„Alles – bloß nicht (zu) Bayern!“

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Ausruf genau in dieser oder leicht abgewandelter Form in jüngerer Vergangenheit zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten gehört habe, wenn es um Fußball und speziell die scheinbar stark gefährdete Zukunft der Deutschen Bundesliga ging!

Natürlich kommt dieser hauptsächlich aus der nicht gerade kleinen Ecke der Bayernhasser, selbstverständlich schließen sich die eigentlich Fußballuninteressierten und absolut –unkundigen dieser Meinung reflexartig sehr schnell an. Aber auch einige Bayernfans scheinen sich unter dem „Druck der allgemeinen Meinung“ immer häufiger zu solchen Aussagen hinreißen zu lassen!

Anlass ist ein möglicherweise bevorstehender Wechsel vom Dortmunder Marco Reus https://petersgradmesser.wordpress.com/2014/10/31/marco-reus-zum-fc-bayern zum FC Bayern. Er wäre damit der dritte Borusse nach Mario Götze 2013 und Robert Lewandowski 2014, der die Farben schwarz-gelb gegen rot eintauschen würde. Reus hat bereits 2012 bei seinem Wechsel von Borussia Mönchengladbach (via Ausstiegsklausel!) zu Borussia Dortmund diesen Wechsel – ebenfalls per Ausstiegsklausel – mehr oder weniger eingeleitet. Wäre es nur „Echte Liebe“ gewesen, wie viele BVB-Fans glauben mögen, dann hätte es eine derartige Vertragsklausel nie gegeben. Selbst Herr Watzke musste – ausnahmsweise kleinlaut – zugeben, dass ansonsten der Wechsel von Reus zum BVB nicht zustande gekommen wäre!

In diesem Zusammenhang kommt einmal mehr der Vorwurf auf, dass „Bayern die Bundesliga kaputt kauft“ https://petersgradmesser.wordpress.com/2014/08/21/bayern-kauft-die-bundesliga-kaputt/ bzw. mit Borussia Dortmund den Hauptkonkurrenten der letzten Jahre derart schwächen möchte, dass dieser eben kein richtiger Konkurrent mehr sein kann. Die Verantwortlichen des FCB dagegen weisen darauf hin, dass sie schon vor Jahren das Ziel ausgegeben haben, dass die besten deutschen Kicker bestenfalls alle in München bei den Bayern spielen sollen. Und nicht, wie es in einigen Perioden auch schon der Fall war, an das fußballerische Ausland in der Primera División, der Serie A oder der Premier League verloren gehen sollen! (Übrigens hat die groß angelegte Rückholaktion aus der Serie A dem BVB in den 90er Jahren zwar den Weg zum Champions League Sieg geebnet, aber auch fast die darauffolgende Insolvenz des Vereins nach sich gezogen.)

Offensichtlich sieht das ein großer Teil der restlichen Fußballrepublik aber ganz anders: wie ist es sonst zu erklären, dass die Abgänge der Herren Sahin und Kagawa nach Madrid und Manchester als „Adelung“ ihrer Leistungen beim BVB gesehen worden sind, dagegen die Wechsel der Herren Götze und Lewandowski, vor allem bei ersterem, als „Hochverrat“ gewertet worden sind?
Laut gesicherten Informationen soll Götze 2013 ein „Megaangebot“ von ManCity vorgelegen haben, während Real Madrid den Bayern Lewandowski noch kurz vor Vertragsabschluss mit einer 81-Mio-Offerte abspenstig machen wollte. Beide sind aber lieber zu Bayern gegangen und fühlen sich dort ganz offensichtlich sehr wohl, während die Herren Sahin und Kagawa durchaus einen Karriereknick erlitten haben und wieder in den Schoß ihrer „Echten Liebe“ zurück gekehrt sind 😉 !

