„Wahre Liebe“ von Bayernfans

Oly

Als ich im Mai 1963 in München geboren wurde und der FC Bayern im Bundesligagründungsjahr leider nicht für die höchste deutsche Fußballspielklasse qualifiziert war, war eine „gemeinsame Erfolgsstory“ vom FC Bayern und mir, vor allem wenn man bedenkt, dass ich meine ersten fünfeinhalb Lebensjahre als „Giesinger Bub“ verbracht habe, noch nicht so wahrscheinlich. Die Erfolge der jungen Bayerntruppe um Beckenbauer, Maier und Müller in den 1960er Jahren habe ich nicht bewusst mitbekommen, auch wenn ich aus einer FC Bayern- Fanfamilie stamme.

Aber – animiert durch die Fußball WM 1970 in Mexico – ab der Saison 1970/71 habe ich den Spitzenfußball im Allgemeinen und jedes Spiel meines FC Bayern im Speziellen immer mehr in mir „aufgesaugt“. Ab dem August 1970 saß ich gefühlt an jedem Samstagnachmittag zusammen mit meinem Vater vor dem Radio und wir fieberten gemeinsam bei der legendären Bayern 1 Kultsendung „Heute im Stadion“ mit dem FC Bayern mit. Die Leidenschaft war schon damals – ohne Sky, Liveticker, Videotextinfo – riesengroß! Nur die zwei bis drei BL-Topspiele wurden in der Sportschau von ca. 18:00 bis 18:30 in Ausschnitten gezeigt. Bei (internationalen) Abendspielen fieberte ich schon dem Morgen entgegen, um so früh wie nur möglich aus der Zeitung die Spielresultate zu erfahren.

Und am 29. Mai 1971 war es soweit! Zusammen u.a. mit meinem Vater durfte ich das erste Mal ein Spiel meiner Bayern live im Grünwalder Stadion erleben. Der Gegner hieß Eintracht Braunschweig. Ich erinnere mich noch sehr gut – es war der vorletzte Spieltag der Saison und der damalige große Konkurrent Borussia Mönchengladbach war vor dem Spieltag punktgleich nur knapp aufgrund des Torverhältnisses in der Tabelle vor dem FC Bayern. Wir kamen etwas zu spät zum Spiel, genau in dem Moment, als Beckenbauer in der 4. Minute das 1:0 für Bayern erzielte. Für mich war es ein großartiges Erlebnis, auf einem Küchenschemel(!) an meinen Vater gelehnt bejubelte ich das 4:1 der Bayern, die nun ihrerseits aufgrund des besseren Torverhältnisses in der Tabellen an den Borussen vorbei zogen.

Eine Woche später verlor der FC Bayern 0:2 beim MSV Duisburg und damit das Meisterschaftsrennen gegen Gladbach. Es war eigentlich ein herrlicher Frühsommertag, wir verbrachten den Fußballnachmittag an einem Badesee, vor einem tragbaren Radio fieberten wir bei der Meisterschaftsentscheidung mit – die Leute ringsherum taten in meiner Erinnerung dasselbe. Für mich war das die erste große Fußballenttäuschung meines Lebens und gefühlt ein verregneter kalter Novembertag.

Die nächsten Jahre als Bayernfan waren jedoch ein einziger Genuss. Schon drei Wochen nach dieser Enttäuschung gewannen die Bayern 2:1 n.V. gegen den 1. FC Köln. Bayern spielte ab Mitte der 2. Halbzeit aufgrund eines Platzverweises in Unterzahl und ich denke, das war das erste FCB-Livespiel, das ich selbst bewusst im (Schwarzweiß)Fernsehen erleben durfte. In den Sommerferien 1971 war ich mit meinem Vater und Freunden das erste Mal bei einem Lokalderby im Stadion: Nach 0:1 Rückstand besiegten die Bayern die „Sechzger“ mit 7:1. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei ein junger Spieler namens Uli Hoeneß, der direkt vor meinen Augen die Außenlinie entlang gestürmt ist und zwei Tore erzielt hat. In den nächsten drei Jahren (1972-1974) wurde Bayern jeweils Deutscher Meister und ich besuchte zusammen mit meinem Vater und manchmal auch Großvater die ersten Bayernheimspiele im Olympiastadion.

