FC Bayern – Ausblick auf die nächste Saison

Bayernkader_2016 17

Das letzte Saisonspiel und die Meisterfeier der abgelaufenen Saison 2016/17 sind gerade einmal 19 Tage vergangen, aber man hat das Gefühl, dass die FCB (Fan)Gemeinde eine insgesamt unbefriedigende Saison schon längst aus dem Gedächtnis gestrichen hat bzw. streichen möchte. Selten habe ich erlebt, dass so viele auch hartgesottene Fans eine vor allem ergebnistechnisch durchaus gute, wenn nicht sogar sehr gute Saison so negativ bewerten und mit diesem faden Geschmack der neuen Saison entgegen blicken. Wie ist so etwas möglich?

Hypothek Triple 2013

Reflexartig fällt dem argumentierenden Bayernfan natürlich die Triple-Saison 2012/13 unter „Don Jupp“ Heynckes ein: Mit Ausnahme der Achtelfinal-Rückspiel-Heimniederlage gegen Arsenal fegte die Bayern-Mannschaft damals in Bundesliga, Pokal und Champions League in der Rückrunde alle gegnerischen Teams vom Spielfeld. Es gab tatsächlich in allen Wettbewerben nach der Winterpause außer dieser sehr ernüchternden aber auch lehrreichen Niederlage lediglich ein einziges Unentschieden: Ein sportlich völlig unbedeutendes 1:1 beim BVB – drei Tage nachdem man Barca im Camp Nou mit 3:0 gedemütigt hat und einen Monat nach Feststehen der Meisterschaft. Mit 91 Punkten und 98:18 Toren stellten Jupps Triple-Bayern in jener Saison einen sagenhaften Bundesligarekord auf.

Nach der Triple-Saison kam der katalanische Startrainer Pep Guardiola an die Säbener Straße, verbesserte das damals „weltbeste Team“ spielerisch und taktisch noch einmal erheblich, gilt aber bei nicht wenigen Fans trotz dreier Meisterschaften und zweier Doubles als gescheitert. Grund: Das dreimalige Scheitern im Champions League Halbfinale gegen seine spanischen Landsleute aus Madrid und Barcelona. Dass Bayern in jedem Guardiola-Jahr bei etwas mehr Fortune die Champions League und selbst das Triple hätte gewinnen können, sollten selbst Skeptiker, Nörgler und FCB-Hasser bemerkt haben. Ein mentales Loch zur Unzeit verhinderte diesen Coup im Jahr 2014 – zwei Monate später wurden sieben Bayernspieler Weltmeister in Brasilien. 2015 war es dagegen mehr ein unfassbares Verletzungspech von absoluten Schlüsselspielern, 2016 verhinderten Schusspech und leider auch ein bisschen Unvermögen vor dem Tor im Halbfinal-Rückspiel gegen Atleti, dass man die spanischen Hauptstädter mit einer epischen Klatsche nach Hause schicken konnte und selbst ins Finale einzog. Aber so ist es eben im Fußball.

2013 lief einfach alles perfekt und die Motivation war nach den drei zweiten Plätzen der Vorjahressaison inklusive  verlorenem „Finale dahoam“ auf dem höchsten Level: Gegen Arsenal setzte es eine lehrreiche Niederlage, alle Leistungsträger blieben von größeren Verletzungen verschont. Die einzige Verletzung eines Stammspielers erwies sich im Nachhinein sogar als Glücksfall. Beim CL-Viertelfinal-Hinspiel Anfang April gegen Juventus Turin stand Toni Kroos anstelle von Arjen Robben in der Startformation. Bayern ging schon in der ersten Spielminute durch einen abgefälschten Weitschuss von Alaba in Führung, verlor aber überraschenderweise in der Folgezeit völlig den Faden und Juve dominierte das Spiel. Nach ungefähr 20 Minuten musste Kroos verletzt vom Feld – Robben kam für ihn auf den Platz und fortan dominierte nur noch der FCB. Kroos spielte in jener Saison verletzungsbedingt keine einzige Spielminute mehr, dagegen fehlte Arjen gefühlt keine einzige mehr und krönte seine sensationelle Form als Mr. Wembley. Was wäre passiert, wenn Kroos sich nicht verletzt hätte?

