FC Bayern – Road to Milan

Giuseppe Meazza Bayernfans

Eine Woche vor den ersten Champions League Achtelfinalspielen setzt bei den eingefleischten Fans so langsam das Kribbeln ein. Nachdem der FC Bayern selbst noch nicht mit eindrucksvollen Leistungen nach der kurzen Winterpause aufwarten kann, zudem speziell in der Innenverteidigung mit großen Verletzungssorgen zu kämpfen hat und dem Team auch noch von außen eine schlechte Stimmung und zahlreiche Krisenherde angedichtet werden, sei auch ein Blick auf die Konkurrenz erlaubt. Wie fit und stark präsentieren sich aktuell die Hauptkonkurrenten auf den begehrtesten Titel im Vereinsfußball, dessen Finale im bei Bayernfans beliebten Stadio Giuseppe Meazza in Mailand ausgetragen wird?

Seit Bekanntwerden der monatelangen verletzungsbedingten Ausfallzeit des vielleicht weltbesten Innenverteidigers Jerome Boateng, spätestens aber nach der Meniskus-OP von Javi Martinez, welche auch seinen Einsatz zumindest im Achtelfinal-Hinspiel in Turin gegen Juventus unmöglich macht, bangt eine Mehrzahl der Bayernfans, ob es 2016 überhaupt für den Einzug ins CL-Viertelfinale reichen kann. Schon bei der Auslosung im Dezember musste man die Alte Dame aus Turin neben Paris St. Germain als schwerstmöglichen Achtelfinalgegner ansehen. Dennoch sah man von bayerischer Seite mit breiter Brust den Duellen mit dem italienischen Rekord- und aktuellen Serienmeister entgegen. Aufgrund der eigenen Probleme, aber auch der aktuellen Superserie von Juve in der italienischen Serie A (Vereinsrekord von 14 Siegen in Folge!) ist aber das ganz große Selbstbewusstsein einer gewissen Skepsis und Verunsicherung gewichen. Inzwischen sprechen viele von einem „Fifty-fifty-Duell“. Dabei scheint auch gerade in Turin, zwei Wochen vor dem ersten Duell mit Bayern, eine aus Juve-Sicht ärgerliche Verletzungsserie zu beginnen. Allerdings sind wohl die meisten Verletzungen der Norditaliener bei weitem nicht so gravierend und langwierig wie die der Bayern – bei Mandzukic, Khedira, Chiellini bestehen sicherlich noch Hoffnungen sogar auf den Einsatz im ersten Spiel. Dagegen fällt Martin Caceres mit einem Achillessehnenriss definitiv aus.

Barca – Topfavorit bei den Wettanbietern

Wie werden die Chancen der Achtelfinalteilnehmer gesehen? Ein guter Maßstab sind dabei immer die Quoten der Sportwettanbieter: Als Topfavorit auf den CL-Titel gilt aktuell der FC Barcelona mit einer Quote von 35:10 (Durchschnittsquotient von mehreren Anbietern). Dicht dahinter folgt der FC Bayern mit 36:10, woran man auch sehen kann, dass sich die professionellen Wettanbieter von gewissen Faktoren bei weitem nicht so verunsichern lassen wie die mit einem Verein fiebernden und leidenden Fans. Natürlich ist aber die klare Favoritenrolle des FCB bei den Wettanbietern im Duell gegen den italienischen Meister keine Garantie für ein tatsächliches Weiterkommen. Dahinter folgen Real Madrid mit 65:10, Manchester City 120:10, Atletico Madrid und PSG mit jeweils 140:10, Chelsea mit 200:10, Juve mit 310:10 und Arsenal mit 330:10.

Den restlichen sieben Achtelfinalmannschaften wird quasi keine realistische Chance auf den Titel eingeräumt: Die Roma (gegen Madrid), der PSV Eindhoven (gegen Atleti) und Dynamo Kiew (gegen ManCity) sind bereits im CL-AF krasse Außenseiter. Aber auch den Siegern der Paarungen Benfica gegen Zenit und Gent gegen Wolfsburg wird – wohl zurecht – keine Chance auf den Henkelpott eingeräumt. Derartig große Sensationen sind bei den aktuellen Verhältnissen in der europäischen Fußballspitzenklasse nicht ansatzweise zu erwarten.

