Carlo versus Pep – und kein Ende

ancelotti-guardiola

 

Leider lassen die Medien keine Gelegenheit aus, die in der Trainer-Thematik zerstrittenen Bayernfans immer wieder in diese Diskussion hinzuziehen. Seit Pep Guardiola Anfang Juli 2013 das Traineramt an der Säbener Straße übernommen hatte, stand er im Fokus der Medien und Fans wie kein anderer Bayerntrainer vor ihm. Kein anderer Trainer zuvor hatte derart polarisiert und hatte die Fangemeinde des FCB in dieser Eindeutigkeit in zwei Lager geteilt. Wer dachte, dass dieser Zustand beendet wäre, sobald Carlo Ancelotti im Sommer 2016 das Kommando als FCB-Trainer übernehmen würde, hat sich gründlich geirrt.

Einzig das exakte Thema der Diskussion hat sich seit Dezember 2015 – Pep verkündete den Abschied, der Verein kündigte Carlo als neuen Coach an – abgewandelt: Hieß es vorher 30 Monate lang  „Pep – gut oder schlecht“, heißt es nun „wer ist besser / schlechter – Pep oder Carlo?“ Die Medien treiben weiterhin ihre Spielchen mit den Bayernfans und spielen sie  gegeneinander aus,  wobei diese leider auch ein allzu leichtes Opfer sind. Mittlerweile braucht es nämlich nicht einmal mehr die Sportjournalisten, damit dieses Streitthema zwischen den Fans aufpoppt. Nach jedem Bayernspiel – egal ob gut oder schlecht – wird diskutiert: Ist es besser unter Ancelotti als unter Guardiola oder würde man unter dem Katalanen nun besser spielen?

Eines steht jedoch rein objektiv betrachtet fest: Ergebnistechnisch hatte Carlo Ancelotti einen besseren Saisonstart als Pep Guardiola dies in seinen drei Jahren bei Bayern jemals geschafft hat. Dies ist allein schon durch den „Deutschen-Supercup-Fluch“ des Katalanen begründet, allerdings sollte man die Wichtigkeit dieses Titels nicht allzu hoch hängen. Aber auch der Vergleich zwischen Pep´s Bayern nach der WM 2014 versus Carlos Bayern nach der EM 2016 geht ergebnistechnisch – auch ohne Supercup – zugunsten des Italieners aus.

Die „Pep-Fans“ lassen dies natürlich nicht gelten, denn unter Pep „hat man den attraktiveren dominanteren Fußball gespielt“. Die „Pep-Hater“ werden jedoch sehr schnell einwerfen, dass dieser „Ballbesitz(monster)-Fußball“ letztendlich langweilig und – kein Champions League Sieg – nicht den erwünschten Erfolg gebracht hat. Und so fliegen die „Argumentationsbälle“ hin und her. Denn natürlich haben beide Spitzentrainer ihre Stärken und wohl – wie jeder andere Mensch auch – Schwächen. Die charakterlichen Unterschiede der beiden wurden bereits unzählige Male seziert. Natürlich sind beide auch in unterschiedlichen Phasen ihrer Trainerkarriere: Der 57-jährige Ancelotti hat bereits wesentlich mehr Stationen hinter sich als der 45-jährige Guardiola. Ich habe den Anfang 40-jährigen Ancelotti nicht intensiv verfolgt, um beurteilen zu können, ob er damals auch so akribisch und fast schon fanatisch wie Guardiola bei Bayern gearbeitet hat, oder ob er immer schon der ruhige „väterliche“ Typ war.

Ich persönlich empfinde diese Situation, diesen K(r)ampf „Pro Carlo“ versus „Pro Pep“ mittlerweile nur noch als ärgerlich. Das geht sogar schon so weit, dass die Ergebnisse des neuen Guardiola-Vereins Manchester City in die Diskussionen mit einbezogen werden. Dieser „Scheich-Klub“ war bislang den Bayernfans entweder unsympathisch oder egal. Und jetzt ist er sogar in diesem Kontext ein nicht unwichtiges Thema!? Ich würde mich gerne erst wieder mit den Citizens beschäftigen müssen, wenn ein Champions League Spiel zwischen ihnen und dem FC Bayern ansteht.

Mir gefällt diese Zerrissenheit der Bayernfans gar nicht. Die Guardiola-Fans sollen ihn in guter Erinnerung behalten, seine Hater in der Bayernfangemeinde sollen es gut sein lassen, weil er für den Verein Geschichte ist. Aber auch Ancelotti sollte man nicht permanent mit Guardiola vergleichen. Wenn man ganz genau hinschaut oder hingeschaut hat, waren die Voraussetzungen vor jeder Saison mit Pep, aber jetzt auch mit Carlo andere – jeder 1 zu 1-Vergleich hinkt. Bei diesem dauerhaften Gezeter wird es keine Gewinner geben, ganz im Gegenteil. Oder sollten sich die Fans von Pep ein Scheitern von Ancelotti wünschen? Was wären das für Anhänger des FC Bayern? Und zurückkehren würde der bei ManCity unter Vertrag stehende Katalane trotzdem ganz sicher nicht.

