Die Bayern nach dem Rückrundenstart

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2:1 bei Werder Bremen – auch der zweite Auswärtssieg der Bayern zu Beginn des Fußballjahres 2017 ist in die Rubrik „Arbeitssieg“ einzuordnen. Für die Art und Weise, wie diese Siege erzielt wurden, wurden Ancelottis Kicker zum Teil harsch kritisiert. Inwieweit ist diese Kritik berechtigt und muss sich die Anhängerschaft des Rekordmeisters Sorgen vor allem um die internationale Wettbewerbsfähigkeit machen?

Ich denke nicht, obwohl die Spielweise der Bayern aktuell sicherlich (noch) keine Augenweide ist. Was dennoch in der Mannschaft steckt, zeigten alle vier Bundesligatore in diesem Jahr: Nachdem Robert Lewandowski bereits spektakulär beim Ausgleich in Freiburg getroffen hatte, war sein Siegtreffer eine eindeutige Bewerbung für das Tor des Jahres. Auch die beiden Treffer im Weserstadion durch Arjen Robben (in Co-Produktion mit Franck Ribéry) und David Alaba waren absolute Sonderklasse.

Anders als nun schon über viele Jahre medial behauptet wird, tritt eigentlich fast jedes Bundesliga-Team extrem motiviert gegen die Bayern an. Dieses Szenario gab es auch bei den Spielen in Freiburg und Bremen zu beobachten. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass sich Christian Streichs Mannen in dieser Saison in der oberen Tabellenhälfte etabliert haben und in der ersten Saisonhälfte die laufstärkste Mannschaft der Liga darstellen. Auch Werder trat nicht weniger engagiert gegen Bayern an.

Zudem wurde in den Berichterstattungen und Analysen nach beiden Spielen jeweils vergessen, dass beide Bayerngegner einige Male entscheidend von falschen Schiedsrichterentscheidungen profitiert haben.

Wie wäre das Spiel in Bremen verlaufen, wenn Schiedsrichter Stegemann in der Viertelstunde nach der Halbzeitpause zweimal Elfmeter für Bayern gegeben hätte? Beim ersten Mal wird Lewandowski beim Hochspringen zum Kopfball von hinten gegen einen Werder-Spieler geschubst – über die Reporterkommentare, dass dies nicht für einen Elfmeter ausgereicht hätte, kann ich nur den Kopf schütteln. Beim eindeutigen Foul an Robben gab es gar keinen Zweifel daran, dass ein Elfmeter die einzig richtige Entscheidung gewesen wäre.

Wenn Hoffenheims Sandro Wagner für sein rustikales Einsteigen in Leipzig mit Rot vom Platz gestellt wird, dann hätte dieses Schicksal auch den Bremer Santiago Garcia bei seinem Foul gegen Kimmich ereilen müssen: Im Gegensatz zu Wagner ist Garcia nämlich wirklich mit gestrecktem Bein in Kimmich hinein gerauscht.

Zusätzlich sind die aktuellen Platzverhältnisse in vielen Bundesligastadien sicherlich nicht von Vorteil für technisch versierte Teams wie die Bayern. Ob das Unterlassen von „angemessener Rasenpflege“ immer noch ein taktisches Mittel von manchen Bundesliga-Heimvereinen ist, sei hier nicht thematisiert.

Was mir von Seiten der Spieler und des Trainers des FC Bayern sehr gut gefällt, ist, dass man dennoch für die eigenen durchwachsenen Leistungen keine Ausreden sucht, sondern sich sehr selbstkritisch zeigt. Dabei sind sich gewiss auch alle intern einig, dass die beiden 2:1-Siege in Freiburg und Bremen weder glücklich noch sogar unverdient waren, vor allem wenn man zusätzlich die geschilderten Schiedsrichterleistungen in Betracht zieht.

Persönlich rechne ich schon beim kommenden Heimspiel gegen Schalke 04 mit einer erheblichen Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft – auf dem hoffentlich bestens präparierten Rasen in der Allianz Arena. Zudem sollte der „Spiritus Rector“ der Hinrunde, Thiago Alcántara, nach dreiwöchiger Verletzungspause, gegen die Knappen wieder auf das Spielfeld zurück kehren. Wenn er dies nur ansatzweise so gut wie in den Spielen vor der Winterpause tut, dann wirkt sich sein Comeback fraglos belebend auf das Münchner Spiel aus.

Außerdem warte ich darauf, dass bei Thomas Müller endlich auch wieder vor dem Tor der Knoten platzt. Der Moment wird sicher in Kürze kommen – und wenn es im Champions League Achtelfinale gegen den Dauerrivalen Arsenal ist, hätte ich definitiv nichts dagegen.

Sehr schade finde ich die überwiegend negative Herangehensweise bei der Betrachtung der Leistungen der Bayern: Wenn ein Spiel knapper als zuletzt gewohnt ausgeht, wird dies fast immer mit einer Bayernschwäche interpretiert, leider selten mit einer Leistungssteigerung der Gegner. Bemerkenswert durchaus, dass man den Bayernkonkurrenten keine Lernfähigkeiten und Steigerungspotenziale zutraut.