Aktuelle Form der CL-Titelfavoriten

Dabei rolle ich das Feld von hinten auf:
Platz 9 – Arsenal FC: aktueller Tabellendritter der englischen Premier League, aber damit immerhin das bestplatzierte englische AF-Team in der heimischen Liga. Die letzten Leistungen glichen eher einer Achterbahnfahrt mit einer Tendenz, die eher in den negativen Bereich abrutscht. So zuletzt auch eine Heimniederlage gegen Chelsea, wenn auch durch eine frühzeitige rote Karte für Per Mertesacker eingeleitet. Nachdem der AF-Gegner Barcelona lautet, ist mit einem „traditionellen“ Londoner Ausscheiden bereits im CL-AF zu rechnen.
Einzige Hoffnung von Arsenal: Petr Cech gilt als „Angstgegner“ für Leo Messi. Ob das allerdings auch für Neymar und Suarez gilt … 😉

Platz 8 – Juventus Turin. Diese Einordnung durch die Wettanbieter ist sicher dem hohen Stellenwert des AF-Gegners aus München geschuldet. Sollte sich Juve – wider Erwarten 😉 – gegen Bayern durchsetzen, wird es einen Topfavoritenplatz anstelle der Bayern einnehmen.
Die letzten Partien der Turiner – meist gegen vom Tabellenplatz schwache oder aktuell schwächelnde Gegner (Inter) – waren in meinen Augen, trotz der wirklich beeindruckenden Serie in der italienischen Liga, nicht immer souverän und nicht unbedingt furchteinflößend. Die Partie am kommenden Wochenende gegen den Tabellenführer Napoli ist der erste wirkliche Gradmesser in 2016. Diesen haben die Bayern am vergangenen Wochenende in Leverkusen einigermaßen erfolgreich, wenn auch nicht glänzend hinter sich gebracht. Das Duell des italienischen gegen den deutschen Meister wird u.a. über die Verletzungssituation wie auch die Formkurve der nächsten Wochen entschieden. Aus Bayernsicht hoffe ich auf ein „the Trend is your friend!“

Platz 7 – Chelsea FC. Der amtierende englische Meister hat sich zwar als Tabellenerster seiner Gruppe für das AF qualifiziert, dümpelt aber in der englischen Premier League trotz des Trainerwechsels von Jose Mourinho auf Interimscoach Guus Hiddink weiterhin auf dem schier unglaublichen 13. Platz dahin. Ein klarer Aufwärtstrend ist auch nach der Übernahme von Hiddink kurz vor Weihnachten nicht erkennbar. Obwohl die Londoner eine international erfahrene Toptruppe aufbieten können, sind sie für mich im CL-AF gegen PSG ein wesentlich klarerer Außenseiter als dies durch die Wettanbieter vermittelt wird. Chelsea läuft Gefahr 2016/17 international ganz zuschauen zu müssen. Am Wochenende kam Chelsea zuhause an der Stamford Bridge zu einem glücklichen 1:1 Unentschieden in der Nachspielzeit gegen den in der CL-Vorrunde gegen Wolfsburg ausgeschiedenen Rivalen ManUnited.

Platz 5 – Paris St. Germain. Im AF wird sich gegen Chelsea zeigen, was der Rekordvorsprung in der französischen Ligue 1 – sagenhafte 24 Punkte auf den Tabellenzweiten AS Monaco nach 25 Spieltagen – wert ist. Die Truppe um den schwedischen Superstar Ibrahimovic war schon in der Vorrundengruppe denkbar knapp und unglücklich nur Zweiter hinter Real Madrid geworden. Einem 0:0 in Paris folgte eine äußerst unglückliche 0:1-Niederlage im Bernabeu, bei der der ansonsten formidable Kevin Trapp beim Gegentor einen totalen Blackout hatte. Dieses Tor war das einzige Gegentor der Pariser in der ganzen Vorrunde, womit man die beste Abwehr der 32 Teams darstellte. Allerdings waren die beiden anderen Gruppengegner eigentlich nicht CL-würdig.
Am vergangenen Wochenende gewann PSG ziemlich glücklich bei Olympique Marseille mit 2:1. Das Ziel, die Liga ohne Niederlage zu beenden, hätte an diesem 25. Spieltag platzen können, obwohl OM mittlerweile nur noch Durchschnitt in der Ligue 1 darstellt. Setzt sich PSG tatsächlich gegen Chelsea durch, würde ich die Mannschaft in den Kreis der absoluten Topfavoriten auf die CL-Krone aufnehmen.

