Dynamo Dresden – nie mehr 2. Liga!

BildEigentlich ist das der kollektive Jubelschrei von Vereinen, die gerade von der Zweiten in die Erste Bundesliga aufgestiegen sind. Hier gilt das aber für eine Hoffnung, dass dieses Dynamo Dresden nie wieder eine Rolle in der Fußballbundesliga spielen möge!

Mit Entsetzen habe wohl nicht nur ich gestern im Fernsehen die Übertragung des entscheidenden Spiels für die Qualifikation zum Relegationsspiel um den Nicht-Abstieg aus der Zweiten Bundesliga zwischen Dynamo Dresden und Arminia Bielefeld gesehen. Spätestens nach dem Rückstand der eigenen Mannschaft sind einige Dynamo-Fanatiker völlig ausgetickt: Traurige Höhepunkte waren das Werfen eines Böllers, der direkt neben den Spielern detoniert ist, woraufhin Schiedsrichter Manuel Gräfe das Spiel für einige Zeit unterbrochen hat und alle Spieler in die Kabinen geschickt hat und das Entrollen eines Plakats im sog. Dresdner Fanblock mit dem schockierenden Text: „Ihr habt eine Stunde, um unsere Stadt zu verlassen“, dies geschah bereits während des Spiels.

Diese unsägliche Drohung könnte gegen die Gäste aus Bielefeld gerichtet worden sein, wenn man zudem bedenkt, dass der Bielefelder Mannschaftsbus nur unter Polizeischutz das Stadiongelände verlassen konnte und auch die Abreise des Bielefelder Anhangs von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet wurde. Eher zu vermuten ist jedoch, dass diese Drohung gegen die eigene Mannschaft ausgesprochen worden ist. In diesem Zusammenhang hat mich dann noch mehr eine Aussage eines Vereinsverantwortlichen nach dem Spiel und dem feststehenden Abstieg schockiert, der die schwache Leistung der Dresdner Mannschaft kritisierte, nahezu verurteilte. Wer – um Himmels Willen – kann unter solchen Bedingungen eine akzeptable SPORTLICHE Leistung abrufen!?!? Mannschaftssportler, die durch Einschüchterung durch die eigenen sog. Fans zu einer besseren Leistung getrieben werden?!

Dass diese Fanatiker von Dynamo Dresden fast schon standardmäßig bei Auswärtsspielen eskalierende Szenarien hervor beschworen hatten, daran musste man sich leider fast schon gewöhnen. Als Beispiele seien nur ein Spiel in der Allianz Arena bei 1860 München genannt, bei dem der Dresdner Anhang die Löwenfans vom Oberrang mit Gegenständen beworfen und mit Bier übergossen hatte und das Pokalspiel in Dortmund, bei dem Zehntausend Dresdner innerhalb und außerhalb des Stadions schier ausgeflippt sind. Aber derart massiv auf das eigene Team einzuwirken, das kennt man bislang nur aus Ländern, in welchen Fußball leider häufiger zum Bürgerkrieg verkommt und in welchen mafiaähnliche Clans die Vereine unterwandern (u.a. Serbien, Kroatien, auch Bulgarien).

Ich denke, dass ich damit den meisten Fußballfans aus der Seele spreche, wenn ich meine Hoffnung zum Ausdruck bringe, dass dieses Dynamo Dresden nie wieder eine Rolle im Deutschen (Profi-)Fußball spielen möge! Ich selbst hoffe auch, dass die Spieler ihre Konsequenzen ziehen und ihre Verträge – juristisch begründet – mit diesem Verein aufkündigen werden, um zu demonstrieren, dass ein gesittetes Fußballspielen in einem derartigen Umfeld definitiv nicht möglich ist. Auch sollten sich keine neuen Spieler Dynamo Dresden anschließen. Wenn sich sämtliche Fußballspieler solidarisch erklären, dass man derartige kriegsähnliche Zustände kategorisch ablehnt, dann kann man eine Wiederholung von solchen Szenarien in und um deutsche Stadien vielleicht nicht zu 100% ausschließen, aber doch die Wahrscheinlichkeit sehr stark reduzieren.