Der nächste ganz große Höhepunkt meiner noch jungen Karriere als FC Bayernfan war das Endspiel im Europapokal der Landesmeister im Mai 1974 im Brüsseler Heyselstadion. Der FC Bayern hatte sich das erste Mal in seiner Vereinsgeschichte für das Finale des wichtigsten europäischen Vereinswettbewerbs qualifiziert und obwohl nur ein einziges Spiel bis zum Halbfinalrückspiel gegen Ujpest Dosza Budapest (3:0 im Olympiastadion) live im Fernsehen gezeigt worden ist, kann ich mich noch heute an jedes Spiel des Wettbewerbs – meist vor dem Radio sitzend – lebhaft erinnern: 3:1 / 1:3n.V. mit anschließendem Sieg im Elfmeterschießen in der 1. Runde gegen den schwedischen Meister Atvidaberg FF. Bayern holte in der anschließenden Winterpause dessen besten Mann Conny Torstensson, der entgegen der heutigen UEFA-Statuten sogar noch für diesen Wettbewerb spielberechtigt gewesen ist. Es folgte in der 2. Runde ein 4:3 nach zweimaligem Rückstand gegen Dynamo Dresden im Heimspiel. Das Rückspiel in Dresden wurde dann – es war ein Prestigeduell BRD gegen DDR – sogar live im Fernsehen gezeigt. Ein überragender Uli Hoeneß lief in der ersten Halbzeit seinem Gegenspieler ein ums andere Mal auf und davon – in meiner Erinnerung scheiterte er noch bei seinen ersten beiden Sololäufen, um dann aber doch quasi im Alleingang für eine scheinbar beruhigende 2:0 Halbzeitführung zu sorgen. Nach der Halbzeit drehte dann Dresden den Spieß um und ging schnell selbst mit 3:2 in Führung, was das frühe Wettbewerbs-Aus für Bayern bedeutet hätte (und vielleicht wäre diese grandiose internationale Ära jener Zeit dann sogar anders verlaufen). Aber der Bomber der Nation, Gerd Müller, glich zum 3:3 aus und Dresden wurde mit diesem Resultat in der 2. Runde des Wettbewerbs ausgeschaltet.

Im Frühjahr ging es weiter mit dem Viertelfinale gegen den bulgarischen Meister, den Armeesportverein ZSKA Sofia. Sofia hatte in der Vorrunde sensationell den Seriensieger des Wettbewerbs (1971-1973), Ajax Amsterdam, eliminiert. Allerdings muss man auch erwähnen, dass Ajax durch den Abgang seines damaligen Superstars, Johan Cruyff, zum FC Barcelona doch erheblich geschwächt war, und nur noch einmal – über 20 Jahre später – dieses Niveau erreicht hat. Bayern setzte sich gegen ZSKA mit 4:1 und 1:2 durch. An was ich mich erinnern kann, ist ein Interview mit Gerd Müller im Kicker nach dem Rückspiel in Sofia, in dem er erzählte, dass er – das Strafraumphantom – noch nie einem Spiel so viel und jetzt kommt es – im MITTELFELD – gelaufen wäre!

Das Halbfinale gegen Ujpest Dosza – was waren das damals nur für Fußballgiganten auf dem Weg zum größten Triumph der damaligen Klubgeschichte! 😉 – war ziemlich problemlos. Nach dem 1:1 in Budapest wurden die Ungarn im Rückspiel mit 0:3 nach Hause geschickt!