Und eine Tatsache sollte man auch nicht vergessen, wenn man das Triple-Jahr 2013 als den Bayern-Maßstab für alle Zeiten ansieht: 2013 waren die großen Konkurrenten aus Spanien wesentlich schwächer. Ich kann mich noch an die spanischen Schlagzeilen nach den Halbfinalspielen Deutschland gegen Spanien erinnern: 1:8 ging die spanische Armada bestehend aus Madrid und Barcelona gegen FCB und BVB unter. Eine Demütigung, welche beide Vereine extrem anstachelte. Es wurden Rekordablösesummen u.a. für Bale, Neymar und Suarez gezahlt, die Kader immens aufgerüstet – und im Schatten der großen Clásico-Gegner reifte mit Simeones Atlético ein weiterer großer spanischer Konkurrent heran.

Möglich, dass die 2013er Bayern auch diese aufgerüsteten Teams in die Knie gezwungen hätten – aber man weiß es nicht. Und wie gesagt: Auch Peps Bayern der Folgejahre waren grundsätzlich immer in der Lage, diese zu besiegen. Ein Indiz hierfür: Während langer Perioden jener Spielzeiten wiesen sämtliche Wettanbieter die Bayern als Topfavoriten auf den CL-Sieg aus. Dies war übrigens auch 2016/17 der Fall.

Nach dem „internationalen Scheitern“ von Pep Guardiola wurden große Hoffnungen auf „Mr. Champions League“ Carlo Ancelotti gesetzt. Der Italiener gewann diese Trophäe bereits insgesamt fünfmal – je zwei Mal als Spieler (1989; 1990) und als Trainer (2003; 2007) von Milan, zudem 2014 mit Real Madrid. Bei seinen letzten vier CL-Siegen eliminierte er übrigens mit seinen Teams auch immer die Bayern. Carlo bei Bayern unter dem Motto „Mach aus deinem Angstgegner deinen Verbündeten“ 😉

Saisonverlauf 2016/17

Ancelotti startete mit den Bayern wettbewerbsübergreifend mit acht Pflichtspielsiegen in Folge glänzend in die neue Saison und trotzdem machten sich schon früh erste Nörgler bemerkbar, welchen der neue Spielstil der Bayern nicht so sehr gefiel: „Nicht attraktiv genug“! Übrigens lautete das Torverhältnis bei diesen 8 Siegen  27:1!! Als Ancelottis Bayern im November mit dem 2:3 im eisigen Rostov den CL-Vorrunden-Gruppensieg mehr oder weniger abschenkten und der ungeliebte „Bundesliga-Brause-Neuling“ aus Leipzig nach der Bayern-Niederlage in Dortmund auch noch am Rekordmeister vorbei zog, herrschte schon frühzeitig „Katastrophenstimmung“ und die zuvor größten Guardiola-Skeptiker unter den Bayernfans waren plötzlich Fans des Katalanen. Zum Jahresabschluss zeigten die Bayern aber mit einer Klasseleistung den roten Bullen aus Leipzig, wer der BL-Dominator ist: Das vom Ergebnis sogar noch sehr gnädige 3:0 bedeutete das Überwintern als Tabellenführer.

Aber auch ein sukzessives Ausbauen der Tabellenführung in der Rückrunde und ein sensationeller Gesamtscore von 10:2 gegen Arsenal London im Champions League Achtelfinale stellten nicht alle Bayernfans zufrieden. Als CL-Viertelfinal-Gegner wurde der Titelverteidiger Real Madrid gelost und nicht wenige meinten, dass Madrid nicht zuletzt wegen Ancelotti mehr Respekt vor Bayern hätte als es umgekehrt der Fall wäre.

