Plädoyer für „Robbery“

Rib+Rob

Welcher Bayernfan erinnert sich nicht an die spielentscheidende Situation im Champions League Finale 2013, die den FC Bayern über den deutschen Rivalen aus Dortmund triumphieren ließ: Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit schlägt Jerome Boateng tief aus der eigenen Hälfte einen weiten Ball, welchen Franck Ribéry per Hacke auf „Mr. Wembley“ Arjen Robben weiterleitet. Dieser lässt mit ein paar kurzen Haken die gesamte BVB-Abwehr ins Leere laufen und schiebt den Ball rechts am konsternierten Roman Weidenfeller vorbei und dieser kullert in Zeitlupentempo zum 2:1 für Bayern ins Netz.

Noch heute bin ich mir sicher, dass die Chance des FC Bayern auf ein erneutes Triple im Jahr 2015 sehr groß gewesen wäre, wenn diese kongeniale Flügelzange bis zum Saisonende fit und in guter Form geblieben wäre. Es kam bekanntermaßen leider anders …

Wer hätte am 11. März dieses Jahres daran gedacht, dass wir Bayernfans eventuell zum letzten Mal diese beiden genialen Fußballspieler in Weltklasseform gemeinsam auf dem Platz gesehen haben? So gerne man dieses Szenario zum Teufel jagen möchte – unwahrscheinlich erscheint es leider nicht!

Am 11. März 2015 hat der FC Bayern im Rückspiel des Champions League Achtelfinales gerade Schachtar Donezk mit 7:0 “pulverisiert“. Robben, der bis zu diesem Spiel laut seiner eigenen Aussage „die Saison seines Lebens gespielt“ hatte, wurde früh – man hoffte, es sei bei einer frühen Bayernführung lediglich eine Sicherheitsmaßnahme gewesen – ausgewechselt. Ribéry spielte ca. eine Stunde auf Weltklasseniveau, bis er sich ebenfalls hat auswechseln lassen. Franck Ribéry informierte sehr bald nach seinem verletzungsbedingten Ausscheiden, dass es sich nur um eine „kleine Verletzung“ handle und er war sich sicher, dass er kurzfristig wieder im Bayerntrikot würde auflaufen können. Leider hat sein Name bis heute kein einziges Mal mehr auf einem Spielberichtsbogen gestanden, seine Verletzungsgeschichte ist genauso unglaublich wie mysteriös.

Arjen Robben dagegen feierte schon 2 ½ Wochen später sein Comeback im BL-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach – Toni Jantschkes Foul beendete es leider schon nach sehr kurzer Zeit. Das nächste Comeback – weitere fünf Wochen später – im DFB-Pokal Halbfinale gegen den BVB endete ebenfalls frühzeitig, ebenso wie Arjens Saison 2014/15. Nachdem er zudem auch nicht die Chinareise des FCB im Juli hatte mitmachen können, näherte er sich zuletzt (2. Halbzeit gegen Leverkusen!) wieder seiner Topform, bis er am vergangenen Donnerstag im EM-Qualifikations-Länderspiel Niederlande gegen Island als bis dahin bester Mann auf dem Platz erneut früh im Spiel verletzungsbedingt das Spielfeld verlassen musste! Prognostizierte Wettkampfpause: weitere vier Wochen!

Es ist wirklich ein (Verletzungs-)Drama um diese beiden Ausnahmekönner. Und was mich persönlich dabei am meisten stört, ist die in den sozialen Netzwerken öffentlich zur Schau getragene Häme, aber auch Schadenfreude von zahlreichen sog. „Fußballfans“. Endlich sind diese beiden „Unsympathen“ – der Schauspieler und „fliegende Holländer“ Robben und der „hässliche Verbrecher“ Ribéry – weg! Wenn man glaubt, das allgemeine Niveau könne bei derartigen „Diskussionen“ nicht noch weiter sinken, muss man sich nur bei solchen, wenn es um diese beiden Ausnahmespieler geht, beteiligen!

Dabei geht es um immer wiederkehrende Behauptungen und Gerüchte, sehr gerne – eben auf dem angedeuteten Niveau – von den „Bayernhassern“ verwendet, aber auch gar nicht so selten von den eigenen Fans „mitgetragen“:
Franck Ribéry – seine private Angelegenheit von vor fünf Jahren außen vorgelassen – sei ein aggressiver Spieler, eigentlich müsste er mindestens jedes dritte Spiel vom Platz gestellt werden. Anfang des Jahres, bis kurz vor seiner Verletzungspause, beteiligten sich auch einmal mehr der Medien an dieser „Kampagne“. Themen wie „Ribéry von den BL-Schiedsrichtern geschützt bzw. bevorteilt“ und in direkter Folge dieselben Behauptungen über die gesamte Bayernmannschaft gingen damals – nicht zum ersten Mal – durch die Gazetten.

Dagegen wurde und wird Arjen „der fliegende Holländer“ Robben permanent dafür kritisiert, dass er ständig versuche, mit „Schwalben zu betrügen“ und Elfmeter herauszuschinden. Wenn er einmal wieder keinen – durchaus berechtigten – Elfmeter zugesprochen bekommt, dann sei, so auch die Medien, er einzig und alleine selbst aufgrund seiner auffälligen Theatralik dafür verantwortlich!

