Freundschaft zu Manchester United – vergessene FC Bayern-Geschichte

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Wenn man über die Beziehung des FC Bayern zum englischen Rekordmeister aus Manchester nachdenkt, kommt man nicht am auf dramatische Weise verlorenen Champions League Finale 1999 in Barcelona vorbei. Diese von vielen als „Mutter aller Niederlagen“ bezeichnete Finalschlappe konnte von vielen Fans nicht einmal dadurch überwunden werden, dass ManUnited seit jener Nacht in Katalonien in jedem Champions League Play-Off-Aufeinandertreffen den Kürzeren gezogen hat. Die Art der Behandlung des bayerischen „Fußballgotts“ Bastian Schweinsteiger durch Uniteds aktuellen Coach Mourinho belastet die Beziehung zwischen den Clubs und ihren Anhängerschaften zusätzlich. Es gab jedoch zwischen den beiden Vereinen eine viel ältere freundschaftliche Beziehung, deren Ursprung jedoch ein sehr trauriger ist: Eine der größten Fußballkatastrophen aller Zeiten – der Flugzeugabsturz der „Busby Babes“, der jungen Mannschaft von Manchester United am 6. Februar 1958 in München-Riem.

Bei der damaligen Trägodie starben acht Spieler von Manchester United, drei hochrangige Vereinsfunktionäre wie auch acht Journalisten, „von denen einige zu den Koryphäen ihres Gewerbes“ zählten. Dieser Spiegelartikel vom April 2014 erzählt die tragischen Ereignisse von damals sehr anschaulich http://www.spiegel.de/sport/fussball/manchester-united-das-unglueck-der-busby-babes-in-muenchen-1958-a-962619.html .

In der Clubzeitung des FC Bayern vom Februar 1958 kann man auf Seite 10 unter der Überschrift „Bayern-Gruß an Manchester-Spieler“ folgendes lesen:

„Nach dem grässlichen Flugzeugunglück in München-Riem, von dem Englands Meister Manchester United hart getroffen wurde, überbrachte der FC Bayern den im Krankenhaus rechts der Isar untergebrachten englischen Fußball-Freunden die herzlichsten Genesungswünsche mit einem Blumengebinde für jeden einzelnen der Manchester-Spieler. Unser Club steht schon seit den Tagen vor der Katastrophe in Verhandlungen zum Abschluss eines Freundschaftsspieles.“

Aus dem ursprünglich geplanten einen Freundschaftsspiel wurden insgesamt drei, jeweils ein Spiel 1959, 1960 und 1961 und wie der Spiegel schreibt: „Zwischen United und dem FC Bayern entsteht eine enge Freundschaft.“ Zusätzlich führte diese Flugzeugkatastrophe, 13 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, zu einer Verbesserung der englisch-deutschen Beziehungen. Die Engländer waren von der enormen Hilfsbereitschaft und Anteilnahme der ehemaligen „Nazi-Deutschen“ stark beeindruckt.