Trotzdem ließ sich vor Kurzem bei einem Fernsehinterview Karl-Heinz Riedle, ein deutscher Ex-Nationalspieler aus dem Allgäu, der bei Werder Bremen, zwischendurch Lazio Rom und dann beim BVB gespielt hat, zu der Aussage hinreißen, dass jeder Wechsel von Reus ins Ausland besser wäre als einer zum FC Bayern! Wow, Herr Riedle! (so ganz nebenbei: Riedle ist 1997 knapp 32-jährig noch einmal vom BVB zu Liverpool gewechselt, sicherlich hat er dabei nicht auf eine Vergoldung seines Gehalts als amtierender CL-Sieger verzichtet! 😉 )

Ein etwas schnöseliger Journalist aus dem Ruhrpott hat beim Doppelpass nach dem Bayernsieg über Dortmund (2:1) den Bayern gar damit „gedroht“, dass das Hasspotential der übrigen Liga gegenüber dem Club und dem Team noch weiter steigen würde, wenn auch noch Reus geholt werden würde! Ja, wenn quasi schon dazu aufgerufen wird!!

Selbst „Nonstop Nonsense“ Dieter Hallervorden ließ sich auf seiner Facebook-Seite zu abfälligen Äußerungen über die Geschäftspraktiken des FCB hinreißen. Seine Argumentation lässt aber stark darauf schließen, dass er eher zu den Ahnungslosen im Bereich Fußball zu zählen ist!

Mein Gott, wie stolz war die gesamte deutsche Fußballnation, als man im Sommer in Brasilien nach einer gefühlten Ewigkeit von 24 Jahren endlich wieder den Weltpokal in den Händen eines deutschen Kapitäns sehen durfte. Im gemeinschaftlichen Jubelrausch konnte man sogar großzügig darüber hinwegsehen, dass am Ende der Verlängerung gegen Argentinien sage und schreibe sieben(!) Bayernspieler auf dem Rasen standen, welche alle einen riesigen Anteil am deutschen WM-Sieg hatten!

Nur jetzt würde man am liebsten den FCB, den deutschen Rekordmeister, anstelle des BVB am Tabellenende der BL sehen, oh wäre das schön! Völlig vergessend, dass es in den letzten Jahrzehnten dem deutschen Fußball insgesamt immer am besten gegangen ist, wenn die Münchner eine überragende Rolle gespielt haben.

Wenn Bayern, wie Ende April 2014 geschehen, als deutsches Flaggschiff an anderthalb schwachen Tagen am anderen Giganten des europäischen Vereinsfußballs scheitert, dann übergießt die deutsche Öffentlichkeit den Verein kübelweise mit Häme und bewundert die „Königlichen“, welche seit Jahrzehnten in finanziell verwerflicher Art und Weise den Erfolg im wahrsten Sinne des Wortes einkaufen. Die Ablösesummen, welche Real Madrid, aber auch Barcelona, beide Manchester Vereine, Paris St. Germain, wie auch Chelsea selbst Arsenal London für neue Spieler zahlen, sind wesentlich höher als die, die der FCB Bayern bereit ist zu zahlen.

Wenn die Bayern aber eine Wiederholung eines derartigen Debakels (auch, keineswegs nur) mit einer Verpflichtung von Markus Reus verhindern wollen, dann ist das in Deutschland „moralisch verwerflich“ – den Madrilenen gesteht man das aber zu! Ganz ehrlich, kapier ich nicht und werde es auch nie kapieren können!

Warum kann man sich aktuell, trotz der großen Überlegenheit der Bayern, nicht einfach an deren überragendem Fußballspiel erfreuen? Gegnerische Mannschaften, die nach anfangs großem Kampf früher oder später doch aufgrund der überragenden Klasse der Bayern kapitulieren müssen und dies auch – fair – zugeben, werden anschließend von den Medien aber auch Teilen der eigenen Anhängerschaft „verbal zerlegt“.

