Internationalisierungsstrategie FC Bayern – Vorteile für die Bayernfans

CD Guadalajara v FC Bayern Muenchen -  Friendly Match

In der turbulenten Phase des FC Bayern nach der Champions League Hinspiel Niederlage in Porto (1:3) und dem freiwilligen und medienträchtigen Ausscheiden der medizinischen „Bayernikone“ Hans Wilhelm „Mull“ Müller-Wohlfahrt präsentierte der Focus-Online-Fußballexperte Daniel Martinez am Nachmittag des Rückspiels gegen Porto einen geradezu abenteuerlichen und folglich viel diskutierten Beitrag:
http://www.focus.de/sport/experten/martinez/fc-bayern-in-champions-league-rummenigge-nutzt-guardiola-um-mit-bayerns-traditionen-zu-brechen_id_4626035.html


Nachdem vorher vor allem das „Guardiola-Bashing“ im Internet nie dagewesene – traurige – Höhen erreicht hatte, und dies sowohl von Leuten, die sich den FC Bayern am liebsten auf den Mond wünschten, aber auch von großen Mengen der eigenen Fans, rückte Martinez den FCB-Vorstandsvorsitzenden in den Wut-Focus der eigenen Fans.

Kurz zusammengefasst behauptete Martinez, dass Rummenigge sich vor allem deswegen auf die Seite von Pep Guardiola gegen Müller-Wohlfahrt gestellt hätte, weil der international renommierte Coach ein sehr wichtiges Puzzlestück in seinem eigenen Machtstreben wäre. Guardiola ist laut Martinez nur ein Mittel zum Zwecke des Umkrempelns des Vereins in Rummenigges Sinne zu einem „internationalen Fußballkonzern“, um in Hoeneß´ Abwesenheit eine eigene Ära zu prägen! (laut meinen eigenen Informationen ist Hoeneß jedoch seit Anfang Januar wieder an der Säbener Straße aktiv und es ist nahezu unvorstellbar, dass er selbst nicht in wichtige Entscheidungen mit einbezogen wird oder zumindest um Rat gefragt wird).

Einige Behauptungen von Martinez sind wirklich höchst abenteuerlich, wie „Der Streit zwischen Coach und Doc hat Rummenigge eine optimale Vorlage gegeben, um ein weiteres Stück urbayrischer Tradition aus dem Club zu verbannen und den Bruch mit den alten Zeiten zu beschleunigen…!“ Wenn dem tatsächlich so wäre, dann hätte Rummenigge als Vorstandsvorsitzender die Traditionen des eigenen Vereins, in dem er mit einer kurzen Unterbrechung seit über vier Jahrzehnten zunächst als Spieler, dann in unterschiedlichen Funktionärstätigkeiten angestellt ist, nicht verstanden. Was für ihn selbst in kürzester Zeit verhängnisvoll sein könnte. Persönlich gehe ich jedoch vielmehr davon aus, dass der Spanier Daniel Martinez als „Nicht-Insider“ des Vereins einigen Missverständnissen unterliegt – oder nicht einmal das: er selbst möchte nur maximale mediale Aufmerksamkeit erzeugen!

Martinez führt weiter aus: „Mit ihm (eig. Anm. Rummenigge) begibt sich der FC Bayern auf einen globalen Weg, auf welchem mehr Kunden als Fans anzutreffen sind….Das ist ein Unterschied zu den Zeiten unter Hoeneß. Der Ex-Präsident hatte zwar auch stets die optimale Vermarktung des Vereins im Blick. Aber eben auch dessen Kultur, Tradition und die emotionale Bindung zwischen Zuschauern und Verein….“

Eine logische Erklärung, warum das Unterstützen des für viele weltbesten Fußballtrainers für Rummenigge Vorteile bei seiner internationalen Zielausrichtung bringen sollte, bringt Martinez IMHO nicht. Nachdem Müller-Wohlfahrt eine international bekannte medizinische Koryphäe ist, wäre ein entsprechendes Handeln von Rummenigge unter diesem Aspekt zudem eher kontraproduktiv!

Martinez hat mit dem Online-Beitrag aber auf alle Fälle noch kurz vor dem grandiosen 6:1 Rückspiel-Erfolg der Bayern gegen Porto einen „Hammer“ hinausgelassen. Die Kommentare der zum großen Teil völlig uninformierten Leser dieses Artikels können nur mit „Rummenigge-Bashing“ – und dies auf niedrigstem Niveau – bezeichnet werden. Bedauerlicherweise befanden sich darunter wieder sehr viele FC Bayern Sympathisanten….

