FC Bayern – Auswärtsspiel in der Bundesliga im Olympiastadion

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Einigermaßen überraschend gibt es in der Fanszene des FC Bayern, vor allem bei den etwas älteren „Fanjahrgängen“, einige Supporter, die sich wohl nie so richtig mit der Allianz Arena (AA) anfreunden werden und immer noch dem altehrwürdigen Olympiastadion nachtrauern. Der Grund hierfür liegt nicht zuletzt in der Spaltung der legendären Südkurve des Münchner Olympiastadions bei der Einweihung der neuen Arena 2005 in Unterrang Südkurve und Unterrang Nordkurve. Diese führte vor allem in den ersten Jahren dazu, dass sich die „stimmungsbereiten Fans“ in der Münchner Südkurve mit einer zahlenmäßig überlegenen Kurve der Auswärtsfans konfrontiert sahen. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich aber auch an eine Bundesligapartie im Münchner Olympiastadion im Sommer 1987, als der 1. FC Nürnberg mit mindestens 30.000 mitgereisten Fans im Rücken gegen Bayern angetreten war.

Vor ein paar Wochen unterhielt ich mich an einem späteren Abend mit einem „Aktiven“ aus der FC Bayern-Fanszene, welcher als solcher ein bereits etwas älteres Semester ist. Mit ein paar Bierchen intus machte er aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Diese Sch…Arena in Fröttmaning, wir brauchen keine Arena, wir brauchen ein Stadion!“ Er kam auf das erste Spieljahr in der AA, jener Arena, auf welche der Verein und die meisten Fans so stolz sind, zu sprechen: „In der ersten Saison (2005/06) haben uns die Auswärtsfans, allen voran die Hamburger und Frankfurter, lächerlich gemacht! Durch die Teilung der SK-Kurve des Olympiastadions hatten wir am Anfang den kleinsten Heimfanblock der ganzen Liga. Was für eine Blamage!“

Im Laufe des Gesprächs kamen wir in diesem Zusammenhang auf die legendäre Wutrede von Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung 2007 zu sprechen, als dieser auf die Stadionkritik eines Mitglieds u.a. folgende Statements von sich gegeben hat:

Das ist doch populistische Scheiße. Für die Scheißstimmung seid ihr doch zuständig und nicht wir. Was glaubt ihr eigentlich, was wir das ganze Jahr machen, um euch für sieben Euro ins Stadion zu lassen. Euch finanzieren doch die Leute in der Loge. ….

Es kann nicht sein, dass wir uns jahrelang den Arsch aufreißen und dann so kritisiert werden….

Wer glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Dass ihr uns dafür kritisiert, dass wir uns dafür den Arsch aufreißen, dieses Stadion hinzustellen? Das ist mit sieben Euro aus der Südkurve nicht zu refinanzieren.“

Vom Kontext isoliert betrachtet konnte man Uli Hoeneß durchaus recht geben, was damals die Mehrheit der (unwissenden) Bayernfans auch getan hat. Nur war Uli Hoeneß auf der JHV 2007 wohl derart in Rage, dass er den Inhalt der Fankritik nicht richtig verstanden hat.

Der Wutausbruch meines Gesprächspartners vor ein paar Wochen hatte ungefähr dieselbe Vehemenz wie Ulis Wutausbruch anno 2007. Beim Gedanken, was passiert wäre, wenn beide in dieser emotionalen Ausnahmestimmung aufeinander getroffen wären, musste ich an jenem Abend etwas schmunzeln. Trotz aller Verbesserungen in den letzten Jahren in der AA zugunsten der „stimmungsbereiten Fans“ kann für meinen Fußballkumpel die Fröttmaninger Arena nie und nimmer mit dem Olympiastadion konkurrieren.

Ich zog es an jenem Abend vor, meine „speziellen Erinnerungen“ an das Spiel vom 26. August 1987 im Olympiastadion, es war ein Mittwochabendspiel gegen den Club aus Nürnberg, für mich zu behalten.

In meiner Erinnerung war es ein lauer Spätsommerabend und wir, meine damaligen Fußballkumpels und ich, gingen zu jenem bayerischen Derby in einer speziellen personellen Kombination: Wir nahmen unsere – definitiv Fußball-uninteressierten – Freundinnen mit, welche an jenem Abend zum ersten Mal ein volles Fußballstadion von innen gesehen haben. Um die Mädels nicht von vorneherein zu überfordern, sind wir nicht – wie sonst gewohnt – in der Südkurve gestanden, um unsere Mannschaft „anzufeuern“ (das Wort „Support“ war zumindest mir damals in diesem Kontext noch nicht geläufig). Nein, wir hatten Stehplatzkarten in der Nordkurve des Olympiastadions. In den Anfangsjahren des Stadions war ich dort häufiger mit meinem Vater gewesen, der zu viel Trubel im Stadion nie mochte. Aus jener Zeit wusste ich, dass es in der Nordkurve generell „gemütlicher“ als in der Südkurve zuging. Die Scharen der Auswärtsfans in der Bundesliga waren in den 70er, aber auch 80er Jahren meist sehr überschaubar –   und zwei Jahrzehnte später wurden die Fans von Bayer Leverkusen noch mit „hurra hurra, ein ganzer Bus ist da“ aus der Südkurve begrüßt 😉  So schien ein Nordkurvenstehplatz für die Stadioneinführung unserer Begleiterinnen eigentlich ideal – was für ein Irrtum.

