2:3 im Pokal-Halbfinale gegen den BVB

FCB-BVB-Javi-Reus

 

Ein extrem unglücklicher Spielverlauf – oder soll man sagen „dumm – dümmer – FCB“?

Wie schon im Halbfinale 2015 gegen denselben Gegner ist auch das diesjährige Scheitern fast schon aberwitzig.

Nach dem unglücklichen 0:1 in der 19. Minute durch Marco Reus – bei dem sich Javi Martinez, Sven Ulreich und Philipp Lahm an Unkonzentriertheit und Tollpatschigkeit gegenseitig übertrafen – kamen die Bayern grandios zurück und drehten das Spiel durch Tore von Javi Martinez und Mats Hummels. Die 25 Minuten vor der Pause waren mit Sicherheit die besten der gesamten Saison, vor allem was die Zweikampfführung betraf.

Einzig die mangelhafte Chancenauswertung verhinderte, dass der Finaleinzug zur Halbzeit nicht schon längst feststand. Robert Lewandowski ist leider immer noch anzumerken, dass ihn seine 2 1/2 Wochen zuvor gegen denselben Gegner erlittene Schulterverletzung noch ziemlich behindert bzw. hemmt. Kurz vor der Halbzeit ging er alleine auf Bürki zu – dieselbe Situation wie bei der Verletzung im Bundesliga-Spiel durch die Notbremse des BVB-Keepers und wahrscheinlich dachte Lewy genau in diesem Moment auch an dieses Foul. So versuchte er nicht wie gewohnt den Torhüter zu umspielen, sondern schoss etwas fahrig genau den BVB-Schlussmann an.

Auch die 2. Halbzeit begann mit überlegenen Bayern und Riesenchancen auf ein 3:1 und 4:1 … beispielhaft wie fahrlässig Thiago, Lewy und Arjen Robben in der 57. Minute die Megachance zur Vorentscheidung liegen ließen  …

Und wenn man selbst seine Chancen nicht nützt … Dass nicht nur die Bayernfans im Stadion immer mehr diese Befürchtung befiel, sondern auch das Bayernteam selbst war spürbar bis auf den obersten Rang. Die unglaubliche Laufarbeit und der große körperliche Einsatz zeigten zudem erste Spuren. Auswechslungen durch Carlo Ancelotti schienen dringend notwendig – jedoch nahm er als erstes zu meinem Entsetzen den überragenden Mats Hummels aus dem Spiel – und Jerome Boateng ersetzte ihn leider so schlafmützig wie in seinen schlimmsten Zeiten, zudem wirkte er bereits wenige Minuten nach seiner Einwechslung erneut angeschlagen.

Zur tragischen Figur entwickelte sich außerdem der scheidende Kapitän Philipp Lahm: Im Mittelfeld beging er den (vor)entscheidenden Fehler vor dem 2:3 …

Ein Spiel, das kurz nach der Halbzeit 5:1 hätte stehen können, wurde mit 2:3 verloren. Ganz ehrlich: Absolut typisch für die eigentlich so großartigen Bayern dieses Jahrzehnts. Diese Truppe ist für mich die beste Bayernmannschaft aller Zeiten, hat aber trotz aller gewonnenen Titel noch unendlich viel zusätzlichen Ruhm teils fahrlässig, teils unverdient, teils unglücklich liegen lassen.

Wer bei der Generation Lahm, Ribéry, Robben & Co noch von Dusel-Bayern oder Bayern-Bonus spricht, hat ein großes Rad ab, ist FC Bayern-Hasser oder hat schlichtweg keine Ahnung von Fußball.

 

15 Kommentare zu „2:3 im Pokal-Halbfinale gegen den BVB“

  1. Endlich die verdiente Ressonanz mit vielen erstklassigen Kommentaren!

    Man merkt, dass es ein sehr emotionales Thema ist.

