem brillanten Schuss aus spitzem Winkel.  Im Anschluss wackelte die Bayern-Abwehr einige Male bedenklich – und auf der anderen Seite wurden die zum Teil exzellenten Konterchancen fahrlässig vergeben. Erst etwa 10 Minuten vor Spielschluss konnte man einigermaßen sicher sein, dass die drei Punkte – trotz einer zwischenzeitlichen 3:0-Führung – tatsächlich in München bleiben würden. Moral und Kräfte der Werkself ließen auffallend nach und die Bayern versäumten es in den Schlussminuten nicht nur den Sack zuzumachen, sondern sogar den unangenehmen Gegner noch so richtig „abzuschießen“. Dementsprechend geht das Ergebnis von 3:1 insgesamt wohl in Ordnung. Bei optimaler Chancenverwertung auf beiden Seiten hätte es wohl auch 8:5 lauten können. Dass einige Leverkusener nach dem Spiel meinten, dass „viel mehr drin gewesen wäre“, ist somit zum einen verständlich, zum anderen könnten sie bei einer konsequenteren Chancenverwertung der Bayern gerade in den letzten Spielminuten auch vom letzten Tabellenplatz nach dem 1. Bundesliga-Spieltag grüßen. Freud und Leid liegt im Fußball doch häufig nahe zusammen.

Bemerkenswert, vielleicht sogar einmalig in der FC Bayern-(Bundesliga-)Geschichte: Franck Ribéry übernahm in der 61. Minute die Kapitänsbinde von Thomas Müller, als dieser gegen Arjen Robben ausgetauscht wurde. 16 Minuten später übergab der französische Publikumsliebling die Kapitänsbinde bei seiner Auswechslung für Kingsley Coman an „Mr. Wembley“, Arjen Robben. Drei „FC Bayern-Legenden“ in einem Spiel Kapitän der Mannschaft – gab es so etwas schon jemals?

Und dann noch eine interessante Sichtweise auf dieses Spiel, seinen Verlauf und das Endresultat: Vor fast genau 38 Jahren, am 11. August 1979, war Bayer Leverkusen zum allerersten Mal in der Bundesliga angetreten: Spielort war das Münchner Olympiastadion. Der FC Bayern siegte damals ebenfalls mit 3:1 (2:0).

Wenn man die beiden Spiele genauer betrachtet, wird es noch interessanter: Die Torfolge war identisch und wenn man den Zeitpunkt der Treffer vergleicht, kann man feststellen, dass sie immer in denselben 10 Minuten des Spiels gefallen sind: Dürnberger brachte die 79er-Bayern schon in der 3. Minute in Führung, Süle gestern in der 9. Minute. Kalle Rummenigge legte damals in der 12. Minute nach, Tolisso in der 19., Janzon erzielte das 3:0 in der 59. Minute, Lewy in der 53.! Und selbst die Leverkusener Gegentreffer fielen in denselben 10 Minuten – gestern in der 65. Minute, 1979 in der 62. Minute.

1979 trat Bayern mit seinem Ersatztorhüter Walter Junghans an – man konnte zu dem Zeitpunkt nicht erahnen, dass Sepp Maier nie mehr bei einem Pflichtspiel der Bayern im Tor des FCB stehen würde. Gestern vertrat Sven Ulreich den Welttorhüter Manuel Neuer zwischen den Pfosten des FC Bayern-Tores.

1979 spielten die Neuzugänge Hanne Weiner, Wolfgang Dremmler und Dieter Hoeneß im Saisoneröffnungsspiel für Bayern, auch gestern waren es drei Neuzugänge in der Startelf: Die Torschützen Süle und Tolisso, ebenso wie der Vorlagengeber zum 1:0 Rudy!

Nach dem 3:1 am 11. August 1979 wurden die Bayern am Saisonende zum ersten Mal nach einer Durststrecke von sechs(!) Jahren wieder Deutscher Meister. Könnte das dann gestern Abend als gutes Omen gewertet werden, dass die Bayern nach der Saison 2017/18 zum sechsten(!) Mal in Serie als Deutscher Meister gefeiert werden?  😉

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9 Kommentare zu “3:1-Auftakt-Sieg gegen Leverkusen – ein gutes Omen!”

