Katar: Trainingslagerdebatte – und jährlich grüßt das Murmeltier

Trainingslager Doha 2016

Seit 2011, zum sechsten Mal in Folge, fliegt die Profi-Truppe des FC Bayern ins Wintertrainingslager nach Katar, ein Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf. Spätestens seit dem Trainingslager 2015 (mit anschließendem Freundschaftsspiel in Saudi-Arabien) wird diese Vereinsentscheidung kritisiert. Denn das Land wird als absolute Monarchie regiert. Staatsreligion ist der Islam, und die Scharia ist die Hauptquelle der Gesetzgebung. Gerade an der Scharia, welche sich für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verantwortlich zeigt, entzünden sich die Diskussionen und die zum Teil heftige Kritik.

Hauptverantwortlich für die Kritik am FC Bayern zeigen sich dabei einige Personen der deutschen Öffentlichkeit, die selten fehlen, wenn nur ansatzweise irgendetwas kritisierbar ist. Ob die Angelegenheit dabei nur ansatzweise in den eigenen Kompetenzbereich fällt oder nicht, spielt nicht die geringste Rolle. Stellvertretend für diese Spezies sei die Grünen-Politikerin Claudia Roth genannt, ihres Zeichens selbsternannter Fußballfan, seit ihr Wahlkreis Augsburg-Stadt ist, selbstverständlich FCA-Fan. Persönlich fällt mir zum „FCA-Fan“ Roth ein Interview vor ca. zwei Jahren ein, bei dem ein Reporter sie nach ihrem Augsburger Lieblingsspieler gefragt hat, worauf das Gesicht der Grünen-Politikerin knallrot angelaufen ist und sie nach langem Zögern „diesen gut aussehenden Torwart“ erwähnte. Damit war wohl der Ex-Löwe Simon Jentzsch gemeint – nur war der zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr für die Fuggerstädter aktiv. Soweit zur Eignung von Frau Roth, sich als Fußballfan aufzuschwingen, um einen Proficlub zu kritisieren. Dass Frau Roth als Mitglied des Kabinetts von Gerhard Schröder als Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe auch keine Bäume ausgerissen hat und damals keinen speziellen Fokus auf Länder wie Katar mit seiner verübten Scharia hatte, ist auch kein Geheimnis. Die Grünenpolitikerin steht bekanntermaßen gerne in der Öffentlichkeit und holt sich auch nicht selten von vielen Seiten ihre „Watschn“ (in Istanbul sogar einmal tatsächlich körperlich) ab, siehe auch http://www.welt.de/regionales/hamburg/article150918518/Sie-verniedlichen-Uebergriffe-der-letzten-Wochen.html.

Ein ähnliches Kaliber ist Sylvia Schenk von Transparency International, einer weltweit agierenden Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Berlin, die sich in der nationalen und internationalen volks- und betriebswirtschaftlichen Korruptionsbekämpfung engagiert.. Jedes Jahr aufs Neue kritisiert sie den FC Bayern wegen dieses Trainingslagers. Die ehemalige Leichtathletin (1972 Olympische Spiele in München 800-Meter), Juristin und SPD-Politikerin war von 2001 bis 2004 Präsidentin des Radsportverbandes Bund Deutscher Radfahrer, ausgerechnet in jener sportlich durchaus erfolgreichen deutschen Periode, die als die Hochzeit des Dopings gelten muss. Frau Schenk möchte ich deswegen gerne bei ihrem Kampf gegen die „Ungerechtigkeit auf Erden“ zurufen: Es ist wohl einfacher, Dinge bei anderen zu kritisieren, als sie zu regeln, wenn man selbst in der Verantwortung steht. Dennoch habe ich durchaus großen Respekt vor der Tätigkeit von Transparency International, nur würde ich mir dabei eher einen Fokus auf die wirklichen Brandherde wünschen und nicht auf populistisch wirksame Nebenschauplätze.