    1. Ja, ein emotionales Thema zieht einfach mehr als ein sachlicher noch so gut recherchierter Beitrag.

      Und mich freut es, dass hier dieses Mal fast so viel los ist wie auf Facebook – denn die Kommentare hier im Blog „verschwinden“ nicht in der Tiefe des Internets wie auf FB … Danke an alle!

  2. Was einige wenige Spiele innerhalb kurzer Zeit doch verändern können! Nach einer eher holprigen ersten Saisonhälfte hatte ich für die Rückrunde eigentlich ein gutes Gefühl, doch gerade als man das Team auf dem Zenit wähnte, lief es mehr als ungut. Wie so oft gibt es nicht den einen, alles entscheidenden Grund dafür, sondern deren einige. Zuvorderst natürlich eigenes Versagen (Abwehrfehler, Torabschluss, Coachingfehler und unausgewogene Transferpolitik), fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen und Verletzungspech. Unglücklicherweise kulminiert zu Tage getreten im so gar nicht wonnigen Monat April. Das schmerzte am vergangenen Mittwoch am schlimmsten und wirkt immer noch nach.

    Ferner wird medial geradezu genüsslich weiter in der Wunde herumgestochert und der 5. Meistertitel in Serie geradezu als Wegwerfmuster vom Grabbeltisch herabgewürdigt. Wie erbärmlich ist das denn? Derartiges ist wie vielen Vereinen bereits gelungen? Noch keinem? Hm, scheint also doch etwas Besonderes zu sein…

    Als Kontrast dazu folgendes: Da ich in der Winterpause auf mein Stadionerlebnis nicht verzichten möchte, fahre ich regelmäßig zum Eishockey nach Rosenheim, DEL2. Abgeranztes Stadion aus den 1960ern, kaum Geld, viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, gute Stimmung, gerade in Derbys gegen andere bayerische Mannschaften. Im Jahre 2011 sogar DEB-Pokalsieger und in den Folgejahren teils mehrfach im Halbfinale bzw. Finale um die Meisterschaft. Das Team wurde diese Saison von einer geradezu heimtückischen Verletzungs-misere heimgesucht, ständig fielen Stammspieler aus, so dass auf der Zielgeraden sogar Nachwuchsspieler eingesetzt werden mussten. Am Ende stand der nicht für möglich gehaltene Abstieg aus der DEL2, obwohl sich der ehrenamtlich arbeitende Vorstand zwischenzeitlich erfolgreich abgemüht hatte, die erforderlichen 815.000 Euro zusammenzubetteln, um sich für eine DEL-Lizenz bewerben zu dürfen.

    Vor diesem Hintergrund bin ich mit der Meisterschaft des FCB recht zufrieden. Klar hätte es besser laufen können, jedoch ist das Jammern auf sehr hohem Niveau. Als Bayernfan ist man nun mal verwöhnt und gewohnt, immer ganz vorne dabei zu sein. Für den ganz großen Wurf muss jedoch alles zusammenpassen, deswegen dürfen wir uns auch mal über „nur“ einem Titel freuen. Ich greife daher den Satz bezüglich Duselbayern gerne auf und würde hinzufügen: Wer mit weniger als dem Triple nicht zufrieden sein kann, hat ein großes Rad ab, ist FC Bayern-Hasser oder hat schlichtweg keine Ahnung von Fußball. Bei den einen oder anderen Medienschaffenden dürfte alles zusammen zutreffen…