Vier Tage vor dem Hinspiel gegen Madrid in der Allianz Arena fegte in der Bundesliga ein Bayernorkan über den BVB hinweg – die Dortmunder waren mit dem 1:4 in München ergebnismäßig noch bestens bedient. Die Bayern schienen auf den Punkt in absoluter Topform zu sein und wenn man an das Duell mit Madrid dachte, zauberten einem die Gedanken an schlotternde königliche Knie vor dem CL-Knaller ein breites Grinsen ins Bayernfan-Gesicht. Kleiner Wermutstropfen: Der großartig aufspielende Robert Lewandowski verletzte sich nach einer Notbremse des BVB-Keepers Bürki an der Schulter und wurde unmittelbar danach ausgewechselt. Aber schon bald kam die Entwarnung: Sein Einsatz gegen Madrid sollte möglich sein. Tags darauf verletzte sich außerdem noch Mats Hummels im Training – sein Hinspieleinsatz musste leider kategorisch ausgeschlossen werden. Letztendlich fiel auch Lewandowski aus. Ebenso die Choreographie vor dem Spiel, auf welche sich alle schon gefreut hatten, nicht zuletzt deswegen, weil diese jedes Mal ein beträchtliches Stimmungsplus bei besonderen Spielen erzeugt hatten. Die Stadionchoreographie wurde aus sog. „Brandschutzgründen“ abgesagt, und die Art und Weise, wie dies erfolgte, erzeugte bei den Choreo-Verantwortlichen aus diversen Gründen großes Unverständnis.

Dies alles drückte bereits vor dem Spiel auf die Stimmung bei den Fans und wirkte sich offensichtlich auch auf die Leistung der Bayernspieler aus, welche nicht ansatzweise die Form und Leidenschaft aus dem BVB-Spiel zeigten. Trotzdem ging man mit einer 1:0-Führung in die Pause, welche eigentlich eine 2:0-Führung hätte sein müssen. Arturo Vidal erzielte zwar per Kopfball-Torpedo die Führung, vergab aber im Anschluss eine noch größere Kopfballchance und fast mit dem Halbzeitpfiff einen Handelfmeter. Zudem fehlte Lewandowski im Bayern-Offensivspiel an allen Ecken und Enden, der Raumdeuter Thomas Müller konnte ihn an jenem Abend nicht ansatzweise ersetzen. In der Arena machte sich trotz Pausenführung, vor allem wegen des vergebenen Elfmeters eine gewisse Ernüchterung breit. Gegen diese in Halbzeit 1 wenig überzeugenden Madrilenen wäre man mit der BVB-Leistung und Lewy mit einer 3:0-Führung in die Halbzeit gegangen – so die Meinung nicht weniger. Aber es sollte noch viel schlimmer kommen.

Die zweite Halbzeit war eine einzige Bestrafung für das Team und seine Fans: Dem Ausgleich kurz nach der Halbzeit folgte sehr rasch die gelb-rote Karte für Javi Martinez. Die Unterzahl verschlimmerte sich dadurch, dass der letzte verbliebene gelernte Innenverteidiger der Bayern, Jerome Boateng, schon früh in der 2. Hälfte merklich gehandicapt wirkte und mehr mit Dehnübungen als mit gelungenen Aktionen auffiel. Noch schlimmer das Verhalten und die Leistung des eingewechselten Douglas Costa: Während seine Kollegen ein desaströses Ergebnis zu verhindern suchten, was vor allem Manuel Neuer mit Weltklasseparaden und Vidal mit nahezu martialischem Einsatz gelang, trabte der Brasilianer lustlos über den Platz – Defensivaufgaben schienen absolut unter seiner Würde zu sein. Konsequenz: Taumelnde Bayern retteten quasi in 3-facher Unterzahl ein knappes 1:2 über die Zeit und Costa hat sich in absoluter Rekordzeit aus den Herzen aller Bayernfans gespielt.

Das Rückspiel war das bekannte Drama: Bayern musste mit einem halben Dutzend angeschlagener Leistungsträger spielen, die Madrid einen aufopferungsvollen Kampf bis in die Verlängerung lieferten. Bereits knapp 10 Minuten vor der Verlängerung spielte Bayern erneut in Unterzahl, in welcher zwei Treffer aus Abseitsposition Real Madrid endgültig auf die Siegerstraße brachten.

Als Fazit zu den beiden Viertelfinalduellen möchte ich hier lediglich Pep Guardiola sinngemäß zitieren, welcher feststellte, dass Bayern beim Spiel 11 gegen 11 Spieler die bessere Mannschaft war. Insgesamt 75 Minuten Unterzahl gegen Real Madrid waren schlichtweg auch zu viel, um so eine Runde überstehen zu können.

