„Der FC Bayern braucht keinen Trainer“

guardiola

„Der FC Bayern braucht keinen Trainer!“ – Wie oft musste man, spätestens seit dem Zeitpunkt, als der FC Bayern Ende April 2014 im Champions League Halbfinale gegen Real Madrid gescheitert ist und nicht das 2013er Triple unter Jupp Heynckes wiederholen konnte, dieses unsinnige Statement von Bayernanhängern wie –gegnern hören! Dieses Statement richtet sich natürlich vor allem von erstaunlich großen Teilen der eigenen Anhängerschaft gegen den eigenen Trainer, Pep Guardiola, welcher – für mich ebenfalls sehr verwunderlich – bei nicht wenigen „Bayernfans“ nicht sehr beliebt ist.

Dieses Statement kann man ebenfalls nicht selten in der Version „Bayern würde mit JEDEM Trainer Deutscher Meister werden“ hören. Noch erstaunlicher sind die Aussagen von einigen wohl etwas größenwahnsinnigen „Fans“, die sich offensichtlich sicher sind, dass sie selbst den Rekordmeister „mit diesem Kader“ zum deutschen Titel führen könnten.

Wenn der FC Bayern wie am vergangenen Samstag, und sei es nur im verhältnismäßig unwichtigen DFL Supercup im Elfmeterschießen, ein Spiel verliert, schießen diese „Expertenäußerungen“ wie Pilze aus dem Boden. Denn wenn die Mannschaft verliert, ist dies standardmäßig Schuld des Trainers, weil er z.B. dieses Mal kurz vor Spielende Thomas Müller – wohlgemerkt beim Stand von 1:0 für Bayern – ausgewechselt hat, so dass dieser nicht mehr erfolgreich zum Elfmeterschießen hat antreten können. Anstelle von Müller wäre „Peps spanischer Lieblingsspieler“ Xabi Alonso angetreten und ist – fast schon möchte man sagen „natürlich“ – am gegnerischen Torwart gescheitert. Dass aber neun Tage zuvor beim Elfmeterschießen gegen Guangzhou Evergrande Xabi sehr souverän verwandelt hat und Thomas Müller eher kläglich gescheitert ist, haben diese „Fans“ entweder verdrängt, vergessen oder gar nicht gewusst!

Dagegen ist bei diesen Fans nicht der Trainer dafür verantwortlich, wenn der FC Bayern souverän zur deutschen Meisterschaft marschiert, sondern es ist lediglich dem außerordentlich starken Bayernkader zu verdanken. Denn mit diesem Kader kann – wie gesagt – jeder Trainer Meister (und eigentlich auch Pokalsieger) werden, bzw. man benötigt eben gar keinen Trainer. Offensichtlich benötigt der FCB nur für den Gewinn der Champions League einen Trainer – sollte dieser nicht eintreten, hat der Trainer schlichtweg versagt und kann sich nicht mit dem Triple-Trainer Jupp Heynckes messen!

Ich sage es gleich am Anfang ganz deutlich: wer ein derartiges von kompletter Unkenntnis und Inkompetenz geprägtes Statement absondert, dem unterstelle ich persönlich, dass er schlichtweg gar keine Ahnung von Fußball und Mannschaftssport im Allgemeinen hat. Eine derartige Aussage habe ich persönlich auch noch nie von einem Fußball-Fan gehört, welcher selbst einmal aktiv in einem Verein Fußball (oder eben auch einen anderen Mannschaftssport) gespielt hat.

Denn JEDE Mannschaft benötigt für ein nur passables bis hin zum perfekten Funktionieren einen fähigen und geeigneten Trainer – dies ist völlig unabhängig von der Spielklasse oder dem Alter (Jugend bis Senioren).

Je höher das Niveau des Teams desto größer die Anforderungen an das Profil des Trainers. Der Übungsleiter muss zum einen zwangsläufig eine Respektsperson sein – wenn dies nicht der Fall ist, dann machen die Spieler (mit ihm) im wahrsten Sinne des Wortes, was sie wollen. Und je weniger der Trainer Ahnung von der Materie Fußball hat, umso weniger Respekt genießt er von Anfang an. Spieler haben dafür und die daraufhin folgenden Späßchen und Spielchen ein sehr „feines Gespür“. Ist der Trainer einmal zur Witzfigur degradiert (und das ist auch in der BL nicht so selten passiert), dann gibt es seitens der Klubverantwortlichen nur noch eine Lösung: Notbremse, sprich Entlassung! Wie jeder wissen sollte, sind von dieser Version jedoch die Verantwortlichen und der Trainer des FCB meilenweit entfernt…