Nachdem es Herrn Martinez selbst wohl weniger um eine saubere Aufarbeitung eines komplexeren Sachinhalts, der eher ein Wirtschaftsthema als ein klassisches Fußballthema darstellt, geht, möchte ich selbst versuchen zur Aufklärung beizutragen, da mich dieses Thema selbst seit einiger Zeit beschäftigt.

Anfang Mai 2013 konnte man in den Sportgazetten folgende Mitteilung zum FC Bayern vernehmen: „Neben Karl-Heinz Rummenigge (Vorsitzender), Jan-Christian Dreesen (Finanzen), Matthias Sammer (Sport) und Andreas Jung (Marketing) wird künftig auch Jörg Wacker dem Gremium angehören. Ab 1. Juli wird der derzeitige Direktor beim Wettanbieter bwin Deutschland zusammen mit Jung für die Abteilung „Internationalisierung und Strategie“ im Marketing tätig sein.“ Wie angekündigt wurde Jörg Wacker am 1. Juli 2013 Vorstand für Internationalisierung und Strategie der FC Bayern München AG.

Schon an dieser Stelle möchte ich auf die Behauptung von Martinez eingehen, dass Rummenigge in Hoeneß´ Abwesenheit eine neue internationale FC Bayern-Ära in seinem eigenen Sinne einleiten möchte. Zum einen hat Rummenigge immer wieder glaubhaft betont, dass er und „Uli“ wirklich gute Freunde sind, zum anderen wurde die Schaffung des fünften Vorstandspostens – dem für Internationalisierung und Strategie – in einem Zeitraum bestimmt, in dem Uli Hoeneß noch voll in Amt und Würden für den FC Bayern tätig war.

Ich persönlich kann mich auch noch an den letzten großen öffentlichen Auftritt von Uli Hoeneß am 2. Mai 2014 bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern München e.V. erinnern. Hoeneß saß an jenem Freitagabend im Audi Dome auf einem Sitz in der ersten Reihe zwischen Edmund Stoiber und Jörg Wacker! Es war ein sehr schwerer Abend für Uli Hoeneß und an so einem Abend sitzt niemand zwischen Leuten, die das eigene Lebenswerk umkrempeln und bedrohen wollen, sondern sicherlich zwischen Vertrauenspersonen. Übrigens war auch Dieter Hoeneß in der Halle.

Als internationaler Top-Club muss der FC Bayern, genauso wie dies all seine großen internationalen Konkurrenten schon länger tun, ein größeres Augenmerk auf eine Internationalisierungsstrategie legen. Konkreter heißt dies im Falle des FC Bayern, dass man sich in einem ersten Schritt verstärkt auf den nordamerikanischen Markt konzentriert, wofür am 1. April 2014 bereits ein Büro in New York vom FCB-Direktor Rudi Vidal eröffnet worden ist. Wer die Medien in dieser Hinsicht aufmerksam verfolgt, erfährt, dass es seitdem immer wieder neue Kooperationen zwischen dem FC Bayern und amerikanischen Partnern gibt, vor Kurzem z.B. mit der US-Plattform MSN.

Ein weiteres Auslandsbüro in China soll folgen. Zuvor bestreitet der FC Bayern aber noch in der Vorbereitungsphase auf die neue Saison drei Spiele im Juli 2015 in den chinesischen Fußballmetropolen Beijing, Shanghai und Guangzhou.

Wer in der heutigen Fußballwelt zu den Top-Vereinen weltweit zählen möchte, der MUSS zwangsläufig und alternativlos diesen Weg bestreiten. Dies hat auch keineswegs etwas mit „Traditionen brechen“ zu tun, wie einen Daniel Martinez glauben lassen möchte. Gerade er als Spanier müsste es sogar viel besser wissen, gehen doch neben den englischen und italienischen Top-Clubs gerade die spanischen Spitzenvereine diesen Weg schon seit längerer Zeit.

Es handelt sich dabei um einen sehr wichtigen zweiten Markt neben dem traditionellen heimischen Markt. Die „Kunden“, um die es sich dabei handelt, werden auch als „Fans ohne Grenzen“ bezeichnet. Diese Fans können häufig wirklich mit dem in unserer Fußball-Republik verpönten Ausdruck „Erfolgsfans“ bezeichnet werden. Sie haben meist (aber nicht zwingend) einen nationalen Club, mit dem sie sympathisieren, aber – sehr erfolgsabhängig – unterstützen sie auch einen zweiten internationalen Top-Verein. Die Ausgaben für Fanartikel „ihrer zweiten Liebe“ sind nicht unerheblich.