Von vielen wird dieses „frühzeitige Scheitern“ in der CL bereits im Viertelfinale als Qualitätsverlust der Bayern im Vergleich zu den Vorjahren gesehen. Nur sollte man dabei bedenken, dass 2014, 2015 und 2016 die CL-Viertelfinal-Gegner ManUnited, Porto und Benfica hießen und nicht Real Madrid. Und wenn man nun nach dem Finale in Cardiff eine CL-Bilanz zieht, dann kann die nur so aussehen, dass Bayern in den KO-Spielen die einzige Mannschaft war, die Real Madrid überhaupt in Schwierigkeiten gebracht hat. Atlético war im Halbfinale nach der 0:3-Hinspiel-Niederlage im Bernabeu eigentlich schon ausgeschieden, schöpfte im Rückspiel trotzdem kurz Hoffnung, weil es schnell mit 2:0 in Führung ging. Aber nach dem 1:2 durch Isco kontrollierte Madrid das Spiel total und war dem Ausgleich näher als der Stadtrivale weiteren Toren – drei davon wären zum Weiterkommen nötig gewesen. Juve konnte im Finale in Cardiff 35 Minuten, maximal bis zur Halbzeit mithalten und ging in der 2. Halbzeit chancenlos mit 1:4 unter.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Sogar ein extrem geschwächter und zusätzlich stark benachteiligter FC Bayern hat Madrid wesentlich mehr gefordert als in den nächsten Runden Atleti und Juve zusammen.

Nachdem die Bayern auch im DFB-Pokal-Halbfinale sehr unglücklich – eine gewisse Parallele zum CL-Ausscheiden gegen Atleti 2016 – ausgeschieden waren, reichte es letztendlich nur zum „Single“, wie es die Bayernhasser hämisch bezeichnen: Dieses Single, die fünfte deutsche Meisterschaft in Serie, einmalig im deutschen Fußball, wurde mit sehr starken 82 Punkten und 89:22 Toren erzielt – die viertbeste Punktebilanz und das drittbeste Torverhältnis der Bundesligageschichte. Es gab wahrlich schon schlechtere Leistungen in der Bundesliga- aber auch Bayernhistorie, vor allem wenn man bedenkt, dass die Bayern in der vergangenen Spielzeit mit 29 Aluminiumtreffern einen neuen BL-Rekord aufgestellt haben und die laut der „Wahren Tabelle“ nicht gegebenen 16 Elfmeter für die Münchner wohl zumindest auch nicht weit davon entfernt sein sollten.

Ausblick

Viele Bayernfans sehen die „Überalterung“ des Teams mit einer unbedingten Notwendigkeit eines großen Umbruchs, aber auch gleichzeitig das Karriereende der beiden großen Strategen und Sympathieträger Philipp Lahm und Xabi Alonso als Grund für ihre Skepsis, was die kommende Spielzeit betrifft. In der Tat werden diese beiden Persönlichkeiten der Mannschaft, aber auch dem Verein und den Fans insgesamt fehlen. Es war aber vor allem in der Rückrunde festzustellen, dass es eben gerade jene beiden waren, die bei den großen Spielen, aber auch bei den Spielen gegen die „athletischen jungen Wilden“ aus Leipzig und Dortmund von der Physis nicht mehr ganz mithalten konnten. Die gesamte Routine und Cleverness reichte nicht mehr aus, um dieses physische Manko zu kompensieren. Schön, dass beide so souverän und intelligent waren, um genau dies zu erkennen – Lahm verkürzte dabei sogar seinen bis 2018 laufenden Vertrag.

Schon früh im Jahr wurde bekannt, dass aus Hoffenheim, welches die beste Saison seiner Bundesliga-Zugehörigkeit spielte, die beiden deutschen Nationalspieler Niklas Süle und Sebastian Rudy kommen werden. Zwar nicht ganz positionsgetreu, aber wenn man die bereits aufgezählten Vor- und Nachteile der ausgeschiedenen Routiniers mit jenen der beiden Neuzugänge vergleicht, dann verliert der FC Bayern aus meiner Sicht bei diesem Generationswechsel keineswegs an Qualität – ich persönlich hoffe sogar auf das Gegenteil.

