Berlin – mal wieder eine Reise wert!

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Zum Pokalendspiel

Vielleicht mit Ausnahme der Konstellation von 2012, bei der die beiden gleichen Kontrahenten aufeinander getroffen sind, hat es wohl noch nie in der Historie des Deutschen Pokalfinales eine annähernd hohe Brisanz gegeben wie am 17.05.2014, 20:00 Uhr in Berlin.

Mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund trafen die beiden Dauerrivalen der letzten vier Jahre aufeinander. Der souveräne und früheste Deutsche Meister der BL-Geschichte und der Tabellenzweite und die klare Nummer 2 im deutschen Fußball. Was die Sache noch spannender gestaltet hat, war die Tatsache, dass sich der BVB zum Ende der Saison hin offensichtlich in absoluter Hochform befunden hat, während sich der FC Bayern seit geraumer Zeit eher in einem – mentalen – Tief zu befinden schien.

Schon während der Autofahrt am Freitagabend von München nach Berlin war aufgrund dieser Konstellation ein gewisses Kribbeln bei uns vorhanden. Thiago Alcántara, Guardiolas Schlüsselspieler, dem man eine wichtige zumindest Jokerrolle im Finale zugetraut hatte, hatte sich zusätzlich Anfang der Woche im Training erneut schwer verletzt und war gerade frisch operiert, Basti Schweinsteiger „Fußballgott“ würde definitiv ausfallen und Mario Mandzukic würde – aus welchen genauen Gründen auch immer – nicht zum 18er Kader gehören. Für Bayernfans, die (wie alle anderen auch 😉 ) noch nichts von Peps grandiosem Plan B gewusst haben, keine schöne Woche mit Blick auf den deutschen Clásico ….

Als wir am Endspieltag von der nächsten bayerischen Hiobsbotschaft – dem Ausfall von David Alaba – erfahren haben, wurde zumindest meine Skepsis – und das als unverbesserlicher Optimist – etwas größer. Wir bauten auf die Statistik 😉 – denn keiner von uns hatte je eine Niederlage des FC Bayern im Pokalfinale in Berlin erleiden müssen – für Thomas war es immerhin schon das siebte Finale im Berliner Olympiastadion. Und dann tauchte auch noch das Gerücht auf, dass auch Franck Ribéry nicht im Kader stehen würde – nicht einmal als Joker! Das stellte sich glücklicherweise im Nachhinein als Falschinformation heraus!

In der Berliner Innenstadt und in U- und S-Bahnen Richtung Stadion sind wir natürlich immer wieder auf Borussenfans getroffen, welche zumindest an den Orten, wo wir aufgetaucht sind, klar in der Überzahl waren. Natürlich musste man vielfach das obligatorische und manchmal schon etwas ermüdende „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ – OK – Edgar hatte eine an 😉 – über sich ergehen lassen. Aber ansonsten muss man wirklich ausdrücklich betonen, dass das Verhältnis zwischen den beiden Fanlagern sehr entspannt, wenn nicht sogar freundschaftlich war. In der U-Bahn zum Stadion meinte der Borussen-Fan (aus Baden!), der in dem hoffnungsvoll überfüllten Wagon an mich gepresst war, dass aus seiner früheren Antipathie gegen Bayern doch immer mehr Respekt geworden ist und genau diese Aussage hat die Stimmung zwischen den Fanlagern sehr gut getroffen.

Auf unseren Stadionplätzen angekommen, befürchteten wir zunächst, dass die gelb-schwarze Überzahl in der Berliner Innenstadt auch das Verhältnis im Stadion widerspiegeln würde – Edgar postete schon im Stadion ganz erbost, dass „Bayern bei der Kartenvergabe betrogen worden sei…“ 😉 Dem war dann aber nicht so – je näher der Spielbeginn kam, umso ausgeglichener war das Verhältnis im Stadion. Wobei man allerdings sagen muss, dass die den Bayernfans zugeteilte Seite beim Marathontor im Stadion die „zur Bildung einer Fan-Wand“ wesentlich ungeeignetere war.