Ich bin auch auf die Reaktion von DFB und DFL gespannt – wenn man bedenkt, dass für das CL-Spiel des FC Bayern gegen Manchester United aufgrund eines kleinen, weitestgehend unbemerkten Banners beim vorangegangenen Heimspiel gegen Arsenal, mit zudem weitaus harmloserem Inhalt ein ganzer Block gesperrt worden ist!

3 Kommentare zu „Dynamo Dresden – nie mehr 2. Liga!“

  1. Ja – irgendwie muss ich das Erlebte die ganze Zeit verdrängt haben – aber durch die neuesten Ereignisse und Berichte ist es mir wieder bewusst geworden. Und scheinbar habe ich großes Glück gehabt – vor allem weil ich es irgendwie geschafft habe, das Ganze ohne Reaktion über mich ergehen zu lassen.

  2. Dazu möchte ich auch ein paar Sätze beitragen:

    Ich fahre immer mit dem Zug zu den Heimspielen des FC Bayern – von Marktredwitz nach München und wieder heim – das schont das eigene Auto, spart Sprit und Parkhausgebühren und normalerweise sollte eine solche Zugfahrt auch die Nerven und die Gesundheit schonen. Aber es kam ganz anders.

    Es war in der Saison 2010/2011 und zwar war es genau der 26. Spieltag in der Bundesliga. Mein FC Bayern spielte an diesem Samstag gegen den HSV (Endstand 6:0). Ich stand an diesem Samstag-Vormittag um 10 Uhr mit einem FC Bayern-Trikot bekleidet, natürlich auch einen FC Bayern-Schal um den Hals und eine Fan-Mütze auf dem Kopf, auf dem Bahnsteig in Marktredwitz und wartete auf den Zug, der aus Hof kommend nach München fährt.

    Eigentlich ist dieser Zug um diese Uhrzeit noch recht leer, aber schon bei der Einfahrt in den Bahnhof sah ich von weitem „schwarz-gelbe“ Fahnen und Schals aus den Fenstern wehen und als der Zug anhielt, wurden die Fenster runtergelassen und übel grölende und schreiende Menschen hingen aus den Fenstern.

    Da es aus Oberfranken nicht mehr recht viele andere, spätere Zugverbindungen gibt, um nach München zum Anstoßzeitpunkt 15:30 Uhr in der Arena zu kommen, musste ich also in diesen Zug einsteigen. Mir war es schon jetzt, obwohl ich noch gar keinen Fuß im Zug hatte, ein wenig mulmig zu Mute.

    Drinnen stank es nach Bier, es wurde geraucht, überall saßen oder lagen „schwarz-gelb“ gekleidete Menschen und schrien die einsteigenden Leute an. Jetzt erkannte ich die Menschen an den Vereinsemblemen – es waren sogenannte Fans von Dynamo Dresden. Es war der berüchtigte Mob aus dem Osten!

    Ich suchte mir einen freien Platz, möglichst weit weg von der schreienden Meute, steckte die Kopfhörer meines mp3-Players in die Ohren und suchte im Handy nach dem Grund, warum die in diesem Zug sitzen. Als Fußballkenner brauchte ich nicht lange. Dresden spielte in dieser Saison in der 3. Liga und es war der 28. Spieltag in dieser 3. Liga. Dynamo Dresden war an diesem Tag bei Jahn Regensburg zu Gast. Ich wusste also ziemlich schnell, dass ich mit diesem Pack noch bis Regensburg im Zug sitzen werde.

    Und kaum hatte ich meine Gedanken sortiert, kam auch schon ein ziemlich angetrunkener Sachse auf mich zu. Er schrie durch den Zug „Ja was haben wir denn da? Eine Bayern-Sau!!! Hey du rote Sau, Dynamo Dynamo Dynamo!!!“ – im typischen Sächsischen Dialekt. Jetzt war er direkt vor mir. Ich zog meine Mütze tief bis fast zur Nase nach unten und blickte auf mein Handy. Der Dresdner beugte sich nun ganz weit nach unten um mir in die Augen schauen zu können, was ihm aber nicht gelang. Er war nur noch ca. 10 cm von meinem Kopf weg. Er schrie immer und immer wieder „DYNAMO; DYNAMO; DYNAMO; DYNAMO“ mitten in mein Gesicht. Und wir waren erst 5 Kilometer gefahren.