Seit kurzem gesellt sich Willi Lemke, ehemaliger Intimfeind von Uli Hoeneß und Sonderberater Sport des UN-Generalsekretärs, zur Truppe dieser Kritiker und schaltet sich in die Debatte um die Trainingslager von Bayern München (Katar) und Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt (Vereinigte Arabische Emirate) ein. Lemke gegenüber der „Welt“: „Ich würde mir wünschen, dass Bayern München und Borussia Dortmund etwas über den Tellerrand hinausschauen. Sie müssen ja gar nichts Unmögliches fordern vor Ort. Beschlüsse der katarischen Regierung zur Verbesserung der Situation von Arbeitsmigranten liegen ja beispielsweise längst vor. Die Clubs sollten zumindest Fragen stellen.“

Aja – die „Clubs sollten zumindest Fragen stellen“! Dem Sonderberater der UNO Lemke könnte man entgegenhalten, dass die UNO Katar schon vor über zwei Jahren „Versagen beim Kampf gegen Zwangsarbeit vorgeworfen hat“ http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/uno-behoerde-wirft-katar-versagen-beim-kampf-gegen-zwangsarbeit-vor-a-925003.html. Allerdings wohl auch nicht sehr erfolgreich, wenn jetzt Vereine wie Bayern München oder Borussia Dortmund wegen eines Trainingslagers in der dortigen Region die UNO-Mission erfolgreich weiter führen, am besten zum Abschluss bringen sollen. 😉

Das Thema Katar beschäftigt natürlich auch die Fans und Mitglieder des FC Bayern. Das FCB-Mitglied Yalcin Imre, das durchaus medienwirksam seinen Vereinsaustritt aus Protest gegen die Ausrichtung des Trainingslagers in Katar kundgetan hat, steht dabei an vorderster Front. Allerdings hat sich laut seiner eigenen Aussage der Schritt, aus dem Verein auszutreten, schon seit längerer Zeit verfestigt. Unter anderem missfällt ihm der „bayerische Personenkult“ um den „verurteilten Straftäter“ Uli Hoeneß. Seine persönlichen Konsequenzen kann man durchaus verstehen und man muss sie respektieren, persönlich halte ich ihn aber eher für einen Einzelfall, der seinen Weg konsequent durchzieht als ein Beispiel für eine größere Bewegung der „Bayernfamilie“.

Mit meiner Auflistung der „Trainingslager-Kritiker“ wollte ich diese keineswegs polemisierend diskreditieren, jedoch ganz klar darauf hinweisen, dass es jedem „gut zu Gesicht stehen“ 😉 würde, wenn er zunächst vor seiner eigenen Türe kehrte.

Ich persönlich würde nie freiwillig Urlaub in Ländern wie Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder auch Saudi-Arabien machen – die dortigen Regime verhindern dieses Bedürfnis vollkommen, selbst wenn ich diese Länder als kulturell reizvoller sehen würde als ich es aktuell tue. Wenn mich aber ein Geschäft – ob als Angestellter oder Unternehmer – in ein derartiges Land ziehen würde, welches (bezogen auf das Geschäft)  ich persönlich als moralisch akzeptabel interpretieren würde, dann würde ich auch in diesen arabischen Ländern aufschlagen. Ich war beruflich und privat u.a in Ländern wie China, Ägypten, Marokko, mittlerweile muss man auch Erdogans Türkei dazu zählen. Ich habe mich dort jeweils sehr wohl gefühlt – aber auch in diesen Ländern werden massiv Menschenrechte verletzt.

Was ist denn, wenn man es genau nimmt, mit unserem „großen amerikanischen Bruder“, der seit weit über einem Jahrzehnt ein (menschen)rechtswidriges Gefangenenlager auf kubanischem Territorium führt, bei dem es in einigen Bundesstaaten immer noch die Todesstrafe gibt und der mit einem Präsident(schaftskandidat)en Donald Trump droht?

Ich habe versucht, mich in die Rolle der verantwortlichen Klubbosse bei der Suche nach einem geeigneten Wintertrainingslager hineinzuversetzen und bin dabei die Listen der 193 UN-Mitgliedsstaaten https://de.wikipedia.org/wiki/Mitgliedstaaten_der_Vereinten_Nationen und der 209 FIFA Mitgliedsländer https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_FIFA-Mitglieder durchgegangen. Mal ganz im Ernst: da bleibt wirklich nicht viel übrig, wenn man die beiden Vorgaben – „keine Menschenrechtsverletzungen“ und „gute Trainingsbedingungen“ – gleichzeitig berücksichtigen möchte. Da beneidet man fast die Vereine der anderen großen Ligen, welche alle ohne Winterpause und folglich ohne Wintertrainingslager auskommen. Aber ob es überhaupt in England, Spanien, Italien und Frankreich auch nur ansatzweise derartige Diskussionen geben würde? U.a. ist die „Qatar Foundation“ der Trikotsponsor des FC Barcelona. Der Eigentümer des französischen Fußballflaggschiffs Paris St. Germain ist ein katarischer Scheich, der Eigentümer von Manchester City ein Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Haben wir Deutsche eigentlich mittlerweile die moralische Befugnis, über alle Länder dieser Welt urteilen zu dürfen? Und diese etwas selbstherrliche Einstellung wird noch dadurch verstärkt, dass viele Deutsche anderen vorschreiben wollen, dass sie das genauso sehen müssen. Mir wirft sich auch die Frage auf, wie konsequent diese Moralapostel sind, wenn es um die eigenen Angelegenheiten und Bequemlichkeiten geht: Wer würde z.B. auf sein Auto verzichten, wenn bekannt wäre, dass an den deutschen Tankstellen ausschließlich Benzin aus arabischen Ölquellen gezapft werden kann? Würde man selbst Einkommenseinbußen hinnehmen, wenn damit gleichzeitig sicher gestellt werden würde, dass das Arbeit gebende Unternehmen „unmoralische“ Aufträge ablehnen würde? Wie konsequent sind notorische Besserwisser und berufsmäßige Moralapostel, wenn es sie selbst empfindlich treffen würde…