  1. Mia gfoin de Fotos. 😉

    Wir waren schon früher als du im Stadion und auch wenn wir wussten, dass ein heftiger Sturm kommen würde/sollte, konnten wir’s beim besten Willen nicht glauben, da noch bestes Wetter herrschte als wir in den Stadioninnenbereich gingen. Von dort aus konnte man natürlich nichts kommen sehen. xD

    In der Arena machte mir/uns der Sturm auch noch richtig Spaß. Dies legte sich jedoch, als wir auf dem mühsamen Heimweg (umgefallene Bäume, Straßensperren, …, 17 stündiger kompletter Stromausfall in unserem Dorf) waren und spätestens als wir von Bekannten von diesem Unglück hier – https://is.gd/skOJko – bei uns dahoam erfuhren.

    Wie so oft im Fußball und auch im wahren Leben liegen Glück und Pech sehr knapp beieinander… :-/

    1. Oje, das übertrifft ja alle bekannten Schäden in Südbayern bei Weitem – dass es in Oberösterreich auch Tote gab, wusste ich gar nicht.

      War schon beunruhigend genug, dass der eigene Nachwuchs in Übersee am Chiemsee auf dem Festival mit Zeltstadt war …

      Ganz ehrlich habe ich so einen Sturm bislang noch nie bei einem Spiel in München erlebt – und ich kann auf eine jahrzehntelange Stadien-Historie zurückblicken….

      1. Ja. War schon verrückt. Wir sitzen ja relativ weit oben in der Ecke zwischen Süd und Gegengerade, aber nicht einmal das hat uns vor der Gischt, die durchs Stadion fegte, bewahrt. Wir waren zwar nicht vollkommen durchnässt, aber man bekam schon was ab. Dazu braucht’s wirklich einen sehr starken Wind, um das Wasser bis in die oberen Ränge zu peitschen…

        Zu Zeltfest und Nachwuchs: Die Söhne eines Freundes, der mit mir beim Spiel war, wollten auf dieses Zeltfest fahren. Zum Glück fuhren sie etwas später weg und kamen so gar nicht mehr bis zum Fest, da die Zufahrtsstraßen schon gesperrt und durch umgewehte Bäume blockiert waren.

        Wie oben schon geschrieben… Glück und Pech liegen sehr knapp beieinander. :-/

  2. Wie immer ein herzlicher Dank an einen schreibenden „wirklichen Fußballfan“ mit Herzblut!

    Ich nehme mal an, dass absichtlich nicht „zu viel Spielanalyse“ vorgetragen wurde, weil es vielleicht wegen der äußeren Umstände und des frühen Stands in der Saison noch gar nicht aufschlussreich ist.

    Sehr schön der Erlebnisbericht aus der Arena – und im Netz einzigartig die Vergleiche zur Saison 1979/80! Beide Daumen hoch!

    Wir sind uns früher des Öfteren bei Miasanrot begegnet, ich lese dort immer noch mit, weil die Spielanalysen immer noch die „vernünftigsten“ im Netz sind – natürlich nur, wenn Petersgradmesser nicht auf den Plan tritt 😉 Aber die Entwicklung im Forum dort entsetzt mich nahezu. Eine Vielzahl an bösartigen Fußball-Nerds und „Cyberfans“ treibt dort ihr Unwesen. Wenn ich meine Meinungen dazu kundtun würde, würde es wohl eskalieren. Schade – die Seite hätte ein besseres Forum verdient.

    Und schade, dass hier nicht mehr diskutiert wird … ich kann mir zwar vorstellen, warum … trotzdem schade!

    1. Herzlichen Dank, Erich!

      Wie immer 😉 😉 hast du bei vielem Recht, was meine Beweggründe für Schwerpunkte bei einzelnen Beiträgen betrifft.

      Zur Situation bei Msr: Es sind (s.o. 😉 ) auch für mich die besten Spielanalysen – und ich sage das mit voller Überzeugung, obwohl ich häufiger anderer Meinung bin.

      PS: Leg dir doch bitte ein Facebook-Account zu. Zu vielen anderen Themen wird auf https://www.facebook.com/petersgradmesser/ wesentlich mehr als hier im Blog-Forum diskutiert.

  3. Analogie der Geschichte, kurios wie sich die Zahlen gleichen. Mit so vielen Parallelen kann es ja nur eine gute Saison werden. Auf jeden Fall wieder viele bemerkenswerte Fakten aufgezeigt, Merci vielmals!

    1. Ja, ich denke auch, dass es eine erfolgreiche Saison werden „muss“. 1979 konnte man mit der Vorgeschichte nicht unbedingt damit rechnen. Heutzutage sind wir Bayernfans doch etwas selbstbewusster 😉

  4. Was es für Zufälle gibt, unglaublich. Dann ist ja die Meisterschaft schon eingetütet. 😉Abermals ein herzliches Dankeschön für deinen Beitrag👍⚽.

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