NOlympia – erste Auswirkungen für den deutschen Leistungssport?!

Weltrekordlerin Heidler geht leer aus

Als im November 2013 die Oberbayerische Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 krachend in einer Volksabstimmung in allen vier geplanten Gemeinden (München, Garmisch, Berchtesgadener Land, Traunstein) gescheitert ist, schwante mir schon Böses, was die Zukunft des deutschen Leistungssports betrifft.

Auch wenn für viele Sportfans der Gewinn einer Fußballweltmeisterschaft „viel mehr wert ist als 50 olympische Goldmedaillen“, sollte man auch in der – nun bereits abklingenden – Euphorie um den frisch gebackenen Fußballweltmeister nicht vergessen, dass unser Volkssport Nummer 1 bei Weitem nicht der einzige Sport in Deutschland ist.

Wie schon angedeutet mache ich mir persönlich nicht erst seit dem Volksabstimmungsscheitern der 2022er Bewerbung große Sorgen um den deutschen Sport – und das bisherige Sportjahr 2014 hat meine düsteren Vorahnungen leider sogar noch einmal getoppt:

• Schon die Olympischen Winterspiele in Sotschi haben das mit Abstand schwächste Abschneiden der deutschen Athleten seit der Wiedervereinigung gebracht. Gefühlt kamen auf eine positive Überraschung vier Enttäuschungen. Hätte es die sensationell erfolgreichen Rennrodler nicht gegeben, wäre das Ergebnis wohl sogar als „Debakel“ bezeichnet worden! Alleine die Eisschnellläufer der Niederlande haben ausgereicht, dass unser Nachbarland, welches insgesamt sicherlich kein ausgewiesenes Wintersportland ist, Deutschland im Medaillenspiegel hinter sich gelassen hat!

• Wenn schon die Ergebnisse der Winterspiele in Sotschi nicht direkt als „Debakel“ bezeichnet worden sind, dann findet man diese niederschmetternde Einschätzung der Gesamtleistung der deutschen Sportler nach der eben beendeten Leichtathletik-EM in Zürich heute doch in den Medien. Stellvertretend habe ich diese Überschrift in Focus-Online gefunden: „Nur acht Medaillen in Zürich – Deutsche Leichtathleten liefern historisches EM-Debakel…!“

• Heute beginnt die Schwimm-EM in Berlin: Neben dem Vorlauf-Aus unseres Weltrekordlers Paul Biedermann auf seiner Paradestecke, den 400 Meter Freistil, ist mir – zu meinem Entsetzen – aufgefallen, dass die heutigen Finals der 4×100 Meter-Freistil-Staffeln der Damen und Herren ohne deutsche Beteiligung stattfinden. Nicht dass diese im Vorlauf ausgeschieden wären – nein, es ist noch niederschmetternder: Es sind – bei der Heim-EM(!!) – keine deutschen Staffeln angetreten! Für diese schier unglaubliche Situation ist das Wort „Debakel“ wohl sogar noch eine Untertreibung!

Um selbst nicht in (Sportfan-)Depressionen zu verfallen, belasse ich es nun bei der Aufzählung dieser wichtigen Sportveranstaltungen, die 2014 aus deutscher Sicht sehr negativ verlaufen sind!

Wenn man sieht, welchen zusätzlichen Boom unser Sport Nr. 1, Fußball, noch einmal nach dem WM-Gewinn unserer Nationalmannschaft im Kinder- und Jugendbereich erfährt – die Jungs und auch Mädchen, die bislang noch nicht im Verein gespielt haben, möchten dies nun auch tun – muss man sich noch mehr Sorgen um die anderen – olympischen – Sportarten machen! Und man sollte schon auch darauf hinweisen, dass trotz aller Begeisterung nicht alle Kids ein Talent für Fußball haben, aber es dadurch sicher auch einige gibt, die von ihrem ursprünglichen sportlichen Weg abgekommen sind bzw. abkommen werden.