Noch einmal zurückkommend auf das Thema Überalterung der Mannschaft. In diesem Zusammenhang werden natürlich auch der 34-jährige Franck Ribéry und der 33-jährige Arjen Robben genannt, welche beide noch ein Jahr Vertrag in München haben. Bei der Suche nach ihren Nachfolgern in absehbarer Zukunft schien man im Herbst 2015 mit den damals neu verpflichteten Douglas Costa und Kingsley Coman schon weiter zu sein. Costa hat nun wohl keine Zukunft mehr im Verein, sehr wohl aber der knapp 21-jährige Coman, auch wenn er z.T. auch verletzungsbedingt eine schwierige Saison hinter sich hat. Vielleicht hat man das positive Zeichen des Ziehens der Kaufoption bei ihm auch zu spät gesetzt.

Was die Oldies Ribéry und vor allem Robben betrifft: Ich persönlich bin der Meinung, dass die beiden noch lange nicht „fertig haben“. Wer den ehrgeizigen Holländer bei seinem Solo zum Siegtreffer in der 5. Minute der Nachspielzeit in Leipzig am 33. BL-Spieltag gesehen hat, wie er dabei nahezu die gesamte Abwehr von RB überrannte und düpierte, der sollte sich dabei meiner optimistischen Sichtweise anschließen können.

Ansonsten sehe ich keinen einzigen Bayernspieler, der seinen Zenit bereits überschritten hat. Im Gegenteil: In der Saison 2016/17 gab es einige absolute Leistungsträger, welche ihr großes Potenzial leider nur allzu selten abgerufen haben – verletzungsbedingte (Boateng, Alaba) wie auch mentale Gründe (Müller) haben dabei sicher eine Rolle gespielt.

Wenn man die vergangene Saison sachlich nüchtern betrachtet, dann besteht absolut kein Bedarf zu einem großen bzw. sogar totalen Umbruch. Viele Leistungsträger sind im absolut besten Fußballalter: Lewandowski, Neuer, Hummels, Vidal und auch Martinez haben dies, wenn verletzungsfrei, eindrucksvoll bewiesen. Zudem hoffe ich auf mehr Einsatzzeiten und eine wichtigere Rolle der jungen Kimmich, Coman und Sanches – alle drei riesige Talente. In diese Rubrik kann man sogar auch noch den leider zuletzt in seiner Entwicklung stagnierenden Juan Bernat einordnen. Aufgrund seiner technischen Fähigkeiten, aber auch seiner Probleme in der Defensivarbeit könnte ich mir den Spanier zukünftig durchaus auch vermehrt als offensive Außenvariante vorstellen.

Apropos technische Fähigkeiten, in seinem Fall spreche ich lieber von herausragenden Fähigkeiten: Thiago hat seine bislang beste Saison bei Bayern gespielt – obwohl ihn viele Journalisten schon gemeinsam mit seinem Mentor Guardiola nach Manchester haben abwandern sehen. Thiago ist der Spiritus Rector des Bayernspiels. Ich möchte den Fokus nicht zuletzt deswegen speziell auf ihn legen, weil gerade in den letzten Tagen wieder häufig vom großen Fehler des FC Bayern gesprochen wird, wenn es um den Abgang von Toni Kroos nach Madrid im Jahr 2014 geht. Die beiden wären beim FCB durchaus Konkurrenten um eine Position, die sie natürlich jeweils ganz unterschiedlich ausfüllen. Mir persönlich gefällt dabei Thiago um einiges besser.

Einen wirklich großen Transfer-Handlungsbedarf sehe ich aktuell lediglich bei der Suche nach einem Back-Up für Lewandowski. In der abgelaufenen Saison verzichtete man etwas fahrlässig auf einen solchen, wohl auch in der Hoffnung, dass Thomas Müller diese Rolle übernehmen könnte. Zuletzt besetzte man diese Position bis 2015 mit dem sympathischen Peruaner Claudio Pizzaro, welcher auch im gesetzten Fußballalter noch zu (Welt-)Klasseleistungen fähig war, insgesamt aber leider zu oft verletzungsbedingt ausgefallen ist. Die Ex-Bayern und jetzigen Nationalspieler Mario Gomez und Sandro Wagner wären jeweils eine gute Besetzung für diese Position, wenn es nicht das „Luxusproblem“ gäbe, dass Lewy eigentlich so gut wie nie verletzt ist und wenn möglich immer durchspielen möchte. Die Rolle des Lewy-Back-Ups ist eine sehr undankbare.