Das Europapokalfinale gegen Atlético Madrid beginnt in meiner Erinnerung erst in der 114. Minute: Luis Aragonés erzielte mit einem Freistoßtor aus 20 Metern das 1:0 für Atlético, was bei uns zu Hause Weltuntergangsstimmung auslöste. Gott-sei-Dank wurde diese in der 120. Minute durch einen „Sonntagsschuss am Mittwochabend“ von einem gewissen Hans Georg „Katsche“ Schwarzenbeck beendet. Ich weiß nur, dass ich damals als Elfjähriger sofort im Anschluss erschöpft aber vor allem erleichtert in mein Bett gefallen bin. Denn damals gab es noch kein nervenaufreibendes Elfmeterschießen, sondern nur ganze zwei (!) Tage später ein Wiederholungsspiel im selben Stadion. Vor diesem Spiel diskutierte man beim FC Bayern eher scherzhaft, ob man einen Mann in der Mauer hochheben sollte, wenn Aragonés noch einmal zu so einer Freistoßgelegenheit kommen sollte! Dazu kam er nicht noch einmal und Bayern gewann dieses Wiederholungsspiel ganz souverän 4:0 durch jeweils zwei Tore von Uli Hoeneß und Gerd Müller, eines schöner als das andere. Beim Sololauf zum 4:0 durch Uli Hoeneß kann ich mich noch an den Fernsehkommentar erinnern: „und jetzt hauen sie ihn um…“! Taten sie aber nicht! 😉

Ergänzend zu diesem Spiel kann ich mich noch erinnern, dass Bayern am nächsten Tag, am Samstagnachmittag, also ungefähr 17 Stunden nach Spielende des Europapokalfinales beim Tabellenzweiten in Gladbach verständlicherweise mit 0:5 unterging. Wahrscheinlich hatte zu dem Zeitpunkt kein Bayernspieler nach einer ausgiebigen Feier in der vergangenen Nacht weniger als 1 Promille Alkohol im Blut. Die Meisterschaft war – glücklicherweise für Bayern – schon eine Woche zuvor entschieden worden. Noch heute frage ich mich, was damals eigentlich passiert wäre, wenn dieses Spiel am 34. Spieltag der BL-Saison 1973/74 noch von entscheidender Bedeutung gewesen wäre …

Nach dieser grandiosen Saison mit dem dritten Deutschen Meistertitel in Serie und dem ersten Landesmeistercupsieg gewannen noch sieben Bayernspieler die Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land. Und ich war gerade erst 11 Jahre alt! Ein elfjähriger Erfolgsfan? Denn es wäre schlichtweg gelogen, wenn ich behaupten würde, dass mich diese ersten „Fanjahre“ mit meinem FC Bayern nicht in meiner „Fußball-Weltanschauung“ geprägt hätten … Zudem gewann der FC Bayern 1975 und 1976 abermals den Europapokal der Landesmeister – ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich zu diesen Triumphen ebenfalls noch sämtliche Spiele sehr gut im Gedächtnis habe, zumal die Anzahl der Liveübertragungen der Spiele im Fernsehen in dieser Zeit ständig angestiegen ist. Ende des Jahres 1976 wurde der FC Bayern zudem zum ersten Mal Weltpokalsieger – man setzte sich in Hin- und Rückspiel gegen den brasilianischen Südamerikacup-Gewinner Cruzeiro Belo Horizonte durch. Das Hinspiel fand bei Schneegestöber vor 18.000 Zuschauern(!) im Olympiastadion statt. Nachdem es keine Fernseh-Live-Übertragung gegeben hat, fieberte ich einmal mehr vor dem Radio beim 2:0 Sieg der Bayern mit. Das Rückspiel in Belo Horizonte vor 120.000 Zuschauern fand dagegen – kurz vor Weihnachten – bei 35°C statt. Es muss eine regelrechte Abwehrschlacht der Bayern um die Abwehrtürme Beckenbauer und Maier gewesen sein – so hatte ich jedenfalls die Berichte am nächsten Tag in Erinnerung. Eine Live-Übertragung – selbst im Radio – gab es damals wohl nicht, und wenn, dann muss sie mitten in der deutschen Vorweihnachtsnacht gewesen sein. Nach einem 0:0 in Brasilien brachte der FCB jedenfalls den Pokal mit nach München!