Für mich unvergessen bleibt die Kritik an ihm nach Hollands WM-Achtelfinalspiel 2014 gegen Mexico: In der ersten Halbzeit blieb ihm ein klarster Elfmeter versagt – bei dem Foul brach sich der mexikanische Gegenspieler selbst sogar das Bein. In der zweiten Halbzeit versuchte Robben dann tatsächlich sich „per Schwalbe“ einen Foulelfmeter zu erzwingen, den er nicht bekommen hat und wofür er sich in der Folgezeit auch vielmals entschuldigt hat. Und kurz vor Schluss wurde die Partie tatsächlich durch einen an Robben verursachten Foulelfmeter entschieden, welcher vollkommen berechtigt gegeben worden ist.

Fazit nach dem Spiel: Anstelle von zwei berechtigten Elfmetern hat Robben in jenem AF-Spiel nur einen zugesprochen bekommen und war zudem fortan der Kritik für eine Schwalbe ausgesetzt, auf die der Schiedsrichter nicht einmal hereingefallen ist. Auch insgesamt behaupte ich, dass Robben wesentlich mehr berechtigte Elfmeter versagt worden sind, als dass er welche bekommen hätte, die ungerechtfertigt gewesen wären.

Insgesamt hat das kongeniale Duo Robbery eine Unzahl an zum Teil heftigen Fouls und Attacken von Gegenspielern erleiden müssen, die nicht selten auch zu Verletzungspausen geführt haben. Ich muss wohl niemanden, der selbst in einem Fußballteam aktiv gespielt hat oder spielt, erklären, dass jeder Spieler sich dagegen wehren muss – wobei sich jeder, auch seinem Naturell entsprechend, eine andere „Abwehrhaltung“ bzw. Strategie zulegt. Ribéry ist eher der „Kämpfer“, wenn er getreten wird, dann wehrt er sich auch körperlich, schubst oder tritt auch einmal selbst. Häufig wird das aus der Spielsituation heraus als „Nachtreten“ interpretiert und muss dann regelkonform mit Platzverweis sanktioniert werden. Wie bei vielen Regeln im tagtäglichen Leben und im Fußball im Speziellen kann ich selbst hierbei das vorgegebene Regelwerk nicht nachvollziehen: Dir selbst wird in die Knochen, Sehnen und Muskeln getreten, dass es manchmal ein Wunder ist, dass Du (jemals) wieder aufstehen und sogar weiterspielen kannst. Wenn Du Dich aber mit einem kleinen Nachhaken oder Schubser „revanchierst“, bist Du von beiden der „schlimmere Übeltäter“ – der „Knochenbrecher“ wird i.d.R. mit einer Verwarnung „bestraft“, Du selbst mit einem Platzverweis und einer wochenlangen Sperre … für mich ist das durchaus überdenkenswürdig!

Robben dagegen möchte durch seine – von vielen als „übertrieben“ kritisierten – „Flüge“, Sprünge über die Gegenspieler eigentlich den Körperkontakt komplett vermeiden. Das Signal seines eigenen Körpers „Körperkontakt tut weh“ veranlasst ihn, wohl meist völlig unbewusst, zu dieser „Schutzhaltung“. Dass dies bei einem derart dynamischen Spieler häufig sehr spektakulär aussehen muss, sollte eigentlich niemanden allzu sehr verwundern. Mich persönlich wundert es eher immer, wenn sich andere daran stoßen.

Gerade in einer Zeit, in der beide gleichzeitig einmal mehr wochen- und monatelang ausfallen, sollten sich alle Kritiker weniger mit Häme beschäftigen, als – sofern ein rudimentärer Fußballsachverstand vorhanden – mit den Gründen, warum sich die beiden derart verhalten! Argumente und Anregungen sollten ausreichend vorhanden sein. Und diejenigen, die Schadenfreude empfinden, scheiden für den Autor dieses Beitrags sowieso als „Fußballfans“ aus!

PS: Möge ich mich hoffentlich in meiner Befürchtung irren – so dass wir beide in absehbarer Zeit wieder zusammen für den FC Bayern wirbeln sehen können … Und zwar in der Form, dass keiner dem Trainer und den anderen Verantwortlichen des Vereins vorwerfen kann, dass sie Spieler wie Götze, Lewandowski, Müller, Costa und zukünftig vielleicht auch Coman vernachlässigen würden 😉

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4 Kommentare zu „Plädoyer für „Robbery““

  1. Mit jeden Monat der vergeht, zweifel ich leider mehr an, ob Riberie wieder fit wird:(
    Robben wird wiedrum uns wohl noch mindetens 3 Jahre begleiten:)

    1. Bei Franck kann man wirklich nur das Beste HOFFEN!!!
      Aktuell ist es schon eher ein Bangen!
      Und bei Arjen bist Du ja sehr optimistisch! Aber wenn, dann soll er uns nicht so wie in den letzten 6 Monaten begleiten ….

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