„Erfolgreiche Bundesligasaison“

220px-Bundesliga-Logo-2010-SVG.svg

Eigentlich sollte man denken, dass man eine erfolgreiche Saison gespielt hat, wenn man in einer der Top-Fußballligen der Welt am Ende mit zehn Punkten Vorsprung auf einen gewiss nicht schlechten Vize aus Wolfsburg deutscher Meister geworden ist. Nachdem der deutsche Meister 2015 jedoch FC Bayern München lautet, wird die Saison 2015 in großen Teilen der Öffentlichkeit jedoch nicht wirklich überraschend anders bewertet.

Wenn ich die Meinungen der Verantwortlichen des Vereins, der Spieler und der – aus meiner Sicht – sachkundigen Fans zusammenfassen würde, dann würde ich als Saisonbewertung wohl eine ZWEI PLUS geben und mich dieser selbst auch anschließen.

Dagegen hat am Sonntagvormittag beim Sport1-Doppelpass ein gewisser Claus Strunz, dessen ansonsten kluge Ansichten ich durchaus sehr schätze, dem Verein für die abgelaufene Saison – darin allerdings wenn auch „überproportional“ enthalten das Ausscheiden in den beiden Halbfinals – lediglich ein AUSREICHEND, sprich eine glatte VIER gegeben. Dabei ist er wohl weit über das Ziel hinaus geschossen! Wenn man sich aber die Meinungen in einer Vielzahl an Artikeln in den letzten Wochen – speziell nach dem Ausscheiden gegen Barcelona im CL-Halbfinale – anschaut, steht er in der öffentlichen Meinung damit bei Weitem nicht alleine da.

Der FC Bayern hat am letzten BL-Spieltag – wenn auch wirklich „auf dem Zahnfleisch daherkommend“ – trotzdem letztendlich souverän mit 2:0 gegen Mainz 05 gewonnen. Der FC Augsburg gewann überraschend mit 3:1 im Gladbacher Borussenpark und der BVB standesgemäß mit 3:2 gegen Werder Bremen. Augsburg schloss die Saison von der Platzierung her sensationell auf dem 5. Platz ab, der BVB wurde, nachdem man am 19. Spieltag (nach der 0:1-Heimniederlage gegen den FCA) noch Tabellenletzter gewesen war, immerhin noch Siebter, was für die Europa League Qualifikationsrunden gerade noch ausreichte.

In den Sportmedien wurde aber weniger der souveräne deutsche Meister und seine Saisonleistung – wenn überhaupt – gewürdigt, sondern die Europa League Qualifikationen der Augsburger und Dortmunder. Zunächst einmal durchaus verständlich, wenn man bedenkt, dass der FC Augsburg – ein Verein mit einem vergleichsweise geringen Etat – die beste Platzierung seiner noch jungen BL-Geschichte und damit die direkte Qualifikation für Europa erreicht hat. Dies gilt auch, wenn man die „Aufwärtsrallye“ von Borussia Dortmund in den letzten 15 Spieltagen vom 18. auf den 7. Platz konstatiert.

Wenn Petersgradmesser so „ausholt“, dann kommt folgend natürlich ein ABER:
Denn eigentlich während der gesamten Saison bemerkten all die Medien, die nun die Augsburger und Dortmunder für ihre finalen Platzierungen loben, zurecht, dass es sich beim Rennen um die Plätze in der Europa League um ein wahres „Schneckenrennen“ handelt. Zur Erinnerung: Augsburg wurde mit gerade einmal 49 Punkten Tabellenfünfter, Schalke 04 mit 48 Punkten Sechster, der BVB mit 46 Punkten Siebter!

Zum Vergleich: 2013/14 wurde Wolfsburg mit 60 Punkten Fünfter, dahinter folgten Mönchengladbach mit 55 und Mainz 05 mit 53 Punkten! In der Saison 2008/09 wurden die Plätze 5 bis 7 vom HSV 61 Punkte – BVB 59 – TSG Hoffenheim 55 – belegt. Und obwohl Dortmund und Hoffenheim Toppunktewerte im BL-Jahresvergleich erzielt hatten, haben sich beide nicht für europäische Wettbewerbe qualifiziert: Die BL hatte im Vergleich zu 2014/15 einen Europapokalplatz weniger und der Tabellen-Zehnte Bremen qualifizierte sich als Pokalsieger für den UEFA-Pokal.

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und die Tabellen aus 52 Jahren Bundesliga verglichen: tatsächlich gab es in der gesamten BL-Geschichte noch nie ein Trio auf den Plätzen 5 bis 7 mit insgesamt derart wenigen Punkten. Augsburg ist mit 49 Punkten der punktemäßig schlechteste Tabellenfünfte der BL-Geschichte. Nur zwei Tabellensiebte in der BL-Geschichte hatten weniger Punkte als Dortmund nach der abgelaufenen Saison: 2006/07 der HSV mit 45 Punkten und 1989/90 Werder Bremen mit gar nur 44 Punkten. Jedoch sicherte sich der HSV 2007 damit lediglich die Teilnahme am UI-Cup, während 1990 Werder sich gar nicht international qualifizierte!