In dieser Zeit begann ich auch regelmäßig – mittlerweile immer weniger in väterlicher Begleitung, sondern mehr mit Freunden – zu Bundesligaspielen des FC Bayern ins Olympiastadion zu gehen: Die Stehplatzkarte für Kinder in der Kurve kostete 2 (ZWEI!) DM. Ab 14 Jahren (Jugendliche) waren es dann 5 DM für den Stehplatz. Und ich kann mich noch erinnern, dass mein Vater, wenn er im Stadion dabei war, immer das Stadionheftchen (für 50 Pfennige?) kaufte – dieses wurde von den herumlaufenden Verkäufern immer mit „Die BLAUE(!!), die Genaue … mit der Mannschaftsaufstellung!!“ ausgerufen. Heute wäre das bzw. die Farbe undenkbar!  😉

Waren die Jahre 1975 und 1976 noch von internationalen Erfolgen geprägt, spielte der FC Bayern nach 1974 in der Fußball-Bundesliga in fünf aufeinander folgenden Jahren nur noch eine bescheidene Rolle und schon gar nicht um die Meisterschaft mit. Und ich kann mich noch mit Grausen daran erinnern, als ich in den Sommerferien 1974 in Spanien in der Zeitung ein 0:6-Debakel der Bayern gegen Kickers Offenbach am 1. Spieltag der BL-Saison 1974/75 erfahren musste. Die satten Weltmeister und Europapokalsieger kamen danach in der gesamten Saison nie richtig in die Gänge, auch nachdem „Napoleon“ Dettmar Cramer Udo Lattek in der Winterpause als Trainer abgelöst hat.

Erst das kongeniale Duo „Breitnigge“ unter dem neuen jungen Manager Uli Hoeneß spielte 1979/80 wieder um die Meisterschaft mit und gewann diese tatsächlich auch. In der Saisonvorbereitung durfte ich mit meinem damaligen B-Jugend-Team sogar das Vorspiel zum Spiel unserer ersten Mannschaft gegen die „großen Bayern“ anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums bestreiten – davon ist mir neben dem 5:1-Sieg der Bayern vor allem noch die Beschwerde von Paul Breitner über die Münchner Bezirkssportanlage in Erinnerung geblieben. Von einem „Scheißheislplatz“ war die Rede – typisch Paul Breitner! 😉

Bis zum heutigen Tag habe ich unzählige Höhen aber auch Tiefen mit diesem Verein erlebt: Die Radioreportagen wurden durch Fernseh- und Internetliveticker ersetzt, ebenso wie die sehr häufigen Stadionbesuche im Olympiastadion durch eine Jahreskarte (seit 15 Jahren) zuerst im Oly, seit 2005 in der Allianz Arena getoppt worden sind. Dennoch, denke ich, haben mich diese Kinder- und Jugendjahre wohl am meisten geprägt: Als Elfjähriger hat „mein Verein“ quasi schon alles gewonnen, was zu gewinnen war, in den anschließenden fünf Jahren musste ich mich mit einem stetigen Abwärtstrend sicher nicht anfreunden, wohl aber „vertraut“ machen.

Als Fan des FC Bayern wird man landauf landab sofort als „Erfolgsfan“ kategorisiert – jeder kann sich aber nach diesem Beitrag selbst ein Bild davon machen, ob dies für mich zutrifft, oder ob es sich hierbei um „wahre Liebe“ zu einem Verein handelt. Und ich bin mir sicher, dass es unter den Bayernfans noch viele ähnliche Fälle gibt … ich jedenfalls kenne einige davon 😉

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8 Kommentare zu „„Wahre Liebe“ von Bayernfans“

  1. Wollte es nur anlesen, aber habe es nun doch noch komplett gelesen, weil es mich gepackt hat von Erfahrungen zu lesen, die ich gerne gemacht hätte, aber nie machen durfte. Wie gerne hätte ich einen Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge oder Breitner und noch viele mehr spielen sehen.

