3:1 in Augsburg – beste Rückrundenleistung

Bayern in Augsburg

Nachdem der Bayern-Motor zuletzt etwas gestottert hatte und einen Tag vor dem Spiel in Augsburg mit der tragischen Badstuber-Verletzung die nächste Hiobsbotschaft Mannschaft und Trainer erschüttert hatte, zeigte das Team gestern beim souveränen Sieg in Augsburg die mit Abstand beste Rückrundenleistung, wenn nicht die beste Leistung seit Mitte November.

Durch die Sprunggelenksverletzung von Holger Badstuber fiel kurzfristig auch noch der vierte und damit letzte etatmäßige Innenverteidiger aus, wenn man die Winterverpflichtung Serdar Tasci einmal außen vor lässt, welcher noch Trainingsrückstand hat. So konnte man vor dem Spiel gegen den bayerischen Nachbarn, welcher sich in jüngerer Vergangenheit meist als zumindest unangenehmer Kontrahent erwies, gespannt sein, welche Variante Pep Guardiola in der Innenverteidigung wählen würde und ob diese funktionieren würde.

Nicht wirklich überraschend bot Guardiola mit Joshua Kimmich und David Alaba zwei Mittelfeldspieler auf, welche mit ihrer Spielstärke und –intelligenz dem Spiel auch sofort ihren Stempel aufdrückten. Kimmich hatte sogar von allen Akteuren auf dem Platz mit 128 die meisten Ballkontakte. Dass diese beiden die Spieleröffnung auch im internationalen Vergleich auf ein herausragendes Level heben würden, war aufgrund ihrer bekannten Stärken keine ganz große Überraschung. Aber auch defensiv hatten sie – mit der kleinen Ausnahme des Augsburger Ehrentreffers kurz vor Spielende – alles absolut unter Kontrolle. Ob Augsburg aufgrund fehlender Qualitäten dabei wirklich kein Maßstab war, wie nicht wenige nach dem Spiel resümierten, wird sich vielleicht am Donnerstagabend zeigen, wenn Klopps Liverpool sich in der Europa League in Augsburg präsentieren wird.

Spätestens nach Badstubers verletzungsbedingtes Saison-Aus unkten selbst viele Fans des Rekordmeisters, dass dies wohl das endgültige Ende der bayerischen Champions League Träume in dieser Saison bedeuten würde – das sehe ich keineswegs so!

Zum einen erwarte ich eine Trotzreaktion der Mannschaft nach dem Motto „Jetzt erst recht!“ Das Spiel gestern hat diese Hoffnungen schon genährt. Zum anderen bin ich nicht der Meinung, dass Bayern international mit dieser Innenverteidigung, mit diesem Abwehrverbund, keine Chance hätte, wie ebenfalls vielfach behauptet wird. Das Hauptargument für die Bedenkenträger ist die fehlende Körpergröße der aktuellen Innenverteidiger: Kimmich nur 1,76 Meter und auch Alabas 180cm sind nicht unbedingt Gardemaß für einen Innenverteidiger. Zudem die beiden kleinen Außenverteidiger Lahm und Bernat mit jeweils wenig beeindruckenden 170cm Körpergröße…

Die richtige Bewährungsprobe wird das Champions League Hinspiel in Turin am 23. Februar sein. Und aus Bayernsicht dürfte es dann sicher kein Nachteil sein, wenn der kopfballstarke Ex-Bayer Mario Mandzukic tatsächlich ausfallen sollte. So ein Spieler könnte der kleingewachsenen Bayernabwehr in der Tat große Probleme bereiten. Wenn er im Rückspiel in München wieder einsatzfähig sein sollte, hoffe ich doch, dass entweder Medhi Benatia oder Javi Martinez wieder derart fit und in Form ist, um den kroatischen Sturmtank von Juve erfolgreich zu bearbeiten.

Für viele Fans wird es aber offensichtlich dann unmöglich, sich mit dieser (Innen)Verteidigung zu bewähren, wenn man auf Barcelonas Wundersturm MSN treffen sollte. Jetzt habe ich persönlich aber gerade zu diesem Aufeinandertreffen ein paar witzige Gedankengänge: die großen etatmäßigen Hünen in der Bayern-Innenverteidigung, Boateng und Benatia, hatten 2015 ihre liebe Mühe mit den extrem dribbelstarken und wendigen Barca-Stürmern. Wenn Bayern aber – wie jetzt aus der absoluten Not geboren – gerade gegen diese selbst mit kleineren wendigeren Innenverteidigern spielen würde, könnte dies sogar ein denkbares Erfolgsrezept sein. Dass Barca die Bayernhintermannschaft mit permanenten Flanken zu überwinden versucht, ist nicht sehr wahrscheinlich. Die Drei sind passable Kopfballspieler, aber sicher keine Kopfballungeheuer.

Trotzdem hoffe ich, dass Benatia, von dem ich persönlich ganz große Stücke halte, bald wieder auf dem Platz stehen wird und dies ausnahmsweise bis zum Saisonende auch unverletzt. Mit Martinez rechne ich in drei Wochen wieder und bei Boateng hoffe ich, dass er bis zu möglichen Champions League Halbfinalspielen wieder fit und einsatzfähig sein wird.

Übrigens hat Juventus in seiner Abwehrkette aktuell ähnliche Probleme wie Bayern: Chiellini sollte beim Hinspiel definitiv ausfallen und auch Bonucci hat sich am Wochenende gegen Napoli eine Muskelverletzung zugezogen.