Übrigens, zu guter Letzt muss dies zwangsweise kommen 😉 , haben in dieser Diskussion einmal mehr unsere moralisch so astreinen Medien, welche bezüglich der Aufmerksamkeit ihrer Hörer, Leser, Zuschauer doch auch sehr stark von dem Thema profitiert haben, den Vogel abgeschossen: In einer Co-Produktion von Spiegel TV und Kicker wird in diesem Kontext der BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in „ Abenteurliche Ausführungen des BVB-Chefs“ unter der Rubrik „Luxus schlägt Skrupel“ kritisiert. Watzke begründet das Borussen-Trainingslager in Dubai ähnlich wie die Verantwortlichen des FC Bayern mit den optimalen Trainingsbedingungen. Auf die Frage, warum nicht in Südspanien antwortet er, dass die Bedingungen dort bei Weitem nicht mehr die besten seien, in die bestehenden Anlagen wären seit mehr als 10 Jahren keine Investitionen mehr für Modernisierungen geflossen. Der Kicker kommentiert diese Erklärung mit den Worten: „Watzke überrascht … mit einem bemerkenswerten Satz, der … viel über die Wertvorstellungen von führenden Köpfen der Bundesliga aussagt. Luxus schlägt Skrupel!“

Übrigens interviewt ein Kicker-Reporter Watzke hierfür vor Ort in Dubai.

Lieber Kicker (als Stellvertreter für alle Medien)!
Wäre es nicht wesentlich glaubwürdiger, dass Ihr die Trainingslager von Bayern und Dortmund wirklich aus Menschenrechtsgründen für inakzeptabel haltet, wenn Ihr selbst nicht vor Ort anwesend wärt. Wie wäre es, wenn Ihr selbst – konsequenterweise – gar nicht von den Trainingslagern in diesen „Unrechtsstaaten“ berichten würdet? Das hätte Klasse und Stil, wäre konsequent und nicht derart heuchlerisch!

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9 Kommentare zu „Katar: Trainingslagerdebatte – und jährlich grüßt das Murmeltier“

  1. Auch von mir ein Dankeschön und ein Kompliment für diesen Beitrag. Sehr differenziert und sachlich, sowie gut recherchiert.

    Ich sehe das ganze Thema „Katar“ auch aus einigen genannten Gründen nicht so kritisch. Auf was müsste man als Privatmensch nicht alles verzichten, wenn man sich strikt selbst an diese Maßgaben halten wollte. Aber wie du auch schreibst: es ist deutlich einfacher jemand aus der Ferne zu kritisieren, als bei sich und seinem Umfeld selbst was zu ändern. Aus dem Grunde halte ich die Katar-Kritik teilweise für heuchlerisch und doppelmoralisch.

    Insofern tut es auch mal gut den Text eines Bayern-Anhängers (und Bloggers) zu lesen, der das Thema auch mal von der anderen Seite betrachtet.