Aber es gäbe wohl genau für diese spezielle Situation einen bestens geeigneten internationalen Fußballstar: Der Chilene Alexis Sanchez von Arsenal London. Der Kumpel von Arturo Vidal wäre nicht nur ein bestens geeigneter Back-Up für den polnischen Weltklassestürmer des FCB, sondern er ist vielseitig einsetzbar und könnte auch die Außenpositionen besetzen – ideal! Zudem hat er in London nur noch eine Vertragslaufzeit bis 2018. Dies bedeutet in Zeiten von explodierenden Transfersummen, dass seine sich wohl noch in „erträglichen Bereichen“ bewegen sollte – das Wort „erträglich“ ist allerdings als relativ anzusehen. Nachteil der Situation: Der FC Bayern hat einige hochkarätige Konkurrenten im Werben um den Chilenen – ein spanischer Journalist vermeldet sogar schon seinen Wechsel zu ManCity – und Arsenals Trainer Arséne Wenger kennt beim Transferpoker genau den Wert von Sanchez für den FC Bayern. Es bleibt diesbezüglich spannend, ich bleibe aber als Bayernfan bei dieser möglichen Verpflichtung optimistisch – hoffe aber gleichfalls, dass das Gesamtvolumen dieses Transfers – sprich Ablösesumme und Gehalt – nicht das Gefüge beim FCB insgesamt sprengen wird. Eine offensichtlich sehr anspruchsvolle Aufgabe.

Neben dem nicht unerwünschten Abgang von Douglas Costa sehe ich im kommenden Jahr ebenso für seinen Landsmann Rafinha keinen Platz mehr im Bayernkader: Der Grund ist ein ganz anderer – Rafinha ist ein absoluter Sympathieträger und ich würde ihm nie und nimmer eine mangelnde Berufseinstellung zum Vorwurf machen. Der Deutsch-Brasilianer kann aber meiner Meinung nach nicht mehr mit dem beim FCB geforderten Niveau mithalten – für mich überraschend hat er in der Rückrunde trotzdem häufig den Vorzug vor dem designierten Lahm-Nachfolger auf der rechten defensiven Außenbahn, Joshua Kimmich, erhalten.

Insgesamt bin ich der Meinung, dass der Spielerkader des FC Bayern, wie auch schon unter Guardiola, für die großen Belastungen zu klein ist. Inklusive der Nachwuchskicker Niklas Dorsch und Fabian Benko umfasste dieser in der letzten Saison ganze 20 Feldspieler. Allerdings habe ich einmal gelesen, dass genau diese Zahl 20 die erwünschte Kaderstärke des FCB sein soll.

Erfreulich auch, dass schon vor der in Kürze geplanten Eröffnung des neuen Nachwuchsleistungszentrums die Jugendmannschaften des FC Bayern endlich wieder erfolgreich spielen: Die U19 ist erst im Deutschen Meisterschafts-Endspiel in einem nervenzerfetzenden Elfmeterschießen im Signal Iduna Park am BVB gescheitert und wurde Vize-Meister. Die aus meiner Sicht noch talentiertere U17 steht nach einem 3:0-Hinspiel-Erfolg im DM-Halbfinale gegen Schalke 04 ebenfalls kurz vor dem Einzug ins Finale. Marios Bruder Felix Götze aus der U19 hat bereits einen Profivertrag unterschrieben.

 

Fazit

Insgesamt kann ich mich keineswegs dem „Weltuntergangs-Szenario“ vieler eigener Fans anschließen, noch bin ich folglich der Meinung, dass ein radikaler Umbruch schon in diesem Sommer stattfinden muss. Mit ein, zwei oder auch drei sinnvollen Ergänzungen und einem „Königtransfer“ wie dem von Alexis Sanchez wird der FC Bayern auch 2017/18 zu der Handvoll Mannschaften zählen, die bei einem optimalen Saisonverlauf mit dem entsprechenden Glück und ohne zu große Verletzungssorgen das Triple gewinnen kann – auch wenn man das natürlich offiziell nie an- und aussprechen darf  😉

 

 

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13 Kommentare zu „FC Bayern – Ausblick auf die nächste Saison“

  1. Ein gelungener und toller Ausblick, ganz in meinem Sinn 😉

    Ach ja, Tossilo … wer? Hab ich den jetzt richtig geschrieben? Schön, wie der Verein überrascht und sich nicht in die Karten blicken lässt.

