Vor dem deutschen Clásico: BVB-Bonus und Bayern-Malus

Neven-subotic-arjen-robben

Vor dem Hintergrund der Schiedsrichterentscheidungen und –leistungen der letzten Wochen und Monate bei den Bundesligaspielen von Borussia Dortmund und dem FC Bayern kann es der Mannschaft, den Verantwortlichen und den Fans des Rekordmeisters durchaus mulmig werden. Denn man kann fast schon den Eindruck gewinnen, dass die deutsche Schiedsrichtergilde aufgrund ihrer letzten Spielleitungen beider Mannschaften scheinbar eine vorzeitige Meisterschaftentscheidung verhindern will.


Bayern-Malus
Gerade an den letzten drei Bundesligaspieltagen wurde der FC Bayern von den Schiedsrichtergespannen klar benachteiligt: So versagten sie den korrekten Toren von Robert Lewandowski gegen Darmstadt beim Stand von 1:1 und in Wolfsburg beim Stand von 0:0 jeweils zu Unrecht wegen angeblichen Abseits die Anerkennung. Dagegen erkannte der Schiedsrichterassistent nicht das klar sichtbare Abseits des Mainzer Angreifers vor dem 0:1 am Mittwochabend in der Allianz Arena, obwohl er freie Sicht auf den sich im Abseits befindlichen Spieler hatte und dieser sich auch noch auf seiner Seite befand. Dass man wohl nach Foul an Ribéry noch Foulelfmeter hätte geben müssen und dass der Ball vor dem 1:2 der Mainzer wahrscheinlich im Seitenaus war, rundet die ungute Entwicklung ab.

Dagegen wird noch tagelang darüber diskutiert, ob das Fallen(!) von Arjen Robben nach einem klaren Foul im Strafraum, welches man nur als Notbremse werten kann und welches den Regeln entsprechend konsequenterweise mit Platzverweis zu bestrafen ist, korrekt und fair war. Es gab sogar Medien, die speziell in diesem Spiel die Regelung der Mehrfachbestrafung angezweifelt haben, und zwar aus dem Grund, dass damit das Spiel für Bayern entschieden gewesen wäre. Ja, diese Regelung halten fast alle Fußballfans für vollkommen überzogen – aber niemand wäre in den letzten zwei Jahren bei entsprechenden Platzverweisen von Boateng, Benatia, Reina und Badstuber darauf gekommen, dass diese Regelung völliger Unsinn ist.

Noch verrückter verhalten sich Großteile der Sportmedien: Die eindeutige Benachteiligung bei den Schiedsrichterentscheidungen im Mainz-Spiel ignorieren sie einfach. Sie werden definitiv tot geschwiegen! Wenn man sich dagegen an das Gebelle der Medien erinnert, als der FC Bayern am 4. Spieltag kurz vor Schluss einen sehr zweifelhaften Foulelfmeter im Heimspiel gegen Augsburg bekommen hat. Der BILD-Kommentar hierzu: „Witz-Elfer! Schiri hilft Bayern!“Die ganze Aufregung mündete darin, dass der für die Entscheidung verantwortliche Linienrichter Robert Kempter von der DFL für einige Zeit aus dem Verkehr gezogen worden ist. http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-augsburg/article146702460/Denkpause-fuer-Linienrichter-nach-Bayern-Elfmeter.html. Mal ganz im Ernst: Ähnliche Elfmeterpfiffe habe ich in der laufenden Saison ein Dutzend Mal gesehen. Nachdem sie aber nicht pro Bayern gegeben worden sind, wurden sie nur wenig diskutiert.

BVB-Bonus
Ganz anders sieht dies aktuell bei BL-Spielen von Borussia Dortmund aus: Der BVB genießt aktuell einen besonderen Schiedsrichter-Bonus. Bei engen Spielen konnte er zuletzt immer auf den einen oder anderen gravierenden Schiedsrichtereingriff bauen.