Eine weitere Sorge wurde uns auch genommen: Frooonck machte sich mit der Mannschaft warm! 😉

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Die Stimmung im Stadion in beiden Fanlagern steigerte sich permanent bis zum Spielbeginn, beide Seiten zeigten beeindruckende Choreographien. Die einzig negative Episode vor dem Spiel im Stadion war die für mein Empfinden doch ziemlich provozierende Einstimmung des Dortmunder Stadionsprechers, Norbert Dickel. Ehrlicherweise muss ich aber auch zugestehen, dass mich sein offensichtlich bewusst gewählter proletenhafter Stil schon seit Jahren stört und ich persönlich mehr als froh bin, dass wir in München mit Stephan Lehmann einen Stadionsprecher haben, der mir mit seinem Witz wesentlich mehr entgegenkommt. Und Stephan L. wusste durchaus gekonnt und knapp – sinngemäß – wie folgt zu kontern: „Die einen reden nur davon, dass sie den Pokal holen wollen, wir dagegen WERDEN ihn holen!“

Dann ging das Spiel um kurz nach acht Uhr endlich los – die Stimmung im Stadion war überragend und auch wenn ein paar wenige „Stadionbesucher“ auf den Plätzen hinter uns gefühlte 20 Sekunden gemeckert haben, dass es sich um Sitzplätze handelte, wurden diese für die nachfolgenden dramatischen 120 Minuten plus in Stehplätze umfunktioniert. Nach dem CL-Finale vor fast einem Jahr in Wembley hatten die englischen Sportmagazine voller Bewunderung über eben diese beiden Fanlager geschrieben: „Wenn die eine Seite lautstark ihre Anfeuerungen angestimmt hatte, konterte die andere Seite noch lautstärker mit ihren Anfeuerungsrufen!“ Genauso würde ich auch die Stimmung in Berlin beschreiben 😉

Die Bayern kamen – für mich überraschend – sehr schnell ziemlich gut ins Spiel. Fast schon tradionell war dies in den letzten Jahren mit vielleicht einer Ausnahme (1:0 Pokal-Viertelfinale 2013) nicht der Fall, eher das Gegenteil. Offensichtlich hat Pep Guardiolas Plan B – eine wohl auch nicht von Jürgen Klopp erwartete Dreierkette mit Javi Martinez, Dante und Jerome Boateng – dazu entscheidend beigetragen. Die beiden Außen – Rafinha links und Youngster Pierre-Emile Hojbjerg rechts – verschoben sich geschickt je nach Spielsituation: Im Abwehrverbund zum Teil gar zu einer Fünferkette, während sie sich blitzschnell ins Spiel nach vorne anschalteten. Bayern dominant, besser, wenn auch selbst nur mit wenigen richtigen Torchancen (u.a. der obligatorische Plattschluss in Roman Weidenfellers Gesicht, dieses Mal bereits nach vier Minuten durch Thomas Müller). Der hochgepriesene Dortmunder Sturm kam bis kurz vor der Halbzeit, bei der gut von Robert Lewandowski herausgespielten Chance, gar nicht zur Wirkung.

Normalerweise sitze ich im Stadion lieber etwas weiter oben, um einen besseren Überblick zu haben, dieses Mal hatten wir Tickets in Reihe 5 – aber ich muss sagen, auch das war wegen des unglaublich intensiv geführten Spiels, in dem jeder einzelne Zweikampf mit großer Entschlossenheit durchgezogen worden ist, eine sehr interessante Perspektive.

Früh kristallisierte sich heraus, dass der zuletzt wegen der nicht ausreichenden Einsatzzeiten angeblich unzufriedene Javi Martinez einen absoluten Sahnetag erwischt hat. Ich kann mich nicht erinnern, dass er von den Bayernfans jemals und das auch noch ziemlich früh im Spiel mit „Martinez…Martinez“ Sprechchören frenetisch angefeuert worden wäre. Der aufgrund der Verletzung von Alaba und der guten Leistung im letzten Bundesligaspiel gegen Stuttgart ins kalte Wasser geworfene, sprich in die Startaufstellung gerückte Pierre-Emile Hojbjerg spielte auch von der ersten Minute an eine für einen 18-Jährigen souveräne Partie. Die Konstellation hatte mich schon vor dem Spiel an die von Owen Hargreaves bei seinem internationalen Debüt im Halbfinale 2001 gegen Real Madrid erinnert – Hargreaves hatte damals seine Sache hervorragend gemacht, es war sein absoluter Durchbruch gewesen. Hojbjerg agierte nicht weniger beeindruckend, was durchaus zu großen Hoffnungen für die Zukunft berechtigt.