    Veratti, Sanchez und on Top sogar Drama Queen CR7. Mögen die Medienenten nur so flattern und Blödsinn schnattern.

    Dazu Reiner Calmund:

    „Nein, Freunde, so schön das auch klingen mag. Aber der FC Bayern ist vor allen Dingen einer der größten, reichsten und erfolgreichsten Klubs der Welt, weil er solche Transfers eben nicht macht.“

    Und nie machte. Und nie machen wird.
    Mia san mia
    und weiter „Weltstarausbrüter“ (Robben, Ribery, Lahm, Boateng, Thiago, Müller etc. etc,)

    Ach ja, der Junge heißt Tolisso …

    1. Ich weiß schon, dass wir bei solchen Themen auf einer Wellenlänge sind 😉

      Jaja, Corentin Tossilo…äh…Tolisso 😉 😉

      Vor der Saison 2000/01 hat man übrigens einen gewissen Willy – wer? – Sagnol verpflichtet – schon nach wenigen Spielen hallte das langgezogene Wiiillyyyyy durch das Oly, wenn dieser zu seinen Flankenläufen angesetzt hat – und am Ende stand der erste CL-Sieg nach 25 Jahren!
      Nicht so viel anders die Story von Javi Martinez vor der Triple Saison 2012/13 …

      Und Wiillyyyy ist auch wieder zurück – warum soll man sich da Sorgen machen?
      Ich hätte mir viel mehr Sorgen um den Verein gemacht, wenn nur eine halbe Minute ernsthaft über CR7 (bzw. CR14,7) nachgedacht worden wäre …
      Über die aktuellen Lewy-„Enten“ müssen wir auch nicht reden – Sommerloch halt!

      1. Vielleicht ja mal auf eine Bierchen? Mich verschlägt’s aus der niederbayerischen Provinz öfter mal nach München, wenn ich da meine Tochter besuche 😉

  2. Mit etwas Verspätung möchte auch ich dir herzlich danken für den herausragenden Beitrag!👍⚽. Und in Sachen Dembélé muss ich sagen, dass Bayern nur Spieler verpflichten sollte, die sich auch mit dem Verein identifizieren. Wenn ich ihn beobachte, habe ich daran große Zweifel. Ich glaube nicht, dass er das Zeug zum Publikumsliebling hätte. Der große Vorteil von Real Madrid war auch, dass sich ein 80 (!)-Millionen-Einkauf wie James Rodriguez, ein für mich herausragender Fußballer Isco und ein klasse Stürmer wie Álvaro Morata sich mehr oder weniger freiwillig auf die Bank gesetzt haben. Aber als sie dann gebraucht wurden, Top-Leistungen gebracht haben.

    1. Danke Christoph!

      Ich denke, dass Dembélé aktuell gar keine Option für Bayern darstellt. Er hat beim BVB eine(!) beachtliche Saison gespielt – alles weitere wird sich zeigen. Und ich möchte mir gar nicht ausmalen, welch gigantische Ablösesumme die BVB-Verantwortlichen genüsslich abrufen würden, wenn diejenigen des FCB auf diese Schnapsidee kommen würden 😉

      Du sprichst die Kaderbreite von Real Madrid an – die Kaderbreite ist für mich in der Tat schon seit Guardiola-Zeiten eine „Bayernschwäche“, welche natürlich erst dann zu Tage kommt, wenn mehrere Leistungsträger (meist zur „Unzeit“) ausfallen.

