„Bayern-Bonus und –Dusel“!!

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Ein interessantes Phänomen bei großen Teilen der deutschen Fußball-Öffentlichkeit ist ein permanent diskutierter Zwiespalt vor allem bei denjenigen, die es nicht so gut mit dem deutschen Rekordmeister meinen: Zum einen wird in der Bundesliga eine andauernde Langweile beklagt, weil der FC Bayern in allen Belangen zu überlegen scheint. Zum anderen wird aber auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit behauptet, dass der FC Bayern nur deswegen Meister werden würde, weil man dieses „verflixte dauerhafte Glück“, den sog. Bayerndusel, gepachtet hat, der sich vor allem in entscheidenden Toren in den letzten Minuten zeigt. Und weil dieser „Bayerndusel“ allein nicht ausreicht, wird zudem behauptet, dass ein „Bayernbonus“ in Form von permanenter Bevorteiligung durch die Schiedsrichter hinzukommt!

Ich selbst muss vor allem immer dann schmunzeln, wenn all diese gesammelten Behauptungen – was nicht so selten vorkommt – von denselben Personen kommen. Der „haushoch überlegene Verein“ benötigt dementsprechend auch noch Glück und die Gunst der Schiedsrichter, um die Überlegenheit zu manifestieren!

Und am Samstagnachmittag ist beim bayerischen Derby in der Allianz Arena zwischen dem FC Bayern und dem FC Augsburg etwas passiert, wofür die Sportjournalisten und Bayerngegner wochenlang dankbar sein werden: Eine einzige Szene des Spiels hat „bewiesen“, dass sowohl der Bayerndusel als auch der Bayernbonus keine Legende, sondern die reine Realität sind… 😉

In der 88. Minute ist der angreifende Douglas Costa vom Augsburger Feulner – im Eishockey würde man sagen – per „Bodycheck“ im Augsburger Strafraum gestoppt worden. Nachdem aber Costa eher auf Feulner aufgelaufen ist, als dass dieser eine Bewegung in seine Richtung gemacht hätte, ist die Meinung der großen „Fußballexperten-Mehrheit“, dass der Strafstoß völlig unberechtigt gewesen sei. Häufig hat man den Satz gehört und gelesen „Feulner kann sich nicht in Luft auflösen“!

Nachdem dies beim Stand von 1:1 passiert ist und die Augsburger Proteste vor dem von Müller zum 2:1 verwandelten Elfmeter über zwei Minuten gedauert haben, fiel der Treffer zudem noch in der letzten Minute der regulären Spielzeit, und der „Tatbestand“ des „Bonus“ wie des „Dusels“ wurde damit erfüllt!! 😉

Ich werde jetzt eine ganz simple Statistik dazu verwenden, um zu zeigen, dass die Behauptung, dass es diesen „Bayerndusel“ gibt, nur eine kleine Verirrung unter „Fußball-Unkundigen“ ist: Wenn man schon der – IMHO unsinnigen – Meinung ist, dass ein „Last-Minute-Treffer“ mehr mit Dusel als mit Kondition, Konzentration und Überlegenheit zu tun hat, dann sollte man folgendes bedenken: Der FC Bayern hat in den letzten drei Bundesligajahren ein Gesamttorverhältnis von 272:59 Toren erzielt, d.h. man hat insgesamt mehr als 4,6-mal so viele Tore wie die jeweiligen Gegner erzielt. Und wenn man nur eine in etwa gleiche Verteilung der gesamten Tore über die gesamte Spieldauer annimmt, ist schon die Wahrscheinlichkeit, dass der FCB den finalen Treffer in den Schlussminuten erzielt, fast fünfmal so hoch wie beim Gegner. Das alleine hat schon gar nichts mit Dusel, sondern eher mit meist gnadenloser Überlegenheit zu tun!

Gegen Augsburg hat der FCB sicher eines seiner schwächeren Spiele in der letzten Zeit abgeliefert, aber nur zur Stützung meiner Theorie: Die Bayern hatten mehr als 80% Ballbesitz, 27:4 Torschüsse (davon 10:1 aufs Tor), 9:0 Ecken … der Augsburger Spieler mit den absolut meisten Ballkontakten war Torwart Marwin Hitz mit 49! Alles ein Beleg für eine „gnadenlose Überlegenheit“!

Ich persönlich bin mir eigentlich auch sicher, dass die Bayernmannschaft gegen Augsburg in den verbliebenen fünf Minuten, wenn es keinen Elfmeter gegeben hätte, noch den Siegtreffer erzielt bzw. –erzwungen hätte!

Und wem dies nicht als Widerlegung dieser unsinnigen Behauptung genügt, der sei an das Champions League Finale von 1999 erinnert: Allein dieses „traumatische Erlebnis“ in der Nachspielzeit lässt die Theorie des Bayerndusels wegen Toren in den letzten Spielminuten wie einen schlechten Witz erscheinen!

Der sog. „Bayern-Bonus“:

Auch da gibt es seit Jahren Statistiken, die eindeutig belegen, dass dies ein Märchen von Presse und Bayerngegnern ist. Statistiken dazu gibt es zuhauf im Netz.

