Spitzen-Eishockey in München – die Hoffnung stirbt zuletzt!

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München müsste aus meiner Sicht eigentlich DIE deutsche Eishockeyhochburg sein! Warum? Der Großteil der deutschen Nachwuchscracks kommt (immer noch) aus dem Voralpenraum, dem Einzugsgebiet von München…. Man spricht bayerisch!

Trotzdem ist es offensichtlich eine schwierige Sache, sich in der bayerischen Landeshauptstadt als Eishockeyverein zu etablieren. Viele argumentieren, dass in München Eishockey nicht populär genug sei und dass vor allem „König Fußball“ in der bayerischen Metropole dominieren würde. Die Dominanz des Fußballs kann nicht geleugnet werden, aber trotzdem gibt es in München eine nicht so kleine Eishockeygemeinde, die aber wohl auch selten unter einen Hut zu bekommen ist.

Schon in den 1950er und 60er Jahren wurden im Münchner Prinzregentenstadion Eishockeyspiele vor Rekordkulissen ausgetragen: Die bayerischen Traditionsclubs Bad Tölz, Rießersee und Füssen trugen hier sogar ihre Heimspiele aus!

Von 1966 bis 1969 engagierte sich sogar der FC Bayern im Eishockey: Die Oberligamannschaft des Münchner EV wechselte im Januar 1966 geschlossen zum FCB. Zwei Jahre lang, von 1967-69, spielte der FCB sogar in der Eishockey-BL. 1969 löste der Verein jedoch die Abteilung wieder auf….

Viele ehemalige Bayernspieler schlossen sich dann ein Jahr später dem EHC70 München an, welcher allerdings nur eine Saison erstklassiges Eishockey anbieten konnte (1980/81). Für mich persönlich unvergessen: Der aus Kaufbeuren gekommene Nationalspieler Dieter Medicus. Gefühlt spielte er die 60 Spielminuten jedes Mal komplett durch. Ich habe ihn in der Offensive wie eine Art Libero an der blauen Linie in Erinnerung – und die letzten 10 Minuten eines jeden Spiels kam er nur noch auf dem Zahnfleisch daher….
1982 ging der EHC70 in Konkurs.

1982 war auch das Geburtsjahr von Hedos München, mit dem mich persönlich die längste Eishockeyfan-Zeit verbunden hat. Ein Studienfreund von mir schrieb den „Siggi Eisflitzer“ im Stadionheft. Ich saß oft neben ihm auf der Pressetribüne. Als Hedos 1989 in die erste BL aufgestiegen ist, war ich per Zufall beim letzten entscheidenden Spiel in Nürnberg und bejubelte den 8:4 Sieg der Münchner.

Die ersten BL-Jahre von Hedos waren von der Rivalität zum EV Landshut und meist Abstiegskampf geprägt. Schon in dieser Zeit waren Spiele in der Olympiahalle ausverkauft. Dann wurde extrem in den Kader investiert: Sämtliche deutsche Eishockeystars kamen nach München: u.a. Didi Hegen, Gerd Truntschka und Karl Friesen … 1994 gewann man die heiß ersehnte Meisterschaft – dabei waren alle Playoff-Spiele in der Münchner Eishalle restlos ausverkauft. Eishockey in München war populär!

Im Sommer 1994 wurde die DEL nach dem Muster der NHL gegründet. Aus Hedos wurden die Maddogs … und nach nur drei Monaten Spielbetrieb ging der Münchner Eishockeyklub, wohlgemerkt der amtierende deutsche Meister, in Konkurs! Ein weiteres trauriges Kapitel des Münchner Eishockeys!

Im Sommer 1999 kaufte die Anschutz Entertainment Group die DEL-Lizenz der Landshut Cannibals und mit den Barons München wurde eine extrem spielstarke Mannschaft aufgestellt, welche in ihrer ersten Saison 1999/2000 sofort deutscher Eishockey-Meister wurde. Auch die nächsten beiden Jahre mit einer weiteren Finalteilnahme und einer Halbfinalteilnahme waren durchaus erfolgreich. Trotzdem „transferierte“ die Anschutz Group das Landshuter/Münchner Eishockey nach Hamburg. Die Lizenz wird seit 2002 von den Hamburg Freezers genützt!