  3. Ich stelle jetzt mal die These auf: Wenn Lewy, was wir als Bayern Fans ja alle hoffen, weiterhin vom Verletzungspech weitgehend verschont bleibt, wird man keinen Backup benötigen.
    Ist zwar ein wenig zugespitzt formuliert, aber eigentlich nur logisch:
    Wenn Lewandowski wieder in den allermeisten Spielen in allen Wettbewerben spielt, was für den FCB nur gut ist, wird kein zweiter Stürmer auch nur ansatzweise Einsatzchancen haben, wie auch im Beitrag steht. (Außerdem würde (fast) kein Spieler von der Bank weg sofort auf Champions League Viertel-/Halbfinalniveau erreichen.)
    Ebenfalls hast du das Gesamtvolumen eines Sanchez-Transfers angesprochen: Wie einige Medien berichten würde das gebotene Gehalt das von etablierten und verdienten Bayernstammspielern wie Müller, Robben, Ribéry oder Lewy weit übersteigen, was durchaus Konfliktpotential birgt. Außerdem ist er mit 28 zwar im besten Fußballeralter, viel Zukunftsperspektive bietet das nicht (und er gehörte auch zu dem Arsenal-Kader, der gegen Bayern in 2017 in
    Summe 10:2 verloren hat 😉 ).
    Warum also niad auf Lewy bauen, neue, junge Flügelflitzer à la Dembélé, Gnabry oder Martial holen(die von Robbery lernen und diese dann ablösen können) und im Falle eines Ausfalls des Polen das System leicht umbauen – beispielsweise mit einem schnellen Coman in der Mitte oder zwei Stürmern (Müller + (Coman/x))? Nach der Ära Guardiola sind die Bayern Spieler ja an verschiedenste Systeme gewohnt.
    Hätte auf jeden Fall mehr Zukunftsperspektive 😉

    1. „Wenn Lewandowski wieder in den allermeisten Spielen in allen Wettbewerben spielt,..“
      Du sprichst ja genau das 2016/17 Szenario an: Man hat Lewy für „unverletzbar“ erklärt und dann ist er in den Spielen gegen Madrid ausgefallen, den beiden wichtigsten Saisonspielen! (im Hinspiel nicht im Kader, im Rückspiel stark gehandicapt)
      Damit das nicht mehr passiert, musst du einen adäquaten Stoßstürmer haben, der sofort in das System passt – ohne Anlaufprobleme.
      Ausschließlich Stoßstürmer Nr. 2 hinter Lewy zu sein ist unbefriedigend – wenn man aber wie Sanchez auch noch auf den Außenpositionen große Klasse ist, dann ist dies ein Glücksfall.
      Bei Gnabry denke ich, dass er spätestens 2018 zu Bayern kommt – da gibt es ja wahrscheinlich diese häufig diskutierte „Bayern-Klausel“, welche nie dementiert worden ist.

      1. By the way:
        „…und er (Sanchez) gehörte auch zu dem Arsenal-Kader, der gegen Bayern in 2017 in Summe 10:2 verloren hat ..“

        Shaqiri (2012 mit Basel) und Costa (2015 mit Donezk) haben jeweils im CL-AF-Rückspiel in der AA mit 0:7 verloren und wurden trotzdem in der anschließenden Saison verpflichtet.

        Thiago war „Ergänzungsspieler“ des Barca-Teams (kam im Rückspiel für Iniesta aufs Feld), das von Bayern im HF 2013 mit 7:0 gedemütigt wurde … und wurde anschließend von Bayern und Pep („Thiago oder nix“) verpflichtet.

        Dagegen hat T44 Bayern mit Zenit 2008 im UEFA-Pokal mit 1:1 und 4:0 aus dem Wettbewerb gekegelt … wurde „erst“ 2009 verpflichtet.

        In der Saison 1973/74 ging alles noch fixer, die Regularien waren nicht so streng: Ein gewisser Conny Torstensson brachte in der 1. Runde des Landesmeistercups mit seinem Club Atvidaberg FF die Bayern an den Rand des Ausscheidens (Bayern qualifizierte sich nach 3:1 und 1:3 n.V. erst übers Elfmeterschießen)und wurde daraufhin in der Winterpause von Bayern verpflichtet.
        Der „Mr. Europacup“ wurde in den folgenden 3 Jahren (1974, 75, 76) 3 mal in Folge mit Bayern Europapokalsieger! Sachen gibt es 😉

  4. Bravo, Gratulation und Danke zu diesem grandiosen Artikel!

    Hoffentlich lesen ihn trotz der Länge viele Leute – Verantwortliche des Vereins und dauerjammernde und nörgelnde Fans!

    Sehr gute Aufarbeitung der letzten Jahre als Erklärung für die augenblicklich fordernde Situation seitens der Fans und Medien.

    Eine super Saison nach der anderen und viele – Freund wie Feind – bekommen es gar nicht mit bzw. wollen es nicht mitbekommen!

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