Wenn die Autorität eines Trainers fehlt: wer bestimmt, wer in der Startelf stehen wird? Beim FC Bayern sind 20 oder sogar mehr Spitzen- bis Weltklassespieler im Kader – wenn der seltene Fall eintreten sollte, dass (fast) alle fit sind, wer bestimmt, wer spielt? Sollen die Spieler selbst entscheiden? Das würde sogar bei einem Team, bei dem ich wie beim FCB unterstellen würde, dass es sich untereinander sehr gut versteht, zu Unfrieden, Zerstrittenheit, Chaos bis Anarchie führen. Möchte nun irgendjemand, wenn er nur halbwegs nachdenkt, noch einmal behaupten, dass es beim Fußball / beim FC Bayern auch ohne Trainer gehen könnte?

Und JEDER beliebige Trainer kann es definitiv auch nicht, schon gar nicht beim FCB, mag der Kader auch noch so herausragend sein. Ein ungeeigneter Trainer würde nie die richtige Taktik, das richtige Spielsystem für seine Mannschaft finden. Er fällt generell falsche Entscheidungen – all diese Fehler würden gnadenlos zu einem absoluten Autoritätsverlust führen. Und man kann in einem Fußballteam nicht wie in anderen Lebensbereichen die nicht vorhandene „natürliche Autorität“ erzwingen – Misserfolge auf dem Platz wären die zwangsläufige Folge!

Wenn man die zitierten Äußerungen nicht ganz so wörtlich nimmt (wie sie zum großen Teil aber wohl wirklich gemeint sind), dann kann man daraus schließen, dass es auch viele gibt, denen zwar durchaus bewusst ist, dass jedes Team einen (guten) Trainer benötigt, die aber die Fußstapfen des gefeierten Triple-Trainers Heynckes als für Guardiola viel zu groß empfinden.

Aber auch dem möchte ich vehement widersprechen! Mir fällt aktuell niemand ein, der mit mir regelmäßig die Spiele in der Allianz Arena besucht, der nicht der Meinung ist, dass sich die Bayern-Mannschaft unter Pep gegenüber der Triple-Mannschaft noch weiter – vor allem taktisch und von der Variabilität bei den Spielsystemen – entwickelt hat. Wie oft hat die Mannschaft in den letzten beiden Jahren wie aus einem Guss gespielt!

Ein Champions League Sieg oder gar ein Triple lässt sich nicht so einfach wiederholen! Wer es nicht wissen sollte: seit der Einführung der CL im Jahr 1992 gab es noch keine einzige erfolgreiche Titelverteidigung! Und die Wiederholung des sog. Triples ist noch schwieriger – dies gelang bislang keiner einzigen Mannschaft in der europäischen Klubfußballgeschichte! Selbst „nur“ ein Double nach einem Triple stellt schon eine absolute Ausnahme dar. Dies gelang außer Peps Bayern 2014 bislang lediglich Ajax Amsterdam 1972/73 (holländischer Meister und Landesmeistercup) und PSV Eindhoven 1988/89 (holländisches Double). Den Triplesiegern ManUnited (1999), Barcelona (2009) und Inter (2010) gelang jeweils nur ein Titel im darauffolgenden Jahr. Und der CL-Sieger von 2014, Real Madrid, ging übrigens 2015 völlig leer aus, genauso wie sein Nachfolger Barca im Jahr zuvor.

(Fairerweise muss man natürlich sagen, dass in Spanien diese unglaubliche Konkurrenzsituation der Clásico-Rivalen Titelwiederholungen umso schwieriger macht; auf der anderen Seite ist in Spanien aber auch andere nationale Konkurrenz nahezu inexistent).

Ich behaupte jetzt einfach zudem ganz mutig, dass, wenn Jupp Heynckes „seine Jungs“ in der Saison 2013/14 noch einmal trainiert hätte, es zwangsläufig zu einem Leistungseinbruch hätte führen müssen. Jupp wird das sicher nicht gerne hören, aber wenn er hier mitlesen würde, dann würde er zumindest leise dazu nicken 😉

Dass der FCB im Jahr nach einer gewonnenen deutschen Weltmeisterschaft, vor allem wenn viele Bayernspieler wie 1974, 1990 und 2014 in der Weltmeisterelf standen, eigentlich immer eine schwache Saison hingelegt hat (1974/75 sogar äußerst schwach in der BL), ist auch allgemein bekannt. Deswegen ist die dritte Meisterschaft in Folge 2015 durchaus eine beachtliche Leistung. Nach dem WM-Sieg 1954 stieg der FCB sogar, zum einzigen Mal in seiner Klubgeschichte (aus der Oberliga), ab – mit Hans Bauer (2 WM-Einsätze) stellte man aber nur einen Weltmeister – trotzdem interessant …

