Dantes langsamer Abschied vom FC Bayern

Dante

Als Dante Bonfim Costa Santos im Sommer 2012 für eine verhältnismäßig bescheidene Ablösesumme von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern gewechselt ist, wusste man zunächst nicht so ganz, was man von diesem Transfer halten solle.

Aber Dante war in seiner ersten Bayernsaison – sowohl auf dem Spielfeld als auch als Sympathieträger außerhalb – eine absolute Verstärkung und Bereicherung für den Verein. Von August 2012 bis Anfang Mai 2013 spielte Dante eine grandiose Saison für den deutschen Rekordmeister. Jedoch schon zum Saisonfinale – beginnend mit dem letzten BL-Spiel der Saison 2012/13 im Gladbacher Borussenpark – offenbarte Dante erhebliche (vor allem Konzentrations-)Schwächen. Eine derartige hätte den FC Bayern beinahe auch den Champions League Titel im Londoner Wembley Stadion im Finale gegen Borussia Dortmund gekostet, als er mit einer extrem ungeschickten Aktion den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 verursacht hat. Dante war zu dem Zeitpunkt auch schon gelb-vorbelastet und bei seiner Elfmeterentscheidung ließ der italienische Schiedsrichter Rizzoli Gnade vor Recht walten, wohlwissend dass die erste gelbe Karte für Dante maßlos überzogen war.

In der Spielzeit 2013/14, der ersten unter Pep Guardiola, war Dante längst nicht mehr so stark wie insgesamt in seiner Premierensaison für Bayern, er verlor zeitweise seinen Stammplatz. Schon in jener Saison wurden Dantes Schwächen sowohl im Spielaufbau als auch in der Grundschnelligkeit immer offensichtlicher. Gerade diese beiden Eigenschaften sind aber absolut elementare im Spielsystem von Guardiolas Bayern, welches auf absolute Spieldominanz abzielt.

Dann kam jenes für Dantes Sichtweise so verhängnisvolle 1:7 Brasiliens gegen Deutschland im WM-Halbfinale am 8. Juli 2014 in Belo Horizonte, das sogenannte Mineirazo. Zu seinem Leidwesen war Dante ein Teil der Selecao, die dieses Debakel erleiden musste. Und seitdem vermutet Dante bei jeglicher Kritik, die an seinen Leistungen im Bayerntrikot aufkommen, die Ursache in jenem unglückseligen Tag des brasilianischen Fußballs. Ich denke, dass er sich selbst damit keinen großen Gefallen tut und nur ebenso vergeblich wie unglücklich von seinen eigentlichen Defiziten ablenken möchte.

Aber natürlich ist seit der Weltmeisterschaft 2014 ein weiterer Abwärtstrend Dantes zu erkennen. Seine Einsatzzeiten beim FC Bayern verdankt er hauptsächlich dem großen Verletzungspech seiner Kollegen in der Innenverteidigung des FC Bayern: Wenn Badstuber, Benatia, Boateng und Martínez alle fit und einsatzbereit sein sollten, ist Dante tatsächlich nur noch die Nummer 5 (FÜNF!) im Ranking! Das soll nicht ausschließlich seine eigene Leistung schmälern, sondern ist auch der (Welt)Klasse seiner Kollegen geschuldet und er muss das realistisch einschätzen können.

Beim Rückrundenauftakt in Wolfsburg, aber selbst beim Pokalspiel gegen den Zweitligisten aus Braunschweig wurden Dante – leider – ganz klar seine Defizite aufgezeigt. Dass er nach der Leistung gegen Braunschweig gestern in Hannover sogar noch einmal in der Startelf stand, musste überraschen – der negative Ausgang für Dante mit der Auswechslung in der 32. Minute ist bekannt.

Dass sich jetzt große Teile der Medien auf ein „unmenschliches, unsensibles“ Verhalten Guardiolas Dante gegenüber einschießen, ist sehr zynisch und fast schon pervers … Was machen gerade diese Medien Woche für Woche? Helden werden geboren und in der nächsten Woche schon wieder der Lächerlichkeit preisgegeben. Wenn Guardiola Dante nicht vom Platz genommen hätte, seine Spieltaktik und Aufstellung geändert hätte, dann wäre er heute noch mehr in der Medienkritik!

Auch wenn der FC Bayern nach dem Spiel schützend seine Arme um Dante gespannt hat, und vor allem dessen herausragenden Charakter gelobt hat, denke ich, dass diese 32 Minuten gestern in Hannover Dantes (langsamen) Abschied aus München noch etwas beschleunigt haben.

Ich würde trotzdem gerne auch nach dieser Saison noch einmal von ihm „Wir gewinnen Meisterschaft, wir gewinnen Champions League … und Pokal auch …und Pokal auch!“ hören – und würde ihm wünschen, dass er noch den einen oder anderen Einsatz bekommt, wenn seine Leistung wieder stimmt. Dennoch glaube ich nicht, dass er auch in der Saison 2015/16 – trotz eines Vertrags bis 2017 – noch das Bayerntrikot tragen wird. Die Ansprüche beim FC Bayern sind für ihn einfach zu hoch geworden!