München war schon wieder Profi-Eishockey-Niemandsland!

2010 stieg der 1998 gegründete und sich seit 2003 so nennende EHC München in die DEL auf. Man profitierte damals davon, dass man im deutschen Profi-Eishockey eine Münchner Mannschaft in der DEL „wollte“. Denn aufgrund des Lizensierungsverfahrens der DEL ist es keine Selbstverständlichkeit, dass der Erste der BL-Play-Offs auch wirklich in die DEL aufsteigen darf. Der EHC München durfte – als einziger Verein in den vergangenen Jahren …

Aber – typisch für die Münchner Eishockeyhistorie – am Ende der Saison 2012 stand mit dem EHC ein weiterer Münchner Klub vor dem Konkurs. „Glücklicherweise“ stieg aber im Mai 2012 (am Tag des „Finale dahoam“!!!) Red Bull in das Projekt ein.

Dazu mein Appell: Liebe Münchner Eishockey- und Sportfans: Auch wenn viele von Euch diesen „Brausehersteller“ und sein Engagement im Spitzenvereinssport ablehnen, wenn nicht sogar verachten, ohne Red Bull würde es heute schon wieder kein Eishockey in München geben. Wohl selbst der unterklassige ESC hängt am Tropf vom EHC und damit von Red Bull!

Direkt gegenüber von der Münchner Eishockeyhalle ist der BMW-Hauptsitz … aber der Münchner Autokonzern wie auch z.B. ein Siemens haben kein Interesse an einheimischem Eishockey! Really shame on them!

Zudem gibt es dieses Jahr einen großen Hoffnungsschimmer für das Münchner Eishockey: Nach dem MTV 79 im Jahr 1922, Hedos (1994) und den Barons (2000) haben die Münchner Roten Bullen als Hauptrundenerster 2015/16 sogar eine realistische Chance, wieder einmal eine Meisterschaft nach München zu holen.

Der Zuschauerschnitt ist übrigens mittlerweile auch ganz passabel und wenn man – zur Jahreswende – in die Olympiahalle wechselt, ist diese stets mit über 10.000 Zuschauern ausverkauft!

Das Münchner Eishockey lebt!!!

Und das hoffentlich dieses Mal auch länger! Und die Münchner Eishockeyfans verdanken dies Red Bull!

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4 Kommentare zu „Spitzen-Eishockey in München – die Hoffnung stirbt zuletzt!“

  1. Natürlich gibt es immer wieder Diskussionen um den Sponsor / Investor des EHC München, Red Bull.

    Ohne jetzt zu sehr auszuholen: Das Engagement von Red Bull beim EHC im Eishockey ist ein ganz anderes als bei Salzburg, Leipzig & Co. im Fußball.

    Im Eishockey gibt es keinen Verein in der DEL, welcher nicht einen namhaften Sponsoren oder Investor „im Kreuz“ hat.

    Übrigens entstand der legendäre Garmischer (Eishockey)Club SC Rießersee schon Mitte der 1920er nur mit Hilfe des Sponsors / Investors Buchwieser. Man kann sein Engagement für den Klub schon damals als „Marketingmaßnahme“ für sein Hotel sehen. Die Eishockeyabteilung des MTV 79 München, Deutscher Meister von 1922, ging damals fast komplett zu Rießersee …. Geschichtlich kundige Fans des FC Bayern sollten da große Parallelen zur Gründung des FCB am 27.2.1900 sehen 😉

    Ein Teil der Spieler kam auch vom MEV – ebenfalls eine Parallele zum „Eishockey-Intermezzo“ des FCB von 1966-69.
    Die Eishockeyabteilung des FCB ist übrigens 1969 abgemeldet worden (als Bundesligist!), weil man – ohne entsprechenden Sponsor / Investor ein sattes Minus verzeichnete!

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