Die Medienposse um Robert Lewandowski

lewandowski bis 2019 bei bayern

 

Auch wenn der Sommer hierzulande wettermäßig noch nicht ansatzweise Einzug gehalten hat und mit der Fußball-Europameisterschaft noch ein Highlight bevorsteht, scheint aus bayerischer Fußballsicht DAS Sommerloch-Thema schon festzustehen: Der angebliche Wunsch von Robert Lewandowski, noch in dieser Transferperiode von den Bayern nach Madrid zu wechseln. Laut des madrilenischen Boulevardblattes AS soll der polnische Stürmer die Madrilenen nahezu angefleht haben, diesen Wechsel möglich zu machen.

Robert Lewandowski hat in München noch einen Vertrag bis 2019, gilt nicht erst seit seinen 30 Toren in der vergangenen Bundesligasaison als derzeit weltbester Stürmer. In der vergangenen Europameisterschaftsqualifikation war er zudem für Polen treffsicherster Torschütze aller teilnehmenden Länder und in der abgelaufenen Champions League Saison hat er nach Cristiano Ronaldo die zweitmeisten Tore geschossen. Dementsprechend geistern in den Fußball-Gazetten Gehaltsangebote für Lewandowski aus Madrid von sagenhaften 25 Millionen EURO herum. Dass in dieser Konstellation auch eine neue – alle bisherigen Marken sprengende – Weltrekordablösesumme von weit über 100 Millionen EURO für Lewandowski fällig wäre, versteht sich fast von selbst.

Der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG, Karl-Heinz Rummenigge, hat dennoch vorletzte Woche allen Spekulationen einen Riegel vorgeschoben und Lewandowski kategorisch für unverkäuflich erklärt. Kein Bayernfan müsse sich Sorgen machen, dass Lewandowski in der kommenden Saison nicht für Bayern auflaufen würde. Die meisten Medien haben aber offensichtlich diese eindeutige Ansage entweder nicht verstanden oder – wahrscheinlicher – geflissentlich ignoriert, um dieses Thema weiter ausschlachten zu können. Zwischenzeitlich wurde sogar ein bereits existenter Vorvertrag zwischen Real Madrid und Robert Lewandowski kolportiert.

Ich bin mir absolut sicher, dass sämtliche beteiligten Medienvertreter sich selbst dessen bewusst sind, dass Münchhausens Lügengeschichten einen höheren Wahrheitsgehalt als ihre Gerüchte haben sollten. Aber es ist aktuell wohl zu verlockend, auf dieses quotenbringende Thema aus Seriositätsgründen zu verzichten: Neben den direkt betroffenen „aufgeschreckten“ Bayernfans scheint dieses Thema nicht zuletzt in erheblichem Maße die aktuell „Transfer-gebeutelten“  BVB-Fans zu interessieren. Dieses Thema ist nahezu Balsam für die Wunden der zuletzt leidgeprüften Dortmunder Anhänger, deren Häme in den Social Media nahezu überquillt: Der „charakterlose geldgeile polnische Söldner“ würde mit seinen beiden Beratern Maik Barthel und vor allem Cezary Kucharski nun mit den Bayern dieselben Spielchen treiben wie vor drei Jahren mit den Verantwortlichen des BVB – so die geschönt ausgedrückte Version.

Als der Technische Direktor des FCB, Michael Reschke, welcher zuletzt höchstes Lob für seine exzellenten Transfers erhalten hatte, vor wenigen Tagen Rummenigges Statement, dass Lewandowski mit absoluter Sicherheit in München spielen würde, bestätigte, vermerkten dies die Medien zwar – allerdings lediglich mit dem Zusatz „merkwürdiges Statement von Reschke, welches die Bayernfans wohl nicht beruhigen dürfte“. Der Grund für diese Einschränkung von Medienseite: Reschkes Statement könnte man (muss man aber nicht) so interpretieren, dass diese Bestätigung nur für die Saison 2016/17 gelte …

Es ist schlichtweg ein unwürdiges Medienspiel, welches uns so lange begleiten wird, bis es entweder von einem anderen (Götze-Gerüchte?) wieder „übertroffen“ wird oder bis es endgültig „aufgeklärt“ sein wird. Wobei aktuell die Verantwortlichen des FC Bayern sagen können, dass sie mittels der Aussagen von Rummenigge und Reschke sowieso schon alles Wichtige gesagt haben. Lewandowski selbst bekommt wahrscheinlich gar nicht so viel mit, weil er sich mit seiner Nationalelf auf die EM in Frankreich vorbereitet. Und seinen beiden gerissenen Beratern ist es sicher nicht unrecht, wenn die Gerüchteküche brodelt. Denn je heißer das Thema Lewandowski ist und sein wird, umso besser ist ihre Verhandlungsposition für etwaige weitere Gespräche mit den Bayern-Verantwortlichen oder zukünftig auch anderen Klubs.