  2. Vielen Dank für deine Ausführungen!
    Du hast mich doch, hinsichtlich der aufgebrachten Stimmung, etwas beruhigen können.
    Dein Blog gefällt mir sehr gut. Habe ihn vor kurzem erst entdeckt und war begeistert von deinen Beiträgen „Bayern-Fans-keine Erfolgsfans“ sowie „Wahre Liebe von Bayern-Fans“.
    Wir sind ein Jahrgang(Februar’63), bin ebenfalls seit Anfang der siebziger Bayern -Fan. Leider muss ich die Spiele fast allesamt am Fernsehen verfolgen und kann nicht, wie du, live vor Ort sein. Komme nämlich aus dem Rheinland und habe deswegen selten das Stadionerlebnis.
    Anfeindungen sind mir sehr bekannt, man muss sich ständig rechtfertigen, egal ob der FCB gewinnt oder verliert!
    Am meisten Unverständnis erntet man dafür, wie man denn Bayern-Fan sein kann, obwohl man im Westen der Republik wohnt(35km bis Mönchengladbach, 80km bis Köln)???
    Dies ist unter Andersdenkenden oft schwer zu widerlegen.
    Tipps hierfür? Kann ihnen ja schlecht eine Kopie deiner Beiträge geben😉
    Toll, dass du so einen Blog betreibst, werde weiterhin fleißig mitlesen.
    Rot-weiße Grüße aus dem westlichsten Teil von Deutschland

    1. Bei solchen Kommentaren macht es mir noch mehr Spaß, Blogbeiträge zu schreiben! Vielen Dank!
      Es gibt Petersgradmesser übrigens auch auf Facebook – dort wird noch viel mehr diskutiert. Die Themen sind zahlreicher und vielfältiger! https://www.facebook.com/petersgradmesser/?fref=nf
      Ja, der 1963er Jahrgang ist ein guter 😉
      Übrigens: Vielleicht hilfreich für deine Argumentation bei dir zuhause. Gerade als die Münchner Löwen zu Beginn der 70er Jahre immer mehr an Bedeutung verloren haben, gab es selbst in München zahlreiche M´gladbach-Fans – inkl. Freunden von mir. Ich habe das damals (als kleiner Junge) hingenommen und akzeptiert. Die bundesweiten Gladbach-Fans in den 70er Jahren waren für mich die ersten (mir bekannten) „deutschen Erfolgsfans“ …. Ob es das beim FCK und Fritz Walter auch schon in den 50er Jahren gegeben hat, ist mir nicht bekannt…;-)
      Für Sympathien muss man sich nicht rechtfertigen und entschuldigen – weder bei Menschen, noch bei Vereinen, und schon gar nicht, wenn es um den FC Bayern geht haha

  3. Aus langer Sicht gesehen, wäre es trotzdem schön, wenn man sich nach einen neuen Lager umseht.
    Finde Kritik auch durch aus berechtig, da es 100% bonus von den Scheichen gibt, dass man da trainiert ( oder gute Angebote).
    Allerdings darf man nie vergessen, das auch der FCB ein Unternehmen ist, dass Geld verdienen will und auch muss.
    Also bevor man einzelnen Vereinen ( wo sich ja bekantlich keiner was schenkt) das vorwirft.
    Müsste man generell das System in Deutschland hinterfragen!
    Die Ja bekanntlich auch mit solchen Staaten zusammenarbeiten, wenn es gerade einen eigenen Vorteil bringt.
    Genau so hätte man noch viel mehr Steuer Sünder bekommen können, nur manche Steuer Sünder sind halt besser wie andere wie es mir scheint:(
    Auch der Uli war nur ein Bauer Opfer, für ein viel größeres Problem!

    1. DEIN Vorschlag, wo man ein „optimales“ Trainingslager alternativ abhalten soll?!

      Interessant dazu das Statement von Watzke. Sinngemäß hat er gesagt, dass der BVB nicht mehr nach Südspanien zurück gekehrt ist, weil dort die Bedingungen zu schlecht seien.
      Türkei / Belek??
      Ich habe Áusschnitte vom S04-Testspiel in Orlando, Florida, gegen Atletico Mineiro gesehen: Die lausige Leistung der Königsblauen beim 0:3 wurde durchaus auch durch den Kartoffelacker unterstützt, auch wenn der nicht für die Niederlage als Ausrede gelten sollte. Da ist bei uns der Rasen auf jeder lausigen Bezirkssportanlage besser.

      Ich finde es übrigens auch interessant, dass dieses Thema (v.a. bei den Bayernfans) erst aufgepoppt ist, seit Guardiola Trainer ist. Heynckes Bayern haben in Katar den Grundstein für das grandiose Triplejahr gelegt! Es gibt sogar Bayernfans, die meinen, dass der Verein nur wegen Guardiola nach Doha fliegen würde … 😉

      Du sagst: „Finde Kritik auch durch aus berechtig, da es 100% bonus von den Scheichen gibt, dass man da trainiert ( oder gute Angebote)….“
      => davon weiß ich persönlich nichts. Hast du für diese Behauptung Belege bzw. Beweise. Würde mich wirklich interessieren!