Bei all meiner optimistischen Grundeinstellung zu den Möglichkeiten der aktuellen Bayerntruppe muss ich dennoch zugeben, dass auch für mich der weitere Saisonverlauf offen wie selten ist: Zum ersten Mal seit fünf Jahren hat man mit RB Leipzig einen Bundesligakonkurrenten, der auch nach der Winterpause noch in Reichweite zu den Bayern ist. Die Roten Bullen haben im Gegensatz zu den Kontrahenten der vergangenen Jahre, Borussia Dortmund und VfL Wolfsburg, keine Mehrfachbelastung in verschiedenen Wettbewerben, wie dies bei den Münchnern standardmäßig der Fall ist. Sollte Leipzig am kommenden Wochenende tatsächlich in Dortmund gewinnen, rechne ich damit, dass der Aufsteiger bis zum Saisonfinale ein ernsthafter Bayernkonkurrent bleibt, zumal Bayern wohl das schwierigere Restprogramm hat.

Sorgen bereitet mir persönlich – offensichtlich ganz im Gegensatz zu den Bayernverantwortlichen – der sehr kleine Kader. Trotz der extremen Verletzungsprobleme der vergangenen Jahre und den damit verbundenen Engpässen gerade in den entscheidenden Saisonphasen hat man den Kader weiter verkleinert. Kann man daraus schließen, dass man davon ausgeht, unter dem Übungsleiter Carlo Ancelotti die Verletzungsmisere in den Griff bekommen zu haben?

 

Es wird nicht geunkt, sondern „FC Bayern-like“ optimistisch der zweiten – entscheidenden – Saisonhälfte entgegen geschaut.  😉

 

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3 Kommentare zu „Die Bayern nach dem Rückrundenstart“

  1. 1:1 gegen Schalke

    Was war das denn? Ein insgesamt sehr pomadiger und uninspirierter Auftritt der Mannschaft gestern.

    Ancelottis Bayern sind bislang in dieser Saison eine Wundertüte. Viele sehr lustlose Leistungen wie gestern – erstaunlich oft gesteht die gesamte Truppe nach den Spielen selbst, dass „die Leidenschaft gefehlt“ hat. Und dann „plötzliche Leistungsexplosionen“ wie gegen RB Leipzig – leider weniger häufig …

    Persönlich schwanke ich auch schon fast wöchentlich zwischen Besorgheit und dezentem Pessimismus und doch wieder aufkommendem (Zweck-?)Optimismus.

    Noch ist alles drin. Aber kann man tatsächlich seine Kräfte so lange schonen und bündeln, bis die „heiße Phase“ richtig los geht – und dann zwar nicht von Null, aber von 40, 50, 60 auf Hundert durchstarten? Ich bin da wirklich skeptisch. Wenn Carlo das allerdings hinbekommt, dann ist er ein Gigant!

  2. Eines vorweg, ich bin noch immer verwöhnt vom Spiel unseres ehemaligen Trainers Pep Guardiola. Fußballerische Delikatessen wurden unter dem Maitre de Cuisine am laufenden Bande gereicht. Derzeit tischen Ancelottis Köche nach meinen Geschmack tendenziell eher gut bürgerlich auf. Sättigt sicherlich aber ein Gaumenschmaus? Nun ja. Des Öfteren sieht man sich in dieser Saison genötigt, den schalen Geschmack nach dem Abpfiff schnell mit einem kräftigen Schluck zu verabschieden.

    Trotz sehenswerter Tore ist für mich von einer Spielstruktur, wie sie die Mannschaft noch unter dem leider oftmals misstrauisch beäugten Guardiola hatte, nicht mehr viel zu sehen. Die Mannschaft lebt mittlerweile nach meinem Gusto zu oft von der individuellen Klasse ihrer Akteure, das mag gegen viele Mannschaften aus der Bundesliga zu einem Punktehappen reichen, international dagegen dürften die immer wieder gehäuft auftretenden Unkonzentriertheiten etwaige Träume vom Henkeltopf rasch versalzen.

    Als Aperitif und Mutmacher sollte allerdings das Spiel gegen Leipzig dienen, Ancelotti überraschte den Gegner mit einem feinen Schachzug (Thiago auf die Spielmacherposition), die Mannschaft überzeugte mit einer geschlossen guten Leistung und selbst der Schiedsrichter hatte keine Angst, Forsberg des Feldes zu verweisen.
    Bleibt zu hoffen, dass sich diese Zutaten in der Champions League ähnlich zusammenfinden und uns wahre Gaumenfreuden bescheren, Stichwort Europacup-Menue.

    An Guadn!

    1. Du hast ja genau das richtige „Schmankerl“, das Spiel gegen Leipzig, angesprochen. Daran messe ich die Bayern, wenn es – international – in die Vollen gehen wird!

      Ich habe ja bekanntermaßen eher Bedenken, was den dünnen Kader betrifft … und jetzt bestätigt mich der Froonck leider schon )-:

      Na Mahlzeit!

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