Bei der Leichtathletik-EM in Zürich haben übrigens einige Nationen einen Trick angewendet, um ihre Medaillenbilanz aufzubessern: vor allem die Türkei, aber auch Polen und Aserbeidschan haben diese durch eingemeindete gebürtige Langstreckenläufer aus den Hochburgen Kenia und Äthiopien getan! Nein, das ist sicher keine Lösung zur Rettung des deutschen Sports! 😉
Hierzu würde ich gerne noch einen (sport-) politischen Vorschlag zum Besten geben: bekanntermaßen drängelt sich kein – europäisches – Land vor, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern, speziell aus Afrika, geht: Wie wäre es also, wenn diese Länder als „Gegenleistung“ für den „Einkauf“ eines afrikanischen Spitzenathleten immer dazu verpflichtet würden, pro Athlet 500 Flüchtlinge aufzunehmen?! In Kenia gibt es z.B. sehr viele politische Flüchtlinge – die meisten aus Somalia, aber auch Kenianer!

Wesentlich sinnvoller und nachhaltiger wäre jedoch aus sportlicher Sicht der Weg der Briten: Die Olympischen Sommerspiele 2012 in London haben Großbritannien im Leistungssport nahezu eine Leistungsexplosion gebracht:
1972 bei den Sommerspielen in München platzierte sich die bundesdeutsche Mannschaft im Medaillenspiegel auf Rang Vier hinter der UdSSR, den USA und der DDR. Nach einem absoluten Zwischenhoch durch die Wiedervereinigung konnte sich das deutsche Team bei den Spielen 1992 sogar mit den GUS-Staaten und den USA messen. Zum weiteren sportlichen Giganten wuchs ab dem Zeitpunkt auch die VR China, mit dem vorläufigen Höhepunkt 2008 in Beijing. Auch Südkorea (1988 Seoul) und Australien (2000 Sydney) haben zumindest vorübergehend extrem von den Spielen im eigenen Land profitiert.
Alle Medaillenspiegel der Sommerspiele von 1972 bis 2004 zeigen die Bundesdeutschen weit vor den Briten. Aber schon 2008 (seit 2005 stand der Austragungsort London für 2012 fest) in Beijing waren die Briten gegenüber den Deutschen auf der Überholspur – und der Abstand, siehe auch die gerade beendete Leichtathletik-EM, scheint eher noch größer als wieder kleiner zu werden!

Dieser fehlende Impuls, die Initialzündung durch Olympische Spiele im eigenen Land, könnte (und wird) den deutschen Sport um mindestens ein Jahrzehnt zurückwerfen. Alle im November ob der Abstimmungsniederlage traurigen Sportler haben immer wieder auf die immens wichtig Bedeutung von motivierenden Wettkämpfen in der Heimat hingewiesen!

Ende letzten Jahres hieß es zwar resignierend, dass Deutschland sich nun wohl über Jahrzehnte hin nicht mehr für Olympische Spiele (Sommer wie Winter) bewerben würde. Wenn das aber die dauerhafte Einstellung der Verantwortlichen für den deutschen Leistungssport sein sollte, wäre das nicht nur traurig, sondern sogar ein Skandal!

Ich möchte nur noch einmal knapp auf die Gründe für das Scheitern der Oberbayerischen Olympiabewerbung hinweisen: Trotz der wohl besten und nachhaltigsten Bewerbung in der Geschichte der Olympischen (Winter-)Spiele scheiterte diese nicht zuletzt an der mangelnden Motivation und Bereitschaft der Hauptverantwortlichen: als sog. „Lame Ducks“ der Bewerbung sind leider vor allem der damalige Oberbürgermeister von München, Christian Ude, und der ursprüngliche Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, in die Annalen eingegangen. Christian Ude selbst konnte sich selbst nie für Sport interessieren und Thomas Bach war in der (vor)entscheidenden Phase zu sehr mit seiner eigenen Wahl zum IOC-Präsidenten im September 2013 beschäftigt. So gelang es nicht, eine offensichtlich nur „latent“ sportbegeisterte Region aus seiner Lethargie zu reißen, um sich gegen eine mit unsachlichen und zum großen Teil faktisch falschen Argumenten kämpfende NOlympia-Gegnerschaft durchzusetzen.