Außerdem scheint sich in dieser Saison in der entscheidenden Saisonphase das Prunkstück des Bayernspiels, die Offensive, mehr und mehr aus dem Krankenstand zu verabschieden. Vom phänomenalen Sturm-Duo Lewandowski / Müller kann man sowieso nicht ausreichend genug schwärmen. Beide steuerten die drei Treffer gegen Augsburg bei: Alleine Lewys Einzelleistung beim 1:0 in der 15. Minute war wohl schon das Eintrittsgeld wert. Nach Traumpass von Thiago verwandelte er in der 62. Minute eiskalt zum 2:0, nachdem in dieser Phase die Augsburger kurz davor waren, sich durch robustes Spiel aus der Bayernumklammerung zu befreien. Müllers 3:0 in der 78. Minute war die endgültige Entscheidung.

Lewandowski (21 Tore) und Müller (15 Tore) stellen mit ihren insgesamt 36 Toren auch das erfolgreichste Sturm-Duo der Bundesliga-Geschichte nach 21 Spieltagen dar und lösen damit Gerd Müller / Uli Hoeneß mit ihren 35 Toren aus der Saison 1972/73 ab.

Arjen Robben – trotz aktueller Torflaute – und Douglas Costa kommen nach ihren Verletzungen auch langsam besser in Fahrt. Wenn der Rasen dabei, wie in Augsburg, eine gewisse Qualität hat (anders als z.B. in den Auswärtsspielen in Hamburg und Bochum), ist dies sicherlich auch hilfreich. Kingsley Coman überzeugt mich mit seinen 19 Jahren sowieso meistens, und wenn jetzt Franck Ribéry und Mario Götze wieder erfolgreich zurückkommen…. dann sind die „magischen Sieben“ im Bayernsturm endlich komplett – und können es auf alle Fälle mit MSN und BBC aufnehmen.

Wenn dann noch Thiago zaubert wie in Augsburg und auch der „Krieger“ Arturo Vidal eine ähnlich starke Leistung wie bis zu seinem verletzungsbedingten Ausscheiden (dürfte aber nichts langwieriges sein) bringt, dann sollte doch die allgemeine Euphorie in der Bayerngemeinde wieder Einzug halten.

Vidals Spiel schien auch davon zu profitieren, dass er mit dem kreativen Thiago an seiner Seite spielte. Offensichtlich gibt es erstaunlicherweise auch auf diesem Level gewisse Spielerkonstellationen, die nicht hundertprozentig zueinander passen: letzte Saison galt dies für Schweinsteiger / Alonso und diese Saison kann man das Gefühl gewinnen, dass ähnliches für Vidal und Alonso gilt.

Und wenn einmal alle Stricke reißen, weiß man, dass beim FC Bayern der weltbeste Torhüter im Tor steht, der zur Not auch den Ersatzlibero abgeben kann.

Das Spiel in Augsburg gibt mir persönlich die Hoffnung, dass auch die höchstmöglichen Saisonziele des FC Bayern nach wie vor im Bereich des Möglichen sind!

PS: Im Fußball sollte man immer flexibel bleiben. Jogi Löws Nationalmannschaft ist 2014 mit zunächst vier Innenverteidigern, dann immerhin noch mit drei in der Abwehrkette Weltmeister geworden. Vielleicht stellt der FC Bayern 2016 das komplette Gegenmodell dar: mit nur einem oder gar keinem etatmäßigen Innenverteidiger?   😉

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4 Kommentare zu „3:1 in Augsburg – beste Rückrundenleistung“

  1. Es würde mich mal interessieren, welche Gegner wirklich das Potential haben, kopfballstarke Spieler gefährlich vors Bayerntor zu bekommen. Gegen Bayern fallen doch eigentlich nur Kontertore. Man denkt da glaub ich zuviel an das Rückspiel gegen Real 2014. Da hat man sich Standards eingefangen, weil das Mittelfeld bewusst preisgegeben wurde. Das war aber das letzte Mal, dass Bayern so gespielt hat. Die Tore, die 2015 Porto oder Barca geschossen haben, lagen nicht an „zu kopfballschwachen“ Innenverteidigern. ..

    1. Über Standards – zur Not auch tief aus dem Mittelfeld; siehe Treffer für HSV – kann man natürlich immer zu Kopfchancen kommen.
      Oder ein Konter führt zu einem Eckball.
      Ganz ausschließen kann man gegnerische Chancen durch Standards nie.

      Aber du hast definitiv Recht: Je dominanter die Bayern ihr Spiel gestalten, umso weniger drohen Gefahren durch Standardsituationen!

      Die 2 Ramos-Tore im Mai 2014 hatten nichts mit irgendwelchen Spielsituationen zu tun, sondern dass Bayern (einmal glaube ich auch bei einer Ecke) 2x gepennt hat …. Dazu empfehle ich noch einmal die „Mentale Krise des FC Bayern“ 😉 😉
      https://petersgradmesser.wordpress.com/2014/05/06/die-mentale-krise-des-fc-bayern/

  2. Sehe das wie Du, gegen Barca braucht man keine kopfballstarken Innenverteidiger. Gegen Real oder Chelsea und – leider – gegen Juve aber sehr wohl.

    1. Wenn Mandzukic im Hinspiel nicht spielt – und so sieht es aktuell aus – dann braucht man nicht mal in Turin einen kopfballstarken IV. Und wenn es Guardiola anders sieht, stünden in Turin wohl Benatia oder Tasci zur Disposition.
      Bin jetzt schon auf den Probelauf gegen Darmstadt gespannt, auch wenn der Gegner wohl keine Schlüsse zulässt, sehrwohl aber die Aufstellung am Samstag!

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