Aber ich möchte auch gerne wiederholen, dass die Person Dante Bonfim Costa Santos eine der absolut sympathischsten beim FCB und in der gesamten Bundesliga ist – auch dafür möchte ich mich bei ihm bedanken … auch wenn dies augenblicklich für ihn ein schwacher Trost sein sollte!

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14 Kommentare zu „Dantes langsamer Abschied vom FC Bayern“

  1. Oje Dante!!
    Alle meine Befürchtungen wurden gestern wieder Realität!
    Aufgrund des Personalengpasses (Martinez immer noch nicht im Team; Benatia schon wieder verletzt; Badstuber immer noch in der „Findungsphase“) musste Pep wieder auf Dante setzen …..
    Katastrophaler Aussetzer beim 0:2 und dann – völlig verunsichert – Mitte der ersten Halbzeit ein Fehlpass ins Seitenaus, wie man ihn bei einem Profi nur alle paar Jahre einmal erlebt.
    Pep hätte ihn eigentlich schon (wieder) in der ersten Halbzeit auswechseln müssen, konnte er (s.o.) aber nicht!
    In der 2. Halbzeit hatte er dann in der Defensive ein paar gute Aktionen…
    Außer dass er (wie auch Xabi) viel zu langsam ist, haben auch die gegnerischen Mannschaften entdeckt, dass er die absolute Schwachstelle im Aufbauspiel der Bayern ist. Deswegen hat er sehr viel Ballbesitz, weil es viele gegnerische Mannschaften zulassen, dass er angespielt wird, um ihn dann (siehe auch gestern beim 0:2) vermehrt anzulaufen …. Fies!!!!

    1. Jo leider war er gestern tatsächlich wieder die Schwachstelle.
      Alonso hatte auch viele schlechte Szenen und Boateng hat beim 3 zu 1 schlecht ausgesehen.
      Jedoch waren das verzeihbare Fehler, Dante hat Gestern wiedermal komplett die Nerven verloren.
      Dante ist schon zum Ball gegangen, als wäre alles vorbei, als er dann angerannt wurde, hat er anscheinend komplett vergessen, wie man Fußball spielt 😦

  2. Pep scheint Dante noch nicht aufgegeben zu haben.
    Letztendlich sind wir inmoment wirklich auf die Ersatz Spieler, zu denen Dante inmoment zählt angewießen, dass in Dortmund sah doch auch wieder richtig gut aus.

    Denke man darf auch den Moralischen Effekt nicht Untersätzen.
    Neben Schweinsteiger und Müller, zählt er einfach zu den Spielern, die wirklich das Team zusammenhalten, das kann bei den schweren Spielen auch noch wichtig wären.

    1. Ich Blicke nicht gerade durch, die sind sich auf dubiose weiße sicher das er geht, aber wissen nicht wohin…. Naja wenn er geht sollte er an besten in der Bundesliga bleiben, denke hier kann er an besten Spielpraxis sammeln und so wieder in Form finden.
      Vielleicht wäre sogar der BVB was, die haben ja inmoment ein kleines Gegentor Problem, wobei die Gelb Schwartzen Farben natürlich Dante nicht stehen würden.

  3. Wenn es die Dante-Diskussion nicht gäbe, müsste man ein paar Worte über Götze verlieren ..

  4. Zur Zeit ist das Dante-Bashing sehr in Mode. Was in Peters Artikel ja nicht passiert.

    Bei Dante läuft zur Zeit einfach alles schief. was überhaupt nur schieflaufen kann. Als er zu Bayern kam, wurde ganz anders verteidigt. Das war ja das Jahr, in dem dem FC Bayern vom damals noch sehr hochnäsigen BVB vorgeworfen wurde, man würde das „BVB-System kopieren“ (wie die Chinesen). Kopiert haben die Bayern damals nicht, aber die Taktik war nicht auf Balleroberung schon in der gegnerischen Hälfte ausgelegt. Laufduelle, so wie jetzt, musste Dante damals weniger machen. In solchen Laufduellen sind wahrscheinlich mindestens 50% der Bundesliga-Verteidiger besser.

    Und leider gab es dieses „Mineirazo“. Das war Dantes erstes und einziges Spiel bei der WM. Gespielt hat er nur deshalb, weil Thiago Silva gelbgesperrt war. Und dann kommt die eigene Mannschaft derart unter die Räder. Dieses Spiel hat bei ihm sicher viel, viel mehr kaputtgemacht als bei den anderen „Versagern“, die die Niederlage mindestens ebenso verantworten müssen wie er.

    Ich denke, dass Dante zur Zeit einfach viele seiner Stärken eingebüßt hat. Ballsicher ist er wohl nach wie vor, aber ihm fehlt die Ruhe, und vor allem fehlt ihm das Selbstvertrauen.