Dass die Punkte-Leistungen von Augsburg und Dortmund eigentlich keine waren, die normalerweise zu Platzierungen „knapp unterhalb der Spitzenplätze“ reichen sollten, zeigt noch deutlicher, wenn man die alte Zwei-Punkte-Zählweise als Maßstab heranzieht: Augsburg hätte mit 34:34 Punkten lediglich ein ausgeglichenes Punktekonto vorzuweisen, Dortmund mit 33:35 sogar ein negatives!

So sehr ich dem kleinen Nachbarn aus Augsburg den Tabellenplatz und die direkte Qualifikation für die Europa League vergönne, welche in der Fuggerstadt wie eine deutsche Meisterschaft gefeiert worden ist, muss ich diese „sensationelle Leistung“ selbst aus Augsburger Perspektive doch etwas relativieren: In der Vorsaison (2013/14) ist Augsburg zwar „nur“ Achter in der BL-Abschlusstabelle gewesen, hat aber – und jetzt kommt es – mit 52(!) Punkten am Schluss sogar drei Punkte mehr als dieses Jahr vorzuweisen gehabt!

Tja – und was soll man noch zum „super Saisonabschluss“ des BVB sagen? Wer wirklich gedacht hat, dass der vor der abgelaufenen Saison selbst ernannte Bayernjäger Nr. 1 wirklich in Abstiegsgefahr geraten könnte, musste – angesichts des starken Kaders – entweder ein extrem pessimistischer Fan dieses Vereins sein, oder ein Fußballinteressierter, der für diesen Verein rein gar keine Sympathien empfindet! 😉

Mit seinen am Ende gerade einmal 46 Punkten war der BVB übrigens punktemäßig genauso weit vom CL-Qualifikationsplatz (Leverkusen 61 Punkte) entfernt wie vom Tabellenletzten Paderborn (31 Punkte). Die sehr optimistischen unter den BVB-Fans dachten in der Winterpause noch, dass ein CL-Platz möglich wäre … Die direkte Qualifikation für die CL (Mönchengladbach 66 Punkte) war für Dortmund übrigens um acht (!) Punkte entfernter als der direkte Abstieg (Freiburg 34 Punkte).

Ich weiß, dass sehr viele mit – von Petersgradmesser geliebten 😉 – Zahlenspielen nicht so viel anfangen können, aber gerade am Beispiel der vergangenen BL-Saison mit seinen gefühlten Siegern und Verlierern finde ich sie auf alle Fälle alles andere als uninteressant.

Letztendlich sind aber Erfolg und Misserfolg nicht immer nur auf objektiven Zahlen und dabei vor allem auf Platzierungen basierend, sondern auch gefühlte (Miss)Erfolge. Wie soll man es sonst deuten, dass der Erzrivale von Borussia Dortmund, Schalke 04, nach einer gefühlten Ewigkeit (5 Jahre) einmal wieder in der Tabelle vorne weg ist, und es trotzdem im Verein drunter und drüber geht, als wäre man in die 2. Bundesliga abgestiegen. Hier zählen natürlich die letzten (katastrophalen) Eindrücke, die die Mannschaft hinterlassen hat, mehr als die lange passablen – beim Rivalen aus „Lüdenscheid Nord“ 😉 war es genau andersherum.

Aus Dortmunder Sicht kann man natürlich am nächsten Samstag mit einem Pokalsieg gegen Wolfsburg aus einer „guten noch eine hervorragende Saison“ machen – Sebastian Kehl hat sich zuletzt sinngemäß so geäußert. Für den etwas kritischeren Beobachter würde dann eher aus einer „schwachen eine passable Saison“ ….

Alles ist relativ, nicht nur der Erfolg …. 😉

Advertisements

7 Kommentare zu „„Erfolgreiche Bundesligasaison““

  1. Sehe ich ähnlich, es war nicht unbedingt nur eine gute Saisong von uns, sondern teilweiße echt eine sehr schlechte der anderen.
    Es ist teilweiße erschrecket, wie nah die Internationalen plätze Punkte mäßig an den absteigern waren.
    So viele Punkte hat der BVB für seine Aufholjagd nicht gebraucht.
    Anders hat der HSV trotz misserablen Leistungen noch die Relegation erreichen können.
    Besonders Freiburg tut mir leid, da sie eben trotz Kampf, mit sehr viel Pech hinter den HSV gelandet sind ( immer durch Last Minute Treffer verloren haben).
    Die Liga ist inmoment nicht die stärkste ( wie unsere Medien immer Schwärmen )
    Sondern verleuft sich in Mittelmaß, wenn wirklich nur noch Wolfsburg und Gladbach wirklich mithalten können.