Hierzu eine kleine Story zum Schmunzeln: seit einiger Zeit korrespondiere ich sehr regelmäßig mit einem chinesischen Fußballfan aus der Region Guangdong. Er hat mir berichtet, wie sehr sich die chinesischen Fußballfans auf den Besuch des FC Bayern im Juli freuen. Natürlich stehen die drei geplanten Spiele im Mittelpunkt. Er meinte dazu, dass diese drei Spielorte „perfekt ausgewählt“ worden wären für eine optimale Marketingtour des FCB. Gleichzeitig bekundete er aber eine große Sorge, dass der gesamte Werbeeffekt sich ins Gegenteil verwandeln könnte, wenn die Mannschaft – „geschwächt durch die Reisen“ – ein oder gar zwei Spiele verlieren würde. Die Begeisterung der „Fans ohne Grenzen“ könnte folglich sehr schnell schwinden. Auf große Loyalität sollte man nicht unbedingt hoffen – selbst unbedeutende Freundschaftsspiele in der Vorbereitungsphase könnten offenbar verhängnisvolle Konsequenzen haben.

Eine perfekte Strategie für derart große und bedeutende Märkte muss auch für den FC Bayern eine große Bedeutung haben. Dass dies hierzulande viele Fans und Anhänger nicht verstehen können und wollen, ist aufgrund der verankerten Fußballtradition und –kultur nachvollziehbar, kann aber für den Verein kein Hindernis darstellen.

Denn nur auf diese Weise kann auf Dauer eine so großartige Mannschaft auf das Spielfeld geschickt werden. Gerade die jüngeren Generationen an Bayernfans können gar nicht richtig (ein)schätzen, was dies für eine Leistung des Vereins ist und welches Privileg dies für die Zuschauer im Stadion ist!

Die Mehreinnahmen aus der Internationalisierung bzw. der Auslandsvermarktung des FC Bayern garantieren aber nicht nur, dass der FC Bayern wohl auf lange Sicht eine sehr wettbewerbsfähige Mannschaft aufstellen kann, sondern machen es wohl auch möglich, dass man dies als Münchner Stadionbesucher zu vernünftigen Preisen miterleben kann.

Wenn ich mich mit Freunden aus Spanien oder England über die Stadionticketpreise unterhalte, dann gehen deren Mundwinkel in der Regel sehr weit nach unten. In England sind die Preise wohl längst durch die Decke geschossen und aus Spanien habe ich vernommen, dass selbst ein Ticket beim CF Getafe wesentlich teurer als ein Bayernticket für die AA ist. Ein Freund von mir, welcher Atlético-Fan ist, kann kaum ins Stadion gehen und dies nicht, weil das Stadion ausverkauft wäre, es sind die Ticketpreise – mit Tickets für ein Bayernheimspiel konnte ich ihn dementsprechend sehr glücklich machen! 😉

Also, liebe Bayernfans, ich hoffe, Euch ausreichend Argumente geliefert zu haben, warum Ihr die „Erfolgsfans fern der Heimat“ schätzen solltet und für das entsprechende Vorgehen des Vereins Verständnis haben solltet!
Und: ich persönlich bin mir ziemlich sicher, dass auch Uli Hoeneß seinen Segen zu dieser Internationalisierungsstrategie gegeben hat! 😉

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2 Kommentare zu „Internationalisierungsstrategie FC Bayern – Vorteile für die Bayernfans“

  1. Ein großes Problem was wir haben, sind die Sorte fans, die rumgehen und wahllos andere Vereine Beleidigen ( also die wahren Erfolgsfans)
    Letztes erst wieder, nach den knappen Spiel gegen Hertha bemerkt ( wo ich wie immer für ein faires Spiel gedankt habe.) was für Itioden sich teilweiße anmaßen sich Bayern fan zu nennen!^^
    Wobei man betonen muss, das der großteil der Hertharaner faire verlierer waren.
    Naja lustig auch die Bayernhasser, die dann Hartha beleidigt haben, da sie nicht Unendschieden gespielt haben.
    Wenn das alles(mit den medien) zusammenspielt, ist es leider kein Wunder, wenn dann Leute davon überzeugt sind, dass wir Bayern Fans das Urböse sind. 😦

    1. Wenn man in Fußballforen unterwegs ist, dann ist es in der Tat erschreckend, auf welch niedrigem Niveau gepöbelt wird. Ob darunter auch „Erfolgsfans“ sind, mag ich nicht zu beurteilen. Für mich sind dies viel eher fanatische (im negativen Sinne) bzw. fanatisierte Anhänger, die zum großen Teil aber sehr wenig Ahnung von der Materie haben.
      Der größte Anteil dieser pöbelnden „Fans“ kommt aktuell vom heutigen Pokal-HF-Gegner. Aber natürlich keilen auch viele Bayernfans auf ähnlichem Niveau zurück …. das alles ist aber eher ein gesellschaftliches Problem.
      Die „Erfolgsfans“, von welchen ich spreche, sind andere … siehe Artikel!

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