    Wichtig ist für Dante jetzt, die richtige Reaktion zu zeigen. Sollten die Bayern in der Champions League weit kommen, befürchte ich eine Situation wie 2012 – „verwarnfreudige“ Schiedsrichter (vor allem aus Spanien und England) werden der halben Mannschaft Gelbsperren verpassen. Und dann spielt plötzlich Dante, weil kein anderer mehr spielen darf / kann.

    Ich denke auch, dass Dante gerade in den laufenden Pokalwettbewerben weiter sehr gut gebraucht wird. Wenn es nach einem gewonnenen Hinspiel in der CL auch darauf ankommt, hinten sicher zu stehen (also nicht an der Mittellinie alles abzufangen), oder wenn alles in 90 Minuten ohne Rückspiel entschieden wird (im Pokal, wo es noch gegen WoB oder den BVB gehen kann, oder gar in einem CL-Finale), können wir auf ihn angewiesen sein. Erste Wahl wird er diese Saison wohl kaum noch werden. Aber wenn Guardiola gar nicht mehr die Wahl haben sollte, wen er aufstellt, und Dante spielen „muss“, dann brauchen wir einen selbstbewussten Dante. Keine Heulsuse, die immer noch am WM-Halbfinale kaut.

    Dass die Dinge bei den Bayern richtig laufen, sieht man mal wieder an Sammer. Der ist eben nicht „nur“ dazu da, die Mannschaft zusammenzustauchen, wenn es nicht richtig rund läuft. Sondern der stellt sich auch mal vor einen Spieler, der das grad nötig hat.

    Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was z.B. ein Christian Nerlinger in dieser Situation wieder abgesondert hätte.

    1. Da sind wir uns ja mal wieder fast einig 😉

      Dante wird IMHO in 2015 nicht mehr in der Startformation auflaufen, wenn es wirklich um etwas geht. Es sei denn – wie vom Captain angesprochen – wenn aufgrund von Sperren etc. absolute „Not am Mann“ besteht!

      Man muss definitiv aufpassen, dass er die Saison nicht demoralisiert und völlig entmutigt abschenkt und abschließt. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass er wichtig ist für die gute Stimmung innerhalb der Mannschaft, für das Mannschaftsklima ….

      Zum Mineirazo: Dante war da wirklich aufgrund der Konstellation ein Bauernopfer. Er kam neu in die Mannschaft, andere – wie David Luiz – waren eher Nationalhelden …. und letzterer war aufgrund seiner „taktikfreien Leistung“ sogar hauptverantwortlich für das Debakel, wesentlich mehr als Dante ….

      1. Mir ist das auch erst beim Schreiben meines Beitrags klar geworden, dass Dante tatsächlich nur dieses eine Spiel gemacht hat.

        Man muss sich das mal vorstellen, 200.000 Einwohner erwarten nix anders, als dass diese Kicker (i) erstens Weltmeister werden, und (ii) zweitens dadurch das Trauma von 1950 ungeschehen machen.

        Und dann kommt einer wie der Dante, der bei seinem Wechsel nach Europa zum „Weltclub“ OSC Lille sicher nicht wirklich an eine Selecao-Karriere gedacht hatte, im Halbfinale zum ersten Einsatz. Und kassiert eine Packung wie noch nie in seinem Leben (-> die 7:0 Niederlage von Bayern gegen S04 war sieben (!) Jahre vor Dantes Geburt .. ).

        Ich glaube, was der Kerl dadurch an Gedanken, Scham, Versagensangst mit sich rumschleppt, das kann sich unsereiner nicht wirklich vorstellen.

        Dass nun er – anders als Gustavo, der alte „Runpelfüßler“ – auch nicht mehr zur Selecao darf, macht ihn wahrscheinlich erst recht fertig.

        Wenn dann in der Zeitung steht, Dante „vestehe keinen Spass, wenn er auf das Halbfinale angeprochen wird“, ist das sicher nur die halbe Wahrheit (oder noch weniger). Ich denke mir, dass ihn das echt fertig macht. Um es überspitzt zu sagen – wenn man im Straßenverkehr schuldhaft einen tot gefahren hat, ist das wahrscheinlich nicht viel anders.

        Auch im Bayern-Management hat man das wahrscheinlich jetzt erst kapiert, wie der Spieler Dante „psychisch so drauf ist“.

        Sammer, Sie sind gefordert.

        1. Du meinst also, dass Dantes „aktuell“ schwache Leistungen fast ausschließlich durch das Mineirazo bedingt sind ….

          Ich dagegen sage, dass er schon vor der WM eigentlich nicht besser war …

          Und wenn man ihn mit den anderen Bayernspielern herum albern sieht, dann denke ich schon auch, dass er immer mal wieder eine „Trauma-Auszeit“ nimmt …. 😉 😉

  5. Noch gebe ich ihn nicht auf.
    Wer weiß viehleicht kommt er ja nochmal zurück.
    Wäre ja nicht der erste Spieler ( Robben) der nach einer Schwäche Phase, stärker zurück kommt.

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