Zum Abschluss möchte ich aber noch ein Argument in diese Thematik einstreuen, welches bislang – für mich erstaunlich – medial noch gar nicht beachtet worden ist: Sollte wirklich nur ansatzweise etwas an den Weltrekordsummen (Gehalt und Ablösesumme) für Lewandowski dran sein, hätte nicht Real Madrid gerade damit ein großes Problem mit seiner „Diva Cristiano Ronaldo“? Dieser möchte gerade in Madrid seinen bislang in 2018 auslaufenden Vertrag verlängern, am liebsten bis er 40 Jahre ist – das wäre 2025 😉  Gab es aber nicht gerade mit diesem Ronaldo in jüngerer Vergangenheit erheblichen Stress, weil die Transfersumme für Gareth Bale, welcher 2013 von Tottenham nach Madrid gewechselt war, angeblich höher als die bisherige Weltrekordablöse für die Marke CR7 war? Zur „Beruhigung“ des eitlen Portugiesen hat man die Summe für den Walliser öffentlich nach unten korrigiert. Spekulationen blieben jedoch auch hier. Zudem gibt es in Spanien zwischen Real Madrid (CR7) und dem FC Barcelona (Messi) einen geradezu aberwitzigen Wettstreit, welcher Verein den wohl am besten bezahlten Fußballer auf diesem Planeten in seinen Reihen hat. In Deutschland undenkbar, ist dies in Spanien wohl eine „Sache der Ehre“!

Sollte Lewandowski tatsächlich für Rekordsummen nach Madrid wechseln, dann würde dies einiges im bisherigen (Gehalts)Gefüge der „Königlichen“ durcheinander bringen – eventuell nur in Bezug auf CR7, womöglich aber auch in Bezug auf die gesamte Mannschaft. Ein gefährliches Spiel, auch wenn vielleicht die wahre Intension von Madrid – Rausekeln des alternden portugiesischen Weltstars – eine ganz andere bislang wenig beachtete ist!

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8 Kommentare zu „Die Medienposse um Robert Lewandowski“

  1. 1. Unterstellen wir mal, die kolportierten 25 Mio. p.a. stimmen tatsächlich (als „Bruttogehalt“, incl. Prämien und auf die Vertragslaufzeit umgelegte Handgelder / Beteiligungen an der Ablöse ..), dann bewegen wir uns schon in Bereichen, die z.B. in der Wirtschaft kaum noch bezahlt werden (Martin Winterkorn war mit ca. 16 Mio. der deutsche Spitzenreiter). Da muss der Sport wirklich aufpassen, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Zumal in der Tat in den meisten Ligen die Spannung verloren gegangen ist.

    2. Ich fürchte aber, dass wir das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht haben. Selbst wenn es in Europa zu einer Übersättigung kommen könnte, ist die asiatische Nachfrage noch lange nicht auf dem Höhepunkt.

    3. Mir wäre ein Platzen der Blase aber sehr recht. Gerade dann wird Bayerns solide Finanzierung zum Tragen kommen. Und die englischen Clubs, die heute mit Geld um sich werfen, werden sich vielleicht in zwei Jahren die Frage stellen müssen, wie sie mit dann wieder geringeren TV-Einnahmen die weiter laufenden Verträge finanziern wollen.

    1. Eigentlich wurde dies als Nettogehalt genannt exklusive Prämien und sonstiges ….

      Ganz ehrlich: das Ganze ist für mich sowieso ein Ammenmärchen bzw. schlechter als die größte Lüge von Münchhausen …. Eigentlich sollte mein Beitrag auch darauf hinweisen, wie abstrus das Ganze mittlerweile ist…

      Und wenn die (englische) Blase platzt (hoffentlich!!), dann geht es ganz sicher nicht unmittelbar anschließend in Asien weiter!

      1. Als Nettogehalt wäre es absurd – wobei du recht hast, in Spanien werden immer die Nettogehälter genannt (lassen sich die Spieler auch in die Verträge reinschreiben, wie man an der causa Luca Toni gesehen hat).