Platz 5 – Atletico Madrid. Wie beschreibt man den aktuellen Tabellenzweiten (vor dem großen Lokalrivalen Real) der spanischen Primera División? Als eine extrem unangenehm zu spielenden Mannschaft. Der FC Barcelona mit all seinen Topstars hatte Ende Januar zuhause größte Mühe „Atleti“ trotz einer langen doppelten numerischen Überzahl mit 2:1 zu besiegen. Atletico Madrid brilliert äußerst selten, versteht es aber fast immer, sich gegen spielerisch überlegene Teams, taktisch bestens vom Argentinier Diego Simeone eingestellt, zu behaupten.
Eindhoven sollte im AF lediglich eine Durchgangstation für Atleti sein. Aber ganz ehrlich – vor allem im Sinne des ästhetischen Fußballsports – ich hoffe nicht, dass ein Team mit einer derartigen Spielweise abermals im Kampf um die europäische Fußballkrone eine entscheidende Rolle spielen wird. Ich weiß, dass ich damit einen sehr sympathischen Atletico-Fan verärgern werde und kann nur in diese Richtung sagen: ich habe enormen Respekt vor dem, was der Verein mit seinen im Vergleich zu Real und Barca bescheidenen Mitteln leistet. Und beim Stadtderby in Madrid werde ich immer Atleti-Fan sein! 😉

Platz 4 – ManCity. Pep Guardiolas künftiger Verein, der schon lange vor seiner Zeit mit hunderten „Scheich-Millionen aufgepeppt“ worden ist. In der englischen Premier League derzeit lediglich Vierter. Am vergangenen Wochenende setzte es eine sehr schmerzhafte 1:3-Heimniederlage gegen die Nobodies von Leicester City, welche den Citizens damit um sechs Punkte enteilt sind.
Auch ManCity spielt eigentlich schon die gesamte Saison in der PL zum Teil weit unter seinem eigentlichen Niveau. Der 80 Millionen EURO teure Neuzugang Kevin De Bruyne aus Wolfsburg fand aber zuletzt immer besser ins City-Spiel, um dann Ende Januar mit einer Knieverletzung für einen längeren Zeitraum auszufallen. Ich denke, dass er in den Achtelfinalbegegnungen gegen Dynamo Kiew sicher nicht auflaufen können wird, was aber beim Qualitätsunterschied der beiden Teams auch keine Rolle spielen sollte. ManCity hat sich in dieser Saison zum ersten Mal, wie schon viel früher von dieser Millionentruppe erwartet, mehr oder weniger souverän als Gruppenerster (vor Juve!) für das CL-AF qualifiziert. Vor der Saison habe ich bereits damit gerechnet, dass diese Truppe zum ersten Mal eine ernsthafte Rolle in der CL spielen kann. Allerdings bin ich nach den bisher gezeigten Leistungen skeptischer geworden.