    1. Korrigiere: Wer mit weniger als dem Double/Triple nach so grandiosen Chancen va im Pokal, wo man ein schon zur Pause sicher geglaubtes Finalticket noch hergegeben hat , genau 2 Wochen nach einer ebenso schlechten Leistung zufrieden sein kann und nicht enttäuscht ist , hat keine Leidenschaft , Versucht niad den FC Bayern egal ob daheim oder im Stadion, egal ob im Ober-,Mittel-, Unterrang zum Sieg zu schreien, sondern hat eine Gleichgültigkeit und für den kann der Verein auch Regionalliga spielen und er is hellauf begeistert. Man muss Fehler va haarsträubende ansprechen und sich darüber ärgern dürfen. Wenn Spieler diese Einstellung haben und niad die so bekannte FC Bayern Titel /Siege Gier, die niad ansatzweise so negativ ist , wie in dem Kommentar dargestellt wird , kann das keinem Fan recht sein. Dann würden wir auch niad vor dem 5. Deutschen Meister-Titel in Folge stehen! Was manche Spieler dazu veranlasst, in einen CL Viertelfinale -körperlich topfit- niad für den Verein mit Leidenschaft und Freude um den Halbfinaleinzug zu spielen, sondern mit kompletter Unlust über das Feld zu laufen, ist für mich und bestimmt einige andere Bayern Fans unverständlich, und dass nach dem Madrid (va Hin-)Spiel und dem Dortmund Rückspiel dann auch irgendwie Frust und Enttäuschung hinzukommen, weil man niad aufgrund von gegnerischer Stärke sondern eigener Unfähigkeit , den Sack zuzumachen, ausgeschieden ist, ist nur menschlich und normal!

      1. @ Chris:

        Christian schreibt
        „…fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen und Verletzungspech. Unglücklicherweise kulminiert zu Tage getreten im so gar nicht wonnigen Monat April. Das schmerzte am vergangenen Mittwoch am schlimmsten und wirkt immer noch nach.

        Ferner wird medial geradezu genüsslich weiter in der Wunde herumgestochert und der 5. Meistertitel in Serie geradezu als Wegwerfmuster vom Grabbeltisch herabgewürdigt. Wie erbärmlich ist das denn? Derartiges ist wie vielen Vereinen bereits gelungen? Noch keinem? Hm, scheint also doch etwas Besonderes zu sein…“

        Da steckt sehr viel Herzblut und Frust drin (auch wegen des „eigenen Versagens“). Gleichzeitig verteidigt er die Mannschaft und weist darauf hin, dass auch eine fünfte Meisterschaft in Folge eine bislang in Fußball-D einmalige Angelegenheit ist.

        Dies entspricht auch meiner Gefühlslage: Es wäre – auch in dieser Saison – viiiel mehr drin gewesen, aber nach dem 8. April (eigentlich schon ab dem Foul von Bürki an Lewy am 8. April) ist sehr viel schief gelaufen. Dazu zählt auch ein lustloser Costa in seinem 30-Minuten-Auftritt im Hinspiel.

        Aktuell leidet man unter dem 2-fachen unglücklichen, unverdienten, aber auch selbst-verschuldet dummen Ausscheiden – trotzdem sollte mit etwas Abstand auch beim feurigsten „richtigen Bayernfan“ wieder der Durchblick kommen: Gute Saison – aber man hat z.T. auch selbst verschuldet (Kaderplanung vor der Saison, zu dünner Kader) einen viel besseren Saisonabschluss verdattelt.

        Als gutes Zeichen für die Zukunft interpretiere ich übrigens Thiagos heutige Vertragsverlängerung – und ich bin mir sicher, dass die FCB-Totengräber (wie 2012) auch nach dieser Saison noch viel leiden müssen.

        PS: Ich weiß, dass Christian ein 100% (110%)iger FCB-Fan mit Leib und Seele ist. Jeder verdaut aber so einen Schock offensichtlich etwas anders.

  3. Eine wohltuend realistische Einschätzung. Gerade in Zeiten der Tripelmanie!

    (ein guter Artikel hierzu: http://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/thomas-mueller-irritiert-mit-aussage-warum-das-triple-dem-fc-bayern-jahre-spaeter-mehr-schadet-denn-nuetzt_id_6995037.html )

    Das beste Statement zum Pokal-Aus bei „Mia san Rot war wohl: „Ich bin nur froh, dass es keinen Schuldigen gibt. Nicht der Schiedsrichter, nicht das Los, nicht mal die bösen Bienen bei denen nicht mal mehr der Trainer zum anständigen Antagonisten taugt. Nichts als die eigene Blödheit.“

    Doch das trifft es nicht ganz.