Es gibt aber einen gewaltigen Unterschied in der Wahrnehmung: Von den Medien geschürt – die sehr wohl wissen, was „Auflage“, „Klicks“ etc. bringt – werden Schiedsrichterentscheidungen zugunsten des FC Bayern um ein Vielfaches mehr diskutiert als wenn es umgekehrt stattfindet bzw. in anderen Spielen passiert.

Seit der FC Augsburg im Sommer 2011 in die Bundesliga aufgestiegen ist, gab es insgesamt 11 Duelle (inkl. 2 Pokalspiele) mit dem Rekordmeister: Der FCB gewann davon neun und verlor lediglich zwei. In meiner Erinnerung nach jeder dieser Niederlagen hat sich Augsburg über „irgendeine Ungerechtigkeit“ beschwert, vor allem seit der eigentlich sympathische Markus Weinzierl Trainer ist. Dies ist doch bemerkenswert und ein bisschen ärgerlich. Und die Augsburger seien selbst daran erinnert, dass es wohl Statistiken über die letzte BL-Saison gibt, wonach der FCA am häufigsten von falschen Schiedsrichterentscheidungen profitiert hat! (siehe z.B. hier http://www.wahretabelle.de/statistik/wahretabellehistorie) Und noch ein kleiner Seitenhieb Richtung Medien, die Augsburg trotz dieser Bilanz zum „Angstgegner“ des FCB auserkoren haben, zudem wohl wissend, wie die beiden einzigen Niederlagen zustande gekommen sind! Ja – die „Quote“ ist am wichtigsten! 😉

Bevorzugungen und Benachteiligungen, Schiedsrichter-Bonus und –Malus sind extrem subjektive Wahrnehmungen, die meist beim Fußball zudem extrem emotional „gelenkt“ werden. Fast unsere gesamte Jahreskartenbesitzer-Reihe in der Allianz Arena ist bei Bayern-Heimspielen sehr häufig der Meinung, dass der FC Bayern tendenziell von den Schiedsrichtern benachteiligt wird. Der „Klassiker“ ist, dass Bayernspieler zu Beginn des Spiels ohne die entsprechend folgenden Schiedsrichtersanktionen häufig härter gefoult werden. Das erste etwas robustere Einsteigen eines Bayernspielers führt dagegen fast immer zur ersten gelben Karte des Spiels.

Im BL-Spiel gegen Leverkusen am 3. Spieltag brachte uns der Spielleiter SR Meyer fast eine Stunde lang „auf die Palme“ – fast jede strittige Entscheidung legte er zugunsten der Werkself aus. Petersgradmesser hatte sich nach einer Stunde Spieldauer schon eine „Würdigung“ der Schiedsrichterleistung bereit gelegt. Dann bekam Bayern noch zwei absolut berechtigte Elfmeter zugesprochen, die sogar auch noch diskutiert worden sind, Bayern gewann nach einer ganz starken Leistung 3:0 … und das Schiedsrichterthema war vergessen…. Ich schildere das jetzt, nicht weil es ein Einzelfall, sondern eher der Normalfall bei Bayernheimspielen ist …

Ich wollte nur einmal hier meine Meinung dazu kundtun – weiß aber, dass es gewissermaßen „FC Bayern (Fan) Schicksal“ ist, dass die Medien dies immer anders, weil spektakulärer sehen wollen!

PS: Wenn man jetzt ganz zynisch ist, dann muss man die aktuellen Attacken und das mediale Mobbing gegen den Schiedsrichter-Assistenten Robert Kempter als „Kollateralschaden“ im Dunstkreis des FC Bayern sehen … findet der sicher nicht lustig. Aber bei der Vorgeschichte seiner Schiedsrichterfamilie gibt auch das glänzende Quoten und Auflagen!

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13 Kommentare zu „„Bayern-Bonus und –Dusel“!!“

  1. PGM auf Facebook nach der 0:1 Niederlage in Dortmund:

    Die Legende vom Bayern-Bonus und Bayern-Dusel!
    Dieses Thema wird immer dann ausgepackt, wenn Bayern vermeintlich in einem Spiel von einem Schiedsrichter bevorteilt wird oder man den – meist hoch verdienten – Siegtreffer spät im Spiel erzielt. (siehe Beitrag vom Sept. 2015)
    Seltsamerweise wird aber nie vom Bayern-Malus oder Bayern-Pech gesprochen.
    Gestern im Signal Iduna Park: Der bereits gelb vorbelastete BVB-IV Marc Bartra stoppt nach einer halben Stunde den durchbrechenden Robert Lewandowski mit einem taktischen Foul – eine Ampelkarte wäre alternativlos gewesen. Aber SR Tobias Stieler gibt diese nicht: Eine gravierende und wohl auch Spiel entscheidende Fehlentscheidung. Wurde da gestern nach dem Spiel darüber diskutiert?
    Zugegeben: Es läuft derzeit nicht so rund bei den erfolgsverwöhnten Bayern. Aber zusätzlich kommt auch noch ziemlich viel Pech dazu. Während die Bayern in den ersten fünf erfolgreichen Bundesligaspielen dieser Saison lediglich einen Pfosten- oder Lattenschuss zu verzeichnen hatten, waren es in der zuletzt für Bayernverhältnisse ungewöhnlich schwachen Phase von 2S – 3U- 1N satte neun(!) Pfosten- bzw. Lattenschüsse in nur sechs Partien. Besonders viel Pech hatte man in den Spielen, in welchen die Punkte liegen blieben ….

