Die EURO 2016 im TV – ich leide

Bartels

Wenn ich ehrlich bin, hat mir persönlich ein großes Fußballturnier selten weniger Spaß gemacht als diese EM. Das lag zum einen an der wenig attraktiven taktischen Grundausrichtung vieler Teams, gepaart mit einem schlimmen Modus, welcher durch die 24 Teilnehmer verursacht wurde. Zudem liebe ich als Jahreskartenbesitzer für Bayern-Spiele in der Allianz Arena Live-Spiele im Stadion, bei welchen ich nicht durch eine zunehmende TV-Manipulation selbst bei Live-Übertragungen von Fußballspielen – in Wort und Bild – geärgert werde. Im Stadion kann ich mir ein eigenes Bild vom Geschehen machen.

Die absolut tendenziöse Kommentierung von ARD-Reporter Tom Bartels hat mich gestern beim EM Halbfinale Portugal gegen Wales in dieser negativen Sichtweise leider mehr als bestätigt. Eine historisch schlechte Kommentierung. Von der ersten Sekunde an – eher schon vor dem Spiel – war alles bei den Portugiesen große Klasse, die Marke „CR7“ wurde in eine im öffentlich-rechtlichen deutschen TV vorher nicht gekannte Höhe geschraubt, mit der bei Wales lediglich der andere Superstar aus Madrid, Gareth Bale ansatzweise mithalten konnte … die anderen zugegebenermaßen biederen Waliser waren – selbst in den Phasen, in welchen die Briten feldüberlegen waren – quasi inexistent.

Herr Bartels hätte gestern selbst das Schnüren der Fußballstiefel durch Herrn Ronaldo als „Fußball-historisches Event“ verkauft. Jede kleine Aktion der Marke CR7 in der für sie glücklosen 1. Halbzeit wurde mit blumigen Worten ausgeschmückt. Natürlich hätte es einmal mehr einen Elfmeter für den „meist-gefoultesten“ Spieler dieser EM geben „müssen“, als er von seinem Gegenspieler liebevoll umarmt worden ist. Die Szene wurde im TV auch mindestens ein halbes Dutzend Mal gezeigt – Ronaldo-Fans haben wohl einheitlich auf Elfmeter plädiert, Ronaldo-Gegner dagegen gehalten. Man kann über diese Szene sicher diskutieren. ABER: es gab in der 2. Halbzeit einige ähnliche Szenen im portugiesischen Strafraum. Nach einem von FC Bayern-Spielen bekannten TV-Muster wurden diese aber weder vom TV ausreichend gezeigt und aufgelöst, noch von Herrn Bartels überhaupt erwähnt – natürlich!

Herr Bartels kommentierte das gestrige Spiel als „CR7-Festspiel“ und zwar in einer Form, wie mir das sonst in Deutschland nur von 10-12-jährigen „Fanboys“ oder von 12-16-jährigen „Girlies“ bekannt ist.

Als Ronaldo in der 50. Minute in wirklich beeindruckender Weise zum Kopfball hochgestiegen ist, den er – aus 2,53m Höhe – versenkt hat, kam es bei Herrn Bartels zu einem orgiastischen Ausbruch. Zusätzlich doch tatsächlich von der ARD unterstützt, die diese 2,53m gemessen hatte. Mich würde einmal der Luftstand von Jerome Boateng interessieren, wenn der sich einmal in die Höhe schraubt – werden wir aber wohl nie erfahren. Beim Torjubel nach seinem 1:0 gegen die Slowakei hätte ich diesen – konservativ – auf 3 Meter geschätzt!

Herr Bartels wertete auch den verunglückten Schuss von CR7, den Nani zum 2:0 verlängerte, als gezielte bzw. gewollte Torschussvorlage – diese Fantasie hätte ich gerne 😉 . Dem ARD-CR7-Fanreporter war es auch nicht peinlich, als er in diesem Zusammenhang das portugiesische Tor zum 1:0 gegen Kroatien erwähnte. Zur Erinnerung: Der völlig frei stehende Ronaldo scheiterte am kroatischen Schluss, Quaresma verwertete darauffolgend aber den Abpraller. Herr Bartels schwafelte – ohne Notwendigkeit – von einer weiteren Torvorlage seines Lieblings!

Herr Bartels lobte gestern Abend zum Glück nicht die Abwehrarbeit von CR7, wie dies schon einmal gegen Kroatien passiert ist. Wenn man im Allgemeinen in der Defensivarbeit, welche bekanntermaßen schon in vorderster Linie beginnt, von „Laufwege zustellen“ spricht, dann muss dies im Falle von CR7 „Laufwege zustehen“ heißen. In einem insgesamt wenig laufintensiven Spiel (absoluter Minuswert bei Wales 103km; Portugal 106,2km) absolvierte der Superstar mit lediglich 8,9km von allen über 90 Minuten eingesetzten Portugiesen eindeutig die kürzeste Distanz. Zum Vergleich: Der in Deutschland viel kritisierte Mario Götze kommt regelmäßig nach ca. 65 Spielminuten auf diese Distanz.

Wenn man CR7 – vor allem bei Portugal – beobachtet (soweit die TV-Bilder das ermöglichen), bemerkt man außerdem, dass er sich kaum am Spielaufbau beteiligt. Vielmehr ist er ausschließlich damit beschäftigt, sich in der Box bestens für einen Torabschluss zu positionieren. Die Drecksarbeit müssen vorher andere verrichten, um ihn dann anschließend in seinen ausufernden Posen bewundern zu dürfen…. Ja, ER ist der Superstar – Kommentatoren wie Herr Bartels lassen dies niemanden vergessen.

Die Konsequenzen aus der gestrigen Tragikomödie: Herr Bartels sollte der Präsident eines CR7-Fan-Kidsclub werden, wenn er es nicht sowieso schon ist. GEZ-Gebühren müssen für deutsche Fußballfans abgeschafft werden – bzw. Schmerzensgelder in wesentlich größerer Höhe in die umgekehrte Richtung fließen.

Und wie ich mich schon wieder auf Bundesliga- und Champions League Spiele LIVE im Stadion freue …..

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