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4 Kommentare zu „NOlympia – erste Auswirkungen für den deutschen Leistungssport?!“

  1. Fazit Schwimm-EM: Die Deutschen schwammen im Becken meist meilenweit hinterher! Nur 2 Goldene (Marco Koch, 4x200m M) …vor 12 Jahren waren es noch 12 (zwölf!) bei weniger Disziplinen! Die Briten auch in Berlin klare Nummer 1!!!
    Mal schaun, ob sich Deutschland doch mit HH oder Berlin für die Sommerspiele 2024 bewirbt ….

  2. Hallo Florian, danke!
    Tja, die Darstellung der Argumente der Gegner und der Fehler der befürwortenden Lame Ducks“ … wie auch die verfälschende Darstellung in den Medien … das ist Stoff für ein Buch … 😉 Mal schaun, ob ich mich da noch einmal reinarbeiten werde …
    Wobei ich bei einem Argument der Gegner selbst ins Grübeln gekommen bin, nämlich bei der Steuerbefreiung …. Nachdem einem diese korrupten Verbandsmonster wie IOC, aber auch FIFA sowieso unsympathisch sind, tendiert man sehr leicht dazu, so etwas auch wirklich zu glauben.
    Die FIFA ist vor der WM in Brasilien bei ihren „FAQ: Die Dinge richtig stellen“ sehr explizit auf diese Thematik eingegangen:
    „(Behauptung der Kritiker:) Die FIFA fordert komplette Steuerbefreiung auch für die Sponsoren, und somit bleiben dem Veranstalterland keine Einnahmen.
    (=> Statement FIFA hierzu: ) Die FIFA verlangt keine generelle Steuerbefreiung zu Gunsten der Sponsoren oder Dienstleister bzgl. sämtlicher Geschäftstätigkeiten im Gastgeberland, sondern lediglich gewisse Importerleichterungen,
    soweit die zu importierenden Güter für die Organisation und Ausrichtung der Weltmeisterschaft benötigt und nicht im Gastgeberland veräussert werden (z. B. Import von Computern, die von der FIFA oder vom LOC genutzt werden, Import von Videobanden (bei nachfolgendem Export), Import von Fussbällen, die während der WM genutzt werden) und entweder im Rahmen des Events verbraucht,
    genutzt, nach dem Event wieder ausgeführt oder aber an eine mit Sport befasste Einrichtung im Austragungsland gespendet werden. All dies sind Befreiungen, die umfangmässig vollends mit anderen Organisatoren sportlicher oder kultureller Grossveranstaltungen vergleichbar sind….“

    Wenn das so nicht stimmen würde, wären die FIFA-Behauptungen ein Skandal und hätten sicherlich eine Lawine ausgelöst! Deswegen gehe ich davon aus, dass dieses Statement seriös ist ….
    Und ich gehe nun auch davon aus, dass es sich bei den Olympischen Spiele ganz genauso verhält ….
    Aber selbst bei Interviews der Olympia-Befürworter schienen diese bei diesem Thema nicht kompetent und desbzgl. überfordert gewesen zu sein!

    Fortsetzung könnte folgen …. 😉

  3. sehr gut! Du kannst also auch abseits vom Fußball, Peter, thumps up! 😉

    Ich persönlich hätte mir noch etwas mehr die Darstellung der meist falschen Argumente der NOlympia-Gegner und der damaligen mislungene Öffentlichkeitsarbeit der Bewerbungs-Crew gewünscht, da ich selber sehr FÜR Olympia in München/Deutschland war (gerade WEIL diese Spiele nachhaltiger als alle zuvor gewesen wären). Aber das kommt vielleicht wann anders…

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