Einen heftigen Nackenschlag gab es aber doch schon in der 1. Halbzeit für Bayern: Früh zeichnete es sich ab, dass der Kapitän Philipp Lahm verletzungsbedingt das Spielfeld verlassen werden muss, was dann auch in der 31. Minute passiert ist. Für ihn kam Franck Ribéry – glücklicherweise doch im Bayernkader. Dennoch stellte man sich sofort die bange Frage, wie lange er durchhalten würde. Er selbst hatte zwar noch Mitte der Woche in Aussicht gestellt, dass er wohl spielen könne, aber sicher nicht für 90 Minuten … Warum kam zudem am Nachmittag das Gerücht auf, dass er gar nicht dabei wäre? Kann das gut gehen, wie lange…? Es wurden ca. 80 Minuten, in denen er – wie jeder einzelne Spieler auf beiden Seiten auf dem Platz – alles aus sich herausholte, was der Körper nach einer so langen Saison mit vielen englischen Wochen noch hergeben konnte.

Dann kam die nun überall diskutierte 64. Minute –ich dagegen möchte davon abweichend auf die Szene in der 63. Minute eingehen, die mich persönlich im Spiel am meisten aufgeregt hat. Es war genau die Szene, die zu der anderen viel diskutierten erst geführt hat. Hojbjerg hat – umringt von ein paar Dortmunder Spielern (so meine Live-Erinnerung, denn diese Szene wurde in allen Zusammenfassungen bewusst (?) außen vor gelassen) den Ball ins Aus gespielt und ist dabei ins Straucheln geraten. Seine Aktion war weder theatralisch, noch hat sie danach ausgesehen, als ob er einen Freistoß für sich schinden wollte. Schiedsrichter Florian Meyer gab aber zum Entsetzen von Hojbjerg und aller jener, die für Bayern auf dem Platz standen oder ihnen die Daumen hielten, anstelle eines Einwurfs einen Freistoß aus sehr aussichtsreicher Position für Dortmund und der Bayern-Youngster sah zudem noch die gelbe Karte. Für mich persönlich die größte Fehlentscheidung des Spiels, die aber erstaunlicherweise später offensichtlich gar nicht mehr diskutiert worden ist. Noch erstaunlicherweise ist dabei, dass in einigen Livetickern zum Spiel, die ich mir durchgelesen habe, weil eben genau diese Szene nicht mehr gezeigt wurde, diese Schiedsrichterentscheidung sehr wohl mit Verwunderung zur Kenntnis genommen wurde. Jetzt wird es aber noch erstaunlicher: Beim Verfassen dieses Beitrags wollte ich – quasi um dies zu belegen – den Live-Ticker-Kommentar einer vielfach von mir verwendeten Fußball-App zitieren, welchen ich mir speziell aufgrund seiner flapsigen Ausdrucksweise gemerkt habe – und was ist passiert: offensichtlich ist genau dieser Kommentar aus dem Verlauf gelöscht worden? Gibt es so etwas wirklich??!

Somit möchte ich meinen Kommentar zu dieser Schiedsrichterentscheidung abgeben: Ich weiß nicht mehr genau, wie viele darunter sehr wichtige Spiele ich selbst schon über die Jahrzehnte im Stadion, aber auch zu Hause oder sonst wo am Bildschirm gesehen habe. Aber an eine solche derart überzogene und harte Schiedsrichterentscheidung, die quasi im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem Nichts“ eine Mannschaft in ähnlicher Form bevorzugt, kann ich mich definitiv nicht erinnern!

Der (schlechte) Witz an der Sache ist: wenn Herr Meyer nicht diese in meinen Augen wirklich komplett unverständliche Entscheidung getroffen hätte, dann wäre er jetzt wegen der darauf folgenden Situation nicht derart in der Kritik und die Bayern würden in breiten Teilen der Öffentlichkeit nicht für einen absolut verdienten Sieg völlig zu Unrecht als „Diebe“ dastehen! Man muss natürlich auch sagen: unsere Gesellschaft liebt solche Stories wohl auch – die wieder einmal scheinbar bevorzugten bösen Bayern rauben den armen guten Dortmundern den Pokal! Im Ruhrpott wird diese Story wohl noch in Jahrzehnten an Lagerfeuern erzählt!

Von meinem Stadionplatz konnte ich übrigens weder sehen, dass Hummels bei seinem Kopfball bei der Ballverlängerung von Lewandowski leicht aber trotzdem sichtbar im Abseits stand, noch, dass er aus dieser Position den Ball wohl klar hinter die Torlinie gebracht hat.

Wenn dieses Tor wirklich anerkannt worden wäre, wäre logischerweise auch eine große Diskussion über den unberechtigten Freistoß und Hummels Abseitsposition ausgebrochen!