Schon als wir verhältnismäßig kurz vor Spielbeginn auf unseren Stehplätzen, ziemlich weit oben in der Nordkurve, angekommen sind, auf Plätzen, auf welchen sonst eher „gemäßigtere Bayernfans“ das Spiel verfolgt hatten, bemerkte ich, dass wir mitten in einem riesigen  Pulk von FCN-Fans standen. Glücklicherweise waren wir an jenem Abend alle neutral gekleidet, denn die Stimmung unter den Clubfans schien äußerst aggressiv zu sein. Ein Auftauchen in „Bayernklamotten“ hätte sicher nicht deeskalierend gewirkt. 😉 Allerdings muss ich sagen, dass es damals sowieso wesentlich weniger Fanartikel im Stadion gab als heute. In jenen Jahren bin ich maximal im Winter mit dem von meiner Großmutter selbst gestrickten rot-weißen Wollschall ins Stadion gegangen. Die Bayernfahne, die ich mit 13 Jahren von meinem Vater bekommen hatte, nahm ich Ende der 80er Jahre nicht mehr mit ins Stadion.

In der 31. Spielminute schoss dann ein gewisser Hansi Pflügler das 1:0 für die Bayern und wie immer feierte ich das Tor gebührend mit einem lauten Jubelschrei. Erst in diesem Moment war mir klar, was an diesem Tag im Olympiastadion wirklich Sache war: Mein Torschrei schien mir in diesem Moment der einzige in der gesamten Nordhälfte, nicht nur Nordkurve, des Olympiastadions zu sein. Alle meine Begleiter starrten mich sofort in einer Mischung aus totaler Fassungslosigkeit und Entsetzen an. Sonst war es nach Pflüglers Tor in der Kurve extrem still, außer einigen fürchterlich fluchenden Clubfans. Zu meinem Glück schienen die Glubberer so sehr mit sich und ihrem Ärger beschäftigt, dass sie meinen „Kurven-Fauxpas“ nicht wahrgenommen hatten. Ich habe einleitend von „mindestens 30.000 mitgereisten Fans“ aus Nürnberg gesprochen. Vielleicht waren es auch über 40.000 im mit 77.573 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion.

Ab dem 1:0-Führungstreffer der Bayern, so sehr er mich auch freute, fühlte ich mich überhaupt nicht mehr wohl und keiner aus unserer Gruppe hatte nur das Geringste dagegen, dass wir in der Halbzeitpause in die Südkurve gewechselt sind. Im Gegensatz zu heute in der AA war dies damals noch möglich.

Dieses Spiel ist mir aus vielen Gründen bis heute bestens in Erinnerung geblieben: Zuallerletzt weil es das einzige geblieben ist, bei welchem meine damalige Freundin mitgekommen ist. 😉 Es blieb das einzige Spiel im Olympiastadion, bei dem ich eine absolute Übermacht der Auswärtsfans – und zudem hautnah – verspürt habe. Bei keinem der zahlreichen Münchner Lokalderbys, bei welchen ich im Stadion war, waren nur ansatzweise so viele Löwenanhänger wie Clubfans an jenem 26. August 1987. Diese Masse an Auswärtsfans kam für damals völlig überraschend, obwohl man sich zu dieser Zeit – ganz anders als heute – auf Abend- weil Flutlichtspiele gefreut hat. Diese waren wirklich „etwas Besonderes“!

Nur 15 Monate später kamen zum selben Spiel an einem grauen Novembersamstagnachmittag gerade einmal 23.000(!) Zuschauer ins nasskalte Olympiastadion. Ein typisches Novemberspiel für die 33 Jahre Olympiastadion, welches völlig in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht Jürgen Wegmann sein sensationelles Tor des Jahres per Seitfallzieher erzielt.

Fazit: Wenn die größten „Oly-Nostalgiker“ ihre Erinnerungen richtig sortieren, dann können sie ganz sicher auf viele tolle Erlebnisse zurückblicken. Dennoch sollten sie, wenn sie die Vergangenheit mit der Gegenwart vergleichen, auch die Nachteile des alten Olympiastadions nicht völlig außer Acht lassen und die Vorteile der großartigen neuen Arena zu genießen wissen. Seit 2005 ist vieles in der Allianz Arena passiert und wenn Verein, Mannschaft und Fans zusammenhalten, wird es noch sehr viele große Momente mit einer großartigen Stimmung in Fröttmaning geben können.

 

PS: Das Foto stammt von der Partie Bayern – FCN am 14.05.2005, dem letzten Bundesliga-Spiel überhaupt im Olympiastadion.

 

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