    Beim 4:1 gegen Dortmund punktgenau noch eine exzellent spielende und verletzungsfreie Mannschaft. Selbst „Mia san Rot“ sang bereits Loblieder auf Carlo Ancelottis Belastungssteuerung.

    Dann kam der Fußballgott.

    Durchstach mit Voodoo-Nadeln vorm Hinspiel gegen Real die (neben Thiago und Neuer) für das Spielgefüge wichtigsten Spieler Hummels und Lewy. Spätfolgen als dramaturgische Verwerfungen inklusive.

    Fußballgott, Du bist eine spanische Hure!

    1. Unterschreibe ich dir genauso! 🙂

      Focus-Beitrag hat natürlich im Grundtenor absolut recht, das würde kein Bayernfan bestreiten, der einigermaßen geradeaus denken kann – wir sind doch alle damit infiziert. Allerdings geht es eigentlich mehr um den CL-Titel als das Triple.

      Und wenn der Focus schreibt –
      „Es ist schade, dass die Bayern in ihrem Wahn, drei Titel gewinnen zu wollen, die Wertschätzung für die nationalen Titel scheinbar verloren haben.“
      – dann ist dies schon auch scheinheilig und zynisch – diese Vorgaben sind doch auch täglich u.a. im Focus zu lesen.

    2. Apropos: „Dann kam der Fußballgott.“

      Habe ich nicht letztes Jahr nach dem unglücklichen Aus gegen Atleti den Beitrag „Der Fußballgott ist ein Vollpfosten“ geschrieben? 😉 😉

  4. Es gibt genau zwei bzw. drei (wobei die dritte nicht zählt) „Mannschaften“ auf diesem Planeten, gegen die man nicht ausscheiden darf. Und was machen wir?!
    Also ich für meinen Teil bin extrem bedient und kann dieser Saison NULL Positives abgewinnen.
    Sorry aber auch die (so gut wie sichere) 5. Meisterschaft in Folge steht klar im Schatten der deutlichen „Zurückentwicklung“ unseres Teams.

    Dennoch danke für deinen Bericht aus der Perspektive eines wahren Fans.

    1. Der Bericht entspricht auch zu 100% meiner Gefühls- und Gemütslage!

      Und es scheint noch mehr von uns zu geben …

    2. Alles was Du schreibst, kann ich zu 100% nachempfinden – geht mir so kurz nach diesen 2 „FCB-Horror-Wochen“ genauso.

      Am 8. April war die Fußballwelt noch absolut in Ordnung und dann dieser brutale Absturz – mit vielen unterschiedlichen Gründen.

      Und die 3 von Dir angedeuteten Vereine, gegen die man eigentlich definitiv nicht verlieren bzw. ausscheiden darf, kenne ich auch … 😉

  5. Sehr ansprechender Bericht! Endlich mal nicht dass derzeit wohl übliche Weltuntergangsszenario, wie auf anderen Seiten. Habe bisher auch viel bei Breitnigge und Miasanrot gelesen. Leider sind dort die Kommentare überwiegend negativ(Breitnigge) oder aber extrem nüchtern analysiert( Miasanrot).
    Hoffe, du kannst uns Bayern Fans, weiterhin in diesen „schweren Zeiten“ aufrichten😉

    1. Danke Wolf!
      Ich denke, dass ich selbst eben wesentlich mehr Fan bin als die von dir angesprochenen Seiten und Blogs mit einem anderen Schwerpunkt.
      Ich habe gestern im Stadion gelitten, geschimpft, geflucht, angefeuert – und war noch in Diskussionen auf dem Nachhauseweg verwickelt, da haben die anderen schon ihre Beiträge geschrieben.

      Solche Beiträge kommen aus tiefstem FCB-Fan-Herzen 😉

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