  2. Nachdem am gleichen Spieltag, in der darauffolgenden Europapokalwoche und am Spieltag am vergangenen Wochenende jede Menge (nicht wirklich) „witzige“ Fehlentscheidungen getroffen worden sind, u.a. am Samstag gegen Bayern und pro Augsburg, hat der DFB offenbar doch ein Zeichen gesetzt: Für „Fehlentscheidungen pro Bayern“ wirst Du schnell gesperrt … was das wohl für Auswirkungen auf die künftigen Schiedsrichterentscheidungen haben sollte? Bin ich Pessimist, wenn ich sage „im Zweifelsfall GEGEN Bayern“?! Finde ich schwach und bedenklich vom DFB!!

    http://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/nach-witz-elfer-fuer-fc-bayern-schiedsrichter-assistent-robert-kempter-bekommt-denkpause-vom-dfb_id_4963799.html?utm_source=facebook&utm_medium=social&utm_campaign=facebook-focus-online-sport&fbc=facebook-focus-online-sport&ts=201509221108

  3. In der vergangenen Woche – Europapokal und Bundesliga – gab es wieder eine Menge Last Minute Treffer (u.a. sogar per Elfmeter bei Ingolstadts Sieg in Bremen) und falsche (Nicht-) Elfmeter-Entscheidungen!

    Wenig wurde darüber diskutiert, obwohl u.a. Bayern dabei benachteiligt worden ist (klares Foul an Rode im Strafraum beim Spiel in Darmstadt) und Augsburg bevorteiligt (H96 wurde ein klarer Handelfmeter verweigert) …. 😉 😉 😉

  4. Was will man machen..
    generell sind die shiris inmoment underirtisch unterwegs.
    Inmoment bekommt man für alles Elfmeter, glaub diese Fehlenscheidung, war schon die 6 diese Saisong, richtig schlimm hat es den HSV getroffen (gut die haben es verdient) gegen Köln.
    Und Dortmund gegen Hanover, brauch man gar nicht erst von anfangen!

    1. Und am Mittwoch in Piräus wartet wieder ein Spanier auf Bayern … für mich die schlechtesten Schiris von allen …
      Vor denen habe ich nahezu Panik … und sie bestätigen mich IMMER!!!! ))-:

      1. Wie ist das mit den „Gelben“? Fallen die nach der Vorrunde weg?

        Es sind immer zwei, drei Spanische Mannschaften im Viertelfinale. Indem die spanischen Schiris mit Gelben Karten um sich werfen, verschaffen sie „ihren“ Teams einen Vorteil. Und zwar egal, wie gelost wird – entweder die Vorbelastung hemmt die Betroffenen in der nächsten Runde, oder der Spieler wird irgendwann gesperrt. Selbst bei einem „innerspanischen“ Halbfinale hat dann die Mannschaft, die weiterkommt, einen eventuellen Vorteil im Finale (wie war das 2012, wer war da alles gesperrt?).

        Darum ist die CL ja auch so schlecht „planbar“, bzw. es ist eine gewisse „Demut“ angezeigt (da können die anderen BuLi-Clubs nicht mitreden, weil sie immer vorher ausscheiden). Es wäre überfällig, in der CL nur noch Schiris aus „ausgeschiedenen“ Staaten zu benennen.

        1. Die Gelben fallen „natürlich“ nicht weg nach der Vorrunde!!! ))-:

          Über die unverständlichen bis skandalösen Schiedsrichteransetzungen in der CL habe ich mich genug aufgeregt … und es gibt hier ja auch schon einen Artikel (Mai 2014)!

          Die UEFA ist nicht besser als die FIFA – das wird hier deutlich!

  5. Sehe das absolut auch so, dass die Schiedsrichter eher gegen Bayern pfeifen. Z.B. bin ich mir eigentlich sicher, dass Jerome Boateng, wenn er beim BVB, bei Wolfsburg oder gar beim HSV spielen würde, maximal die Hälfte seiner roten Karten bekommen hätte und nicht wirklich jeder Schmarrn mit „Handelfmeter“ bestraft worden wäre.

    Die Entscheidung vom Samstag war trotzdem ein Witz.

    1. Wenn die Entscheidung am Samstag für Dich ein Witz war, wie beurteilst Du dann diese Szene … 😉 http://video.sport1.de/sport/top-videos/video/dreiste-schwalbe-rettet-ajax-remis__0_we5ayn1d

      Ich spiele selbst noch Fußball … und ganz ehrlich: fast jeder Schiedsrichter, vor allem wenn wir Auswärtsspiele etwas weiter weg von München haben, bewirbt sich für die Hauptrolle im Film „Das kleine Arschloch“!! Am Land verpfeifen die Dich ganz bewusst und absichtlich!!

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