Diese einseitige Darstellung in den Medien hat unsere große Freude über den Bayernsieg auf der Heimfahrt nach München doch stark getrübt. Wir waren zu dem Zeitpunkt eher wütend, als dass wir uns noch so ausgelassen wie im Stadion über die Willensleistung und den Sieg der Bayern gefreut haben. Dabei hat sich der wirklich unermüdliche und mit scheinbar unendlicher Kondition ausgestattete Arjen Robben sein Tor mehr als verdient. Und das Tor von Thomas Müller war wirklich eine unglaubliche Energieleistung – wie kann man noch zu einem derartigen Spurt über eine ganz Spielhälfte ansetzen, wenn man vorher schon minutenlang mit Wadenkrämpfen zu kämpfen hatte?

Und glücklicherweise ist jetzt wieder die Wut während der Autorückfahrt der Freude und dem Stolz auf diese Mannschaft gewichen, die wir während des ganzen Spieles und vor allem unmittelbar nach dem Spiel im Stadion hatten. Man hat übrigens auch den Spielern beim Feiern im Stadion sowohl das unglaubliche Glücksgefühl wie aber auch die große Erschöpfung nach einem derartigen Kraftakt deutlich angemerkt.

Wirklich nicht vergessen möchte ich aber auch zu erwähnen, dass uns Bayern nahezu alle Dortmunder Fans, denen wir nach dem Spiel noch in der Berliner Innenstadt begegnet sind, zu einem verdienten Sieg unserer Mannschaft fair gratuliert haben. Vielleicht lassen sich irgendwann auch mal die Dortmunder Verantwortlichen von dieser sportlichen Fairness anstecken.

Vielleicht haben eben auch diese Verantwortlichen in ihrer ersten Verärgerung nicht die zahlreichen Daten, die die normal sterblichen Fans nach dem Spiel zur Verfügung haben, zu Rate gezogen:

• Bei einer vergleichbaren Anzahl an Fouls (21:20), wobei man sich zusätzlich noch über das eine oder andere auf der einen Seite gegebene wie nicht gegebene Foul auf der anderen Seite streiten könnte, hat Bayern fünf gelbe Karten kassiert, der BVB erstaunlicherweise keine einzige…
• Als Manuel Neuer gegen Lewandowski an der Auslinie geklärt hatte, sich verletzt hatte, hat der Berliner Balljunge sofort den nächsten Ball zur Ausführung des Einwurfs ins Spiel gebracht – das war weder Fairplay von diesem, noch von Dortmund, noch korrekt vom Schiedsrichter – wenn es ein Tor gegeben hätte, wäre Dortmund dann wohl – das Pendant zur bayerischen Unfairness – clever gewesen 😉
• Vier Minuten Nachspielzeit in der 2. Verlängerung!! Wow Herr Meyer! Gut, dass Bayern diese Zeit zum zweiten Tor genutzt hat! 😉

Natürlich muss man Herrn Klopp bei seinen zahlreichen verärgerten Äußerungen nach dem Spiel, die ihn einmal mehr als schlechten Verlierer ins Licht rückten, zu Gute halten, dass er es dieses Mal war, der von einem clevereren Trainer – Peps Plan B 😉 – düpiert worden war. Dann sagt man schon einmal Dinge, die man später gerne wieder zurücknehmen würde. Auch da könnte er sicher noch sehr viel von einem Weltklassetrainer wie Pep Guardiola lernen. Definitiv ist Klopp über das Ziel hinausgeschossen, als er beim BVB-Bankett die Fähigkeit des FC Bayern und seiner Fans, überhaupt – selbst im Falle eines Finalsieges – feiern zu können, in Frage gestellt hat!

Aus Bayernsicht kann man nur ein großes Kompliment an die gesamte Mannschaft inklusive Trainerteam aussprechen und allen zu dieser großartigen Saison mit einem mehr als würdigen Saisonabschluss gratulieren!

Und wenn man die Ausfallliste der aktuell verletzten Leistungsträger sieht, dann schmerzt das Ausscheiden im CL-Halbfinale nicht mehr ganz so, vor allem wenn am kommenden Samstag Atletico das Finale gegen Real Madrid gewinnen sollte! 😉

Ende gut – alles gut! 😉 😉

 

 

3 Kommentare zu „Berlin – mal wieder eine Reise wert!“

  1. Ok… Da ich ja selbst auch dabei war gibt es nicht viel noch zu erzählen … Der Bua hat alles soweit richtig wiedergegeben … Nur eines : der Lehmann hat vor dem Spiel gesagt => Ihr wohnt im Pott …. Wir holen ihn …. Gruß 😜👍 Tommi

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