Nur einmal so ganz nebenbei: Beim „Pep-Bashing“ der letzten Jahre – ob medial oder fortfolgend durch die eigenen Fans – gab es zusätzliche Kollateralschäden. Mario Götze könnte man u.a. dazu zählen. Eine weitere mögliche unerwünschte Nebenerscheinung, sollte sich eventuell eine ähnliche Situation bei Ancelotti dauerhaft ergeben. Dieser kommt bei den Medien besser an als Guardiola, dafür gibt es Gründe, die auch schon unendliche Male diskutiert worden sind. Wenn die Pep-Fans in ihrem – wenn auch durchaus berechtigten – Ärger nun deswegen gegen Ancelotti schießen, ist dies einzig und allein kontraproduktiv. Und wenn die Zuneigung gegenüber dem ehemaligen Trainer größer ist als die Vereinsverbundenheit, dann gibt es für solche Fälle andere Lösungen – eine Mitgliedschaft beim FCB ist unkompliziert zu kündigen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich nicht weiß, wie viel diese bei City kostet.

Wäre schön, wenn sich zumindest Großteile der FCB-Fangemeinde wieder auf das wahre „Miasanmia“ konzentrieren könnten – „MiasanPep“ ist dagegen ebenso falsch wie „MiasanCarlo“, auch wenn in der augenblicklichen Situation sogar letzteres eher zutrifft, und dies völlig unabhängig davon, ob man ihn oder Guardiola als besseren Bayerntrainer sieht. Ich denke, dass es die Fans selbst in der Hand haben, ob sie das so viel zitierte „Miasanmia“ erfolgreich praktizieren oder ob sie immer wieder Spielball der Medien werden – manchmal muss man neben dem Fanherzen einfach nur den Verstand einschalten!  😉

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3 Kommentare zu „Carlo versus Pep – und kein Ende“

  1. Leider poppt dieses Thema nach dem schwachen 0:1 der Bayern gestern bei Atlético wieder bedenklich auf )-:

    Ich habe zum Saisonstart 2014 Pep Guardiola nach folgenden Ergebnissen verteidigt: Supercup 0:2 / Pokal 4:1 / BL 2:1 / 1:1 / 2:0 / 0:0 / 4:0 / CL 1:0 / 1:0. Es ist keineswegs alles vergleichbar und man hat als „Bayernfan“ mittlerweile einen extrem hohen Anspruch, so dass auch ich nicht 100%ig zufrieden war nach 8 Startsiegen und 27:1 Toren unter Carlo Ancelotti!!! Aber was jetzt einige von sich geben nach einer (wenn auch sehr ärgerlichen und enttäuschenden) 0:1-Niederlage!! Unfassbar! Pep hat 2013 / 14 /15 jeweils ein Vorrundenspiel gegen den stärksten Gruppengegner verloren: 2:3 / 2:3 / 0:2 … und so ist es auch jetzt passiert ….

    Ich finde das Mia san Pep / Mia san Carlo / Mia san ned Pep / Mia san ned Carlo nur noch peinlich und ärgerlich!

  2. Genau!

    Was die unsäglichen Debatte komplett schwachsinnig macht:

    Der „bessere oder schlechtere“ Guardiola wurde ja nicht vom Hof gejagt, um dafür den „besseren oder schlechteren“ Ancelotti zu holen 🙂

    Liebe Bayern Fans. Reset.

    Simply be and do Carlo. Und einfach das vorlieb nehmen, was da ist. Nicht was war oder was sein könnte.

    Bisher stellte sich Ancelotti mit den unfachkundigen und hysterischen Medien, den Erwartungen, den fehlenden Trainigszeiten, den vorhandenen Eingespieltheiten inklusive Kader bei Laune halten, sowie dem Zurückführen verletzer Spieler „sehr sehr“ geschickt an. Was hoffen lässt:

    Vielleicht gilt ja Toni Kroos Aussage auch für den FC Bayern „Ancelotti konnte die Erfolgsbedingungen am besten mixen“ .

    Und darauf wette ich jetzt schon einen Kasten Weizen: Mit Carlo entwickelt sich „organisch“ (und nicht auf dem Reißbrett) ein Spielsystem mit dem heute noch keiner rechnet. Bei dem es womöglich nicht um „devensiver und mehr konternd“ versus „aufgerückter und dauerdominat“, sondern um den Rhyhtmuswechsel geht. Der dann den Gegner aus der Formation schlägt.

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