So gab es am 16. Spieltag beim Stand von 1:1 gegen Eintracht Frankfurt Ende der 1. Halbzeit eine sehr harte Ampelkarte gegen den Frankfurter Medojevic – Endstand 4:1. Am 19. Spieltag gewann man mehr als glücklich mit 2:0 gegen Ingolstadt nach zahlreichenden Fehlentscheidungen, welche alle ohne Ausnahme pro BVB ausfielen. Am 22. Spieltag übersah der Schiedsrichterassistent eines der klarsten Handspiele der Fußballgeschichte und verweigerte Leverkusen einen Elfmeter, welcher zum Ausgleich hätte führen können. Am vergangenen Sonntag führte der Tabellenvorletzte aus Hoffenheim souverän im Signal Iduna Park bis zur 58. Minute mit 1:0. Dann zeigte Schiedsrichter Peter Sippel aus München(!) dem Torschützen Sebastian Rudy eine doch sehr harte rote Karte – Dortmund drehte in Überzahl das Spiel in den letzten 10 Spielminuten.

Die Anhäufung der spielentscheidenden Schiedsrichterpfiffe pro BVB in den letzten Spielen ist definitiv auffallend. Bemerkenswert ist aber auch der durchaus lockere Umgang der Medien mit der Situation, nach dem Motto: „War da was?“

Und für bedenklich halte ich auch die Haltung der DFL und des DFB im Umgang mit diesen Schiedsrichterfehlleistungen. Ich möchte gerne in diesem Zusammenhang von Kollateralschäden sprechen: Die Geschädigten der BVB- Bevorteilungen werden anschließend noch nach dem Motto „Alles korrekt, was der Schiri gemacht hat!“ über die Maßen hart sanktioniert. Roger Schmidt und Sebastian Rudy können sicher ein Lied davon singen.

Bayern-Bonus in der Vergangenheit?
Wenn der Dauerbrenner der vergangenen Jahre, der sog. „Bayernbonus“ einmal mehr thematisiert worden ist, wurde ich – von nicht Bayernfans – immer mit einem Kopfschütteln bedacht, wenn ich darauf hingewiesen habe, dass der FC Bayern schon seit Jahrzehnten gerade bei Heimspielen eher benachteiligt als bevorteilt wird. Medial unterstützt erinnert man sich fast ausschließlich an Entscheidungen pro Bayern.

Schalker Fans sind immer noch auf Markus Merk sauer, weil der im Mai 2001 den indirekten Freistoß in der Nachspielzeit in Hamburg gepfiffen hat, welcher zum meisterschaftsentscheidenden 1:1 durch Patrik Anderson geführt hat. Dass einem korrekten Treffer von Carsten Jancker ungefähr eine Viertelstunde vor Spielende zu Unrecht die Anerkennung verweigert wurde, daran kann sich niemand erinnern. Das wurde auch nie thematisiert, weil nämlich dieser Treffer die frühzeitige Meisterschaftsentscheidung pro Bayern bedeutet hätte.

DFB-Pokalfinale 2014: Dortmunder Fans werden noch ihren Urenkeln erzählen, dass dem BVB der Pokal gestohlen worden sei, weil das Schiedsrichtergespann Mats Hummels ein Tor geklaut hätte. Dass diesem Treffer (der Ball war ja tatsächlich – wenn auch wesentlich knapper als oft behauptet – hinter der Torlinie) aber ein katastrophaler Freistoßpfiff und eine Abseitsstellung von Hummels vorausgingen, wird verschwiegen.

Als Darmstadt 98 vor zwei Wochen in München den Bayern überraschend lange Paroli geboten hat, hat Schiedsrichter Michael Weiner offensichtlich wohlwissend um die Gefährlichkeit der Darmstädter bei Standards jeden möglichen und unmöglichen Freistoß gegeben, welcher zu einer Flanke in den Bayernstrafraum genutzt werden konnte. Dass über derartige „Auffälligkeiten“ nirgendwo berichtet wird, versteht sich von alleine.

Hoffnung auf eine korrekte Schiedsrichterleistung im Clásico
Es gibt ja viele „Experten“, die immer betonen, dass sich im Laufe einer Saison alles ausgleicht. Dann wäre am Samstagabend wohl eine „Schiedsrichterauslegung pro Bayern“ mehr als angesagt. Ich halte das sowieso für Humbug, denn eine derartige Form von übergeordneter Gerechtigkeit hat es nie gegeben und das wird auch so bleiben. Stattdessen empfehle ich dafür das Einzahlen ins Phrasenschwein 😉

Und auch wenn die Katerstimmung in größeren Teilen der Bayerngemeinde nach der Pleite gegen Mainz 05 groß ist, einige die Fitness (die körperliche, nicht die mentale) der Truppe in Zweifel ziehen, bin ich mir sicher, dass der FC Bayern morgen mit einer guten eigenen Vorstellung und bei einer zumindest passablen Schiedsrichterleistung beim Erzrivalen gewinnen kann und wird!
Ansonsten gilt nach wie vor für „uns Bayern“: „Der liebe Gott mit uns und wir gegen alle!“ 😉

