Fairness – Pokal – Verlierer Borussia Mönchengladbach

Tony-Jantschke

Hat Borussia Mönchengladbach mit seiner geschickten Defensivtaktik am Sonntagabend verdient in München bei den Bayern gewonnen? Ja, hat es – weil Bayern vor allem nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Arjen Robben keine Mittel gefunden hat, das Abwehrbollwerk der Borussen zu knacken und weil der beste Torwart der Welt sich auch einmal einen groben Patzer erlauben kann – was ihm sofort und absolut verziehen ist!

Hat diese Niederlage für die weitere (Bundesliga-)Saison des FC Bayern irgendwelche gar gravierende Folgen? Nein, diese Niederlage war zwar ärgerlich, aber bei zehn Punkten Vorsprung acht Spieltage vor Saisonschluss wird dieser FC Bayern sich die Butter ganz sicher nicht mehr vom Brot nehmen lassen. Außerdem sehe ich diese Niederlage unter der Rubrik „alles schief gelaufen, was nur möglich war“, während dem Gegner aus Mönchengladbach alles gelungen ist – so etwas kann zwar immer mal wieder passieren, ist aber nie und nimmer ein Dauerzustand!

Was war das Schlimmste an der Niederlage? Dass die Borussen ihre insgesamt schlechte Bundesligabilanz gegen Bayern – nämlich die schlechteste gegen irgendeinen BL-Konkurrenten – mit einem Auswärtssieg aufgebessert haben? Sicher nicht! Nein – es war der fatale verletzungsbedingte Ausfall des Ausnahmespielers Arjen Robben nach Foul von Tony Jantschke. Robben wird mit einem Bauchmuskelriss ca. 6 (sechs!) Wochen ausfallen! In diesen Zeitraum fallen das DFB-Pokal-Viertelfinale in Leverkusen, die beiden Champions League Viertelfinalspiele gegen Porto und ein mögliches DFB-Pokal-Halbfinale – vom „Deutschen BL-Clásico“ in Dortmund wollen wir gar nicht sprechen!

War das Foul von Tony Jantschke ein hartes, das mit mehr als gelb hätte bestraft werden müssen? Meiner Meinung nach nicht, ABER es war ein wirklich fieses taktisches Foul! Jantschke bemerkte, dass er Robben, der mit vollem Tempo an ihm vorbei gezogen wäre, mit legalen Mitteln nicht würde stoppen können und so hat er diesen über sein ausgestrecktes Bein „quasi über die Klinge springen“ lassen. Für Robben kam dieses Foul überraschend, so dass er sich bei seinem Sturz in der Luft verdreht hat und sich beim Aufprall auf dem Boden diese schwere Verletzung zugezogen hat. Jantschke bemerkte sofort, dass sich Robben bei seinem Foul schwerer verletzt haben musste, was man an seinen durchaus schuldbewussten Gesten erkennen konnte.

Keiner aus der Bayernecke machte Jantschke deswegen große Vorwürfe – im Gegensatz z.B. zu den Dortmunder „Attacken“ gegen Marvin Bakalorz, als er Marco Reus im letzten Jahr verletzt hat, oder sogar als Reus beim Pokalspiel in Dresden lediglich einen Pferdekuss erlitten hat. Aber nun kommt der Teil der Geschichte, der mich – neben der Schwere der Verletzung Robbens zur „Unzeit“ – wütend macht. Völlig ungeniert erklärten die Gladbacher Spieler nach dem Spiel, dass ihre Defensivaufgabe nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden Robbens wesentlich einfacher geworden ist. Ja, diese Tatsache war jedem Zuschauer des Spiels auch durchaus bewusst, hätte man an Gladbacher Stelle aber nicht unbedingt wiederholt ansprechen müssen. Stattdessen wäre – selbst wenn geheuchelt – ein Bedauern über die Verletzung Robbens angesagt gewesen. Es kam nichts! Wenn man nun ganz böse Unterstellungen anstrebt, dann könnte man sogar behaupten, dass es sogar Teil der Borussen-Taktik gewesen war, Robben derart „auszuschalten“, vor allem wenn man im Gedächtnis behält, wie Robben schon vor dem verhängnisvollen Foul quasi „kollektiv bearbeitet“ worden ist! Diese Unterstellung liegt „Petersgradmesser“ aber fern.