    So ging es weiter – ich aber sagte kein Wort. Gar nichts. Ich versuchte, mich auf meine Musik zu konzentrieren. Ich weiß nur, dass ich langsam Angst bekam, denn von weiter hinten bemerkte ich weitere Dynamo-Fans durch den Zug laufen.

    Wahrscheinlich konnte sich der Sachse nicht mehr so recht auf den Füßen halten, auf jeden Fall war er plötzlich verschwunden. Ein paar Augenblicke später stand er aber schon wieder in 10 cm Entfernung vor mir und schrie wieder in mein Gesicht „DYNAMO; DYNAMO; DYNAMO; DYNAMO“.

    Das ging dann noch so ca. 10 Minuten – insgesamt waren es so um die 20 Minuten – bis auf einmal alle Dresdner von der Polizei aus dem Wagen geholt wurden. Anscheinend hatten andere Zugpassagiere die im Zug mitfahrende Polizei geholt und diese haben dann alle Dynamo-Fans in ein abgesperrtes Abteil geführt. Bis Regensburg war dann Gott sei Dank niemand mehr von denen bei mir. Ich atmete tief durch. Im Hauptbahnhof Regensburg sind dann alle Dynamo-Fans von der Polizei eskortiert vom Zug abgeholt worden.

    Ich wusste, dass Dresden bereits um 14 Uhr an diesem Tag in Regensburg spielt und so hoffte ich, dass der Mob schon daheim im Osten ist, wenn ich wieder aus München kommend in Regensburg einfahre. Am Abend war dann tatsächlich kein „schwarz-gelb“ gekleideter Dresden-Fan mehr in Regensburg oder im Zug.

    Seit diesem Tag informiere ich mich schon Tage und Wochen vorher, ob es nicht wieder zu einer Begegnung mit solchen Menschen kommt. Denn sollte es noch einmal vorkommen, dass Dresden irgendwo hier im Süden spielt, dann werde ich sicherlich nicht mehr mit dem Zug fahren.

    Diese Zeilen werde ich auch an den DFB und an die DFL weiterleiten – denn meine schrecklichen Erlebnisse und Erinnerungen und das was in den letzten Monaten und vor allem letzte Woche am 34. Spieltag in Dresden gegen Arminia Bielefeld ablief, sollte jeden hier in Deutschland und Europa hellhörig machen.

    Und ich bin auch auf die Reaktion von DFB und DFL gespannt was gegen Dresen deswegen unternommen wird – Vor allem im Bezug auf die lächerliche Bestrafung des FC Bayern für das CL-Spiel gegen Manchester United. Wie schon oben beschrieben, wurde aufgrund eines kleinen, weitestgehend unbemerkten Banners beim CL-Heimspiel gegen Arsenal London, mit zudem weitaus harmloserem Inhalt, ein ganzer Block in der Arena gesperrt.

    Aufgrund der bereits mehrmaligen Wiederholung und Sperren wegen Fan-Ausschreitungen von Dynamo Dresden Fans fordere ich die DFB und DFL und andere wichtige Gremien auf, Dynamo Dresden aus der 3. Liga zu verbannen und auf Jahre keine Lizenz mehr für die 3., 2. oder gar 1. Bundesliga zu erteilen.
    Und auch der oben erwähnte Aufruf an die Spieler von Dresden sei hier ein Wort gerichtet: Macht den Anfang und kehrt diesem Verein den Rücken!
    Hier muss endlich mal ein Exempel statuiert werden!!!

    1. Mensch Uwe, diese wirklich krasse Story kannte ich bislang ja noch gar nicht! Ein Grund mehr, an wirklich alle Verantwortlichen beim Deutschen Fußballverband, aber auch beim Verein und in der Stadt Dresden, eindringlich zu appellieren, dass endlich etwas getan wird. Das schadet dem Ansehen des gesamten deutschen Fußballs!!

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