 

PS: Das Foto mit Subotic´ Entgleisung gegen Robben nach dem verschossenen Elfmeter habe ich bewusst ausgewählt. Obwohl Robben den für die Meisterschaft 2012 entscheidenden Elfmeter gerade verschossen hatte, konzentrierte sich der Serbe nicht aufs Jubeln, sondern pöbelte gegen Robben – offensichtlich im Irrglauben, dass der damals absolut berechtigte Elfmeter für Bayern keiner war.

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4 Kommentare zu „Vor dem deutschen Clásico: BVB-Bonus und Bayern-Malus“

  1. Nach dem Spiel: Es war wohltuend, daß der Schiedsrichter kaum auffiel und daß es während der 90 Minuten fast nie darum ging, was der Schiedsrichter entschied. Ich fand das super.

    Das zeigt, daß fair gespielt wurde und daß es keine Fehlentscheidungen gab. Allerdings stockte mir der Atem, als Joshua Kimmich den Ball von Reus‘ Fuß spitzelte. Zum Glück ließ sich Reus nicht theatralisch fallen.

  2. Sehr schön, dass nach dem Spiel gar nicht über den Schiedsrichter und seine Entscheidungen diskutiert worden ist. Immer ein Lob für den Unparteiischen, aber in diesem Fall auch an die Spieler, weil es bei aller Intensität ein wirklich faires Spiel war.

    Dieses Thema wurde hier – erstaunlicherweise – sehr wenig diskutiert. Ganz anders sah dies alerdings auf meiner Facebookseite aus.

    Nicht überraschend machten sie die mit Abstand meisten Bayernfans vor dem Spiel Sorgen wegen einer möglichen schwachen Schiedsrichterleistung. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Bayernfans, welche meinen, dass Benachteilungen durch Schiedsrichter beim FCB und seinen Fans nie ein Grund zum Klagen wären. Diese Fraktion ist der Meinung, dass der FC Bayern so überlegen sein muss, dass er trotzdem alle Spiele gewinnen kann…. nach dem Motto: „was scheren uns 2 zu Unrecht aberkannte Tore, 2 nicht gegebene Elfmeter und ein vom Gegner per Hand erzieltes Tor, wir sind die Bayern, die trotzdem immer gewinnen werden / müssen!

    Für mich ist das die falsch verstandene Form von „Mia san mia“ – die „mia san arrogant“-Version …

    Die Bayern-Mannschaft selbst sollte sich natürlich durch Benachteiligungen und seien sie auch noch so krass, nie aus dem Rhythmus bringen lassen – ja „sollte“ … denn auch der hoch bezahlteste aller Profis ist ein Mensch und wer selbst vereinsmäßig gekickt hat, der weiß, wie sehr einen eine ungerechte Behandlung durch die Schiedsrichter runterziehen kann…

    Und wenn Bayernfans, die seit Jahrzehnten mit Vorurteilen von „Bayern-Dusel“, „Bayern-Bonus“, „Bayern kauft die Liga kaputt“ gequält werden, selbst sich nicht beschweren dürfen, dass man (permanent) benachteiligt wird, dann ist die Fußballdiskussionsszene tot und kaputt!!!

  3. Jap diese Saisong ist es echt Auffälig! Normalerweiße gibt es mal glückliche und wieder nicht glückliche Spiele, doch inmoment gibt es nur letztere für uns ( und die wenigen Pro entscheidung, werden natürlich hochgespielt… ) . Ähnlicher fall der BVB: Für jedes Spiel, das der Shiri ihnen geschenkt hatte, kam ein anderes Spiel, das der Shiri ihnen genommen hat, bei ihnen tritt inmoment nur ersteres ein und zwar die ganze Saisong lang! Wenn ich richtig mitgezählt habe, gab es jetzt schon 8 knappe Spiele, die durch eine Stritige Entscheidung zugunsten des BVBs gekippt wurden. Wiederum erinnere ich mich nur an 1 Spiel ( glaub der 2te Spieltag) wo es anders herum gelaufen ist. Aber das gild nicht nur für FCB und BVB, inmoment gibt es eigentlich fast kein Spiel mehr, das ohne krasse Fehlentscheidung auskommt….

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