Das 1958er Unglück ließ den noch heute existenten „ManUnited Mythos“ entstehen, vor allem weil sich auch die Mannschaft erstaunlich schnell von diesem Schock erholte. So verloren die Bayern, die in der Oberliga Süd in den Spieljahren 1958/59, 1959/60 und 1960/61 den vierten, dritten und achten Platz belegten, alle drei Spiele gegen die englischen Profis. Wie man das Leistungsverhältnis und die Beziehungen zu ManUnited beim FC Bayern selbst einschätzte, dokumentiert bestens ein dreiseitiger Bericht in der Clubzeitung vom Dezember 1960 nach dem zweiten Freundschaftsspiel am 22.November 1960, hieraus ein paar Ausschnitte: „…Es war ein recht kühnes Unterfangen, mit unserer ersten Ligamannschaft in der schwachen Form der letzten Wochen zu zwei schweren Spielen in Manchester und Edinburgh gegen britische Profis zu fahren. Doch das junge Team konnte sich erfreulicherweise steigern, wurde nicht zum wehrlosen Opfer der Insel-Fußballer. Zwar gab es mit 1:3-Toren gegen Manchester United und 0:3-Toren gegen Hibernian Edinburgh die erwarteten Niederlagen, doch sie blieben im Rahmen des Erträglichen (…) Untadelig war das Auftreten unseres Teams neben und auf dem Rasen. Und aufrichtig war der Wunsch beider gastgebenden Vereine gemeint, der FC Bayern möge so bald wie möglich wiederkommen (…) Eindrucksvoll war das abschließende Bankett, das die Clubleitung der United in herzlichster Gastfreundschaft gab. Nach den Toasts, die United-Präsident Hardman auf Königin Elisabeth und Bundeskanzler Adenauer ausbrachte, erklangen die Nationalhymnen beider Länder. Als Erinnerungsgabe erhielten unsere Spieler einen Besteckkasten während sich die United-Spieler über die Zinnteller mit Bayernwappen und die Clubleitung über die Zinnteller mit dem Münchner Kindl herzlich freuten. Die gute Freundschaft zwischen beiden Vereinen wurde durch die Ansprachen beider Präsidenten erneut bestätigt.“

Ein herrliches Zeugnis der Beziehung beider Vereine.

Eine witzige Randnotiz zu den beiden Spielen auf der Insel: In den jeweiligen Anhängen der Jubiläumsbücher zum 75. Geburtstag des FC Bayern („Parade der Meister – 75 Jahre FC Bayern München“) wie auch zum 80. Geburtstag („Fußball-Zauber in München“) sind die Spielergebnisse der beiden Spiele vom November 1960 auf der Insel vertauscht. Ob der FC Bayern dies in seinen Analen schon korrigiert hat?  😉

Es gibt aber auch eine wirklich widerliche Geschichte zu diesem tragischen Unglück des United-Teams in München und einen hier enthaltenen Appell, warum man vor allem in München, aber auch in Rest-Fußball-Deutschland die Abkürzung „ManU“ für Manchester United unbedingt vermeiden sollte. Leider passiert dieser Fauxpas auch immer wieder den deutschen Sportjournalisten.

Kurze Zeit, nachdem mit Englands Nationalspieler Duncan Edwards am 21. Februar 1958 der achte United-Spieler in Folge des Flugzeugunglücks verstorben war, wurde die Abkürzung „ManU“ in England erstmals benutzt. Fans von West Bromwich Albion waren es, die „ManU“ besangen, um United und den verstorbenen Edwards zu verhöhnen. „Duncan Edwards is manure, rotting in his grave, Man U are manure, rotting in your grave“. Sie bezeichneten den Verstorbenen als „manure“, also als Dünger, der in seinem Grab verrottet.

Später übernahmen Fans von Leeds United und dem FC Liverpool das Lied, um die Toten von München zu verunglimpfen und fügten weitere unappetitliche Zeilen hinzu: „Man U went on a plane, ManU never came back again“ und „Man U never intended coming home.“ Bei der letzten Zeile bilden die Anfangsbuchstaben das Wort „Munich“, eine weitere Provokation und ein weiterer Grund, auf die Abkürzung „ManU“ endgültig zu verzichten.

 

Dies soll die zahlreichen Nuancen aufzeigen, die eine derartige bewegende Geschichte in sich birgt. Das war vor knapp 60 Jahren so, ist es noch immer und wird immer so sein. Jeder möge seine Lehren daraus ziehen und kein deutscher Fußballfan sollte jemals mehr die Bezeichnung „ManU“ benützen.

 

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7 Kommentare zu „Freundschaft zu Manchester United – vergessene FC Bayern-Geschichte“

  1. Mal wieder eine Sternstunde des Gradmessers!

    Solche Artikel – Historie, Hintergründe, erstklassige Recherche – gefallen mir extrem gut. Weiter so!

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