      1. Finde deinen Bericht sehr gut und stimme dem auch weitestgehend zu.
        Was ist aber nun aufgrund der neuen Sachlage „Partnerschaft mit dem Flughafen von Doha“ und den dazu gemachten Äußerungen eines K.H. Rummenigge?
        Hat man sich nicht dadurch doch besagte Vorteile durch die Trainingslager verschafft?
        Wie ist deine Einstellung als Fan zu unserem neuen Platinpartner und würdest du deswegen evt. auch so weit gehen, wie einige andere Mitglieder es bereits wohl getan haben, und aus unserem Verein austreten?
        Deine Meinung hierzu würde mich wirklich interessieren.

        1. Hallo Wolfgang,
          natürlich hat sich die „Sachlage“ durch diese neue Partnerschaft mit dem Doha Airport noch einmal verschärft.
          Ich gebe zu, dass auch mir – einem (gebürtigen) Münchner Bayernfan (quasi von Geburt an) und Vereinsmitglied – nicht 100%ig wohl bei dieser Sache ist.
          Es ist natürlich nicht abwegig zu vermuten, dass dieser Deal quasi von langer Hand bei den letzten Aufenthalten vorbereitet worden ist. Was aber durchaus legitim ist.
          Ich persönlich nehme KHR durchaus bei seinen Ankündigungen ernst und somit beim Wort, dass auch ein „Dialog und soziale Projekte“ geplant sind. Wenn dies nur heiße Luft ist, dann wäre ich in der Tat sehr enttäuscht.
          Dass ich deswegen gleich aus dem Verein austreten würde, halte ich eher für unwahrscheinlich. Neben anderen Gründen gibt es dafür einen sehr pragmatischen Grund: ich würde dadurch auch meine Jahreskarte verlieren – und das würde mich in meiner „Fußballfan-Lebensqualität“ 😉 doch erheblich einschränken. Wenn ich diesen Schritt gehen würde, würde ich mich ganz vom Fußball abwenden, denn der FCB ist sicherlich nicht die „Spitze des Fußballeisbergs“, was derartige „Verfehlungen“ betrifft!

          Persönlich genieße ich wirklich mehr denn je den „FC Bayern Fußball à la Pep“. Als ganz kleiner Junge habe ich schon Beckenbauer, Müller, Breitner, Hoeneß, Maier & Co. gesehen – aber die aktuelle Mannschaft ist für mich spielerisch der absolute Vereinshöhepunkt!

          So „ungut“ solche Deals wie mit Katar sind, so sehr sollten wir uns alle im Klaren sein, dass es besonderer Anstrengungen bedarf, dieses Level der Mannschaft aufrechtzuerhalten. Selbst das allerbeste Nachwuchszentrum ist dabei nur ein klitzekleiner Baustein.
          Man muss v.a. international mit Vereinen konkurrieren, die wesentlich mehr TV-Einnahmen kassieren, Milliardäre als Investoren haben (das Financial Fairplay greift meiner Meinung nach nicht richtig), sich immer mehr international ausrichten und aufstellen. In England, Italien und Spanien kennt man auch viel weniger „Skrupel“ als in unserer Republik. Die schütteln schon alle ein bisschen den Kopf über uns Deutsche – teils zu Recht, teils zu Unrecht!
          Was bleibt den Bayern übrig, als im Ausland über Sponsoring und Partnerschaften Geld zu generieren? Wo sitzt das Geld?
          Am Sonntag gegen Hoffenheim gab es in der AA auch Spruchbänder gegen die Aktivitäten des FCB in China … Wissen diese Leute, wie viel Begeisterung es in China für den FCB gibt, wie viele Fans dort sind? Ich persönlich habe das miterlebt! Ganz ehrlich -auch so etwas kann stolz machen!!

          Alternativen – zur ansatzweisen Wahrung des aktuellen Teamlevels – wären nur wesentlich höhere Ticketpreise und TV-Einnahmen? Wollen „wir Fans“ das denn? Fragen wir doch mal die „richtigen englischen Fans“: die fordern ihre deutschen Kollegen schon dazu auf, nicht dieselben Fehler zu machen …

          Es bleibt schwierig, spannend und explosiv – wie die gesamte Geschichte des FC Bayern 😉

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