    Dennoch bin ich nicht unzufrieden mit den Geschichten ab 99 die ich in vielen Jahren mal anderen, noch jüngeren Bayernfans erzählen kann 🙂 Dieser Verein hat so viel mehr zu bieten als nur den stumpfen Erfolg und das hast du eindrucksvoll niedergeschrieben. Chapeau.

  2. Die Geschichte ab 1979 ist mindestens so interessant wie die der frühen 70er ..

    Man sagt heute immer, unter Beckenbauer, Maier und Müller seien die Bayern groß geworden. Das stimmt nur zum Teil, sie wurden groß und – erst national, dann auch international – schnell wieder etwas kleiner. ..

    Dass es sportlich in der Bundesliga ab 1974 nicht mehr recht lief, hast Du ja geschrieben. Hätte Bayern 1975 den Landesmeistertitel nicht geholt, hätten sie 1975/1976 gar nicht international spielen dürfen (auch nicht im Uefa-Cup). Denn sie wurden 1975 national nur 10ter (!), mit einer negativen Tordifferenz (!). 1976 schafften sie immerhin den dritten Platz, und als erneuter Titelverteidiger sind sie 1977 dann an Dynamo Kiew gescheitert. In diesem Jahr haben sie nur mit Ach- und Krach die Qualifikation für den Uefa-Cup geschafft, und auch das nur, weil die in der Bundesliga besser platzierten Kölner in einem Wiederholungsspiel (gegen Hertha) DFB-Pokalsieger wurden.

    Als Beckenbauer 1977 für erstaunlich wenig Geld zu Cosmos New York verkauft wurde, war der Verein nicht wirklich gesund. Paul Breitner hatte mal in einem Interview angedeutet, dass es damals ein Steuerproblem gab. Und es ist allgemein bekannt, dass Uli Hoeness ein paar Jahre später als neu gekürter Manager einen hoch verschuldeten Club übernommen hatte.

    Breitner war es auch, der dann gesagt hatte, 1979 sei der FC Bayern eigentlich „ein zweites Mal entstanden“. .. Da ist schon was dran. 1977 hatte nämlich nicht nur Beckenbauer den Verein verlassen, sondern auch ein gewisser Robert Schwan. .. Es gab dann im Management fast eine Art Vakuum, und wie gesagt offenbar größere Finanzprobleme (an denen dieser Robert Schwan vielleicht nicht ganz unschuldig war). Als Hoeness damals Manager wurde, hatte er – mit 27 Lenzen – die damaligen Bosse ja dadurch beeindruckt, dass er den bei ihm zuhause in Ulm ansässigen LKW-Bauer Magirus Deutz als neuen Sponsor gewonnen hatte. Die zahlten deutlich mehr als Adidas (!). Hoeness hat dann zu den Bossen gesagt, das Geld (knapp 2 Mio. DM) bekommt ihr nur, wenn ihr damit den Paul Breitner aus seinem Exil in Braunschweig erlöst … so kam es dann auch.

    Auch an dieser Geschichte sieht man, dass die Bayern zu dieser Zeit längst nicht die wirtschaftliche Übermacht waren, die sie heute darstellen. Paul Breitner war nämlich lange, lange Zeit der einzige Transfer im Millionenbereich. Andere Clubs gingen da schon mehr ins Risiko. 1977 wechselte z.B. ein englischer Superstar in die Bundesliga. Es war aber nicht der FC Bayern, der diesen Kevin Keegan damals verpflichtet hatte, sondern der HSV. Bayern hatte schlicht die 2,3 Mio. DM nicht, die als Ablöse zu bezahlen waren. Das setzte sich später nahtlos fort, als ein Tony Woodcock und dann auch ein Klaus Allofs für jeweils mehr als 2 Mio. zum FC Köln gingen. Bayerns nächtster Millionentransfer (in DM ..) war 1982 ein gewisser Norbert Nachtweih ..