Platz 3 – Real Madrid. Seit vielen Jahren zählt der Rekordeuropapokalsieger aus Spaniens Hauptstadt zu den Topfavoriten auf den CL-Titel. Madrid hat die beste Vorrundenbilanz aller 32 CL-Teilnehmer aufzuweisen: 16 Punkte und 19:3 Tore (dasselbe Torverhältnis wie die Bayern, die aber in London drei Punkte haben liegen lassen).
In der Meisterschaft ist Real Madrid aktuell lediglich Dritter, bereits mit einem gehörigen Abstand zum Erzrivalen aus Barcelona und einem Punkt hinter dem Lokalrivalen aus Madrid. Zinedine Zidane hat den glücklosen Rafa Benitez als Trainer abgelöst. Sehr viel Entscheidendes hat sich aber seitdem nicht geändert. Zidane wurde zu Beginn gleich für zwei Kantersiege in Heimspielen gefeiert. Eine beeindruckende Heimbilanz konnte aber auch Benitez – bis auf das 0:4-Debakel gegen Barca – aufweisen. Die Auswärtsleistungen bleiben weiterhin größtenteils mau, so auch am gestrigen Sonntag beim wenig souveränen 2:1 Sieg in Granada beim Tabellenvorletzten.
Trotzdem ist Madrid gegen die Roma eindeutiger Favorit auf den Einzug ins CL-VF, obwohl vom legendären Sturm-Trio „BBC“ aktuell lediglich Karim Benzema in Topform ist, Gareth Bale ist sogar verletzt. Persönlich traue ich Real Madrid 2016 nicht den CL-Titel zu – aber bis April / Mai kann sich noch viel ändern.

Platz 1 – der Topfavorit FC Barcelona. Die Katalanen eilen in den letzten Wochen und Monaten von Sieg zu Sieg. Wettbewerbsübergreifend hat man zuletzt in 28 aufeinanderfolgenden Pflichtspielen nicht verloren, was eine Einstellung des Guardiola-Rekords aus dem Jahr 2011 bedeutet.
Trotzdem fand ich persönlich die letzten Ligaleistungen des amtierenden Triple-Siegers wenig überzeugend. Zuletzt auch beim 2:0 beim Schlusslicht der Primera División in Levante. Das Team wirkt etwas überspielt. Zudem ist man extrem abhängig vom genialen „Tridente“ „MSN“. Fällt einer oder fallen sogar zwei Spieler dieses Trios aus, wird es auch eine Supermannschaft wie Barcelona schwer haben, den CL-Titel zu verteidigen. Siehe auch die vergangene Saison, als bei den Bayern zu „Robbery“ noch die Allroundwaffe David Alaba in der entscheidenden Saisonphase ausgefallen ist. Selbst absolute Weltklasseteams können gewisse Ausfälle nicht verkraften.
Dennoch bin ich sicher, dass Barcelona verhältnismäßig locker die AF-Hürde Arsenal FC überwinden wird – ob Cech nun Messis „Angstgegner“ ist oder nicht!

Die Chancen der Bayern

Aus Bayernsicht denke ich, dass man weiterhin dezent optimistisch sein kann, was die Chancen betrifft, dem scheidenden Trainer Pep Guardiola wie anno 2013 Jupp Heynckes den Henkelpott als Abschiedsgeschenk zu präsentieren. Will man die CL gewinnen, müssen aber – wie jedes Jahr – viele Faktoren zusammen kommen. Zur gewiss erforderlichen und vorhandenen Leistungsstärke gehört auch eine beträchtliche Portion Glück dazu: dies betrifft Verletzungspech bzw. –glück (siehe 2015  2013), Losglück, aber auch das „Glück“, korrekte Schiedsrichter zu haben. Dass es auch im Spiel selbst Situationen gibt, bei denen Millimeter (ist für mich ebenfalls Glück) darüber entscheiden, ob ein Spiel gewonnen wird oder nicht, darüber muss ich mich wohl mit keinem Fußballfan oder –experten auseinandersetzen. Ob es im Fußball Glück oder eine perfekte Saisonsteuerung ist, wenn man in der entscheidenden Saisonphase in Bestform auftrumpft oder sich dann leider in einem Leistungsloch befindet, darüber ließe es sich eher streiten …. 😉
Insgesamt sehe ich nach wie vor für den FC Bayern keinen Gegner, vor dem man sich verstecken muss, wenn man selbst die entsprechende Leistung bringt.

Auf geht´s Bayern, kämpfen und siegen!

Ein Gedanke zu „FC Bayern – Road to Milan“

  1. Sehr guter und informativer Beitrag über die aktuelle Form der CL-Hauptkonkurrenten des FC Bayern.
    Keinen muss man wirklich fürchten, sondern man sollte sich auf die eigenen Stärken besinnen und wie T. Müller richtig gesagt hat, nicht von der Medienhetze aus dem Konzept bringen lassen.

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