    1. Insgesamt muss man sich sicher keine Sorgen um die BL machen. Man gehört zu den weltweit drei besten Ligen!!!!

      In den europäischen Wettbewerben ist natürlich die Primera División klar vorne … Die ersten 6~8 Teams in Spanien sind durchschnittlich einfach (zur Zeit sogar klar!?) besser als in der BL. ABER (typisch Petersgradmesser 😉 ): Die Bundesliga ist ab spätestens Platz 9 wesentlich besser als die spanische Liga. Vor dem Hinspiel in Barcelona habe ich auf Livestream Córdoba gegen Barca gesehen … ganz ehrlich: so eine schwache Mannschaft wie Córdoba gab es 52 Jahren BL-Geschichte noch nicht. Mit der Anfang Mai gezeigten Leistung würde Córdoba nicht einmal in der 2. BL bestehen können! (Gut, sie sind als Tabellenletzter abgestiegen)

      Die Serie A kann ich nicht so ganz einschätzen: Der Vizemeister AS Rom ist nach der 1:7 Heimklatsche gegen Bayern zum Rückspiel nach München wie das Kaninchen vor der Schlange angetreten. Juve dagegen steht im CL-Finale – und auch in der Europa League haben die Mannschaften mehr als die Bundesligisten überzeugt ….

      Fazit: Die BL ist wohl weder die weltbeste Liga (naja, vlt. doch wenn man sie insgesamt bis Platz 18 betrachtet – dann aber eher in Konkurrenz zur Premier League), aber auch alles andere als „Mittelmaß“ …. Nicht nur die Medien, sondern offensichtlich auch die Fans kennen nur „Hopp“ oder „Top“ 😉 😉

  2. Hab grad einen interessanten Beitrag auf Spiegel Online gelesen. Da heißt es, dass mit Ausnahme von Bayern und Gladbach alle anderen Bundesligisten „Gegenpressing mit langen Bällen“ spielen. Also, größten Wert auf die Balleroberung legen, aber nicht fähig sind, spielerisch ein Tor zu machen (sondern nur „im Überraschungsmoment“, wenn nach der eigenen Balleroberung die Defensive des Gegners noch durcheinander ist).

    Dadurch nähern sich die Mannschaften einander an, und es hängt auch ein bisschen vom Zufall ab, ob man das Spiel am Ende gewinnt.

    Ohne jetzt die Erfolge von Augsburg und Wolfsburg schmälern zu wollen (oder die Katastrophe von S04 zu beschönigen, grins ..): Wenn das so stimmt, ist die diesjährige Abschlusstabelle nur eine Momentaufnahme. Und nächstes Jahr kann es schon ganz anders ausschauen.

    Nur Bayern – und eventuell die „andere Borussia“, aus M’gladbach – haben spielerisch einen Plan, so dass sie, wenn es normal läuft, 70, 80% ihrer Spiele gewinnen. Vielleicht ist das auch ein Grund für die Bayerndominanz, die sich auch die nächsten Jahre nicht ändern wird.

    1. Du meinst diesen – wirklich interessanten – Beitrag: http://www.spiegel.de/sport/fussball/taktik-in-der-bundesliga-der-lange-ball-als-symbol-der-saison-a-1035500.html

      Das ist die Seite für „wirkliche Taktikfüchse“ – siehe auch zuletzt den Beitrag, warum Guardiola Götze im Rückspiel gegen Barcelona nicht zu Beginn und dann auch noch zuerst Rode gebracht hat ….

      Ich denke, Deine Schlussfolgerungen sind etwas zu …äh …. simple …. Das ist schon komplexer 😉

      Das ist die Spielweise von Pep Guardiola, Heynckes Triple-Bayern haben auch etwas anders gespielt … und jede der internationalen Topmannschaften spielt etwas anders … es gibt kein „Super-Erfolgskonzept“!!

      Natürlich ist die diesjährige Abschlusstabelle eine „Momentaufnahme“ – das ist sie aber jedes Jahr!!

      Auf Dauer sehe ich aber den VfL Wolfsburg mit seinen (finanziellen) Möglichkeiten auf alle Fälle vor M´gladbach. Der Aderlass bei der ehemaligen Fohlenmannschaft hat ja schon begonnen: Christoph Kramer zurück nach Leverkusen, Max Kruse nach Wolfsburg. Zudem interessant, dass aber auch Gladbach mit den „ganz Kleinen“ (Bielefeld im Pokal-VF) Probleme bekommen hat, selbst Druck aufzubauen … Die Gladbacher spielen zwar Gegenpressing und spielen anschließend die sich ergebenden Kontersituationen mit pfeilschnellen Kontern aus (und nicht mit langen Bällen), aber selbst Druck aufbauen liegt ihnen auch nicht … und in 2015/16 werden sie noch mehr dechiffriert sein …. BVB-Schicksal 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s