Nicht nur ich bin mir sicher, dass der FC Bayern in der kommenden Saison unter Pep Guardiola wieder eine (sehr) erfolgreiche Saison mit überwiegend überzeugenden (wenn nicht Weltklasse-)Leistungen spielen wird. Ich teile jedoch die Befürchtung von vielen (sachkundigen) Bayernfans: Durch diese permanente öffentliche Kritik – auch der eigenen Fans – steigt die Gefahr für den FC Bayern, dass der vielleicht beste Bayerntrainer aller Zeiten zum Saisonende 2016 tatsächlich das Handtuch an der Säbener Straße werfen wird. Mich würde das wirklich wütend machen, zunächst auf die mobbenden und „bashenden“ eigenen Fans – aber auch auf die Verantwortlichen im Verein, die es IMHO versäumen, diesen sensationellen Trainer medial adäquat zu schützen!

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11 Kommentare zu „„Der FC Bayern braucht keinen Trainer““

    1. Sehr gerne, Güno!!! 😉

      Ich mache gerade ein bisschen die „Drecksarbeit“, die der FCB medial aktuell nicht bereit ist zu machen … und irgendwann werden die deshalb an der Säbener überrollt ….

      IMHO könnten KHR & Co. wirklich ein bisschen mehr um ihren Trainer kämpfen, wenn er ihnen wirklich so wichtig ist!

      1. Da hast du, sowie in deinem gesamten Beitrag, absolut recht petersgradmesser.
        Ich weiß nicht, wie oft auch ich all jene Fakten, die du oben anführst, schon sprechen lies. Nur leider gibt’s, wie auch du berichtest, nur allzu viele, die einfach nicht hören/lernen wollen.
        Ist beinahe so wie in der Politik bzw. wie bei den Wahlen. Oder wieso würde sonst einer …. wählen?! 😉

        1. Ein bisschen wie Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen! 😉 😉

          Was meinst Du: wenn der Verein selbst diesbezüglich mit all seinen medialen Möglichkeiten etwas aktiver wäre – würden diese Fans dem etwas mehr als „uns Kleinen“ Glauben schenken?

        2. Ich weiß nicht. In Hinblick auf die Medien könnte so ein „Strategie“ auch das genaue Gegenteil bewirken. Aber versuchen sollte man’s allemal!
          Ich hab übrigens gerade, verursacht durch deinen Text, vom sachlichen, moderaten Modus in den Angriffsmodus gewechselt. ;-D

        3. Lass es mich wissen, wie es Dir im „Angriffsmodus“ ergangen ist! 😉

          Und – ja, ich denke, Du hast recht, dass die Medien immer stark bei solchen „konzentrierten Aktionen“ eines Vereins entgegen wirken würden.

          Aber vielleicht hälfe so eine seriöse „Info-Strategie“ seitens des FCB vielen „verwirrten“ eigenen Fans! Sammer meinte vor nicht zu langer Zeit, dass er stolz auf die Bayernfans sei, weil die „kritischer als andere“ seien … Aber jetzt scheint genau das den Bayern selbst über den Kopf zu wachsen!

        4. „Aber vielleicht hälfe so eine seriöse “Info-Strategie” seitens des FCB vielen “verwirrten” eigenen Fans!“
          Da bin ich mir sicher, dass es diesbezüglich helfen würde, wenn die Vereinsspitze konsequenter und entschlossener auftreten würde.
          Und zum Thema „kritische“ Bayernfans… Wir sind kritische Bayernfans. Diejenigen, welche nur am Nörgeln sind, sind doch in Wahrheit keine Bayernfans. 😉

        5. „Da bin ich mir sicher, dass es diesbezüglich helfen würde, wenn die Vereinsspitze konsequenter und entschlossener auftreten würde…“

          Spielst Du selbst diesbezüglich auf etwas Konkretes an, oder meinst Du das allgemein?

          Und … zumindest im Internet hat man oft das Gefühl, dass die „Nörgler“ (nörgelnden „Fans“ 😉 ) in der Mehrheit sind … Der Eindruck kann natürlich auch trügen, weil diese „Spezies“ besonders laut rüberkommt … 😉 😉

        6. Ich meinte das allgemein in Bezug auf die, so wie du sie bezeichnest, „verwirrten“ Fans. 😉

        7. Ja, Günter, manchmal sind die Äußerungen der “Vereinsspitze” (und damit meine ich aber auch genau die – nämlich KHR! 😉 ) etwas “kryptisch” ….
          Aber eigentlich gibt es doch auch eine – hoffentlich fitte – Medienabteilung, die das korrigieren könnte und sollte – oder? 😉

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