    Bayerns großes Glück war damals, dass man mit Karl Heinz Rummenigge den Ende der 1970er / Anfang der 1980er Jahre vielleicht besten Spieler Europas unter Vertrag hatte – und dass viele andere, etwa ein Klaus Augenthaler und ein Dieter Hoeness, sich für den Verein zerrissen hatten.

    Ich ärgere mich immer, wenn Bayernfans stumpf mit „Erfolgsfans“ gleichgesetzt werden. Ab 1979 mussten sich die Bayern ihren Erfolg (der zuerst eher klein war), ganz mühsam erarbeiten. Die große Nummer im Deutschen Fußball war damals der HSV. Die hatten 1977 den Cupsiegercup geholt, standen schon 1980 im Landesmeisterfinale (in München, 1:0 gegen Nottingham verloren ..), und drei Jahre später hatten sie den Pott dann auch .. (dazwischen gabs noch eine Niederlage im Uefa-Cup). Der HSV war auch gespickt mit Nationalspielern, Bayern hatte nur ganz wenige, was zeigt, dass das damals eine super Mannschaft war und gerade keine Mischung aus Super-Einzelfußballern.

    Wirtschaftlich zur Nr. 1 wurden die Bayern erst 1984, als Karl-Heinz Rummenigge für die Rekordablöse von 11 Mio. DM zu Inter Mailand wechselte. Damit waren die Bayern endgültig saniert und konnten z.B. mit Leichtigkeit Lothar Matthäus aus Gladbach verpflichten .. (Ablöse 2,4 Mio. DM ..).

    1. … das Landesmeistercupfinale gegen Nottingham Forrest hat der HSV übrigens nicht in München, sondern in Madrid mit 0:1 verloren. Ich kann mich daran so gut erinnern, weil ich – im Rahmen eines Schüleraustausches – damals selbst im Bernabeu war …. Zu dritt haben wir uns damals mittags vor dem Spiel für das abendliche Finale Karten an der Stadionkasse besorgt! Wie sich die Zeiten ändern … 😉
      Wir haben den HSV im Stadion lautstark angefeuert, nachdem dieser am Wochenende zuvor das Meisterschaftsrennen gegen Bayern verloren hat … habe ich in Madrid erst aus der Zeitung erfahren …

      Nottingham wurde aber ein Jahr zuvor (1979) in München gegen Malmö FF zum ersten Mal Europapokalsieger … Das schwedische Team aus Malmö war in den 1970er Jahren eine feste Größe im europäischen Fußball – aus heutiger Sicht nahezu unvorstellbar … auch die Bayern hatten bei ihrem 3. Triumph 1975/76 ihre liebe Not, um sich mit 0:1 und 2:0 fürs Viertelfinale zu qualifizieren!

      An das Ausscheiden gegen Dynamo Kiew kann ich mich auch noch gut erinnern … der damalige Sowjet-Meister war so etwas wie ein Angstgegner für die Bayern … im Europäischen Supercup im Sommer 1975 war man in 2 Spielen chancenlos (0:1; 0:2). Nicht chancenlos war man dagegen im Viertelfinale 1977. In München hatte man knapp mit 1:0 gewonnen. Und beim Rückspiel in Kiew – live im Fernsehen, aber ich konnte vor lauter Nervosität kaum zuschauen – vergab Karlheinz Rummenigge in der 80. Minute beim Stand von 0:0 eine 110%ige Torchance … Ende bekannt – Kiew gewann noch 2:0 ))-:

      In der Runde zuvor war ich übrigens im Spätherbst 1976 zum ersten Mal auch live im Stadion beim einem europäischen Spiel … nach einem 1:2 in Ostrava besiegte Bayern Barnik in einem begeisternden Spiel mit 5:0! Das Spiel hatte ich zuvor stundenlang mit meinem Tipp-Kick simuliert 😉

      1. Du hast recht … 1979 war das landesmeisterfinale in München …

        Niemals wäre ich damals auf die Idee gekommen, für ein spiel von engländern geld auszugeben (besagte DM 2 …) … Wie sich die zeiten ändern …

        Noch was: besagter kevin keegan kam 1977 aus liverpool, tony woodcock kam 1979 aus nottingham … Beide grad landesmeistersieger geworden … Die bundesliga war damals höchst attraktiv .. Um so höher ist die leistung der bayern einzuschätzen, dass letztlich sie sich in dieser liga durchgesetzt haben ..

