Rückrundenstart: „Dusel-Sieg“ der Bayern in Hamburg

labbadia
Gestern Abend nach dem 2:1 des FC Bayern beim Hamburger Sportverein beim Rückrundenstart der Fußballbundesliga lebte das alte Vorurteil der „Dusel-Bayern“ wieder auf. Der frustrierte HSV-Coach Bruno Labbadia äußerte sich folgendermaßen auf Sky: „Es ist einfach zum Kotzen für uns. So billige Tore, die wir heute kassiert haben. Wir haben in der ersten Halbzeit keine Torchancen zugelassen. Es ist einfach ärgerlich für uns. Wir können uns dafür nichts kaufen, dass wir gut gespielt haben. Ich muss ehrlich sagen: Es kotzt mich an. Es ist so ein Dusel-Tor der Bayern. Dass wir an so einem Tag solche Tore kassieren, ist einfach nervig. Man sieht ja, das sind zwei Befreiungsschläge von den Bayern.“

Auch Hamburgs Torhüter Rene Adler und ein paar seiner Mannschaftskollegen äußerten sich in ähnlicher Weise. Was war passiert, dass man von Hamburger Seite ein Spiel, bei dem der FC Bayern erneut über 70% Ballbesitz hatte, wohl gemerkt bei einem Auswärtsspiel, 56,4% der Zweikämpfe gewonnen hat, 20:7 Torschüsse hatte (5:1 auf das Tor; 15:1 innerhalb des Strafraums), derart bewertete?

Das Wehklagen der Hamburger bezieht sich auf die Entstehungsgeschichte der beiden Bayern-Tore: Tatsächlich ließ der HSV, wenn auch mit sehr rustikalen Mitteln, vor dem 1:0 der Bayern keine richtige Torchance der Münchner zu. Dass dann allerdings Hamburgs Torhüter Adler Thomas Müller im Strafraum des HSV derart gnadenlos abgeräumt hat, kann man doch in keinster Weise als „Bayern-Dusel“ bezeichnen. Aufgrund der Härte des Foulspiels, nicht wegen der „Letzter-Mann-Regelung“, konnte Adler selbst von Glück sprechen, dass sein Einsatz nicht vorzeitig in der Kabine endete. Den anschließenden Elfmeter verwertete Roberto Lewandowski äußerst souverän zum 1:0.

Noch mehr ärgerte sich Labbadia offensichtlich über das 2:1 der Bayern – „Zum Kotzen! Billige Tore! Dreckstore! Duseltore!“ Als Fußballlehrer hätte er aber bei der Entstehung des zweiten Münchner Tores auch folgendes sehen können: Die ganze Szene wurde einmal mehr durch einen nicht völlig unriskanten Ausflug von Manuel Neuer eingeleitet, bei welchem er eine weite Flanke auf den rechten Bayernflügel schlug. Von dort segelte eine weitere Flanke in den HSV-Strafraum. Diese fand in Javi Martinez ihren Abnehmer, welcher etwas unorthodox, aber nach den Schilderungen von Müller nach dem Spiel durchaus gewollt, die schwierig zu verarbeitende Flanke auf eben jenen Müller per Kopf ablegte. Müllers anschließenden Schuss von der Strafraumlinie aus mittiger Position lenkte Lewandowski reaktionsschnell in die Mitte des Hamburger Tores am verdutzten Adler vorbei. Auf den ersten Blick mag dieses etwas unkonventionelle Tor durchaus auch glücklich zustande gekommen sein. Wenn man jedoch einen zweiten Blick darauf wirft, gingen ihm drei starke Aktionen von Weltklasseakteuren des FCB voraus: Manuel Neuers für einen Torwart außergewöhnliches Passspiel, die extrem schwierige Kopfballablage des Kopfballgiganten Martinez und die Reaktionsschnelligkeit des Weltklassestürmers Lewandowski.

Die Abstrusität des immer wieder auftauchenden Vorurteils des „Bayern-Dusels“ hat Petersgradmesser bereits in diesem Beitrag
https://petersgradmesser.wordpress.com/2015/09/14/bayern-bonus-und-dusel/ behandelt. Natürlich wird dies immer ein gefundenes Fressen für die Medien bleiben, denn dieses Thema wird wohl auch noch in einem Jahrhundert Quoten bringen.