Enttäuschend bleibt aber auf alle Fälle, dass es knapp zwei Tage nach dem Foul und den nun bekannten negativen Folgen für Spieler und Verein, immer noch kein (offizielles) entschuldigendes oder bedauerndes Statement von Borussia Mönchengladbach oder dem Spieler Jantschke selbst gibt. Stattdessen taucht auf der Facebook-Seite des Vereins folgende Twitter-Meldung exakt jenes Tony Jantschke auf: „Was für ein geiler Sieg bei dieser Kulisse. Danke an alle die hier waren oder vor dem Fernseher mitgefiebert haben. Borussia!!!!!!“

OK – vollstes Verständnis für die Gladbacher Jubelarien bei einem Sieg gegen schier übermächtige Bayern. Aber, dass man quasi selbst zugibt, dass man sich einen Sieg erleichtert hat, indem man den gefährlichsten gegnerischen Spieler per Foul ausgeschaltet hat, und dann kein entschuldigendes bedauerndes Wort für das „Opfer“ findet, das empfinde ich persönlich als ganz schlechten Stil. Bislang durchaus empfundene Sympathien für den alten Bayernrivalen aus den 70er Jahren werden bis auf Weiteres komplett eingefroren!

Der Verein Borussia Mönchengladbach und vor allem sein Spieler Tony Jantschke haben es zudem verpasst, als positives Beispiel für die eigenen Fans voran zu gehen. Denn bei diesen ist bei aller nachvollziehbaren Euphorie über den Sieg in der Allianz Arena eine unglaubliche Häme in den (a)sozialen Netzwerken über die schwere Verletzung von Robben hervorgekommen, für die ein einfaches Kopfschütteln bei Weitem nicht mehr ausreicht!

Um selbst noch ein bisschen Polemik zu vergießen: Aktuell kann ich mich wieder sehr gut daran erinnern, wie Mitte / Ende der 70er Jahre der FC Bayern etwas geschwächelt hat und die Gladbacher Borussia drei Meisterschaften hintereinander gefeiert hat (ihre letzten bis zum heutigen Tag), woraufhin selbst an Münchner Schulen (natürlich vor allem bei den Löwenfans 😉  ) eine „Borussen-Euphorie“ ausgebrochen ist. Viele Münchner Jungs wurden Gladbach-Fans – der viel zitierte Erfolgsfan in Deutschland war geboren!

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4 Kommentare zu „Fairness – Pokal – Verlierer Borussia Mönchengladbach“

  1. Bis zum heutigen Tag ist nichts aus Gladbach bzw. von Jantschke gekommen, was man als Entschuldigung bzw. Bedauern auslegen könnte … Und da kommt auch nichts mehr!!!
    Daumen nach unten!!!

    1. Da wird dann wohl auch nichts mehr kommen!!
      Schade – Gladbach hätte ein Fairness-Zeichen setzen können! )))-:

  2. Julian, ich mag Fußballmannschaften auch nicht, die nach dem italienischen Vorbild des Catenaccio aus den 60er Jahren verteidigen bzw. „mauern“!
    Aber ist es eben ein erlaubtes und leider auch probates taktisches Mittel von eigentlich spielerisch klar unterlegenen Teams, einem scheinbar übermächtigen Gegner „ein Bein zu stellen“.
    Mourinhos Teams praktizieren das sogar im wirklichen Spitzenfußball, wovon z.B. Borussia Mönchengladbach noch ganz weit entfernt ist.

  3. Ich finde durch Mauer zu gewinnen ist nie Verdient!:)
    Generell wenn der Gegner Mauert, gönne ich selbst den Löwen ein Sieg.
    Denn meiner Meihnung nach, ist mauern Spiel verweigerung.
    Wenn ein 2 Ligist das gegen einen 1 Ligist macht, ok.
    Doch gerade eine Spitze Manschaft wie Gladbach, müsste mehr können.
    Denn Mauern ist für mich einfach das gleiche wie aufgeben.
    Nach den Motto “ Wir können ja sowiso nicht gewinnen, aber hey, vielleicht haben wir ja glück und bekommen irgentwo ein Tor geschenkt“.
    Ich mag als Stradege, eigentlich gute Defensiv tacticen, drauf gehen früh stören, denn Gegner nicht in die Eigene Hälfte kommen lassen. Jedoch wird heut zutage, ja nur noch die Extrem variante gespielt, in der man inerhalb des Sportes in 16er Steht!
    Da kann man ja auch gleich Handball gucken, da geht es dann zumindest hin und her:). .

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