        1. Haha – noch dazu wo der Preis sicher um einiges höher als für die FC Bayern DM 2 für ein BL-Spiel gewesen wäre …
          Soweit ich mich recht entsinne, waren von den damals noch 80.000 Plätzen im Oly nur ca. 50.000 besetzt.

          Aber auch 1980 bei HSV – Nottingham im Bernabeu waren nur gefühlte 60.000 von 100.000 + Plätzen besetzt. Wir hatten einen Mittelrangplatz ganz weit oben, diese waren nur dünn besetzt … lediglich die beiden Kurven mit den Fanlagern waren prall gefüllt. Man hat von gaaanz weit oben einen beeindruckenden Blick steil nach unten gehabt – viel steiler als im Oly!

          Übrigens war 1974 das Heyselstadion beim Wiederholungsspiel Bayern gegen Atletico auch bei Weitem nicht ausverkauft … vlt. einmal 35.000 Zuschauer …. das waren ganz andere Zeiten!

  3. Da ägert man sich ja fast, das man noch so Jung ist! Soviele Höhe Punkte hat man so verpasst, für mich war der erste Höhe Punkt die Niederlage 1999, die ich damals noch eher zufällig mitbekommen hatte:) (weil mein bruder sich das Spiel angeschaut hat) damals war ich nur 7 Jahre alt. 2001 hab ich dann das erste mal Oli Kahn in action erlebt (wieder durch meinen Bruder) und von da an auch angefangen regelmäßiger Internationale spiele zu verfolgen.
    Da ich Torwärter danach cool fand.
    Ich war damals aber immer noch nicht richtig drin, in Fußball fieber.
    Mir war zu diesen Zeitpunkt noch relativ egal, wer sonst noch in Team spielt^^
    .
    Irgentwann, nach 2 3 Jahren hat es dann plötzlich klick gemacht und immer mehr haben mich auch die anderen Spieler interessiert und ich hab angefangen den Verein in der Schule zu verteidigen.
    Plötzlich hab ich mich dann schon die Ganze Woche auf das näckste Spiel gefreut und hab regelmäßig die neusten nachrichten um den Verein herum gestalkt.
    Man Könnte echt sagen das es bei mir eher zufall war, wie es gekommen war.
    Wenn ich meinen Bruder nachgemacht hätte, wäre ich wohl Bayer fan geworden:)

    So hab ich nur wenige Höhe Punkte bisher aktiv erlebt:
    Denke meine größten bisher sind:
    Das Sieg Tor von Robben gegen Manschester.
    Natürlich das Sieg Tor ( wieder durch Robben) gegen Dortmund in Campions Leuge Finale.
    Und Robbens alleigang gegen Schalke, in DFB Pokal. (damals nur gegen den Libero Neuer)

    Man merkt auch das Neuer als Torwart, immer noch zu meinen Lieblings Spielern zählt, aber tatsächlich inzwischen Robben mein Favorit ist.
    Da er zu den Spielern gehört, mit denen ich Persöhnlich aufgewachsen bin.
    Vorallem finde ich, ist Robben der Spieler, der wirklich immer an meißten kämpft!

    1. Hallo Julian, ich kenne Dich ja nicht persönlich, aber von Deinen – bisher noch wenigen – Informationen über Deine Bayerngeschichte weiß ich, dass auch Du eine besondere Geschichte hast …

      Und Dich ärgern oder gar neidisch sein, dass Du „noch so jung“ bist. musst Du ganz sicher nicht! 😉 Die Geschichte des FC Bayern und Deine damit verbundene ist ja längst noch nicht zu Ende ….!

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