Besser bzw. sportlicher wäre aber sicher, ein derartiges Spiel insgesamt etwas sachlicher zu beleuchten:
• Kurz nach dem Elfmetertor zum 1:0 gab es im Hamburger Strafraum eine weitere Szene, bei der sich der Gastgeber nicht über einen erneuten „dummen“ Elfmeter bei einem „Doppelfoul“ an Thomas Müller beschweren hätte können. Stattdessen wurde der Ur-Bayer in der Folgezeit vom Hamburger Publikum permanent ausgepfiffen.
• Nicht thematisiert wurde von den Hamburgern ihr eigener Treffer, der per unglücklichem Eigentor vom Bayern Xabi Alonso verursacht wurde. Kein „Dreckstor“?
• Kurz nach dem 2:1 krachte ein Freistoß von David Alaba an den Pfosten des Hamburger Gehäuses – Adler wäre vollkommen chancenlos gewesen!

Zusammen mit den erwähnten statistischen Daten, welche die große Bayern-Dominanz dokumentieren, sollten diese Fakten eigentlich eindeutig beweisen, dass der Sieg der Bayern nur sehr wenig mit Dusel zu tun hatte!

Dass der FC Bayern keine brillante Leistung zum Rückrundenstart hingelegt hat, liegt zum einen sicherlich am Zeitpunkt der Partie – am 22. Januar kann / muss man schlichtweg nicht in Bestform sein, wenn man im Frühjahr noch höhere Ziele erreichen möchte. Zum anderen lag die zum Teil technisch nicht so brillante Leistung der Münchner auch am Hamburger „Krautacker“. Dies war in der Vergangenheit schon des Öfteren ein Versuch der gastgebenden Vereine, den Kombinationsfluss der spielerisch überlegenen Bayern zu unterbinden. Letztendlich war die ärgerliche Verletzung von Jerome Boateng kurz nach dem 1:1 der Hamburger sicherlich auch kein Grund, gestern Abend von übermäßigem Bayern-Glück oder –Dusel zu sprechen. Dass der für Boateng eingewechselte Martinez das 2:1 mit vorbereitete, spricht eher für die große Qualität, aber auch Moral des bayerischen Teams!

Wie so oft nach Bayern-Spielen hat man ihm ersten Moment nach Spielverläufen wie gestern durchaus Verständnis für Äußerungen wie von Labbadia, welche aus einer gewissen Frustration heraus entstehen. Mit einem zeitlichen Abstand und bei genauerer Analyse wirken sie aber nur noch albern und hilflos – und es würde mich definitiv interessieren, ob sich der „schöne Bruno“ auch einen Tag später noch derart äußern würde. Wäre schön, wenn sich ein Verantwortlicher eines gegnerischen Vereins einmal mit einem gewissen Abstand korrigieren könnte – dem fairen Sportsmann Labbadia würde ich so etwas durchaus zutrauen!

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6 Kommentare zu „Rückrundenstart: „Dusel-Sieg“ der Bayern in Hamburg“

  1. Kann schon verstehen wenn man sich über sich selbst ärgert ( so hab ich den HSV Coach eher verstanden) . Wenn man größteils nichts zulässt und dann einen Elfmeter nach einen Fehler verursacht. Und das zweite tor aus einer Ungeornetheit ensteht….
    Ich Zitiere “ Das ist dann einfach die Qualität der Bayern, dass sie solche Räume dann in solchen Situationen sehen, wenn alle anderen noch durcheinander sind.“

    Außerdem rot für Adler wäre dann auch wirklich zuviel gewesen!
    Als Torwart muss man in so einer Situation Risiko gehen.
    kann ich dir auch nicht zustimmen, Elfmeter + Gelb geht schon in Ordnung. ( da es auch keine 100% mehr war)

    Deswegen finde ich es nicht Korekt, sie jetzt mit ins Boot zu nehmen.

    Der Bayern Dusel, wird eher von anderen Quellen gefördert sehe regelmäßg Werder Bremen oder Watzke.
    Ich finde da sollten wir schon fair sein

  2. Der Bruno: hat schon immer recht eigenartige Ansichten gehabt und war schon beim VfB der Anfang vom Ende.
    Mit solchen Sprüchen tut er dem HSV keinen Gefallen ( dazu ist der Abstand zum Süden der Tabelle zu gering) und überhaupt bevorzuge ich gegen Bayern inzwischen die Klatsche; bringt Klarheit auf der Personalseite!

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