        1. Ich halte die gesamte Lewy-Story für absurd. Am Schlimmsten die Passage, wonach Lewy (seine Berater) Real Madrid ANGEFLEHT(!) hätten, dass man ihn mit einem hochdotierten Vertrag von Bayern mehr oder weniger frei kauft….
          Logisch wäre doch eher dieses Szenario gewesen: Lewy: „Ich möchte bitte bitte königlich sein!“ RMA: „Lieber Pole, das kostet uns aber gewaltig viel!“ Lewy: „Bitte bitte!“ RMA: „OK, wir bieten den Bayern eine gewaltige Ablösesumme, bei der sie nicht nein sagen können. Du, lieber Lewy, musst dafür aber auf ein hohes Gehalt verzichten!“ Lewy: „Danke danke … Ihr Königlichen!“

          😉 😉 😉

  2. Ja, bitte Real Madrid behalte diesen eitlen Pfau noch lange auf deiner Gehaltsliste …. gut für den FC Bayern!

  3. Die Situation im Fußball ist nicht anders als die bei Immobilien, am Aktienmarkt oder bei Kunstwerken. Es ist derart viel Geld vorhanden, dass die Preise nur noch nach oben gehen. An sich müsste sich Bayern überlegen, die nächsten Jahre den Kader bis zum Überlaufen mit „klangvollen Namen“ aufzufüllen und diese schon nach einem Jahr weiterzuverkaufen. Die Nachfrage wird jedenfalls da sein, und man wird mit jedem Spieler Gewinne erzielen.

    Darum mache ich mir auch gar keine soo großen Sorgen, wenn Bayern für „Nachwuchstalente“ 35 Mio. und mehr an Ablöse bezahlt.Selbst wenn diese Spieler nicht den Durchbruch schaffen sollten, werden für sie Angebote aus England etc. kommen.

    Bei Lewandowski halte ich es sogar für möglich, dass er nach 2017 wechselt. Die Gehaltsobergrenze beim FC Bayern dürften Müller, Neuer, Boateng etc. gezogen haben. Viel mehr können ihm die Bayern kaum bieten. Als Nicht-Deutscher ist er auch für Werbung etc. nicht so interessant. Weil er auch keine so enge Beziehung zum Verein hat wie Ribery und Robben, die es Bayern verdanken dass sie Stars geworden sind, ist seine Bindung einfach nicht so fest.

    Ich bin mal gespannt, ob Bayern nicht doch noch einen Stürmer holt. Lewandowski wird zwar bleiben, aber Bayern wird irgendwann auch wieder in die Situation kommen wo ein Stammspieler gehen möchte.

    1. Als „Normalsterblicher“ mit einem ausgeprägten Sinn für (soziale) Gerechtigkeit kann ich nur hoffen, dass baldmöglichst einige der aufgeführten Blasen platzen.

      Zur Situation um Lewandowski: Du schreibst „Die Gehaltsobergrenze beim FC Bayern dürften Müller, Neuer, Boateng etc. gezogen haben. Viel mehr können ihm die Bayern kaum bieten.“
      Ich denke eher, dass die Bayern nicht mehr bieten WOLLEN. Für einzelne Spieler Grenzen zu sprengen, kann nicht gut gehen. Bei Barca ist Messi der unumstrittene „natürliche“ Boss, selbst bei Madrid sehe ich das anders – als Außenstehender habe ich da das Gefühl, dass es viel Neid und Missgunst gibt.
      Und bei Bayern ist das Gefüge so, dass es fast ein Dutzend Stars gibt, die aus unterschiedlichen Gründen auf einem Level sind.
      Rib & Rob waren natürlich schon auch vor Bayern (Super)Stars. Ribéry der wohl beste Spieler der WM 2006 und Robben schon bei Chelsea und Real M. ein Star, aber eben verletzungsanfällig. Aber beide haben sich schon seit Jahren zu 100% mit dem Verein identifiziert. So etwas kennt Lewy wohl nicht. Zumindest möchten es einen die Medien glauben lassen ….

      Ich hoffe, dass im Fußball – angefangen in England – die Blase schnell platzt. Es sind mehr Fans von der Situation „angepisst“, als sich das viele Vereinsbosse vorstellen können. Die Gehälter von Spielern und Trainern bei den Topclubs sind in der Tat schon auf einem nahezu obszönen Level. Die Hoffnung stirbt zuletzt …. Das aktuelle Gedöns Medien / Spieler / Spielerberater / Vereine ist auf alle Fälle nicht sehr positiv!!

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