Die aktuelle Bayernmannschaft zelebriert Fußball und dies trotz einer nicht unbeträchtlichen Anzahl an wichtigen verletzten Spielern – können viele nicht einfach auch einmal einer derartig überragenden Leistung Respekt zollen? Und wenn der Verein dieses Level im internationalen Kräftemessen aufrecht erhalten möchte, ist dies moralisch verwerflich?

Nachdem der BVB 2011 und 2012 zweimal hintereinander Meister geworden ist, hat es ihm der FCB 2013 und 2014 gleich getan, und ist natürlich auf dem besten Weg auch 2015 wieder Meister zu werden. Das Kunststück, dreimal hintereinander Meister zu werden ist in der BL erst zwei Vereinen gelungen: dem FCB 1972-74, 1985-87, 1999-2001 und Borussia Mönchengladbach 1975-77. Hat es aber damals jemals so viel Gezeter wie heute gegeben? International, und das auch in den sog. Toppligen, sind drei Meisterschaften nacheinander übrigens nichts Außergewöhnliches – Juventus Turin ist gerade auf dem Weg zur vierten Meisterschaft hintereinander, davor war Inter von 2006 bis 2010 fünfmal in Folge Meister. Olympique Lyon stellte von 2002 bis 2008 mit sieben aufeinanderfolgenden Meisterschaften einen französischen Ligarekord auf!

Übrigens begann die Legende um Real Madrid mit den fünf aufeinanderfolgenden Siegen im damaligen Europapokal der Landesmeister von 1956 bis 1960! Noch Jahrzehnte später spricht man von diesem Team voller Ehrfurcht! Hat dagegen der heutige FC Bayern nicht einmal mehr den entsprechenden Respekt verdient?!

Auch in anderen Mannschaftssportarten gibt und gab es Rekordmeister mit vielen Titeln in Serie. In Deutschland gewann der THW Kiel im Hallenhandball von 1994 bis 2014 sagenhafte 16 (sechzehn!!) von 21 Meisterschaften, davon von 2005 bis 2010 sechs(!) in Folge und der Titel in der Saison 2011/12 wurde mit sensationellen 68:0 Punkten geholt, nachdem man im Jahr zuvor das einzige Mal in den letzten 10 Jahren dem Hamburger SV den Vortritt lassen musste! Man stelle sich nur einmal eine derartige Dominanz der Bayern im Fußball vor – ganz Deutschland würde die Bundesliga offiziell zu Grabe tragen!

Im deutschen Basketball hieß der Serienmeister bis 2013 Brose Baskets Bamberg, welche auf die früheren Serienmeister Bayer Leverkusen und Alba Berlin folgten. Die Bayern Baskets lösten 2014 die Bamberger als Meister ab, mit der ersten Meisterschaft seit den fünfziger Jahren – und trotzdem dürften die Basketballer des FC Bayern in der Beko Basketball-BL schnell alle „Hassrekorde“ seitens der gegnerischen Anhängerschaften gebrochen haben – eine Notiz (nicht ganz) am Rande!

Es wäre übrigens sehr naiv und fach inkompetent, anzunehmen, dass all die genannten Serienmeister aus verschiedenen Ligen und Sportarten einzig und allein mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs erfolgreich gewesen wären!

Somit meine Aufforderung an die Nation des amtierenden Fußballweltmeisters: Auch wenn Ihr es nicht so sehr mit dem deutschen Fußballmeister FC Bayern München habt und könnt – ein bisschen mehr Respekt vor der aktuellen Leistung wäre trotzdem wünschenswert! Und dass dies auch so bleibt, sollte ein Marco Reus – für viele wunschgemäß – nicht beim BVB bleiben oder nach Spanien oder England wechseln! Sowohl der Spieler als der Verein FC Bayern halten sich in fast allen Dingen wesentlich mehr an die (Fairness)Regeln als seine (internationale) Konkurrenz! Die zuletzt immer häufiger auftretenden Hasstiraden aus anderen Fanlagern gegen über dem Club und seinen Fans sind schon mehr als zum Fremdschämen!

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2 Kommentare zu „„Alles – bloß nicht (zu) Bayern!““

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